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Full text of "Abhandlungen und Bericht des Vereins für Naturkunde zu Kassel"

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LIBRARY 

OF 

THE AMERICAN MUSEUM 

OF 

NATURAL HISTORY 




Abhandlungen und Bericht LI 

des 

Vereins für Naturkunde 

zu Cassel 

über 

das 71. Vereinsjahr 1907. 



Im Auftrage des Vereinsvorstandes herausgegeben 



Prof. Dr. phil. B. Sclniefer. 



Cassel 1907. 

Verlag des Vereins. 



=„= — 

Für den Inhalt der Abhand- u 
lungen sind die Herren Ver- \ 
fasser selbst verantwortlich. 
=>□==□>= 



Inhalt. 



I. Abhandlungen: 

Seite 

1. Goldschrnidt, M., Notizen zur Lebermoos-Flora des 



Rhöngebirges 1—8 

2. Taute, E., Neue Funde in der Flora Niederhessens 

im Jahre 1906 9—12 

3. Taute, E., Vortrag über die Alpenflora 13 — 34 

4. Alsberg, Georg, Dr., Der Unterschied zwischen 

menschlicher und tierischer Milch mit besonderer Be- 
rücksichtigung der Verdauungsvorgänge beim Säugling 35 — 47 

5. Schmidt, J., Die Volksdichte im Kreise Melsungen 

und die sie hauptsächlich bedingenden Faktoren . . 48 — 124 

6. Grimme, Dr., Eine Missbildung von Rana tem- 

poraria Ant 126 

II. Bericht: 

1. Mitteilungen aus dem Vereinsleben 127 — 129 

2. Mitgliederbestand, Verzeichnis der Mitglieder, Nekrologe 130—137 

3. Bibliothek 138—140 

4. Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften usw. . . . 141 — 162 

5. Übersicht der Vorträge, Mitteilungen und Vorlagen . . 163 — 175 



Notizen zur Lebermoos-Flora des Rhöngebirges. 

Von M. Gold Schmidt in Geisa. 
(Vergl. XLIX. Bericht S. J05.) 



II. 

Die Exkursionen, deren Ergebnisse im Nachfolgenden 
mitgeteilt werden, erstreckten sich in der Hauptsache auf 
die Vorder-Rhön, deren tiefeingeschnittene Schluchten im 
Gebiete des mittleren Buntsandsteins Bedingungen scharfen, 
welche allein den Lebermoosen einen erfolgreichen Kampf 
mit der Laubmoosdecke gestatten ; die meist auf dem Gipfel 
der Berge in der Vorder-Rhön anstehenden und der Aus- 
trocknung ausgesetzten Basalt- und Phonolithfelsen bieten 
nur wenigen Arten zusagende Verhältnisse; erst in den 
höheren Lagen trägt das vulkanische Gestein eine Anzahl 
von Spezies, welche der Hügel- und unteren Bergregion 
fehlen. Ein vollständiges Bild über die Beschaffenheit 
und Zusammensetzung unserer montanen Lebermoosnora 
wird auch mit dieser 2. Veröffentlichung noch nicht ge- 
geben werden können: ich hoffe jedoch nunmehr die 
Durchforschung der ungefähr 700 m übersteigenden Höhen 
und der von der hohen Rhön zu Tale gehenden Wasser- 
läufe und deren Gehänge intensiver betreiben zu können. 
Einen willkommenen Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe 
liefert eine von Herrn M ön kerne y er -Leipzig veröffent- 
lichte Studie, welche unter dem Titel „Bryologische 
Wanderungen in der Rhön im Juli 1905 u im XLV. Bande 



1 



2 



M. Goldschmidt. 



der Hedwigia erschienen ist. Das Schiasskapitel dieser 
schätzenswerten Arbeit bringt eine beträchtliche Anzahl 
von Lebermoosfunden des Verfassers, welche teils meine 
gemachten Beobachtungen bestätigen, zum grösseren Teile 
aber bisher noch unbekannt geblieben waren ; diese letzteren 
sollen unter Kennzeichnung durch ein „Mk" aufgeführt 
werden. Ich bin Herrn Mönkemeyer für freigebige Über- 
lassung von Belegräschen herzlich dankbar. Gleichzeitig 
danke ich von hier aus Herrn Warnstorf für die Bereit- 
willigkeit, mit der er einen Teil meiner eigenen Funde 
zu bestimmen die Güte hatte. 

NB. Die für das Gebiet überhaupt noch nicht ge- 
nannten Arten oder Varietäten sollen durch fetteren Druck 
hervorgehoben werden. 

1. Metzgeria furcata Ldbg. var. ulvula Nees findet sich 
an einigermassen vor dem Sonnenbrande geschützten 
Stellen häufig unter dem im Gebiete verbreiteten Typus. 

2. Metzgeria conjugata Ldbg. An vulkanischem Ge- 
stein, Habelstein, Tiedgesstein und Geiserwald in der 
Vorder - Rhön, nach Mk. am Schnittlauchstein der 
Milseburg. 

3. Metzgeria pubescens Raddi. Häufig an der Milseburg 
(Sclmittlauchstein) und am Stellberge bei Klein- 
sassen (Mk.) 

4. Pellia epiphylla Dill, kann für die Hügel- und untere 
Bergregion nunmehr als verbreitet an feuchten Sand- 
steinfelsen, in schattigen Wald Schluchten und an 
kleinen Gewässern bezeichnet werden ; ihre Verbreitung 
in den höheren Lagen bedarf jedoch noch der Auf- 
klärung. 

5. Pellia endiviaefolia Dumort. (P. calycina Tayl.) 
nebst der var. lorea Nees an einem Durchlass der Strasse 
Bermbach — Buttlar (Kalkstein). 

6. Blasia pusilla L. Auf zeitweilig überrieselten Hängen 
der Hohlwege und Schluchten des mittleren Buntsand- 
steins häufig, überall mit Brutschuppen und zahlreichen 
Brutflaschen. 



Notizen zur Lebermoos-Flora des Rhöngebirges. 



3 



7. Fossombronia cristata Ldbg. Auf Äckern im Buntsand- 
stein nicht selten und reichlich fruktifizierend, so um 
Ochsen-Hohewart, Mannsbach-Unterbreitzbach, Vacha 
etc. ; am Tiedgesstein auf Basaltkrume. 

8. Acolea concinnata Ldbg. von der Milseburg gehört nach 
Mk. ebenfalls zur var.* obtusa Ldbg. 

9. Marsupella emarginata Dum. Stellberg bei Klein- 
sassen (Mk.) 

10. Marsupella Funden Dum. Hohewart gegen den Beyer 
unter Fichten, Pferdsdorf auf einem Waldwege gegen 
die Steinbrüche, Winterliede bei Leimbach gegen 
Rothenkirchen, auf mittlerem Buntsandstein. 

11. Alicularia scalaris Corda auf mittlerem Buntsandstein 
verbreitet. 

12. Alicularia minor Limpr. Schattiger Waldweg bei 
Pferdsdorf gegen die Steinbrüche, Waldgraben bei 
Dorndorf an der Strasse nach Völkershausen, Wege- 
ränder auf dem Arns berge bei Dorndorf, Unterlage 
wie 10 und 11. 

13. Solenostoma crenulata Stephani: In dichten, stolonen- 
reichen Rasen steril und grün auf feuchtem Sandboden 
bei Hohewart, mit jungen Früchten häufig zwischen 
dem Hauntal und Steinbach, sowie am Hopp berge 
über Badelachen. 

14. Solenostoma caespiticia Ldbg. Ochsengraben im 
Stöckicht bei Röhrigshof c. fr. 

15. Lophozia Müllen' Dum. Kiefernwald am Abendberg 
bei Geisa, auf oberem Buntsandstein (Roth), wie auch 
auf Muschelkalk. 

16. Lophozia barbata Dum. Auf allen 3 Gesteinsarten in 
horizontaler und vertikaler Richtung verbreitet. 

17. Lophozia quinquedentata Web. nach Schiffner: Kritische 
Bemerkungen über die europ. Leberm. sub Nr. 175 
(Lotos 1905) an der kleinen Milseburg (Phonolith, 
ca. 750 m). 

18. Lophozia Baueriana Schiff ner sp. nova (Lotos 1903) 
mit 16. und 17. an der kleinen Milseburg (vergl. 
Lotos 1905) und nach Mk. am Pferdskopf (Wasser- 



4 



M. Goldschmidt. 



kuppe). An der Hand der unter Nr. 175 ausgegebenen 
Mischrasen, aus 16. — 18. und teilweise aus der mir 
leider noch fremden Lophozia longidens bestehend, weist 
Schiffner 1. c. das Artrecht der L. Baueriana nach: 
sie soll sich von schmächtigen Formen der beiden 
anderen in der Hauptsache durch die scharf zuge- 
spitzten Lappen (wenigstens der oberen Blätter) unter- 
scheiden. 

19. Lophozia Floerhei Stephani Reesberg im Dammersfeld- 
zuge (Mk.) 

20. Lophozia incisa Dum. Mit reichlicher, die Blatt- 
spitzen auflösender Brutkörnerbildung an überrieselten 
Waldwegen im Ochsengraben bei Röhrigshof und am 
Wege Clam — Unterbreitzbach auf mittlerem Bunt- 
sandstein. 

21. Sphenolobus minutus Steph. auch an der kleinen Milse- 
burg (Mk.) 

22. Sphenolobus saxicolus Steph. ebendaselbst (Mk.) 

23. Sphenolobus exsectus Steph. in den nördlichsten Vor- 
hügeln bei Dorndorf auf der unter 12. genannten 
Stelle neben der Strasse nach Völkershausen. 

24. Plagiochüa asplenioides N. et M. mit 8 u. £ Blüten 
am Arnsberg bei Dorndorf: die var. major Nees 
nach Mk. an der Milseburg, dem Schwabenhimmel 
und im Cascadental (Feld bachgraben) bei Gersfeld, alle 
'3 Fundorte zur hohen Rhön gehörig; var. hetero- 
phylla Nees mit ganzrandigen Blättern und durch 
eingedrückte Blattspitze abweichend unter Buchen am 
Hoppberg bei Badelachen in der Vorder-Rhön (Hügel- 
region auf mittl. Btsdst.) 

25. Mylia anomala S. F. Gray: Im roten Moor (Mk.} 

26. Lophocolea bidentata Dum. verdient als gemein bezeichnet 
zu werden. Pflanzen vom Standorfsberge bei Buttlar 
und aus der Winterliede bei Steinbach scheinen, 
soweit sich das nach vegetativen Merkmalen feststellen 
lässt, zur var. ciliata Warnstorf zugehören; die var. 
rivularis (Raddi) sammelte Herr Mönkemeyer in der 
Cascadenschlucht bei Gersfeld. 



Notizen zur Lebermoos-Flora des Rhöngebirges. 



5 



27. Lophoeolea heterophyllo. Xees findet sich reichlich fruk- 
tifizierend in allen Gebirgsteilen, doch bedarf ihre 
vertikale Verbreitung noch eingehender Beobachtung; 
die var. mtiltiformis Nees sammelte ich in der 
Vorder-Rhön zu verschiedenen Malen, aber nur an 
Bäumen . 

28. Lophoeolea minor Nees: Cascadenschlucht bei Gers- 
feld (Mk.) 

29. Chilosci/phus polyanthus Corda var. rivularis Schrad. 
ebendaselbst (Mk.) 

30. Harpanthus scutatus Spruce am Wachtküppel bei 
Gersfeld (Mk.) 

31. Kantia trichomanis S. F. Gray verbreitet auf Bunt- 
sandstein; var. adscendens Nees: Mischwald Siffich 
bei Mannsbach und in Steinbrüchen bei Pferdsdorf. 

32. Kantia calypogeia Ldbg.: Hügelregion auf Bunt- 
sandstein in der Vorder-Rhön : Meiselgraben im Sifrich 
gegen Pferdsdorf, im Lindig bei Buttlar gegen die 
Ulster, Ulsterberg bei Pferdsdorf, Arnsberg bei Dorn- 
dorf, Hilmesmühle zwischen Stoppelsberg und Rothen- 
kirchen. 

33. Bazzania trüobata Gray. Im Vorland in der Sommer- 
liede bei Steinbach, massenhaft am Arnsberg bei Dorn- 
dorf und im Walde an der Strasse Hämbach — Stadt 
Lengsfeld, im eigentlichen Gebirge nach Mk. im 
Köhlerwalde unter der Milseburg und am Ehrenberge 
bei Gersfeld. 

34. Bazzania deflexa Gray sammelte Herr Mk. am Stellberge 
bei Kleinsassen (Milseburggebiet) in einer wohl zur 
var. implexa Stephani gehörenden Form, deren 
Blätter locker stehen und sich nicht mit den Rändern 
decken (vergL Stephani: Deutschlands Jungermannien 
Fig. 101 c) 

35. Lepidozia reptans Dum. gehört zu den im Gebiete 
verbreitetsten Moosen. 

36. Cephalosia bienspidata Dum. Nach Mk. im eigent- 
lichen Gebirge verbreitet, an der Milseburg von ihm 
in der rar. setulosa Spr. gesammelt; im nördlichen 



6 



M. Goldschmidt. 



Vorlande nahm ich die Art an folgenden Orten auf: 
Um Pferdsdorf und Unterbreitzbach, Wälder anf den 
Höhen um Dorndorf und an der Strasse Hämbach- 
Stadt-Lengsfeld . 

37. Cephaloziella byssacea Warnst: Auf Waldboden in 
der „Lonze" bei Grüsselbach und am Arnsberge bei 
Dorndorf, beide in der Vorder-Rhön. 

38. Blepharostoma trichophyllurn Dum. Im Gebirge und 
dem Vorlande häufig, selten in reinen Rasen, meist 
unter Lepidozia reptans u. a. 

39. Ptilidium ciliare Hamjpe konnte ich bis jetzt nur im 
Grüsselbacher Nadelwalde bei Geisa gegen den Wald- 
hof am Fusse einer alten Kiefer aufnehmen. 

40. Diplophyllum albicans Dum. Mk. bezeichnet die Art 
als verbreitet in dem von ihm besuchten Gebirgsteile ; 
im nördlichen Vorlande fand ich sie — durchweg in 
dichten und ausgebreiteten Rasen — auf etwas feuchtem 
Sandboden bei Unterbreitzbach, Buttlar, Dorndorf und 
Hämbach. 

41. Diplophyllum obtusifolium Dum. Waldweg Unter- 
breitzbach — Clam in der Vorder-Rhön auf Buntsandstein. 

42. Scapania curta Dum. auf Sandboden, nament- 
lich in Nadelwäldern der Vorder-Rhön recht häufig, 
nicht oft fruktifizierend, aber öfter mit Brutköpfchen 
in den abstehenden oberen Blättern; über ihr Vor- 
kommen in der Bergregion sind weitere Beobachtungen 
erforderlich. 

43. Scapania nemorosa Dum. ist im vorstehend genannten 
Gebietsteile häufig und wird hier besonders an feuch- 
teren Örtlichkeiten kaum ohne Brutköpfchen zu finden 
sein; nach Mk. auch an der Milseburg, am Stellberge, 
sowie bei Gersfeld: doch bedarf ihre vertikale Ver- 
breitung noch weiterer Aufklärung. 

44. Scapania undulaia Dum. fand ich in spärlichen 
Räschen an den vom Höllengraben unterhalb des 
Stoppelsberges überfluteten Sandsteinblöcken. 

45. Radula complanata Dum. Diese in der Hügelregion 
verbreitete und leicht fruktifizierende Art scheint in 



Notizen zur Lebermoos- Flora des jRhöngebirges. 



7 



den höheren Lagen nach Herrn Mönkemeyers Beob- 
achtungen weniger häufig zu sein; das hängt wohl 
mit ihrer Eigenschaft als Xerophyt zusammen. 

46. Madotheca laevigata Dum. nach Mk. auch an dem der 
Milseburg benachbarten Stellberge. 

47. Madotheca rizmlaris Nees nach Mk. häufig im 
Gebirge bis herab zu den Gebirgsbächlein um Gersfeld ; 
die var. simplicior Zett. sammelte er am Schwaben- 
himmel, sowie in der Cascadensehlucht bei genanntem 
Städtchen, die var. distans Nees am Schnittlauch- 
stein (Milseburg). 

48. Madothea platyphylla Dum. verbreitet im ganzen Gebiete; 
die f. major Nees nach Mk. an der Milseburg und 
bei Gersfeld. 

49. Lejeunia serpyllifolia Lib. sammelte Herr Mönkemeyer 
am Stellberge und an dem oft genannten Schnitt- 
lauchstein. 

50. Frullania dilatata Dum,. Diese im ganzen Gebiete an 
Wald- und Feld bäumen nicht seltene Art fand ich mit 
vielen reifen Sporogonen auch an einem Sandstein- 
blocke in der Sommerliede bei Steinbach gegen 
Rothenkirchen. 

51. Frullania Tamarisci Dum. An den Basalt- und Phono- 
lithf eisen der Berge nicht selten; auf Waldboden im 
Vorlande bedeckt sie zuweilen ausgedehnte Strecken, 
so z. B. über Badelachen (mittl. Btsdst.), in der Lonze 
bei Grüsselbach gegen die Frankfurt-Leipziger Strasse 
(Muschelkalk.) 

52. Anthoceros laevis L. ist häufig auf Ackern des Bunt- 
sandsteingebietes der Vorder-Rhön. 

Die Kryptogamenflora von Migula (Thome) zählt für 
das von ihr behandelte Gebiet von Deutschland, Deutsch- 
Oesterreich und der Schweiz 916 Laubmoosarten auf, von 
denen unter Zurechnung einer von Herrn Mönkemeyer 
neuaufgenommenen Art (Fontinalis Kindbergii Ren. et 
Card.) 406 für das Rhöngebiet festgestellt sind; das ent- 
spricht einem Verhältnisse von ungefähr 44%. Da be- 
sagter Gebietsteil dank der langjährigen Tätigkeit so 



8 



M. Goldschmidt. 



ausgezeichneter Biyologen wie des verstorbenen Dannen- 
berg und des Herrn A. Geheeb, sowie auch anderer 
namhafter Forscher in fast einzig dastehender Gründlich- 
keit auf seine Laubmoosflora durchforscht worden ist, so 
kann das obenerwähnte Zahlenverhältnis einen sicheren 
Masstab für den vermutlichen Anteil der Lebermoosarten 
an der Pflanzendecke unseres engeren Florengebietes liefern. 
Von den 234 in Thomes Kryptogamenwerk aufgeführten 
Lebermoosen würden demnach ungefähr 103 Arten zu 
erwarten sein; festgestellt sind aber bis jetzt erst 63 = 27%; 
es bleibt mithin nicht nur in Bezug auf die horizontale 
und vertikale Verbreitung der Lebermoose, sondern auch 
auf die im Gebiete vertretene Artenzahl eine beträchtliche 
Arbeit zu leisten, die nur durch die Beteiligung aller 
hierzu Berufenen zu erledigen sein wird. 
Geisa, im Mai 1907. 



Neue Funde in der Flora Niederhessens im Jahre 1906. 9 



Nene Funde in der Flora Niederhessens im Jahre 1906. 

1. Nachtrag. 
Von E. Taute. 



Neu war die Auffindung von Valerianella carinata 
Loisl., des vierkantigen, gekielten Rapünzchens. Ich fand 
•es auf Kalkäckern hinter Kirchditmold, auf dem Bahnhof 
Waldkappel, auf dem Burghasunger Berg, am Lammsberg, 
in den Jestädter Weinbergen. 

Sisymbrium Cohimnae Z., Columna's Raukensenf fand 
ich im Hafen. 

Barbaraea intermedia Boreau, die frühblühende Winter- 
kresse steht auf dem Bahnhofe von Oberzwehren und 
dem von Waldkappel, ebenso an Eisenbahnböschungen 
bei Rothenditmold. 

Von Pohjgonum mite Schrank, dem milden Knötrich, fand 
ich einige Exemplare in der Hombach bei Rothenditmold. 
Er war aber dort wieder verschwunden. Dagegen fand 
ich ihn in Mengen auf Wiesen im Winkel zwischen der 
westfälischen und Frankfurter Eisenbahn. Auch hinter 
Niedermöllrich steht er in einem Graben in Menge. 

Ebenfalls neu für unsere Flora ist die von mir auf- 
gefundene Salvia silvestris L. Ich fand sie unter der 
wirteiförmigen Salbei in einem mächtigen Busch und 
zwei kleineren Exemplaren am Lindenberge hinter Kirch- 
ditmold. Ein Exemplar stand auch am Hafen. 

Lepidium virginicum L. ist ebenfalls ein Neuling für 
unsere Flora. Ich fand sie an der Kölnischen Strasse 
unter Luzerne und im Hafen unter Lepidium rüder ale L., 
der Schuttkresse. An beiden Orten stand sie zahlreich. 
Einzelne Exemplare, allerdings mächtig entwickelte, standen 
am Abhänge des Spielplatzes an der Landaustrasse und 
einem Vorgarten des Dorfes Ihringshausen. 



10 



E. Taute. 



Vicia varia Host., vielfach für Vicia cillosa ausgesät^ 
spärlich behaart, der Stengel fast kahl, fand ich am neu- 
angelegten Strassenstücke im Schocketal und an einem 
Abhänge des aufgeschütteten Bodens hinter der Gasanstalt. 

Lathyrus odoratus L. steht wild am neuangelegten 
Strassenstück im Schocketal. 

Geranium nodosum L.. knotiger Storchschnabel, ist 
ebenfalls neu. Er steht am Waldrande des Lindenberges 
über dem neuen Obstgarten. 

Erysimum odoratum Ehrh., wohlriechender Schotendotter, 
steht auf der äusersten Spitze des Katzensteins. Er wurde 
zuerst aufgefunden von Herrn Oberlehrer Kunze, der mir 
ein Exemplar abgab. Ich sammelte nachher blühende und 
fruchtende Pflanzen. Die Schoten sind vierkantig, an den 
Seiten grau behaart, aber an den Kanten kahl und grün. 

An allen angegebenen Standorten war Agrimonia 
odorata Mill., wohlriechender Odermennig, nicht mehr zu 
finden. Ich fand ihn am Eingange des Radbachtales in 
den Reinhards wald. Die Kelche sind nur bis zur Mitte 
gefurcht, die unteren Stacheln sind zurückgeschlagen. 

Als neue Pflanze fand ich Toriiis infesta Koch, feind- 
lichen Klettenkerbel, die Früchte sind nämlich mit Wider- 
hakenversehen. Sie steht an einem Rain des Kratzenberges, 
und auch in den Jestädter Weinbergen. 

Neu für die Flora von Niederhessen war auch die 
von mir schon Ende 1904 autgefundene Spiraea filipendula 
A. Br., die knollige Spierstaude. Ihre Wurzelfasern sind 
am Ende zu kleinen Knöllchen verdickt. Ich fand diese 
für Niederhessen neue Pflanze in Hecken und auf Wiesen 
zahlreich auf der Lichtenauer Hochebene. 

Neu für unsere Flora fand ich Vaccinium uliginosum 
L., die Rausch- oder Trunkelbeere. Äste stielrund. Sie 
galt seit 100 Jahren für verschollen. Sie steht am öst- 
lichen Rande der faulen Brache im Reinhardswalde und 
bildet dort einen Kreisring, der wohl 10 m im Umfang 
misst. Ausserdem stehen dort noch mehrere kleinere Stöcke, 

Neu für unsere Flora fand ich Potentilla norvegica L* 
gleichzeitig an zwei Stellen, und das war um so interessanter, 



Neue Funde in der Flora Niederhessens im Jahre 1906. 



11 



als Sturm 's Flora, dessen Rosaceen 1 Jahr vorher er- 
schienen, behauptete, sie wäre bisher in Hessen nicht 
gefunden worden. Ich fand sie auf aufgeschüttetem Boden 
hinter der Gasanstalt und auf demselben Boden an der 
Frankfurter Strasse. 

Galinsogaea parviflora Cac, das kleinblumige Knopf- 
kraut oder Franzosenkraut, stand in Rothenditmold in 
Kartoffeläckern in Menge. 

Nicandra physaloides Gärtn., die judenkirschenartige 
Giftbeere stand auf aufgeschüttetem Boden an der Frank- 
furter Strasse. In der Nähe standen auch Anthemis 
altissima, die Riesen-Hundskamille, Salvia verhenacea Vis. 
mit grossen hellblauen Blüten. Ebendaselbst stand Lojpezia 
coronata, die kronenartige Lopezie, sie gehört zur Familie 
der Weidenröschen und hat nur ein Staubgefäss. 

Auf dem aufgeschütteten Boden stand da, wo früher 
der Fackelteich lag, Rapistrum glabrum oder R. erraticum, 
der kahle oder umherirrende Windsbock. 

Sodann fand ich öfter Lepidium perfoliatum am 
Hafen. 

Auf wüstem Lande stand ein Exemplar von Goronilla 
scorpioides. Die Frucht der skorpionsartigen Kromvicke 
ist gekrümmt wie ein Skorpion und hat hinten einen 
kurzen Stachel. Es stand in der Nähe des Forstgutes. 

Sodann fand ich noch im Jahre 1906 ein Exemplar 
der sehr seltenen tartarischen Melde, Atriplex tataricum L. 
Es stand am Rande der Holländischen Strasse an der 
Tiessenschen Ziegelei. Leider wurde es von den städt. 
Arbeitern bei der Reinigung der Strasse vernichtet. 

Panicum lineare Krockes, fadenförmige Hirse, fand ich 
am Sandershäuser Berg, hinter Heiligenrode und hinter 
Niedermöllrich. 

Panicum sanguinale X., die Blut-Hirse, stand mehrere 
Jahre hinter der Gasanstalt an dem Geleis der Wald- 
kappeler Bahn. 

Panicum ciliare, Retz., die gewimperte Hirse, stand 
ebenfalls dort, ausserdem auf dem Bahnhof Gudensberg,, 



12 



E. Taute. 



auf dem Bangierbahnhof und an dem Geleis der Wald- 
kappeler Bahn hinter dem Park von Schönfeld. 

HerrKnetsch erwähnt in einem Jahresberichte, dass 
er in der Casseler Flora niemals Antirrhinum orontium X., 
das kleine Löwenmäulchen, gefunden habe. Diese Be- 
merkung trifft für die heutige Casseler Flora nicht mehr 
zu. Ich habe dies Pflänzchen an den verschiedensten 
Standorten aufgefunden. Im vorigen Jahre stand es in 
grosser Menge auf Kalkäckern unmittelbar hinter Kirch- 
ditmold um den Kalkofen herum. Es ist dies allerdings 
ein merkwürdiger Standort für eine durchaus sandliebende 
Pflanze. An den drei anderen Standorten fand ich es 
allerdings auf Sand. Ich fand es hinter Heiligenrode, 
am Sandershäuser Berg und hinter Wolfsanger und habe 
^es wohl fast jedes Jahr aufgenommen. 



Vortrag über die Alpenflora. 



13 



Vortrag über die Alpenflora, 

Von E. Taute. 



In wenigen Stunden durchmisst der Besucher der 
Alpengipfel Kiimate, zu deren Durchquer ung in der Ebene 
er Wochen brauchen würde. Schichtenweise liegen die 
Kiimate hier übereinander, während sie dort nebeneinander 
gelagert sind. Diese verschiedenen Kiimate sind natürlich 
von grossem Einfluss auf die Gestaltung und Zusammen- 
setzung der Pflanzendecke daselbst, da dieselbe ja in 
erster Linie ein Produkt des Klimas ist. Die verschiedenen 
Kiimate bedingen die Gliederung der Pflanzenwelt in 
Regionen, deren wir in den Alpen fünf, resp. sechs unter- 
scheiden können. Dieselben sind zwar nicht haarscharf 
von einander geschieden, denn die Flora ändert sich nicht 
plötzlich, sondern allmählich. Aber doch sind die Uber- 
gänge von einer zur andern deutlich bemerkbar. Einige 
wenige charakterische Pflanzen geben den Regionen ihr 
Gepräge und ihren Namen. Die unterste Stufe des Laub- 
waldes finden wir eigentlich nur in den Südalpen vertreten. 
Charakterpflanzen dieser Region sind die echte Kastanie, 
der Walnussbaum und der Weinstock, die in südlichen 
Tälern weit nach Norden vordringend den von Norden 
über den Brenner, den St. Gotthardt und das Stilfser 
Joch kommenden Wanderer zuerst des sonnigen Südens 
Nähe ahnen lassen. Über dieser Region lagert die des 
oberen Laubwaldes, gebildet aus den Vertretern unserer 
heimischen Laubwälder, z. B. Eichen, Buchen, Eschen, 
Ahorn en, Linden u. a. Noch höher hinaufsteigend ge- 
langen wir in die Gebiete der Nadelhölzer, die mit ihren 
einförmigen Waldungen die ausgedehntesten Flächen 
bekleiden. Der hier herrschende Baum ist unsere Fichte, 
die aber in ihren oberen Lagen nahe der Baumgrenze 



14 



E. Taute. 



häufig von der Lärche oder Arve ersetzt wird. Dieser 
letztere Baum, auch Zirbelkiefer genannt, ist der schönste 
Typus der Nadelhölzer in den Alpen, der, seine Zweige 
gleichmässig ausbreitend, ein wahrer Kronleuchterbaum 
ist, der alles Leben gleichsam in den Zweigenden zu 
konzentrieren scheint. 

Treten wir über die Baumgrenze hinaus, so finden 
wir uns im Bereiche der Alpensträucher, in der grosse 
Bestände von Zwergkiefern, Grünerlen und Alpenrosen die 
Vegetation bilden. Diese Region, auf die ich später noch 
einmal zurückkommen werde, führt uns allmählich in das 
Reich der Alpenblumen. In einer ungewohnten Welt, in 
einer neuen Welt finden wir uns hier, und diese Alpen- 
matten mit ihrer Pracht, mit ihren neuen Pflanzenformen 
müssen die Freude und das Entzücken eines jeden Alpen- 
besuchers hervorrufen. Kein für die Schönheiten der 
.Natur empfängliches Herz wird sich dem überraschenden 
Eindrucke der eigenartigen Blumenwelt entziehen können. 
Dieser Region setzt erst die Linie des ewigen Schnees 
eine Grenze, obgleich diese Linie keineswegs eine absolute 
Grenze des Pflanzenlebens ist ; bemerkt man doch häufig auf 
sogenannten Firninseln inmitten der Gletscher gelegen 
und an Felsen oberhalb der Schneegrenze gelegen, an 
denen Schnee nicht haften kann, eine ziemlich üppige 
Vegetation, aus Steinbrechen, Sileneen und Seggen zu- 
sammengesetzt. Aber weder die Schneeregion noch die 
Waldregion sind von Interesse, obgleich ich in diesem 
Gebiete einige Orchideen von eigenartigem Gepräge ge- 
funden habe. Ich nenne nur die mit Korallenstock ähn- 
lichen Wurzelverzweigungen versehene Korallenwurz, die 
mit ihren gelb-, weiss- und violettscheckigen, nach Vanille 
duftenden Blüten, ihren verhältnismässig grossen Früchten 
einen sonderbaren Eindruck hervorruft. In Gesellschaft 
dieses seltsamen Gewächses fand ich dann noch eine 
andere Orchidee, das zierliche herzblättrige Zweiblatt 
Listera cordata. Beide im Moder des Nadelwaldes vege- 
tierend zwischen abgefallenen Nadeln, Laub und Moos, 
gewöhnlich begleitet von Pirola uniflora, dem einblütigen 



Vortrag" über die Alpenflora. 



15 



Wintergrün. Die Perlen der eigentlichen Alpenflora findet 
man jedoch erst in luftigerer Höhe. Hier wohnt der 
Stammadel, zu dem allerdings manchmal auch plebejische 
Formen aus dem Tal heraufsteigan. Diese Talformen 
nehmen dann den Wuchs der Alpenpflanzen an, so dass 
man häufig in die Versuchung kommt, diese Varietäten 
als neue Arten anzusprechen. Andererseits kommt es 
sehr häufig vor, dass echte Alpenpflanzen in Täler herab- 
geführt werden bis zu den Städten München, Ulm, Augs- 
burg und anderen. Die Alpenflora umfasst über 800 
Arten, die nicht in das Tiefland eingehen. Wenn nun 
im folgenden von der Alpenflora die Rede ist, so verstehe 
ich darunter nur die Gesamtheit der Pflanzen, die auf das 
Gebirge beschränkt, und nur in einer gewissen Höhe vor- 
kommen. Von diesen 800 Arten sind 190 endemische 
Arten, das heisst, sie kommen ausserhalb der Alpen an 
keiner Stelle der Erde vor. Die übrigen 625 Arten finden 
sich auch in den südlich und nördlich vorgelagerten 
Mittelgebirgen. In Deutschland ist die Alpenflora ver- 
treten auf den Vogesen, dem Schwarzwalde, dem Brocken, 
dem Kamme der Sudeten, den höchsten Erhöhungen des 
Böhmerwaldes und des Erzgebirges. Natürlich können 
sich die Gebiete inbezug auf Artenreichtum mit der 
eigentlichen Alpenflora nicht im entferntesten messen. 
Ich will nicht näher auf die Entstehung der Alpenflora 
eingehen, nur erwähnen möchte ich, dass die südlichen 
Alpen reicher sind an seltenen Arten als die nördlichen. 
Besonders die Nagelfluhbildungen der Schweiz zeichnen 
sich, wie ich dies am Rigi selbst beobachtet habe, durch 
grosse Armut an seltenen Arten aus. 

Doch betrachten wir die Alpenflora uns etwas näher, 
so finden wir, dass die Eigentümlichkeiten derselben eine 
Folge der veränderten Lebensbedingungen sind, die die 
Pflanzen hier oben vorfinden. Die Alpenpflanze zeigt in ihrem 
Bau, in ihrer Entwickelung, dass sie in den Stand gesetzt 
ist, den Kampf mit dem Widerwärtigen des Klimas sieg- 
reich bestehen zu können, sie spiegelt in ihren Lebens- 
verrichtungen das Klima der Berge wieder. Die Licht- 



16 



E. Taute. 



Verteilung, die Wärmemenge, die Niederschlagsmenge, die 
Feuchtigkeit der Luft, die Schwankungen der Wärme- 
und Wassermenge im Laufe des Tages, der Jahreszeiten, 
des Jahres, das sind die klimatischen Faktoren, die hier 
von grösstem Einfluss auf die Gestaltung der Pflanzenwelt 
sind. Ich werde nun versuchen, die Eigentümlichkeiten 
der Alpenflora zu skizzieren und dieselbe auf bestimmt 
wirkende Faktoren zurückführen. 

Betrachten wir zunächst den augenfälligsten Teil, 
die Blüten, so finden wir, dass dieselben in bezug 
auf Grösse, Farbe und Duft von den Blüten der Tief- 
landspflanzen bedeutend abweichen. Die Alpenpflanzen 
zeichnen sich durch bedeutende Grösse ihrer Blüten aus, 
wie ja auch schon Nägeli sagt: „Es ist eine bekannte 
Tatsache, dass die Alpenblumen grössere Blüten besitzen 
als die Pflanzen der Ebene." Tatsächlich wird jede Matte 
der Hochalpen in dem Beschauer den Eindruck hervor- 
rufen, dass die Alpen grössere, augenfälligere Blüten 
hervorbringen, und nicht nur einmal, sondern immer und 
immer wieder. Fast alle Pflanzen tragen hier oben Blumen, 
und selbst die Sträucher treten uns blumentragend ent- 
gegen, wie Alpenrosen, die Ericaceen, die Azaleen und 
Rauschbeeren. Hervorragend grosse Arten finden wir bei 
den Gentianen, den Anemonen, den Ranunculaceen, den 
Steinbrech-, den Liliengewächsen, den Rosenblütigen, den 
Compositen. Merkwürdig ist dabei noch, dass mit der 
Grösse der Blüten auch die Zahl der Blütenteile zunimmt, 
und in dem Masse, wie die Grösse der Blüten abnimmt, 
auch die Zahl der Blütenteile abnimmt. Bei den En- 
zianen herrscht die Fünfzahl vor, doch grössere Blüten 
sind sechszählig, die kleinen Arten zeigen grosse Neigung 
zur Vierzähligkeit. Bei den Rosenblütigen zeigen unsere 
kleinsten Vertreter, die Sibaldie, die Frauenmantel-Arten 
4 zählige Blüten. Die mit grösseren Blüten versehenen 
Rosen zeigen 5 zählige Blüten, die grossblumigen Finger- 
kräuter besitzen 6 uud 7 zählige Blüten. Und die auf den 
Alpen heimische grossblütige Silberwurz, Dryas, zeigt 
7—9 zählige Blüten. Neben vielen Arten und Gattungen, 



Vortrag über die Alpenflora. 



17 



die grossblütig sind, giebt es unter den Alpenpflanzen 
auch verschiedene kleinblütige Gattungen. Ich erinnere 
nur an die Orchideen, von denen auch nicht eine einzige 
inbezug auf die Grösse der Blüten mit denen der Ebene wett- 
eifern kann, denn alle Orchideen der Alpen haben unschein- 
bare Blüten. Auch die Alsineen, die Weiden, die Enziane 
zeigen kleinblütige Formen. Und trotzdem haben wir den 
Eindruck, die Alpenpflanzen sind mit grösseren Blüten aus- 
gestattet als die Tienandspflanzen. Sehen wir uns aber 
die Alpenpflanzen genauer an, so finden wir auch, worauf 
die Grösse von Alpenblumen beruht; nicht die Blüten 
haben sich im allgemeinen auf den Alpen vergrössert, 
sondern die Stengel und Blätter sich verkürzt. Dadurch 
kommen die Blüten dem Boden näher . und erscheinen 
relativ grösser. Dieser Eindruck wird verstärkt durch 
rasenförmigen Wuchs vieler Alpenpflanzen, denn dadurch 
werden die Blüten so zusammengedrängt, dass oft die 
Blätter unter ihnen verschwinden. 

Für die Zweckmässigkeit der Auffälligkeit der Blüten 
lässt sich leicht eine Erklärung finden, wenn wir an die 
Wechselbeziehungen zwischen Insekten und Pflanze denken. 
Von den Pflanzen, die durch den Wind bestäubt werden, 
ist nur das Heer der Gräser und Nadelhölzer vorhanden, 
beide mit unscheinbaren Blüten. Alle übrigen Arten haben 
auf den Insektenbesuch zu rechnen. Die Windblütler 
haben den Insektenblütlern das Feld geräumt. Und das 
tun sie umso mehr, da ja in den Hochalpen eine Insekten- 
armut herrscht. Und tatsächlich ist in den Hochalpen 
eine Insektenarmut zu konstatieren, sollen doch daselbst 
die Insekten sich bis 50 % verringern. Diese Armut ver- 
anlasst gleichsam die Pflanzen, die grössten Anstrengungen 
za machen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, 
ein Wettbewerb tritt unter ihnen ein. Darum die grossen. 
Blüten; darum das so offen zur Schautragen derselben, 
darum das Bestreben, sie auf jeden Fall zur Geltung zu 
bringen, denn wenn auch die Stengelglieder verkürzt 
sind, so ist doch das oberste blütentragende verlängert und 
gestreckt, damit die Blüte sich abhebt vom Grasteppich. 



2 



IS 



E. Taute. 



Den wenigen Insekten werden durch solche Einrichtungen 
die Orte, wo sie ihre Nahrung finden, leicht kenntlich 
gemacht, und der Zweck ist erreicht. 

Weit mehr aber als die Blütengrösse ist die Farbe 
der Blüten ein Anlockungsmittel für die Insekten. Des- 
halb finden wir in den iUpen durchschnittlich gesättigtere, 
reinere Farben als in der Ebene. Dies tritt hervor an 
den Arten, die sowohl im Tiefland als auch auf den Alpen 
vorkommen. Viele in der Ebene weiss blühende Arten 
zeigen auf dem Gebirge einen rötlichen Schein, ja, die 
grosse Bibernelle tritt auf den Alpen nur in der roten 
Abart auf. Die gelbblühenden Fingerkräuter der Alpen 
sind auf den Hochalpen dunkler gefärbt als in der Ebene. 
Das tiefe Dunkelblau des stengellosen- und des Frühlings- 
enzians wird überhaupt von keiner Pflanze des Tieflandes 
erreicht, und auch das Orange des braunroten Habichts- 
krautes und des stab wurzblättrigen Kreuzkrautes findet unter 
den Pflanzen des Tieflandes kein Seitenstück. Vertreten 
finden wir unter den Hochalpenpflanzen alle Farben. 
Neben weissen Sternen der Steinbrecharten und Andra- 
saceen leuchten die purpurnen Blüten der Primulaceen 
und Sileneen, die goldgelben der Potentillen und die 
azurnen des Alpenvergissmeinnichts. Von den Farben 
scheint aber rot und violett ein ganz bedeutendes Uber- 
gewicht gegenüber weiss und gelb zu besitzen, und 
vielleicht rührt daher auch die grössere Pracht der Alpen- 
flora. Wodurch sind die lebhafteren Farben der Hochalpen- 
flora entstanden? Durch intensivere Beleuchtung und 
Naturauslese infolge der Insektenarmut. Die Dünne der 
Alpenluft ermöglicht eine leichtere Durch Strahlung und 
grosse Einwirkung auf die farbbildenden Stoffe, darum 
die Kraft und Reinheit der Hochalpenpflanzen. Diese 
Lichtmenge kann aber gerade den Pflanzen der Hochge- 
birge zu viel werden. Wie durch Mangel an Licht die 
Pflanze zu Grunde geht, so kann auch zu viel Licht der 
Pflanze von nicht geringem Nachteil sein. Auf den sanft 
geneigten Alpenmatten, wo wegen Mangels an grösseren 
Gewächsen jede Beschattung fehlt, müssen die Pflanzen 



Vortrag* über die Alpenflora. 



19 



gegen die allzustarken Wirkungen des Lichtes geschützt 
:sein. In der Ausbildung eines blauen oder violetten Farb- 
stoffes besitzen sie ein Mittel, der Zerstörung des Choro- 
phylls durch die Sonnenstrahlen vorzubeugen. Darum ist 
blau und violett die Lieblingsfarbe der Pflanzen auf diesen 
Höhen, denn dieser Farbstoff mildert die Wirkung der 
Sonnenstrahlen. Bevor nämlich die Sonnenstrahlen zu 
den in der Mitte des Gewebes liegenden Chlorophyllkörnern 
kommen, gelangen sie in die mit violettem Safte erfüllten 
Hautzellen und werden dadurch so gedämpft, dass sie den 
grünen Farbkörnern keinen Nachteil mehr bringen können. 
Die grössere Farbenpracht der Hochalpenpflanzen ist aber 
auch mit zurückzuführen auf den Einfluss der Insekten. 
Hermann Müller behauptet sogar in seinem Buche: 
„Alpenblumen und ihre Befruchtung", dass die glänzenden 
Blumen der Alpen geradezu von Insekten erst gezüchtet 
worden sein. Er konstatiert in den Hochalpen ein Uber- 
wiegen der Schmetterlinge gegenüber den anderen Insekten, 
und bei der bekannten Vorliebe dieser Insektenordnung 
für rote und blaue Farben glaubt er annehmen zu können, 
dass diese Farben den Faltern zu verdanken seien. Jeden- 
falls lässt sich die Grösse und Farbe der Blumen leicht 
erklären durcn Naturauslese, die notwendig wurde durch 
die Insektenarmut und durch die isolierte Stellung der 
Hochalpenpflanzen. In tieferen Eegionen, wo immerhin 
verhältnismässig viel Falter schwirren, können gross- und 
kleinblumige, hell und dunkelblütige x4.rten einer Art ruhig 
neben einander stehen, da sie doch hier alle von Schmetter- 
lingen bef ruchtet werden. Gelangen aber solche Pflanzen auf 
Vorpostenstellungen, auf Felsklippen zur Blüte, während in 
ihrer Umgebung noch alles im Schnee liegt, so ist klar, dass 
sie nur zur Befruchtung kommen können, wenn sie grosse 
auffällige Blüten entwickeln können. So wird z. B. von 
zwei Exemplaren einer Art das mit einem rötlichen Hauch 
versehene deutlicher sichtbar sein als das rein weisse. 
Es wird eher Aussicht auf Befruchtung von Seiten der 
Insekten haben, als das andere. Der vielleicht nur zufällig 
vorhanden gewesene rötliche Schein wird dauernd werden. 



20 



E. Taute. 



da er sich von grossem Vorteil für die Pflanze erwiesen 
hat und wird vielleicht mehr und mehr zu einem lebhaften 
Nelkenrot oder karmoisinrot ausgebildet werden. 

Wie durch Farbe zeichnen sich die Alpenpflanzen 
auch durch Geruch aus. Der würzige Duft beruht in 
gewissem Grade auf grösserer Lichteinwirkung, denn mit 
intensiverer Besonnung nimmt auch das Aroma zu. Ebenso 
aber, wie durch die Kreuzungsvermittler, insbesondere die 
Falter, die lebhaften Farben hervorgezaubert sind, finden 
wir auch hervorragend gewürzhaftc Gerüche nur bei solchen 
Alpenblumen, die sich ihrem Bau und ihrem Insekten- 
besuche nach als Falterblumen kennzeichnen. Die lieb- 
lichsten Farben und Gerüche sind also gleichsam von den 
Insekten gezüchtet. Zu den wegen ihres Duftes bevor- 
zugten Lieblingen der Alpenbesucher gehören der gestreifte 
Seidelbast, Dajjhne striatum, der wohlriechende Nackt- 
drüsenständel, Gtjmnadenia odorata. das Brändlein, Nigrittella 
angustifolia, die Nelken- oder Vanilleduft ausströmen. 
"Wie wir gesehen haben sind die Alpenblumen auf die 
Bestäubung der Insekten angewiesen. Aber selbst bei 
ausgeführtem Insektenbesuch kann nur dann von einer 
Entwickelung der Frucht die Rede sein, wenn Narbe und 
Pollen sich im befruchtungsfähigen Zustande befunden 
haben. Der Blütenstaub der Alpenpflanze ist aber mehr 
als der der Tieflands pflanzen der Gefahr des Verderbens; 
ausgesetzt. Wasser verdirbt den Blütenstaub, und diese 
Gefahr, welche täglich durch Zutritt von Regeiiwasser 
eintreten kann, muss vermieden werden, der Pollen muss 
tauglich erhalten werden. Die Alpen verdichten an ihren 
Hängen Wasserdampf in reichem Masse, und Niederschläge 
sind deshalb hier viel häufiger als in der Ebene. Täglich 
müssen die Alpenpflanzen auf einen Regen gefasst sein. 
Dazu kommt noch, dass am Morgen die Pflanzen ordent- 
lich von Tau triefen, dass auch hier oben häufig wallende 
Nebel Wassertröpfchen an Pflanzen absetzen. Wenn da- 
her Pflanzen eines Schutzes des Pollens gegen die Nässe 
bedürfen, so ist dies hier der Fall, und tatsächlich haben 
die unter ungünstigen Verhältnissen wachsenden Alpen- 



Vortrag über die Alpenflora. 



21 



pflanzen Vorkehrungen getroffen, Schutzmittel entwickelt, 
um ein Eindringen des Regens in das Innere der Blüte 
zu verhindern. Sehen wir uns bei den Alpenpflanzen die 
Blüten an, so finden wir bei ihnen die Glockenform weit 
verbreitet. Alpenrosen, Ericaceen, Soldanellen, Azaleen, 
Bärentrauben haben glockenförmige oder krugförmige 
Blüten, die an gekrümmten Blütenstielen überhängen, 
mit der Mündung nach unten gekehrt sind und sich wie 
■ein Schirm oder Dach über die Staubgefässe wölben. 

Aufrechte offene Blüten suchen einen Schutz gegen 
eindringenden Regen durch Schliessen der Blüten zu 
•erreichen, so verschiedene Glockenblumen und Gentianen. 
Andere stürzen vor dem eindringenden Regen ihre Blüten, 
•die sie sonst aufrecht tragen, z. B. die Anemonen, der 
Alpenmohn, die Astrantien, das Alpenmasslieb, die Gems- 
wurz und andere. Andere wieder haben helmförmige 
Blüten, die zwar den Blütenstaub nicht vollständig ein- 
kapseln, aber durch Uberwölben einen genügenden Schutz 
für denselben bilden. Das ist der Fall bei der auf den 
Alpen sehr reich vertretenen Gattung Läusekraut, bei dem 
Eisenhut, bei dem Leinkraut. Einige Pflanzen benutzen 
sogar die Blätter, um den Pollen zu schützen, indem sie 
während des Regens ihre Blüten unter den Blättern ver- 
bergen, z. B. der Knotenfuss. Auf einem wesentlich 
anderen Prinzip beruht die Ausbildung bei den Pflanzen 
mit tellerförmigen Blüten wie Primula, Seidelbast und 
Mannsschild, sie tragen aufrechte Blüten, die auch während 
des Regens ihre Stellung nicht verändern. Scheinbar 
sind diese Blüten nicht geschützt, und es erscheint unver- 
meidlich, dass ein Teil der Wassermasse in die Blüte 
hinabgelange. Und doch bleibt auch hier der Pollen vom 
Wasser verschont, denn die Blumenkronenröhre ist am 
Ansatz des Blütensaumes plötzlich verengt, über dies ist 
der Eingang vielfach noch von Haaren, Borsten, Schuppen 
geschlossen, so dass darauf fallende Regentropfen den 
Eingang schliessen, aber nicht zu dem darunter liegenden 
Pollen gelangen können. Durch Erschütterung oder Ver- 
dunstung werden diese dann wieder abgekugelt. Wir sehen 



22 



E. Taute. 



also, dass die Pflanzen jede auf ihre Weise Vorsorge getroffen 
haben, den Pollen bis zum Besuche der Insekten befruch- 
tungsfähig zu erhalten. Wie steht es nun aber, wenn der 
Insektenbesuch ausbleibt? Wie schon vorher angedeutet, 
herrscht auf den Alpen ohnehin Insektenarmut. Stellt 
sich aber auch noch nebeliges, regnerisches, windiges; 
Wetter ein, so unterbleibt der Insektenbesuch völlig und 
die Fruchtbildung fällt aus. Einige Pflanzen greifen dann 
als Notbehelf zur Selbstbestäubung. Sind aber Pflanzen 
einer solchen nicht mehr fähig, so schaffen sie auf andere- 
Art und Weise Ersatz für die nicht zustande gekommenen 
Früchte. Es kommt dann meistens zur Bildung von 
Ausläufern, Ablegern. Auf den Alpen findet sich ein Korb- 
blütler, die Alpenpestwurz, die in den Voralpen- Wäldern, 
selbst noch über die Baumgrenze hinaus, reichlich blüht und 
fruchtet. In der hochalpinen Region dagegen, wo keine 
Fruchtbildung mehr stattfindet, ja nicht einmal Blüten 
mehr entwickelt werden, gedeiht sie trotzdem auch noch 
gut, denn sie vermehrt sich ausnehmend stark durch 
Stocksprosse und verhindert so ein Aussterben der Art 
in jenen Regionen. Ein eigentümlicher Ersatz für Früchte 
findet sich bei den Alpenpflanzen, die man lebendig ge- 
bärende nennt. Hierher gehören das Alpenrispengras, der 
spitzkeimende Knöterich, einige Juncaceen und Saxifrageen. 
Bei diesen trifft man wohl einige Exemplare mit ordent- 
lich entwickelten Blüten, aber meistens findet man in der 
Blütenregion statt der Blüten Brutzwiebeln oder Knöllchen, 
die oft auf der Mutterpflanze kleine Blättchen treiben, 
bald abfallen und sich leicht bewurzeln. Bei dem Alpen- 
rispengras bilden sich sogar richtige Pflänzchen, so auch 
bei Juncaceen und Saxifrageen. Alle diese Pflanzen blühen 
im Hochgebirge sehr spät auf, und ehe sie keimfähige 
Samen ausstreuen können, naht der Winter schon wieder. 
Darum ist durch Ausbildung von Ablegern die Erhaltung 
und Vermehrung ebenso gesichert wie durch die Ent- 
wickelung der Samen. Ebenso sicher aber wird das 
Fortbestehen der Art verbürgt, wenn die Pflanzen hier 
ausdauernd werden. Tatsächlich fällt uns in den Hoch- 



Vortrag über die Alpenflora. 



23 



alpen die Armut an einjährigen Arten auf, denn 11 12 aller 
Gewächse haben sich hier zu perennierenden Gewächsen 
umgebildet. Ich sage umgebildet, denn Kern er von 
Marilaun hat durch Versuche, die er in Tirol auf dem 
Blaser in 2200 m Höhe anstellte, gefunden, dass die Pflanzen 
in dieser Höhe nicht mehr einjährig vegetierten, sondern 
ausdauernd, so z. B. am gemeinen Kreuzkraut, am Acker- 
stiefmütterchen u. a. In der Ebene haben diese Pflanzen 
nach Ausstreuen der Samen ihren Zweck erfüllt und 
sterben ab. Hier aber, wo es nicht zur Ausbildung 
keimfähiger Samen kommt, ist die Existenz nur gesichert 
durch Erhaltung der vegetativen Organe, der Wurzel und 
des Stengels. Uberblicken wir nun noch einmal das von 
den Blüten der Alpenpflanzen gesagte, so finden wir, dass 
die Alpenblumen sich auszeichnen durch Grösse der Blüten, 
durch intensive Farbe und würzigen Geruch der Blüten, 
dass diese Eigentümlichkeiten durch starke Besonnung 
bedingt und Anlockungsmittel der Insekten sind, da 
Alpenpflanzen fast durchweg Insektenblütler sind. Bei 
Ungunst des Wetters treffen die Pflanzen Vorsorge für 
die Erhaltung des Pollens bis zum Besuch der Insekten, 
und bei ausbleibendem Besuche der Insekten findet die 
Vermehrung auf die mannigfaltigste Weise durch vegetative 
Organe statt. Wenden wir uns nun zur Betrachtung des 
Stengels und der Blätter der Alpenpflanzen. In den 
Hochalpen ist jegliches Baumleben unterdrückt, der ge- 
schlossene Wald bleibt in niedrigen Lagen zurück. Holz- 
gewächse finden sich zwar noch reichlich in der alpinen 
Region, aber sie werden durch die Verhältnisse gezwungen, 
zur Vegetationsweise von kriechenden Halb sträuchern über- 
zugehen. Diese Zwergs träucher treten jedoch nicht mehr 
in den Formen auf, die man sonst mit Strauch bezeichnet, 
sondern sie sind, biologisch betrachtet, nur Stauden, wie 
die kleinen Gletscherweiden, die in ihrer Zwerggestalt 
nur wenige cm über den Flechtenteppich emporragen, 
von denen je eine mit dem Namen krautartige Weide be- 
zeichnet ist. Die Baumlosigkeit der alpinen Region beruht 
in erster Linie auf dem strengen Klima und auf der 



24 



E. Taute. 



Kürze der Vegetationszeit. Die Vegetationszeit beträgt 
nur etwa 3 Monate, ja manchmal noch kürzere Zeit, und 
die mittlere Sommerwärme knapp 5 °. Von Laubhölzern 
geht die Birke am weitesten hinauf, aber auch sie ver- 
langt zur Entfaltung ihres Laubes wenigstens 6 °. Die 
vollständige Belaubung erfordert aber eine längere Zeit, 
so dass für das Wachstum der Blüten und der Fruchtent- 
wickelung nicht mehr die nötige Zeit vorhanden ist, 
damit sind die Laubhölzer auf niedrige Lagen angewiesen. 
Die Nadelhölzer sparen die Zeit zur Verjüngung des 
Laubes, sie können bei den ersten Strahlen der Frühlings- 
sonne ihre Arbeit beginnen, darum gehen sie auch höher 
hinauf. Ihr Schwinden beruht neben der niederen Tempe- 
ratur noch auf verschiedenen Faktoren. Ein gefährlicher 
Feind des Baumlebens ist Rauhfrost hier oben. Häufig 
wallen in dieser Höhe Nebel, bei niederer Temperatur 
setzen sich die Wasserbläschen an die Äste, gefrieren und 
überziehen die Zweige mit Eis, so dass dieselben unter der 
Last zusammenbrechen, die unteren Zweige stehen, soweit 
sie vom Schnee geschützt sind, wagerecht ab, so glaubt 
man in diesen tischförmigen Tannen eine ganz neue Art 
zu sehen. Das Schwinden des Waldes ist vielleicht noch 
auf eine andere Ursache zurückzuführen, nämlich auf die 
erschwerte Wasserversorgung. Die Pflanzen der Hochalpen 
verlangen nämlich eine starke Wasserzufuhr, da die 
Transpiration infolge der starken Besonnung und der 
dünnen Luft eine grössere ist als bei den Tieflandspflanzen. 
Ein kalter Regen, ein Reif, ein Schneefall lähmen die 
absorbierende Kraft der Wurzeln und es wird weniger 
Wasser hinzugeführt, als durch die Transpiration verloren 
gegangen ist, die Pflanze kann also nicht existieren. Über 
dem geschlossenen Walde erheben sich noch einmal holz- 
artige Gewächse von beträchtlicher Höhe, die dem Land- 
schaftsbilde ein besonderes Gepräge geben, da ihnen allen 
ein gleichartiges Wachstum gemeinsam ist. Es ist die 
alpine Strauchregion, gebildet aus Legföhren, Alpenrosen, 
Grünerlen und Zwergwachholder, von denen besonders 
die Legföhren in grossen Beständen vorkommen, die aber 



Vortrag über die Alpenflora. 



25 



im Riesengebirge und den Karpathen noch grösseren 
Umfang annehmen, wohl ein Beweis dafür, dass die 
Heimat des Knieholzes im Osten von Europa liegt. Alle 
diese genannten Holzgewächse haben keine aufrechten 
Stämme, sondern dieselbe nehmen eine horizontale Lage 
ein, auch dann, wenn sie eine bedeutende Dicke erreichen. 
An geneigten Abhängen wachsen die Stammenden immer 
talwärtsgerichtet weiter. Bogenförmig erheben sich vom 
Hauptstamme die Äste und steigen in die Höhe. Werden 
sie belastet, so legen sie sich dem Boden an, erheben sich 
■aber sofort wieder, wenn die Belastung aufhört, da sie 
eine grosse Elastizität besitzen. Dieselbe ist für sie von 
grossem Vorteil, denn sie befähigt sie, die einen grossen 
Teil des Jahres auf ihnen ruhenden Schneelasten ertragen 
zu können. Sie selbst ruhen sicher unter dieser Schnee- 
decke und sind augenscheinlich auf dieses Schutzmittel 
angewiesen. 

Eine mächtige Schneedecke spielt auch für die alpinen 
Kräuter eine wichtige Rolle, da sie ein vortreffliches 
Schutzmittel gegen strenge Winterkälte ist. Alle Pflanzen 
des Hochgebirges treffen frostsichere Einrichtungen. Weiche 
Stengel und Blätter, die durch die Kälte am meisten 
gefährdet sind, treffen wir hier oben selten. Die Organe, 
die sich nächstes Jahr wieder beleben müssen, erhöhen 
ihre Widerstandskraft durch holzige Ausbildung des Ge- 
webes oder durch eine starre Oberhaut. Zarte Knospen 
•erhalten eine Hülle von starren Schuppen. So schützen 
sich Pflanzen durch verschiedene Einrichtungen gegen 
die Winterkälte. Trotzdem würden viele zu Grunde 
gehen, wenn nicht die reiche Schneedecke als wichtiger 
Faktor hinzukäme. Kerner von Marilaun hat durch 
verschiedene Versuche, die er auf den Alpenhöhen Tirols 
während mehrerer Winter anstellte, indem er im Herbst 
Minimumthermometer legte und sie den Winter liegen 
Hess, festgestellt, dass an schneereichen Stellen die Erde 
nicht einmal gefroren und selbst, wo die Schneedecke nur 
eine dünne war, sich nur auf — 5 abgekühlt hatte. Es be- 
halten also die Organe fast dieselbe Temperatur bei, die sie 



26 



E. Taute. 



beim ersten Schnee hatten. Geschützt gegen Temperatur- 
schwankungen entwickeln die Pflanzen während des 
Winters die unterirdischen Organe, während das Laub in 
unverändertem Zustande erstarrt erhalten wird. Bei den 
ersten Frühlingsstrahlen regt sich neues Leben in der Pflanze, 
und nun gilt es, den kurzen Sommer ordentlich auszu- 
nutzen. War schon die Kürze der Vegetationszeit von 
Einfluss auf die Entwickelung des Baumlebens, so drückt 
sie auch den Alpenmatten ihren Stempel auf, und die 
Alpenpflanzen müssen Einrichtungen treffen, sich ihr an- 
zupassen. Einen grossen Teil der Arbeit vollzieht die 
Alpenpflanze unter dem Schnee, denn frühzeitig werden 
Blätter und Blüten für das nächste Jahr angelegt, um 
dann sofort ihre Pracht bei den ersten Sonnenstrahlen zu 
entfalten. Kaum, dass die Sonne die äussersten Triebe 
der Gletscherweiden aufgetaut hat, fangen auch schon 
die Kätzchen zu blühen an, während der grösste Teil des 
Sträuchleins noch schlummernd verharrt. Ja, ein Pflänzchen, 
die zierliche Soldanella, blüht sogar schon unter dem 
Schnee. An der Furka fand ich Soldanellen am Rande 
der Firnfelder blühend, die ihre Stengel und Blüten- 
glöckchen durch den Schnee hindurchgezwängt hatten. 
Die Pflänzchen fangen schon an zu wachsen, wenn die 
Umgebung 0° zeigt. Die in den ledrigen Blättern auf- 
gespeicherten Stoffe werden verarbeitet, der Stengel streckt 
sich, die Knospen vergrössern sich. Die bei der Atmung 
der Pflanze frei werdende Wärme ist so gross, dass sie 
einen Teil des Eises in der nächsten Umgebung des 
Stengels und der Knospen schmilzt. Über jeder Knospe 
bildet sich also ein Hohlraum, der Stengel schiebt nach r 
und so durchbricht die Pflanze in einem Kanäle den Firn. 
Die Stengel scheinen durch das Eis hindurchgesteckt zu 
sein, und die Blüten schwanken über dem Schneefeld. 
Kerner von Marilaun hat sogar beobachtet, dass 
einzelne Soldanellen ihre Knospen schon unter dem Firn 
geöffnet hatten, ja dass auch die Antheren sich geöffnet 
und vollkommen reifen Blütenstaub ausgestreut hatten. 
Diese verblüffende Erscheinung ist nur dadurch zu er- 



Vortrag über die Alpenflora. 



27 



klären, dass die Eigenwärme der Soldanellen, die durch 
das Atmen frei wird, eine ganz bedeutende sein muss. 
Andere, mit den Soldanellen an gleichem Standort 
wachsende Pflanzen, z. B. der Alpen-Hahnenfuss, verlangen 
zum Wachstum eine über 0° gelegene Temperatur, sie 
entfalten deshalb ihre Blüten immer erst an den vom 
Schnee kurz vorher verlassenen Plätzen. Wie gross die 
von den Blüten der Soldanellen entbundene Wärme ist, 
lässt sich aus der Menge des geschmolzenen Eises be- 
rechnen. An Pflanzen mit grossen Blüten lässt sich mit 
dem Thermometer die Blütenwärme messen. Gentiana 
acaulis zeigte im Inneren der Blüte eine um 2° höhere 
Temperatur als die äussere Luft, die bärtige Glockenblume 
eine solche von 3 — 4°. Diese Eigenwärme und vielleicht 
auch die Annahme, dass die Alpenpflanze schon bei niederer 
Temperatur Stoffe bildet, wo dies der Pflanze der Ebene 
noch nicht möglich ist, tragen zu der erstaunlich schnellen 
Entwicklung der Alpenpflanzen im Frühlinge bei, die aber 
auch durch die Kürze der Vegetationszeit geboten ist. 
Aber nicht nur in der schnellen Entwickelung haben sich 
die Alpenpflanzen der kurzen Vegetationsperiode angepasst, 
sondern auch in ihrem Wuchs. Charakteristisch ist den 
Alpenpflanzen die geringe Grösse; dieselbe ist eine Wirkung 
des grellen Sonnenlichtes und der kurzen Vegetationszeit. 
Gedämpftes Licht bringt lange Stengelglieder hervor, wie 
dies bei im Dunkeln keimenden Kartoffeln zu sehen ist. 
Starkes Licht, wie es auf den Alpenhöhen herrscht, ver- 
kürzt die Stengelglieder, bildet weniger aus und zeitigt 
Zwerggestalten. Die Kleinheit ist aber auch eine Folge 
der kurzen Vegetationszeit, verlängert sich diese, dann 
geschieht dies auch mit den Stengeln. Die Grösse wird 
dadurch herabgedrückt, dass die Stengelglieder unent- 
wickelt bleiben, denn es wird mehr Wert auf rasche 
Entfaltung des Laubes als auf Streckung des Stengels 
gelegt. Die Blätter rücken zusammen und bilden häufig 
Rosetten. Selbst bei grösseren Stauden stehen die 
untersten Blätter dichter gedrängt als die oberen. Da bei 
der Kürze der Zeit sich vielleicht nicht die genügende 



28 



E. Taute. 



Anzahl Blätter an einem Stengel entwickeln könnten, 
greifen viele Pflanzen zur Bildung von Rasen, indem der 
Stengel sich am Grande in ein System von Zweigen 
auflöst, die sich dann gleichzeitig belauben. Auch die 
Grösse und Zahl der Blätter der Alpenpflanzen ist eine 
bescheidene zu nennen. Das könnte Erstaunen hervor- 
rufen, da ja von dem Blatt und seinem Chlorophyll die 
Ernährung der Pflanzen in erster Linie abhängt. Die 
Untersuchungen des Blattes bezüglich seines Baues haben 
aber gezeigt, dass mit zunehmender Höhe eine kräftigere 
Entwickelung des Gewebes, eine Vermehrung der Chloro- 
phyllkörner stattfindet. Die Alpenpflanze kann daher 
mit einem kleinen Blatte dasselbe leisten, wie die Pflanze 
im Tal mit grossen Blättern. Was ihr an Menge und 
Grösse abgeht, ersetzt sie durch die Güte. Die Kleinheit 
der vegetativen Organe der Alpenpflanzen ist also für 
dieselben nur ein Vorteil, werden sie doch dadurch be- 
fähigt, den Kreislauf des Wachstums auf das kleinste 
Zeitmass zu beschränken, denn mit der Grösse der Organe 
wächst natürlich auch das Bedürfnis an Zeit. Unter den 
Alpenpflanzen finden wir verhältnismässig viele mit immer- 
grünen Blättern, z. B. die Alpenrosen, die Rauschbeeren, 
Azaleen, Bärentrauben u. a. Auch in diesen lederartigen, 
dauerhaften Blättern haben wir Anpassungsformen an die 
Kürze der Zeit zu sehen, denn durch dieselben wird die 
Zeit zur Erneuerung des Laubes gespart. Sterben diese 
Blätter ab, so verwesen sie nicht, sondern werden entfärbt 
und starr, bleiben aber auch noch lange mit dem Stengel 
in Verbindung und dienen den Gipfelknospen als Hüll- 
organ, wie dies häufig bei vielen Steinbrechen und Hunger- 
blümchen zu sehen ist. So bleibt die Anzahl der tätigen 
Blätter dieselbe, und kein Tag geht der Vegetation bei 
der Erneuerung des Laubes verloren. Wir sehen also, 
eins der wichtigsten Momente unter den Lebensbedingungen 
der alpinen Gewächse ist die äusserste Ausnutzung der 
kurzen Vegetationszeit , und fassen wir noch einmal 
zusammen, wie die Alpenpflanzen sich diesem Moment 
angepasst haben, so finden wir, dass sie dieses Ziel er- 



Vortrag über die Alpenflora. 



29 



reichen durch schnelle Entwicklung, durch die Kleinheit 
der Stengel und Blätter, durch Bildung von immergrünen 
Blättern, durch stärkere Ausbildung des Gewebes der 
Blätter und Rasenbildung der Stengel. 

Die Sommerwärme der Alpen genügt im allgemeinen 
wohl für den Aufbau der Pflanzen, doch ist dieselbe 
immerhin nicht allzureichlich bemessen, darum sind die 
Alpenpflanzen bemüht, sich auf diese oder jene Art und 
Weise den gross tmöglichsten Teil derselben zu sichern. 
Durch das in den Hochalpen häufig beobachtete An- 
schmiegen an den Boden und das ebenfalls häufige Vor- 
kommen von Anthokyan suchen sie dies zu erreichen. 

Das Anschmiegen der Pflanzen wird häufig auf den 
Schneedruck zurückgeführt und man glaubt, dass die 
Hochalpenpflanzen durch diese Foimi und Lage der 
Stengel und Blätter gegen die Schneelast geschützt seien. 
Bei dem Knieholz haben wir den Einfluss der Schneedecke 
auf die Wachstumsverhältnisse desselben schon kennen 
gelernt. Aber das Angeschmiegtsein der Hochalpen- 
pflanzen an den Boden ist wohl nur zum kleinsten Teile 
auf diese Ursache zurückzuführen. Die Mächtigkeit der 
Schneemassen nimmt nämlich durchaus nicht mit der 
Höhenlage zu, wie vielfach irrtümlicherweise angenommen 
wird. An der oberen Grenze des Knieholzes erreicht die 
Menge des Schnees die grösste Höhe, nimmt aber von da 
an aufwärts wieder ab, sodass etwa bei 3000 m der Schnee 
nicht mächtiger ist als tief unten in den Tälern. Die 
Pflanzen nun, die durch sehr verlängerte und dem Boden 
sich anschmiegende Stengel ausgezeichnet sind, z. B. der 
Zwerg wegdorn, die kleinen Gletscherweiden, wachsen alle 
in einer Seehöhe, wo die Schneemenge schon wieder 
abnimmt. Auch ist zu beachten, dass diese Holzgewächse 
oft an Steilwänden wachsen, wo der Schnee nicht gut 
haften und keinen Druck auf Stämme und Zweige aus- 
üben kann. Es kann also hier von einem massgebenden 
Einflüsse des Schneedruckes keine Rede sein, und man 
muss sich nach einem anderen Erklärungsgrunde umsehen. 
Wir finden die Erklärung für dieses Anschmiegen, wenn 



30 



E. Taute. 



wir die Luftwärme und die Bodenwärme in alpinen 
Regionen in Vergleich stellen. Durch zahlreiche Messungen 
hat Kerner von Marilau n festgestellt, dass die Boden- 
temperatur immer um einige Grad höher war als die der 
Luft. In 1000 m Höhe fand er einen Unterschied von 
1,5°, in 2000 m Höhe schon einen solchen von 3,6°. 

Der Boden ist also im Vergleich zur Luft desto 
wärmer, je höher man kommt. Dass sich unter solchen 
Verhältnissen die Pflanzen dem Boden anschmiegen, ist 
begreiflich. Es können daher Pflanzen, die in den Hoch- 
alpen ihre Organe in die Luft emporstrecken, nicht oder 
nicht lange gedeihen. Nur die finden hier ein Fortkommen, 
die die ausgiebige Boden wärme benutzen, die sich ein 
warmes Bett aufsuchen, indem sie mit ihren langen Asten 
und Zweigen sich förmlich in das Gestein eingraben. — 
Noch auf eine andere Art und Weise sehen wir die 
Pflanzen der alpinen Region in den Stand gesetzt, die 
spärliche Wärmemenge , die ihnen zuteil wird , nach 
Kräften ausnutzen zu können. Dies geschieht durch jenen 
bei ihnen häufig beobachteten eigentümlichen violetten 
Farbstoff, den man Anthokyan nennt. Wir haben ihn 
schon kennen gelernt als ein treffliches Schutzmittel des 
Chlorophylls gegen grelle Besonnung. Eine nicht minder 
grosse Bedeutung kommt ihm jedoch auch zu als Wärme- 
quelle, denn durch ihn wird Licht in Wärme umgesetzt. 
Bei den Soldanellen, Cyclarnen, verschiedenen Saxifraga- 
arten finden wir auf der Unterseite der platt dem Erd- 
boden anliegenden Blätter das Anthokyan stark ausgebildet. 
Ein Schutzmittel gegen ein Übermass von Licht kann 
dasselbe hier nicht sein, denn die Unterseite der Blätter 
wird nicht vom Licht direkt getroffen. Vielleicht könnte 
man annehmen, dass Anthokyan sich gebildet habe, als 
die noch jungen Blätter den einfallenden Lichtstrahlen 
ausgesetzt, und dann, als die Blätter sich dem Erdboden 
anlegten, einfach an der eingenommenen Stelle erhalten 
blieb. Gegen diese Auffassung spricht aber die Be- 
obachtung, dass Anthokj^an sich erst dann einstellt, wenn die 
betreffende Blattseite sich dem Boden schon zugewendet hat." 



Vortrag über die Alpenflora. 



31 



Der Teil des Lichtes, welcher durch das Blatt hin- 
durchgehend, in den Boden eindringen würde, wäre für 
die Pflanze verloren und vergeudet. Von dem Anthokyan 
absorbiert und in Wärme umgesetzt, wird er der Pflanze 
dienstbar gemacht. Anthokyan findet sich aber auch auf 
der Oberseite der Blätter an solchen Orten, wo andere 
Wärmequellen nur spärlich fliessen. Kleine, einjährige 
Gewächse, die bei nns im Frühlinge bei niederer Tempe- 
ratur sehr zeitig blühen, erscheinen oft über und über 
violett angehaucht, ich erinnere nur an die Ehrenpreis- 
arten. Auch die Keimlinge kommen gewöhnlich mit einem 
rötlichen Schein hervor. Besonders sind es aber die 
Pflanzen der Hochgebirge in der Nähe der Schneegrenze, 
die reichlich mit Anthokyan ausgerüstet sind und zwar 
sowohl an der oberen als auch an der unteren Seite des 
Blattes. Die düstere Bartsch ie, die zahlreichen Läuse- 
kräuter, eine grosse Menge Gräser bieten treffende Bei- 
spiele hierzu, indem Blätter. Halme, Ähren. Rispen und 
Spelzen tief dunkel violett gefärbt erscheinen und zwar 
desto intensiver, je näher die Pflanze der Schneegrenze 
wächst. 

Wir sehen also , dass die Pflanzen in den alpinen 
Regionen das, was ihnen an direkt zugeleiteter Wärme 
abgeht, durch jene mittelst des Anthokyans aus dem Licht 
gezogenen Wärme ersetzen. 

Nach dem eben Gesagten muss es befremdlich er- 
scheinen, dass in der Flora der Hochalpen auch Ein- 
richtungen weit verbreitet sind , die als Schutz gegen 
Verdunstung anzusehen sind. Derartige Anpassungen 
findet man gewöhnlich nur in der Wüsten- und Steppen- 
flora, wo grosse Wärme und lange Trockenheit die 
Pflanzen zum Verschmachten bringen würden. In den 
Alpen aber, wo niedere Temperaturen herrschen, Regen 
und Taubildung sehr häufig vorkommen , sind solche 
Schutzmittel wohl überflüssig? Mit nichten. Sie werden 
bedingt durch die jähen Wechsel des Klimas und durch 
den Standort der Pflanzen. In den Alpen kann das Ver- 
trocknen nur da vorkommen, wo Pflanzen auf steilen. 



32 



E. Taute. 



handbreiten Gehängen und Gesimsen der Felsen oder im 
Geröll und Schutt der Felskegel wachsen. Wenn mehrere 
Tage hintereinander die atmosphärischen Niederschläge 
ausbleiben und der ausdörrende Föhn bei hellem Himmel 
über die Gehänge streicht, dann können die dünnen Erd- 
schichten so ausgetrocknet werden, dass sie der Pflanze 
nicht mehr das nötige Wasser zu liefern vermögen. 
Schutzmittel gegen übermässige Transpiration sind dann 
dringend geboten. Die Ausbildung von Wollhaaren, die 
die ganze Pflanze mit einer Schicht weissen Filzes um- 
kleiden, ist eins dieser Schutzmittel. Eine Anzahl hier 
vorkommender Pflanzen ist buchstäblich in Pelze, Wolle, 
Seide gehüllt, Zu dieser Pflanzengruppe gehören die 
begehrtesten und herrlichsten Alpenblumen, z. B. das 
schmucke Edelweiss, die stark riechende, einem Wermut- 
sträuchlein ähnliche Edelraute, zahlreiche filzige Hunger- 
blümchen, das herrliche seidig glänzende Fingerkraut, die 
weissblättrige Schafgarbe u. a. Allen diesen Pflanzen 
lagert eine Schicht saftloser, luftgefüllter, verwobener 
Haarzellen auf, die im Falle aussergewöhnlicher Trocken- 
heit einen guten Schutz gegen zu grosse Verdunstung 
bilden. Eingehüllt in diesen Haarpelz kann die Pflanze 
nicht so leicht überhitzt, aber auch nicht so stark ab- 
gekühlt werden, wenn die Sonne verschwunden ist. Im hohen 
Norden, dessen Flora doch sonst der alpinen sehr ähnlich 
ist, sucht man vergeblich nach stark behaarten Arten, 
dieselben tragen vielmehr alle grüne kahle Blätter. Das 
Austrocknen des Bodens und das Aufhören der Wasser zufuhr 
kommt hier nicht vor, darum ist das Haarkleid auch 
überflüssig. Jemehr aber die Gebirge zeitweiliger Trocken- 
heit ausgesetzt sind, desto grösser ist die Anzahl der in Filz 
erscheinenden Arten. Dem Riesengebirge sind Arten von 
der Tracht des Edelweisses, das übrigens eine sibirische 
Steppenpflanze sein soll, noch vollständig fremd. In den 
nördlichen Alpen ist die Zahl derselben noch ziemlich 
gering. In den Südalpen nimmt sie in überraschender 
Weise zu. Es ist gewiss auch kein Zufall, wenn das 
Edelweiss sein reinstes Weiss an den Kalkfelsen entwickelt. 



Vortrag- über die Alpenflora. 



33 



Das bei den Alpenpflanzen häufige Vorkommen von 
derben lederartigen Blättern ist ebenfalls ein Schutzmittel 
gegen zu starken Wasserverlust. Die Oberhaut, die 
sogenannte Kutikula, ist nämlich häufig so verdickt, dass 
sie schliesslich für Wasser und Wasserdampf nahezu un- 
durchlässig wird, also die Transpiration bedeutend ein- 
schränkt. 

Alpenrosen, Soldanellen und in erster Linie die 
Succulenten, d. h. Pflanzen mit fleischigen Blättern, zeigen 
diese Art von Schutzvorrichtungen. Besonders die in Fels- 
ritzen und auf nacktem Gestein wachsenden Fetthennen 
und Hauswurzarten sind in den Alpen reich vertreten. Die 
Ausdünstung wird auch vielfach noch durch wachs- oder 
firnisartige Überzüge auf den Blättern verhindert. Besonders 
interessant sind die Schutzvorrichtungen bei einer Gruppe 
von Steinbrechen. Diese zeigen am Rande ihrer Blätter 
eine^Reihe kleiner Grübchen, welche durch eine Kruste 
aus kohlensaurem Kalk propfenartig verschlossen werden. 
Bei trockenem Wetter liegt diese den Oberhautzellen fest 
auf und verhindert die Ausdünstung des Wassers aus den 
dünnwandigen Oberhautzellen. Dieselbe Bedeutung kommt 
auch den rostroten Drüsen auf der Unterseite der Blätter 
der Alpenrosen zu. Übrigens erfüllen Kalkkrusten der 
Steinbreche und Drüsen der Alpenrosenblätter noch einen 
anderen Zweck, denn es ist nichts Seltenes, dass ein und 
dieselbe Einrichtung mehreren verschiedenen Aufgaben 
zu dienen hat, je nach veränderten Verhältnissen. Der 
vorhin beschriebene Apparat bei den Steinbrechen und 
Alpenrosen dient nämlich auch zur Aufnahme von Wasser 
bei Regenwetter, indem Kalkkrusten uud Grübchen sich 
heben und das Wasser in die Grübchen eindringen lassen. 
Die allgemeinste Anpassung der Alpenpflanzen gegen die 
Gefahr des Vertrocknens liegt wohl in ihrem rasen- 
oder polsterförmigen Wachstume begründet. Zahlreiche 
Gattungen haben diese Wachstumsformen angenommen, 
wie die alpinen Drabaarten, Saxifrageen, Alsineen, Andro- 
saceen. Mit wenigen Ausnahmen gehören diese Gattungen 
der Nivalflora an , d. h. sie kommen nur unter der 



3 



34 



E. Taute. 



Schneelinie hervor. Bei ihnen allen tritt derselbe Habitus 
deutlich hervor, sie sind niedrig, vielfach mit Haarfilz 
überzogen, die Triebe sind rnoosartig in einander verwebt, 
um sich gegenseitig vor zu starker Ausstrahlung zu 
schützen. Diese Polster- oder Teppichpflanzen sind viel 
charakteristischer als das Edelweiss. 

Schutzmittel gegen Tier- und insbesondere Insekten- 
frass, nämlich Gifte, Stacheln, Dornen finden wir bei den 
Alpenpflanzen fast gar nicht ausgebildet, gleichsam, als 
ob in diesen erhabenen Regionen kein Platz für das Gemeine 
und Widerliche vorhanden wäre. Das Fehlen solcher 
Schutzmittel ist auch erklärlich, wenn wir daran denken, 
dass das Tierleben in den höchsten Lagen der Alpen ein 
sehr beschränktes ist. Nur in der Nähe der Sennhütten 
und der Lagerplätze der Viehherden hnclen wir in der 
von den Sennen verwünschten sogenannten Lägerflora 
viele mit Waffen zur Abwehr der Tiere ausgerüstete 
Pflanzen. Bestandteile dieser Flora sind das herzblättrige 
Kreuzkraut, Alpenampfer, Nesseln, Eisenhut, Stinksalat, 
Gentianen, Alpendisteln u. a., lauter Arten, welche giftig 
sind, die Tiere bei der Berührung verletzen, oder sie an- 
widern. Auf düngerreichem Boden entfaltet sich diese 
Flora zu grosser Üppigkeit, aber trotzdem bleibt sie von den 
Weidetieren unangetastet, darum gewinnt sie aber auch die 
Oberhand in der Nähe der Sennhütten. 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 35 



Der Unterschied zwischen menschlicher und tierischer 
Milch mit besonderer Berücksichtigung der Verdauungs- 
vorgänge beim Säugling. 

Von Dr. Georg Alsberg, Kinderarzt in Cassel. 



Die erschreckende Zunahme der Säuglingssterblichkeit 
in den letzten Jahrzehnten, die trotz aller hygienischen 
Massnahmen, aller Wohl fahrt seinrichtungen, der Vervoll- 
kommnung der Stallhygiene, der sorgfältigsten Kontrolle 
der Milchtiere, der zahlreichen Präparate und Surrogate, 
■die auf den Markt gebracht werden, nicht beeinfiusst 
werden konnte, hat gar oft Veranlassung gegeben zur 
Erörterung der Frage : Worauf beruht diese bedauerns- 
werte Tatsache, die Decimierung des Menschenge- 
schlechtes in dem zartesten Kindesalter, die Heranbildung 
«einer widerstandsschwachen, um nicht zu sagen minder- 
wertigen Generation ? 

So traurig es ist, so wenig kann bestritten werden, 
dass für dieses Faktum der Zunahme der Säuglings- 
sterblichkeit die künstliche Ernährung verantwortlich 
gemacht werden muss. Sehen wir uns in den ver- 
schiedenen Ländern um, so lässt sich nicht bestreiten, 
dass in denen, in welchen die natürliche Ernährung be- 
vorzugt wird, die Mortalität weit geringer ist als in 
•den Ländern, in denen der künstliche Ernährungs- 
modus der vorherrschende ist. Ohne auf weitschweifige 
statistische Daten eingehen zu wollen, möge darauf hin- 
gewiesen werden, dass in den Ländern der skandinavischen 



3* 



36 



Dr. Georg- Alsberg. 



Halbinsel die Mortalität im 1. Lebensjahr 10 — 20 °o, in 
Deutschland, besonders in Bayern und Württemberg 50° o, 
in Frankreich, das sich im Zustande des Stillstandes und 
Rückstandes der Bevölkerungsziffer befindet, 75° o beträgt. 

Aber damit noch nicht genug. Die Verdauungs- 
krankheiten, denn diese sind es, die für diese erschreckend 
hohe Todesziffer in Betracht kommen, werfen ihre Schatten 
auch in die späteren Lebensjahre der Uberlebenden, sie 
sind es, die daran schuld sind, dass unser Geschlecht 
widerstandsunfähig ist, dass so viele Erkrankungen der 
Verdauungsorgane chronischer Natur, die funktionellen 
Störungen des Nervensystems unserem modernen Zeitalter 
des Übermenschen das Gepräge verleihen. Woher kommt 
das ? Es kommt von dem Überhandnehmen der künstlichen 
Ernährung auf Kosten der natürlichen, und die Ursache 
hierfür ist zu suchen in falscher Beratung, Bequemlichkeit 
und Eitelkeit unserer jungen Mütter, abgesehen von den 
Irrlehren Bunges, der behauptet, dass die Abnahme der 
Stillungsfähigkeit als ein Degenerationszeichen aufzufassen 
sei in dem Sinne, dass infolge des während mehrerer 
Generationen hindurch erfolgten Nichtstillens eine Ver- 
kümmerung der Brustdrüse eingetreten sei. Nichts ist un- 
richtiger als diese mit Erfolg von S c h 1 o s s m a n n bekämpfte 
Theorie. Die tiefere Ursache liegt begründet in dem funda- 
mentalen Unterschiede zwischen Menschenmilch und Tier- 
milch, sowohl in ihrem chemischen als biologischenVerhalten, 
sowohl in ihrer Zusammensetzung als in ihrer Wirkung 
auf die Verdauungsorgane. Tatsachen, die ich zum Gegen- 
stande meiner Darlegungen machen möchte. 

Die Milch besteht in ihren wesentlichen Bestandteilen 
aus Wasser, Eiweisskörpern, von denen das Kasein den 
Hauptbestandteil darstellt, einem Fett, der Butter, einem 
Kohlehydrat, dem Milchzucker, Extraktivstoffen und Salzen, 
Stoffen, die je nach der Tierart quantitativ verschieden 
sich verhalten. Nach den Untersuchungen Marfans 
sind folgende Vergleichswerte bei einer Anzahl von Tier- 
arten gefunden, die hier im Auszug mitgeteilt werden 
mögen : 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 37 



Auf 1000 Frauenmilch Kuhmilch Ziegenmilch Eselinnenmilch 



Käseston u. and. 

Fiweissstoffe 16 33 38 1(5 

Milchzucker 65 55 43 60 

Fett 35 37 45 18 

Salz 2.5 6 7 7 

Eisen 0,015 0,005 Spuren Spuren 
Spez. Gewicht 

bei + 15° C 1,032 1,033 1,034 1,033 



AVenn man diese Werte vergleicht, so enthält die 
Kuhmilch, und diese kommt als künstliches Nährmittel 
vorzugsweise in Betracht, fast doppelt so viel Eiweiss und 
Salze als die Menschenmilch, diese wieder wesentlich niehr 
Milchzucker und wesentlich mehr Eisen als jene, während 
der Fettgehalt nur in unbeträchtlichen Grenzen schwankt. 
Die Eselinnenmilch erinnert in ihrer Zusammensetzung 
mehr an die menschliche Milch, die Ziegenmilch mehr an 
die Kuhmilch. 

Die Zusammensetzung der Milch, die in der ersten 
Lebenszeit ja das ausschliessliche Nahrungsmittel des 
jungen Lebewesens ist. richtet sich nach den Wachstums- 
verhältnissen der jeweiligen Tierspezies. Die Eiweiss- 
körper und die Salze dienen zum Anbau des Körpers, die 
Fette und Kohlenhydrate sind Brennmaterialien, dienen 
zur Erhaltung des Organismus, zur Erzeugung von Wärme. 
Je nach der Schnelligkeit, mit der die betreffende Tierart 
wächst, müssen demgemäss die Eiweissstoffe und Salze 
in erhöhtem Masse vorhanden sein. Da nun der menschliche 
Körper erst nach Ablauf des 1. Lebens halb jähr es das 
Doppelte seines Wachstums erreicht hat gegenüber dem 
Körpergewicht bei der Geburt und am Ende des ersten 
Jahres dreimal so schwer ist als bei der Geburt, so enthält 
seine Milch entsprechend weniger Eiweiss und Salze als 
andere Tierarten, bei denen das Längenwachstum ent- 
sprechend schneller von statten geht. Daraus aber geht 
hervor, dass jede Milchart nur ihrer Tierart eigentümlich 
und für ihr Gedeihen und Wachstum zweckmässig ist. 

Wenn man zu einer Probe Milch einige Tropfen einer 
Mineralsäure hinzufügt, so gerinnt sie in dicken groben 



38 



Dr. Georg Alsberg. 



Flocken, wenn es sich um Kulimilch handelt, während 
die Menschenmilch in äusserst zarten feinen Gerinnerln 
ausfällt. Im Magen erfolgt die. Ausfällung nicht durch 
die von dem Magen gelieferte Salzsäure, sondern durch 
ein Ferment, das Labferment. Unter Fermenten versteht 
man chemische Körper, die man nur an ihrer Wirkungs- 
weise erkennt, deren chemische Beschaffenheit nicht bekannt 
ist, und die als Lebensäusserungen lebender Organismen 
aufgefasst werden. Fügt man z. B. zur Kuhmilch Lab- 
ferment und setzt diese so behandelte Milch einer 
Temperatur von 37 — 40° C aus, so gerinnt sie zu einer 
dicken Masse, dem Milchkuchen, aus dem sich ein bräun- 
licher Saft, die Molke, pressen lässt. Der erstere enthält 
die Fette und Eiweisskörper, die letztere die Kohlenhydrate 
und Salze. Fügt man unter gleichen Bedingungen zur 
Frauenmilch Labferment, so gerinnt diese in zarten 
Flocken, die Molke ist eine opaleszierende Flüssigkeit. 
Ohne dass im einzelnen das chemiche Verhalten des 
Zuckers in beiden Milcharten festgelegt ist, so mag ihre 
Verschiedenheit schon aus ihrer verschiedenen Krystal- 
lisation erhellen. Das Fett der Menschenmilch repräsentiert 
sich unter dem Mikroskop als dicke grosse Kugeln,, 
während die Milchkugeln der Kuhmilch weit kleiner und 
weniger stark lichtbrechend sind. 

Ausser diesen chemischen und anatomischen Unter- 
schieden müssen wir uns gegenwärtig halten, dass die 
Milch keine leblose Flüssigkeit wie das Wasser z. B. ist, 
das aus dem Felsen hervorsprudelt, sondern dass sie 
verdaut, dass sie lebt. Sie enthält Fermente, die allerdings 
äusserst labil sind und durch Hitzgrade von über 50° C 
abgetötet werden. So enthält sie im Gegensatz zu allen 
anderen Milcharten ein stärkelösendes Ferment, die Amy- 
lase, eine fettabspaltendes Ferment, die Lipase oder 
Monobutyrase und ein oxydierendes Ferment, die Oxydase, 
das in der Kuhmilch und der Erstmilch der Menschen 
eine hervorragende Rolle spielt, während es in der 
eigentlichen Frauenmilch in nur relativ geringen Mengen 
enthalten ist. Aus diesen Tatsachen aber geht hervor, 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 39 



dass jede Milchart nur ihrer zugehörigen Tierart eigen- 
tümlich ist und durch eine andere ohne Schädigung der 
Entwickelung nicht ersetzt werden kann. 

Eine weitere Bestätigung dieser Tatsache liefert der 
Bordet'sche Versuch, der bei der Injektion von Milch, 
die bei einer Temperatur von 65° C partiell sterilisiert 
war, in die Bauchhöhle von Kaninchen in 3 — 4tägigen 
Zwischenräumen, das Blutserum der so behandelten Tiere 
in gleicher Weise die Milch zum Gerinnen brachte wie 
das Labferment und zwar noch in einer Verdünnung von 
1 : 100000. Diese Reaktion von Bordet erfolgte nur für 
die Milchart, welche von der zugehörigen Tierspezies 
stammte. Der Bordet'sche Versuch bildet den Übergang 
für die Tatsache, dass die Milch imstande ist, Schutzstoffe 
gegen Krankheiten zu produzieren bezw. zu enthalten. 
Ehrlich machte schwangere Kaninchen gegen Ricin 
giftfest und fand nun, dass nicht nur deren eigene Junge 
gegen Ricin immun waren, sondern auch Junge eines 
anderen nicht giftfest gemachten Wurfes giftfest wurden, 
wenn sie von der erstgenannten Mutter genährt wurden. 
Ähnliche Beobachtungen wurden über die Gifte der 
Diphtherie und des Wundstarrkrampfes gemacht. 

Die Milch wird sezerniert aus der Brustdrüse, die 
während der Schwangerschaft dementsprechend ihre ana- 
tomischen Verhältnisse in eingreifender Weise ändert. 
Bereits im 5. bis 6. Schwangerschaftsmonate entleert sich 
auf Druck eine gelbliche graue Flüssigkeit aus der Brust- 
drüse, in der bei der mikroskopischen Betrachtung sich 
maulbeerartig angeordnete kugelige Gebilde, die sogen. 
Kolostrumkörper finden, ferner Leucyten, Fett. Ausserdem 
sind in ihr nachzuweisen fettspaltendes und oxydierendes 
Ferment, welch letzteres in besonders reichlichem Masse 
vorhanden ist, jedoch bei der Umwandlung in eigentliche 
Frauenmilch fast völlig zurücktritt. Die Umwandlung in 
Frauenmilch erfolgt im Verlaufe der ersten Woche nach 
der Geburt und wie erwähnt, ist ihr mikroskopisches 
Verhalten charakterisiert durch das Auftreten der grossen 
stark lichtbildenden Fettkugeln. Sobald wieder oxydierendes 



40 



Dr. Georg Alsberg. 



Ferment sich zeigt, sobald die Kolostmmkörperchen wieder 
auftreten, ist der Beweis erbracht, dass die Frauenmilch an 
Güte verliert. Die sogen. Hexenmilch, welche bei jungen 
Säuglingen männlichen wie weiblichen Geschlechtes pro- 
duziert wird, hat dem Kolostrum völlig gleiche Eigen- 
schaften. Sie ist harmloser Natur und bedarf keiner 
besonderen therapeutischen Massnahmen, insonderheit 
sollen die Brüste der Kinder nicht ausgedrückt werden, 
da der dadurch ausgeübte Reiz nur eine stärkere Ab- 
sonderung und Produktion verursacht und schliesslich zu 
entzündlichen Zuständen führt. 

Was den Übergang von Arzneimitteln in die Milch 
anlangt, so sei erwähnt, dass der Rhabarber ihr eine gelbe 
Farbe verleiht und auf den Säugling einen abführenden 
Einfluss ausübt, dass das Antipyrin, das Brom die Ab- 
sonderunghemmen, dass Opium und Morphium als schädlich 
für den Säugling zu bezeichnen sind. 

Die Milchsekretion wird in Gang gesetzt durch den 
Saugakt und durch diesen auch in Gang erhalten. Aus 
der Tatsache, dass die tierischen Weibchen die Eiliüllen 
und die Nachgeburt verzehren , gelangte der Franzose 
Bouchecourt zu dem Schluss, dass in der Placenta sich 
ein sekretionsanregendes Ferment findet. Die sonst üblichen 
Methoden entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage, 

Auf Grund dieser völlig verschiedenen Eigenschaften 
der verschiedenen Milcharten hat sich begreiflicher Weise 
das Bestreben herausgebildet, bei der künstlichen Er- 
nährung des Säuglings Präparate und Verfahren auszu- 
sinnen, die, wenn auch nicht völlig gleich und ebenbürtig, 
aber doch wenigstens ähnlich sich verhalten sollen wie 
die Frauenmilch. Wissenschaft und Technik haben sich 
geradezu überboten, doch der Erfolg ist absolut unbe- 
friedigend, und deshalb sollen hier auch nur der Kenntnis 
wegen die allgemeinsten Gesichtspunkte Erwähnung 
finden und auch nur die Kuhmilch in den Bereich der 
Erörterung gezogen werden, bezw. die mit ihr bereiteten 
Präparate, da diese nur für unsere Klimaten und Gegenden 
in Betracht kommt. 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierisc her Milch usw . 41 



Von einer einwandfreien künstlichen Nahrung muss 
zweierlei erwartet werden: sie muss vollkommen keimfrei 
sein, und sie muss möglichst ähnlich der Muttermilch sein. 
Was den ersteren Punkt anbetrifft, so müssen zu diesem 
Zwecke die Tiere besonders gehalten und gepflegt werden, 
sie müssen gesund sein, die Ställe allen Anforderungen 
der Hygiene genügen, Luft und Licht in reichem Masse 
vorhanden sein, die Raufen, die Lagerstätten, die Abfluss- 
kanäle aufs peinlichste sauber gehalten werden, es müssen 
in möglichst vollkommenem Masse die modernen Gesetze 
der chirurgischen Aseptik Geltung finden. Die Melker 
müssen sich wie zu einer chirurgischen Operation des- 
infizieren, ebenso müssen die Euter der Kühe, das 
Operationsfeld, behandelt werden, die Milch muss in 
keimfrei gemachten Gefässen aufgefangen und dann 
sterilisiert werden. 

Ich will die dabei in Betracht kommenden Verfahren 
nicht des genaueren beschreiben, da sie nicht in den 
Kähmen des Themas gehören, sondern diese letzter- 
wähnten Dinge nur vorgebracht haben, dass durch diese 
Prozeduren die Milch derartig verteuert wird, dass nur 
die vornehme Weit eine so gewonnene und bereitete 
Milch ihrem Säugling bieten kann. 

Was nun die verschiedenen Versuche betrifft, die 
künstliche Nahrung wenigstens ihrer quantitativen Zu- 
sammensetzung nach der Frauenmilch ähnlich zu machen, 
so sind da verschiedene Wege eingeschlagen, von denen 
■einige Erwähnung finden mögen. Von der Erwägung 
ausgehend, dass der Eiweissgehalt der Kuhmilch doppelt 
so gross ist wie der der Frauenmilch, ebenso wie der 
Salzgehalt, hat man die Milch verdünnt und den dadurch 
entstehenden Verlust an Fett durch Zusatz von Zucker 
zu paralysieren versucht, wodurch dem Organismus eine 
beträchtliche Mehrarbeit zugemutet wurde. Um dieses 
Moment auszuschalten, wurden von Biedert die Rahm- 
gemenge eingeführt, deren Gewinnung, Bereitung und 
Konservierung indessen zu kostspielig sind, um in allen 
Kreisen Verwendung finden zu können. Bezüglich der 



42 



Dr. Georg- Alsberg. 



übrigen Methoden, ein der menschlichen Milch ähnliches 
Präparat zu finden, möge zunächst die Methode von 
Winter-Vigier Erwähnung finden, die folgendes 
Prinzip verfolgt: Das zur Verwendung kommen sollende 
Quantum Milch wird in zwei gleiche Teile geteilt, das 
eine Quantum lässt man aufrahmen durch längeres Stehen- 
lassen ; alsdann setzt man den Rahm in der erforderlichen 
Menge dem anderen Quantum zu , fällt das Kasein aus 
dem Reste mit Lab aus, decantiert die Molke und setzt 
sie der anderen Portion zu. Man hat auf diese Weise 
ein Präparat erhalten, welches seiner chemischen Zu- 
sammensetzung nach der Frauenmilch gleichkommt. Das 
Präparat wird sterilisiert und dann in den Handel ge- 
bracht. Monti verdünnt Wasser mit Molke, die aus 
sehr fettreicher Milch gewonnen wird. Ein 1 Milch wird 
auf 45° erwärmt, mit Lab versetzt und bis zur Bildung 
eines gelatinösen Kuchens stehen gelassen, dann auf 
68 erhitzt, abgekühlt und filtriert, sterilisiert, dem 
Alter des Kindes entsprechend nach ärztlicher Vorschrift 
gemischt. 

In sinnreicher Weise bedient sich Gärtner der 
Zentrifuge. Wird Milch in einem solchen Apparat in 
Bewegung gesetzt, so sammeln sich die spezifisch leichtesten. 
Bestandteile, hier also das Fett, im Zentrum des Flüssig- 
keitszylinders an, während die schwachen Bestandteile die 
äussersten Schichten formieren. Je mehr wir uns also 
vom Zentrum entfernen, desto fettärmer wird die Milch, 
ihre äussersten Lagen sind also fettfrei. 

Gärtner verfährt nun folgendermassen : Er verdünnt 
die Milch mit Wasser, bis ihr Fettgehalt 18° oo beträgt. 
Diese Mischung kommt in die Zentrifuge, deren eines 
Rohr, das Rahmpiston, in die innere, die fettreiche Schicht 
eintaucht, deren anderes, das Magermilchpiston , in die 
äussere, fettarme Schicht führt. Durch entsprechende 
Stellung des Rahmpistons und entsprechende Regelung 
der Umdrehungsgeschwindigkeit wird eine Milch von 
beliebigem Fettgehalt gewonnen, der Milchzucker wird 
nach Bedarf zugesetzt, die Milch wird sterilisiert und 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 43 



dann verwandt. Auch sie hat die in sie gesetzten 
Erwartungen nicht erfüllt. 

Eine eigentümliche Stellung nimmt die Buttermilch 
ein, die saure Flüssigkeit, welche der ausgebutterte Rahm 
übrig lässt und mit Zusatz von Mehl oder Zucker ver- 
abfolgt wird. 

Ein ganz besonders umständliches Verfahren ist das 
von Morgan Rote h. Die Milch wird sofort nach dem 
Melken in einem von Eis umgebenen Behälter in ein 
Laboratorium geschafft, das völlig aseptisch eingerichtet 
ist, die festen Bestandteile werden quantitativ bestimmt, 
die Milch in einem Zentrifugalseparator von 6800 Umdreh- 
ungen pro Minute in Fett und Magermilch getrennt und 
genau filtriert. In einem anderen Räume werden aus den 
einzelnen Milchbestandteilen die verschiedenen nach ärzt- 
licher Vorschrift hergestellten Mischungen bereitet. Ein 
Gefäss enthält den Rahm, ein zweites die Magermilch, 
ein drittes eine 5° oige Lösung von Milchzucker in 
destilliertem Wasser. Je nach ärztlicher Vorschrift werden 
die Mischungen bereitet, sterilisiert in das Haus geschickt. 

Während wir es bisher mit mehr oder weniger 
komplizierten Verfahren zu tun hatten, die angestrebt 
haben, die quantitative Zusammensetzung der Milch der 
menschlichen Milch ähnlich zu machen, will ich noch 
zwei Verfahren erwähnen, deren Prinzip darin besteht, 
die Milch durch Zusatz von Pankreatin oder Substanzen 
aus der Gruppe der Peptone vorzuverdauen und dadurch 
dem Verdauungsapparat die Arbeit zu erleichtern ; es sind 
dies die Verfahren von Backhaus und von v. Dunge r n . 
Der erstere trennt durch Zentrifugieren den Rahm von 
der Magermilch, welcher Trypsin und Lab zugesetzt wird. 
Das Ganze bleibt bei 35° C 25 Minuten lang stehen, das 
Kasein ist so zum Teil ausgefällt, zum Teil in Propepton 
verwandelt, also partiell verdaut. Darauf wird die Flüssig- 
keit durch ein feines Sieb gegeben. Die gesiebte Flüssig- 
keit enthält 18°/oo stickstoffhaltige Substanzen. Zu ihr 
fügt man so viel Rahm, bis der Fettgehalt 35° oo beträgt, 
und 10 — 20 g Milchzucker pro Liter. Dann wird in 



44 



Dr. Georg Alsberg'. 



Portionstiaschen gefüllt und sterilisiert, v. Düngern setzt 
zu roher oder gekochter Milch, die auf Körpertemperatur 
erwärmt wird, eine kleine Menge Labferment, das unter 
dem Namen Pegnin (pulverisierte Kalbslab) in den Handel 
kommt. Die Milch wird 5 Minuten geschüttelt und so 
vorverdaut. 

Ohne noch weiter auf das grosse Heer von Präparaten 
und Surrogaten eingehen zu wollen, will ich bemerken, 
■dass keines von ihnen aus den vorher angegebenen 
Gründen imstande ist, die Muttermilch zu ersetzen. Zu 
diesen Bedenken aber kommt noch folgender Gesichtspunkt. 
Ein Brustkind bekommt die Milch keimfrei, körperwarm, 
frisch; ein Flaschenkind muss auf alle diese Vorteile ver- 
zichten, auch dann, wenn durch die genannten künstlichen 
Methoden die Keime zerstört sind, denn eines kann nicht 
zerstört werden: die von den Keimen gebildeten Stoff- 
wechselprodukte, die Toxine. Mit welcher Geschwindig- 
keit sich diese vermehren, beweisen die Untersuchungen 
von Miquel, die folgende Werte zeigte: 

Bei der Ankunft im Laboratorium 

fanden sich im cbcm .... 9000 Keime 

1 Stunde später 21750 „ 

2 Stunden später 36250 „ 

7 „ 60000 „ 

9 , 120Ü00 „ 

25 „ ....... 5600000 „ 

Diese Keime, wie sie aus der Luft, dem Stallschmutz, den 
Eutern der Tiere, den Händen der Melker entstammen, 
zerfallen in 3 Gruppen: 

die peptonisierenden Bakterien 

„ proteolytischen „ 

? , pathogenen „ 

Die ersteren besitzen die Eigenschaft, den Milchzucker 
in Milchsäure umzuwandeln, dadurch das Eiweiss zu 
fällen und die bekannte Erscheinung der sogenannten 
Milchgerinnung hervorzurufen. Die zweite Gruppe, die 
Proteolyten, lösen das Eiweiss, zersetzen dasselbe, die 
Milch gewinnt einen widerlichen Geruch und Geschmack. 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 45 



Die dritte Gruppe repräsentiert die Krankheitserreger 
(Typhus, Tuberkulose etc.) 

Während die erste und die letzte Gruppe geringen 
Hitzegraden bereits erliegt, beansprucht die zweite sehr 
hohe Temperaturen zu ihrer Vernichtung, da sie zu den 
sogenannten sporentragenden Keimen gehören. Die Sporen 
sind ausserordentlich widerstandsfähig, trotzen hohen 
Hitzegraden und wachsen unter geeigneten Lebensbe- 
dingungen zu neuen Keimen aus. Aber selbst, wenn alles 
vernichtet ist, eines kann nie und nimmermehr vernichtet 
werden, die Gifte, die Stoff Wechselprodukte, soweit sie 
produziert sind, und diese sind es, die Krankheit und 
Tod in den zarten Organismus des Säuglings hineintragen 
eben wie die Keime selbst. 

Wenn schon alle diese Tatsachen schlagend beweisen, 
dass die Muttermilch unersetzlich ist, so wird das in 
eklatanter Weise bewiesen durch die Verschiedenartigkeit 
der Verdauungsvorgänge bei der natürlichen und künst- 
lichen Ernährung. Bei der ersteren spielen sich in kurzen 
Umrissen die Vorgänge folgendermassen ab: Im Munde 
hält sich bei der Zahnlosigkeit und der Fermentarmut 
der Speicheldrüsen die Nahrung nicht auf, sondern gelangt 
in den Magen, dessen Verdauungssäfte sofort in Funktion 
treten und zunächst mit Hülfe der Salzsäure und des 
Labferments den Käsestoff der Milch ausfällen, der durch 
die Einwirkung des Pepsins wieder in das direkt resor- 
bierbare Pepton (Kasease oder Kasein) umgewandelt wird, 
die Kost geht als Labgerinsel in den Darm über, wo die 
Bauchspeicheldrüse die weitere Peptonisierung besorgt. 
Das Fett und die Kohlenhydrate werden ebenfalls erst 
im Darme verarbeitet und der Wirkung des Pankreas- 
saftes, der ein diastatisches und fettspaltendes Ferment 
enthält, wie der Galle ausgesetzt, die den Fettüberschuss 
verseift oder in Fettsäure umwandelt. Der Milchzucker 
wird teils gelöst, teils unter Einwirkung des Bacterium 
lactis aerogenes vergoren. Alles dieses vollzieht sich in 
schnellem Tempo, nach V* Stunde ist die Verdauungs- 
arbeit des Magens getan, nach l 1 2 Stunden ist nichts 



46 



Dr. Georg- Alsberg. 



mehr in ihm vorhanden, und er hat nun Zeit, sich auf 
die neuen Autgaben vorzubereiten. Nach 4 — 6 stündiger 
Arbeit hat der Darm seine Funktionen erfüllt, dessen 
Fermente, die Lactase und die Monosacharase, den Rest 
der Eiweisskörper und Kohlehydrate verarbeiten. 2 bis 4 
mal täglich erfolgen die Entleerungen von goldgelber 
Farbe, rühreiartiger Konsistenz und einem leicht aro- 
matischen, nicht unangenehmen Geruch, von leicht saurer 
Reaktion. 96 o des G-esamteiweisses sind verdaut , der 
unverdaute Rest besteht aus überschüssigem Fett , das 
in Gestalt von Fettkügelchen und Fettsäurenadeln bei 
mikroskopischer Betrachtung ausgeschieden wird. Anders 
steht es mit der Verdauungstätigkeit des künstlich ge- 
nährten Kindes. Da geht alles viel langsamer vor sich, 
das Kasein fällt in groben Klumpen aus, zu deren Ver- 
arbeitung der Magen längerer Zeit bedarf als beim 
Frauenmilchkasein, bereits in den oberen Darmabschnitten 
kommt es zu Fäulniserscheinungen, da in den unverdauten 
Eiweissresten die Fäulnisbakterien einen günstigen An- 
griffspunkt finden. Der Kot der mit Kuhmilch genährten 
Kinder ist härter, von alkalischer Reaktion, von pasten- 
artiger Konsistenz und einem fäulnisartigen Geruch. Sehr 
leicht können durch die Zerfalls- und Fäulnisprodukte 
unter geeigneten, nicht näher zu erörternden Bedingungen 
Darmstörungen entstehen. 

Jeder Darm enthält wenige Stunden nach der Ge- 
burt eine charakteristische Bakterienflora, der nach den 
Forschungen E Sellerichs bei der Verdauungsarbeit eine 
wichtige Rolle zukommt, und auch hier zeigen sich be- 
trächtliche Unterschiede bei den natürlich und künstlich 
genährten Kindern. 

Aus alledem geht hervor, dass die Muttermilch nicht 
durch die Milch einer anderen Tierspezies ohne Gefahr 
für Leben, Gesundheit und Entwicklung ersetzt werden 
kann, umsomehr, als der menschliche Organismus bei 
künstlicher Ernährung, wie Wassermann zeigte, das 
artfremde Eiweiss in arteigenes umwandeln muss, ihm 



Der Unterschied zwischen menschlicher u. tierischer Milch usw. 47 



also eine ungeheuere Arbeitsleistung zugemutet wird, und 
so findet das schöne Wort Chamissos auch hier Be- 
stätigung : 

Nur, die da lebt, nur die da liebt, 
Das Kind, dem sie die Nahrung gibt, 
Nur diese Mutter weiss allein, 
Was lieben heisst und glücklich sein. 



48 



Allgemeiner Teil. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen und die sie 
hauptsächlich bedingenden Faktoren. 

J. Schmidt. 



I. Allgemeiner Teil. 



1. Die bei vorliegender Dichtekarte angewandte 
Methode. 

„Von jeher hat die, Kartographie, indem sie mensch- 
liche Wohnorte unter die Kartenelemente aufnahm, zwar 
der Erkenntnis von der Verteilung der Menschen über die 
Erde mittelbar Vorschub geleistet, aber doch immer nur 
in sehr einseitiger Weise, da die Karten nur die Wohn- 
sitze eines kleinen Bruchteiles der Bevölkerung andeuteten, 
nämlich im allgemeinen nur der städtischen. Nur Karten 
sehr grossen Massstabes vermögen alle Wohnplätze in ihrer 
geographischen Verteilung symbolisch wiederzugeben, und 
die heutigen topographischen Karten sind die getreuesten 
Siedelungskarten, die sich herstellen lassen. Aber sie geben 
nur ein Bild der Siedelungsdichte, nicht aber der Volks- 
dichte." r ) Der letztere Begriff ist erst spät in die geo- 
graphische Wissenschaft eingeführt worden, wie ja über-* 
haupt die Anthropogeographie, zu deren Gebieten die 
Volksdichte gehört, ein noch verhältnismässig junger 
Zweig am Stamme der Gesamtgeographie ist. 

Erst als man am Ende des 18. Jahrhunderts die 
europäischen Staaten hinsichtlich ihres Bevölkerungsstandes 
und ihrer Ausdehnung in Tabellen zahlenmässig genauer 
festzulegen begann, fügte man diesen Ubersichten das 



J ) Wagner, H. Lehrbuch der Geographie. Bd. 1. S. 774. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



49 



Verhältnis der betreffenden Bevölkerung zu dem von ihr 
bewohnten Flächenraume bei und bezeichnete diesen Zahlen- 
ausdruck als relative Bevölkerung. Später wählte man 
dafür den sehr passenden Namen der Bevölkerungs- 
dichtigkeit oder kürzer Volksdichte. « 

Diese Berechnung wandte man anfangs ausschliesslich 
auf grössere Gebiete an, um so einen besseren Vergleich 
zu ermöglichen, als ihn die absoluten Zahlen zuliessen, 
und daraus zugleich eine ungefähre Vorstellung von dem 
kulturellen Zustande eines Volkes zu gewinnen, soweit 
dieser in der Bewohntheit und Bebautheit eines Landes 
zum Ausdruck kommt. 2 1 Bei der für so ausgedehnte Ge- 
biete, meistens für ganze Staaten, gemachten Berechnung 
und deren Vergleichung gewann man selbstverständlich 
nur eine ganz allgemeine Übersicht über die kultur- 
geographischen Verschiedenheiten. Darum machte sich 
das Bedürfnis immer fühlbarer, über die Durchschnittszahl 
für ein so grosses Gebiet hinauszukommen und die Unter- 
schiede in den einzelnen Teilen des Landes genauer zu 
ermitteln; denn „gerade die örtlichen Verschiedenheiten 
sind für den Geographen das Wichtigste." 3 ) 

So sind denn in den letzten Dezennien neben Volks- 
dichtekarten von ganzen Erdteilen und einzelnen Ländern, 
die heutzutage in allen Atlanten, sofern sie sich nicht auf 
topographische Karten beschränken, zu finden sind, schon 
eine ganz stattliche Anzahl von Dichtekarten von einzelnen 
Landesteilen in grossem Massstabe hergestellt worden. 
Über die Methode, die man bei diesen Spezialkarten an- 
zuwenden hat, sind jedoch die Ansichten sehr verschieden. 
Fast jede Darstellung befolgt eine andere Methode als die 
übrigen, oder weicht doch in irgendeiner Beziehung von 
den anderen ab, sodass ein Vergleich kaum möglich ist. 
Infolgedessen betont Schlüter mit vollem Rechte, dass 
bei Spezialuntersuchungen einheitlicher vorgegangen 



: ) Wagner, H. Lehrbuch der Geographie. Bd. 1. S. 7/4. 

2 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen im nordöstlichen Thüringen. S.51 

3 ) Ratzel, F. Anthropogeographie. II. Teil. S. 183. 

4 



50 



Allgemeiner Teil. 



werden muss, weil sich sonst die Arbeit infolge fort- 
währender methodischer Veränderungen nach wie vor 
gänzlich zersplittert, ] ) und andererseits die grosse Gefahr 
besteht, dass ,,die Forschung in dem Suchen nach der 
besten Methode stecken bleibt." 2 ) 

Welches ist aber die für Spezialkarten geeignetste 
Methode ? 

Die Beantwortung dieser Frage ist schon in ver- 
schiedenen Arbeiten versucht worden, von denen neben 
Küsters Arbeit 3 ) besonders die gründlichen Studien 
Neukirchs 4 ) und die klaren und treffenden Ausführungen 
Schlüters 5 ; erwähnt sein mögen. Letztere haben wir 
wegen ihrer grossen Bedeutung, die sie u. E. haben, ein- 
gehender berücksichtigt, zumal sie auch eine Besprechung 
in einer Arbeit über Volksdichte noch nicht, erfahren 
haben, wenigstens soweit wir es feststellen konnten. 

Vergegenwärtigen wir uns kurz die wichtigsten Me- 
thoden und prüfen sie in Bezug auf ihre Brauchbarkeit 
für unsern Zweck. Die erste Spezialuntersuchung ist die 
Arbeit Sprecher v. Bernegg s vom Jahre 1877. 6 ) Ihr 
sind, wie schon erwähnt, eine grössere Zahl von Dar- 
stellungen gefolgt, die z. T. wirkliche Dichtekarten sind, 
d. h. solche Karten, die die Bevölkerung auf die von ihr 
bewohnte Fläche beziehen, z. T. im Anschluss an 
F. Ratzels Ansichten 7 ) blosse Siedelungskarten, in die 
nur die Siedelungen durch verschiedene Symbole 
eingetragen sind. Von Interesse für uns sind zunächst 
nur die eigentlichen Dichtekarten, auf die Siedelungskarten 
kommen wir an anderer Stelle noch zurück. 

') Schlüter. 0. Plan zur Gründung einer anthropogeographischen 
Zeitschrift. S. 23. 

2 ) Schlüter, O. Die Siedelungen usw. S. 64. 

3 ) Küster, E. Zur Methodik der Volksdichtedarstellung. Aus- 
land. 64. Jahrg. S. 154—158, 166-170. 

*) Neukirch, K. Studien über die Darstellbarkeit der Volksdichte. 

5 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. besonders. S. 49 — 87. 

6 ) Sprecher v. Bernegg, H. Die Verteilung der bodenständigen 
Bew. im rheinischen Deutschland im Jahre 1820. 

7 ) Eatzel, F. a a. 0. S. 188-194. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



öl 



Die von Sprecher v. Bernegg angewandte Methode ist 
•die Kurvenmethode. Sie ist im Anschluss an die Kartogramme 
der Statistiker entstanden, die unter Zugrundelegung 
grösserer oder kleinerer administrativer Bezirke, die zu be- 
stimmten Gruppen zusammengefasst werden, die Dichte mit 
verschiedenen Farben darstellen. Dass solche administrative 
Bezirke, in Preussen z. B. die Regierungsbezirke oder als 
kleinste die Kreise, nur selten der Natur des Landes an- 
gepasste Gebiete sind, ihre Grenzen vielmehr meist Zu- 
sammengehöriges trennen und infolgedessen die ungleich- 
artigsten Bodenelemente in sich bergen, dürfte ohne weiteres 
klar sein. Diesem Mangel suchte man durch Einführung 
von Kurven abzuhelfen an Stelle der administrativen 
Grenzen ,,mit ihrem oft allen Terrainunterschieden 
spottendem Verlaufe über weite Wälder und Heiden, aus 
reichbebauten Tälern auf öde Plateaus." r ) Das hierbei 
eingeschlagene Verfahren lässt sich kurz etwa folgender- 
massen * zusammenfassen : Mit Hülfe von Spezialkarten 
werden Gebiete gleicher oder annähernd gleicher Dichte 
ermittelt, mit Kurven umzogen und ihre Gesamtdichte be- 
rechnet. Durch Ausscheidung und besondere Darstellung 
der grösseren Städte durch Symbole suchte man ein mehr 
der Wirklichkeit entsprechendes Resultat zu bekommen, 
weil man es wohl mit Recht als einen grossen Übelstand 
empfand, dass die Dichte durch Einbeziehung der Stadt- 
bevölkerung ,,in unverhältnismässig starkem und örtlich 
sehr verschiedenem Masse" 2 ) beeinflusst wurde. Sprecher 
von Bernegg, Weyhe, 3 ) Nedderich, 4 ) Wagner 5 ) u. a. be- 
nutzten dann aber dieses Mittel der Städteausscheidung 
dazu, um dadurch ein Bild der Verdichtung der boden- 
ständigen, d. h. der Land- und Forstwirtschaft treibenden 



x ) Sprecher von Bernegg - , H. a. a. 0. S. 12. 

2 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 78. 

3 ) Weyhe, E. Die Volksdichte im Herzogtum Anhalt. 

4 ) Nedderich, W. Wirtschaftsgeographische Verhältnisse, An- 
siedelungen usw. im ostfälischen Hügel- und Tiefland. 

5 ) AVagner, E. Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und 
•deren Ursachen. 

4 * 



52 



Allgemeiner Teil. 



Bevölkerung zu geben. Dass sie damit schon von dem 
Grundprinzip der einfachen Volksdichte abgewichen waren, 
werden wir später bei Besprechung der Schlüter'schen 
Ausführungen noch sehen, einstweilen sei hier nur kurz 
darauf hingewiesen. 

Im Vergleich mit dem statistischen Kartogramm weist 
diese Methode ganz erhebliche Verbesserungen auf. Wenn 
sie wohl auch keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit 
machen kann, so bietet sie doch ein in hohem Masse an- 
schauliches nnd sehr übersichtliches Bild der Dichte des 
dargestellten Gebietes. Dieser Vorzug lässt sie als be- 
sonders geeignet für Ubersichtskarten erscheinen. Für 
Karten in sehr grossem Massstabe, die als Grundlage für 
die Untersuchung der Ursachen der Volksdichte gebraucht 
werden sollen, eignet sich diese Methode nicht, da die 
Ursachen schon vor Zeichnung der Kurven festgestellt 
sein müssen. 

Im Anschluss an die Karte Nedderichs soll hier eine 
Frage erledigt werden, die mit den grundsätzlichen 
methodischen Fragen nichts zu tun hat, sondern zu den 
technisch-praktischen gehört, deren öftere Verquickung 
Schlüter mit Recht rügt. x ) Es handelt sich darum, ob 
man zur Darstellung der verschiedenen Dichtestufen 
Farben oder Sehraffen verwenden soll. Die Karte 
Nedderichs sowie die Karte der Bevölkerungsdichte des 
oberösterreichischen Mühlviertels von Hackel, 2 ) die wir als 
einzige Karten mit Schraffierung haben feststellen können, 
unterscheiden sich durch diese Eigenschaft sehr vorteilhaft 
von einigen anderen Dichtekarten, die durch ihre grellen 
Farbentöne das Auge des Beschauers geradezu beleidigen. 
Schon Schlüter tadelt die grosse „Farbenfreude", die oft 
„in übertriebener Weise" hervorgetreten ist. Er verlangt 
nicht nur eine Herabminderung der Intensität des gesamten 
Kolorits, sondern auch eine ruhigere Gestaltung der 

*) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 84. 

2 ) Hackel, A. Die Besiedelungsverhältnisse des oberösterreich. 
Mühlviertels in ihrer Abhängigkeit von natürlichen und geschichtl. 
Bedingungen. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



53 



Farbenskala. 1 ) Als leitenden Gesichtspunkt bei Auf- 
stellung der Skala bezeichnet Schlüter, dass die Farbe 
einer höheren Dichtestufe verglichen mit den niedrigeren 
eine Steigerung erkennen lässt, und dass zugleich die 
Dichtestufen untereinander deutlich zu unterscheiden sind. *) 
Um ersteres zu erreichen, verwendet er nicht mehrere 
Farben, wie es sonst meist üblich ist, sondern Abstufungen 
nur einer Farbe. Dieses ist jedoch bei einer grösseren 
Anzahl von Stufen nicht ganz ungefährlich. Es kann 
dabei leicht vorkommen, dass die einzelnen Dichtestufen 
nicht mehr oder doch nur schwer zu erkennen sind. 
Die Richtigkeit des letzten auch von Schlüter ausge- 
sprochenen Gedankens 1 ) zeigt sich übrigens schon an 
seiner eigenen Dichtekarte. Um sich auf ihr zu orientieren, 
bedarf es bei einigen Stufen erst eines ausgiebigen Ver- 
gleiches mit anderen Stufen. Bei der Verwendung von 
SchrafFen genügt dagegen ein Blick auf die nebenstehende 
Legende, um die betreffende Stufe sofort zu erkennen. 
Auch insofern dürfte also die Anwendung von SchrafFen 
von Vorteil sein. Der Forderung: je dichter die Be- 
völkerung, desto dunkler die Farbe und umgekehrt, lässt 
sich ebenso gut mit Schraffen genügen wie mit Farben. 
Infolge dieser augenscheinlichen Vorteile haben wir uns 
für jene entschlossen. 

Eine zweite Gruppe von Dichtekarten wählt „unter 
Vorausnahme der Kenntnisse der geographischen Ver- 
hältnisse mit vorzüglicher Berücksichtigung natürlich ab- 
gegrenzter Bezirke statt willkürlich gezogener Kurven" 2 ) 
einen beliebigen geographischen Faktor zur Abgrenzung 
der verschiedenen Dichtegebiete z. B. die Höhenkurven 3 ) 
oder die Grenzen geologischer Formationen 4 ). — Wenn 
auch die in dieser Weise vorgenommenen Untersuchungen 

x ) Schlüter, O. Die Siedelungen usw. S. 86. 

2 ) Neukirch, K. a. a. 0. S. 31. 

3 ) Burgkhardt, J. Dag Erzgebirge. Eine orometrisch-anthropo- 
geographische Studie. Neumann, L. Die Volksdichte im Grossherzog- 
tum Baden. Wolff, H. Die Verteilung der Bevölkerung im Harz u. a. 

4 ) Käsemacher, 0. Die Volksdichte der thüringischen Triasmulde. 



54 



Allgemeiner Teil. 



ohne Zweifel lehrreich und an sich nicht ohne einen ge- 
wissen Wert sind, so können sie doch als eigentliche 
Volksdichtekarten nicht angesehen werden, da ein solches 
Verfahren ein ganz einseitiges ist, indem dabei die Ver- 
teilung der Bevölkerung immer nur in Bezug auf den der 
Abgrenzung zu Grunde gelegten Paktor veranschaulicht 
wird. Ausserdem ist es auch grundfalsch, den Einfluss 
irgend eines Faktors ohne weiteres vorauszusetzen und 
von ihm bei der Herstellung der Karte auszugehen, dieser 
Einfluss soll erst aus der Karte hervorgehen und nicht 
umgekehrt 1 ). 

Während man bei den bisher betrachteten Methoden 
von ganz bestimmten Voraussetzungen ausging, um die 
Bezirke gleicher Dichte zu ermitteln, versuchte eine dritte 
Gruppe ohne irgendwelche Voraussetzung nur durch 
Rechnung dieses Ziel zu erreichen. Dieses Verfahren 
bezeichnet man als mathematische Methode, die man wohl 
auch mathematische Kurvenmethode nennen kann, da sie 
zur Darstellung der Dichte Kurven benutzt. Die nach 
dieser Methode gezeichneten Dichtekarten 2 ) unterscheiden 
sich, äusserlich betrachtet, in nichts von Karten, die nach 
der zuerst besprochenen Kurvenmethode angefertigt sind, 
der Unterschied liegt lediglich darin, dass bei ihnen der 
Berechnung der Dichte geometrische Figuren zu Grunde 
gelegt werden. Dieses geschieht in folgender Weise: Das 
ganze zu bearbeitende Gebiet wird in regelmässige, gleich- 
grosse geometrische Figuren, Quadrate oder Sechsecke,, 
zerlegt, und zwar werden die betreffenden Figuren so 
gross gewählt, dass in jede derselben mindestens eine 
Siedelung zu liegen kommt. Für jede einzelne Figur wird 
nun die Dichte berechnet und in sie eingetragen. Figuren 
gleicher oder ähnlicher Dichte werden zu Gruppen zu- 
sammengefasst und sämmtliche Figuren einer Gruppe mit 
gleicher Farbe bedeckt. Den so entstandenen geradlinig 

1 ) Siehe auch Friedrich, E. a. a. 0. S. 14. 

2 ) Gelbke, C. Die Volksdichte des Manstelder See- u. Saalkreises. 
Stoltenburg, H. Die Verteilung der Bew. im Rgbzk. Köslin. 
Träger, E. Die Volksdichtigkeit Niederschlesiens u. a. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



55 



begrenzten Gebieten sucht man dann mit Zuhilfenahme 
topographischer Karten natürlichere Grenzen zu geben, 
die durch Kurven dargestellt werden. 

Diese ohne jegliches Vorurteil an die Untersuchung 
der Volksdichte herangehende Methode scheint auf den 
ersten Blick viel für sich zu haben, zumal sie auch eine 
der Hauptforderungen erfüllt, welche an die als Grundlage 
für die Dichteberechnung dienende Gebietseinheit gestellt 
werden, nämlich die der möglichsten Kleinheit. Aber bei 
genauerer Betrachtung zeigt sich doch, dass diese Vorzüge 
gegenüber den Mängeln verschwindend klein sind. Als 
ein besonderer Mangel muss es empfunden werden, dass 
das willkürliche Vorgehen, das man auf diese Weise ver- 
meiden wollte, gerade hier ganz besonders hervortritt. 
Fällt z. B. ein Ort in mehrere Figuren, so ist es meist 
ganz unmöglich, auf Grund des vorhandenen statistischen 
Materiales den Teil der Bevölkerung des betreffenden 
Ortes auch nur annähernd zu ermitteln, der den einzelnen 
Figuren zufällt. Oder denken wir an die ganz freie 
Zeichnung der Kurven, der Schlüter 1 ) die innere Be- 
rechtigung mit Recht überhaupt abspricht; denn bei einer 
Untersuchung der Volksdichte, die immer von ganz be- 
stimmten Flächen ausgeht, innerhalb deren die Dichte als 
gleichmässig betrachtet wird, darf man später die anfangs 
angenommene Fläche nicht mehr verändern, wenn man 
einmal für diese die Dichte berechnet hat. Für jede 
andere Fläche ist ja die Dichte eine andere; darum muss 
für eine neue Fläche die Dichte neu berechnet werden. 

Ein sehr treffendes Urteil, dem wir uns anschliessen 
und mit dem wir die Betrachtung dieser Methode ab- 
schliessen wollen, hat Delitsch gefällt, wenn er sagt: 
„Ein solches Verfahren trennt überall das politisch Ver- 
einigte, vereinigt das politisch Getrennte, stellt wesentliche 
und allgemeine Ursachen in den Hintergrund und lässt 
oft nur das Zufällige hervortreten. Denn wenn auch 
mathematische Linien oft zur Darstellung physikalischer, 



') Schlüter, O. Die Siedelungen usw. S. 08 u. 69. 



56 



Allgemeiner Teil. 



statistischer, sozialer und anderer Verhältnisse und Gesetze 
gebraucht werden mögen, so hat sich doch weder die 
Bildung der Erdoberfläche noch die Entwickelung des 
menschlichen Lebens auf derselben jemals nach der Schab- 
lone mathematischer Linien und Figuren gerichtet" 1 ). 

Als eine Hauptforderung an die Fläche, die der Be- 
rechnung der Dichte zu Grunde gelegt wird, hatten wir 
die der möglichsten Kleinheit kenneu gelernt. Ebenso 
wichtig ist die zweite Forderung, dass sie ein geo- 
graphisches, organisches Ganzes bildet. Den Gebietsein- 
heiten der bisher betrachteten Methoden fehlten diese 
Eigenschaften mehr oder weniger. Anders ist es bei der 
nun folgenden Gemarkungsmethode, die Friedrich 2 ) als 
erster angewendet hat und die darum auch Friedrich' sehe 
Gemarkungsmethode genannt wird. 

Friedrichs Untersuchung geht von den Gemeinden 
aus, als den kleinsten Einheiten innerhalb des Staatsge- 
bietes. An den Anfang seiner methodischen Erörterungen 
stellt er die Ratzel 'sehe Definition der Volksdichte als 
das „Verhältnis der Zahl der Menschen zur Grösse des 
von ihnen bewohnten Raumes" 3 ). Als „bewohnten Raum" 
bezeichnet er „das landwirtschaftlich zum Dorfe gehörige 
Areal, die Gemarkung", die die eigentliche Grundlage für 
das Dasein der Bevölkerung ist und auch zugleich die 
verschiedene Anhäufung der Bevölkerung ursächlich be- 
dingt. Im Anschluss an die Gemarkung muss darum die 
Volksdichteermittlung vorgenommen werden, für welche 
die Gemarkung „ebenso sehr eine geographische wie eine 
administrative Einheit" bildet. „Die Gemarkungsgrenze 
ist eine Tatsache des Bodens, welche in der Volksan- 
häufung innerhalb derselben ihre Erklärung rindet" 4 ). 

Diese Erkenntnis Friedrichs hat sich in jüngster Zeit 
immer mehr Bahn gebrochen. Auch wir sind davon über- 

*) Delitsch, 0. Kartogr. Darstellung der Bevölkerungsdichtigkeit 
von Westdeutschland usw. S. 3 u. 4. 

2 ) Friedrich, E. a. a. 0. 

3 ) Ratzel, F. a. a. O. S. 180. 

4 ) Friedrich, E. a. a. 0. S. 2 u. 3. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



57 



zeugt, dass die Gemarkung die geeignetste Einheit für 
die Untersuchung der Volksdichte ist; denn von allen 
bisher erwähnten Einheiten erfüllt nur sie die beiden 
genannten Bedingungen. Dazu kommt noch, dass Grösse 
und Grenzen im allgemeinen feststehen und leicht zu 
beschaffen sind. In Bezug auf den zuletzt genannten 
Punkt hat neuerdings Wiechel gegen die Gemarkungs- 
methode geltend gemacht, dass „selbst bei Zugrundelegung 
von Flurgrenzen widerspruchsvolle Verhältnisse eintreten 
können". Als Beispiele führt er an: „Eine Grossstadt mit 
kleiner Flur kauft ein grosses anstossendes Rittergut an, 
dessen Fläche in die Stadt eingeflurt wird ; oder eine 
Stadt mit ansehnlichem Waldbesitz verkauft denselben an 
den Fiskus, der denselben einem Revier einverleibt." In 
beiden Fällen, meint Wiechel, würde sich das topo- 
graphische Landesbild ebensowenig verändern wie die 
Verteilung der Bevölkerung. Auf einer Volksdichtekarte 
aber, die die Gemarkungen zur Grundlage hat. würden 
derartige Veränderungen eintreten, dass dieser Teil der 
Karte gar nicht wiederzuerkennen wäre. 1 ) 

Ganz abgesehen davon, dass solche Fälle verhältnis- 
mässig selten und dann, wie Wiechel offenbar auch an- 
nimmt, meistens nur bei Stadtgemeinden eintreten dürften, 
ist ein solches Bedenken u. E. von ganz untergeordneter 
Bedeutung. Die Städte und besonders die Grossstädte 
weisen in der Regel so hohe Dichtezahlen auf, dass diese 
Zahlen, wie Schlüter zutreffend sagt, „nichts als leere 
Zahlen sind, die nur besagen, dass der Anteil der boden- 
ständigen' Bevölkerung gleich Null ist". 2 ) Ein durch eine 
solche Veränderung hervorgerufener Unterschied, sei es 
nach oben oder unten, kommt infolgedessen gar nicht in 
Betracht. Damit dürfte auch der andere Einwand Wiechels 
widerlegt sein, dass für die Flurdichte, die, von den 
niedrigsten Zahlen für Waldreviere beginnend und durch 
alle Stufen bis zu den Höchstzahlen für Grossstadtfluren 

x ) Wiechel, H., Volksdichteschichtenkarte von Sachsen in neuer 
Entwurfsart, S. 3. 

2 ) Schlüter, O., Die Siedelungen usw., S. 7t). 



58 



Allgemeiner Teil. 



sich steigernd, eine ganz bestimmte Gesetzmässigkeit auf- 
weist, diese Gesetzmässigkeit bei den Grossstadtfluren 
nicht mehr bestehen kann, weil dieselben zu sehr abhängig 
sind von einer oft zufälligen Angliederuno; benachbarter 
Gebiete. Diese „künstlich aus der Beziehung zur Stadtflur 
erwachsenen Ungleichheiten" werden nach der Ansicht 
Wiechels sofort wegfallen, wenn die Bevölkerung „rein 
geographisch" auf die Landfläche bezogen wird. 1 ) 

Bezüglich dessen, was sich gegen einerein geographische 
Bestimmung der Flächenelemente sagen lässt, verweisen 
wir auf Schlüters Ausführungen in seinen „Siedeluugen 
im nordöstlichen Thüringen". 2 ) Was Schlüter dort dagegen 
geltend macht, gilt auch mehr oder weniger von dem 
mathematischen Verfahren Wiechels. Mag dieses auch 
einzig in seiner Art sein und die früheren mathematischen 
Verfahren gänzlich in den Schatten stellen, so dürfte 
doch die Erwartung Wiechels kaum in Erfüllung gehen, 
dass seine Methode weitere Verbreitung finden wird, 
„weil die nur scheinbaren Schwierigkeiten der Konstruktion 
nach wenigen Proben leicht zu überwinden sind und die 
gewonnene Darstellung, die jeder weitestgehenden Ver- 
feinerung zugänglich ist, auch hochgespannten Erwartungen 
entsprechen dürfte". 3 ) 

Noch ein anderer Einwand ist gegen die Verwendung 
der Gemarkungsgrenze erhoben worden, dass das innerhalb 
der Gemarkungsgrenzen liegende Gebiet zuweilen nur 
zum Teil der Gemeinde oder Gliedern derselben gehört, 
und die Besitzer, die die Nutzniesung des übrigen Teiles 
haben, in anderen Gemeinden wohnen. 

An sich betrachtet, ist dieser Einwand wohl berechtigt. 
Auch in dem hier untersuchten Gebiet liegen in fast allen 
Gemarkungen einzelne Ländereien , die im Besitze von 
Angehörigen anderer Gemeinden sind, wie aus den 
„Mutterrollen" 4 ) der einzelnen Gemeindebezirke ersichtlich 

*) Wiechel, H„ a. a 0., S. 2. 
? ) S. 71 und 72. 

3 ) Wiechel, H., a. a. 0., S. 13. 

4 ) Katasteramt in Melsungen. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



59 



ist. Aber tatsächlich ist die hierdurch hervorgerufene 
Differenz 'im allgemeinen so gering, dass das Gesamtbild 
dadurch keine erhebliche Beeinträchtigung erfährt. Bei 
den komplizierten Verhältnissen der Wirklichkeit darf 
sich die Geographie wohl auch ohne Bedenken mit einem 
übersichtlichen, verallgemeinerten Bilde begnügen. In 
manchen Fällen ist vielleicht eine besondere Behandlung 
angebracht z. B. beim Wald, die wir im zweiten Teile 
noch kennen lernen werden. x ) 

Bei den Anhängern der G-emarkungsmethode gehen 
nun aber die Ansichten besonders über die Ausscheidung 
einzelner Teile der Bevölkerung und der Gemarkung bei 
Berechnung der Dichte teilweise recht weit auseinander. 
Was die Ausscheidung eines Teiles der Bevölkerung an- 
betrifft, so befürwortet zwar Friedrich für die Städte auf 
Grund der Forderungen Küsters 2 ) die getrennte Dar- 
stellung der landwirtschaftlichen Bevölkerung von der 
industriellen und zwar die der ersteren relativ, auf das 
Areal der Gemarkung ausgedehnt, und die der industriellen 
durch Signatur auf das Areal der Städte berechnet, „soweit 
es ausser Zusammenhang steht mit landwirtschaftlichem 
Betrieb", 3 ) führt diese Trennung aber aus Mangel an 
einer Berufsstatistik nicht aus. Ebenso verfahren Friedrichs 
Nachfolger bis auf S and ler 4 ), der als erster den Küster- 
schen Forderungen, die bisher für unausführbar gehalten 
wurden, gerecht wurde. 

Von dem Areal der Gemarkung zieht Friedrich die 
Holzungen ab, stellt dieselben aber auf der Karte dar und 
zwar Laubwald, Nadelwald und gemischten Wald getrennt. 

*) s. S. 95. 

2 ) Küster fordert eine Gliederung der Bevölkerung nach Berufs- 
arten und dementsprechend eine Gliederung des Bodens nach Art 
seiner Benutzung, damit jeder Teil der Bevölkerung auf diejenige 
Fläche verrechnet werden kann, zu der er wirtschaftlich gehört. 
Für den Rest der Bevölkerung verlangt er eine absolute Darstellung 
d. h. eine Darstellung durch Symbole ohne Beziehung auf irgend- 
welche Fläche. Küster, E., a. a. 0., S. 169 u. 170. 

3 ) Friedrich, E., a. a, 0.. S. 6. 
*) Sandler, Chr., Volkskarten. 



60 



AI I gemeiner Teil. 



Die Ausschliessung der Holzungen begründet er damit, 
•dass deren Nutzungswert im Vergleich zu dem eigent- 
lichen Kulturland, das „den wirklichen Lebensraum der 
Bevölkerung darstellt", 1 ) sehr gering und dementsprechend 
ihr Einfluss auf die Volksdichte gewöhnlich unbedeutend 
ist. Nur in einem Falle hat er die Bevölkerung auf das 
gesamte Areal verrechnet, da der Nutzungswert der 
Holzungen hier ein relativ hoher war. Den etwa aus der 
Waldfläche eines Dichtebezirkes Nahrung ziehenden Teil 
der Bevölkerung, den er konsequenterweise von der Ge- 
samtbevölkerung bei gänzlicher Ausscheidung des Waldes 
hätte abziehen müssen, hat er nicht in Abrechnung ge- 
bracht, einmal, weil seine Ermittelung zu zeitraubend war, 
und dann, weil es sich herausgestellt hat, dass derselbe 
auf die DichtezifTer keinen nennenswertn Einfluss ausübt. 2 ) 
Friedrich schaltet also mit einerAusnahme alle Holzungen 
aus. Seine Nachfolger begnügen sich damit vielfach nicht. 
Sie scheiden nicht nur die Holzungen aus, sondern auch 
das Ödland 3 ) und das Areal, das Gewässer, Steinbrüche, 
Sand- und Lehmgruben, Strassen, Eisenbahnen usw. ein- 
nehmen, sodass bei einigen schliesslich nur noch das 
eigentliche Kulturland, bestehend aus Ackerland, Wiesen, 
Gärten and event. Weinbergen, übrig bleibt. 4 ) Der Be- 
griff „bewohnte Kläche" ist in den meisten Arbeiten ver- 
schieden aufgefasst. und daher das Resultat immer ein 
verschiedenes. Diese Verschiedenheit ist nur dem Um- 
stände zuzuschreiben, dass alle Verfasser sich von dem 
Gedanken leiten lassen, die Bevölkerung auf die Boden- 
fläche zu beziehen, die ihr den Lebensunterhalt gewährt. 
Schon bei der Kurvenmethode trat uns dieses Bestreben 
entgegen, wo man durch Ausscheidung der grösseren 
Städte eine Trennung von ,,bodenständiger u und „nicht 

1 ) Friedrich, E. a. a. O. S. 4 u. 5. 

2 ) Derselbe. S. 5 

3 ) Uhlig, C. Die Veränderungen der Volksdichte im nörd- 
lichen Baden 1852 — 95. 

4 ) Krausmüller, Gr. Die Volksdichte in Oberhessen. 
Zörb, K. Die Volksdichte in Eheinhessen. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



61 



bodenständiger" Bevölkerung bewirken wollte. x ) Damit 
aber entfernt man sich, wie Schlüter 2 ; richtig erkannt 
hat, von der ursprünglichen einfachen Volksdichtekarte 
und strebt einem Ziele zu, das von dem Ausgangspunkt 
weit entfernt liegt. Ebenso ergeht es denen, die die 
Volksdichte nur im Sinne des Wohnens auffassen. 3 ) Diese 
Auffassung kommt am besten in der „Wohnplatzkarte" 4 ) 
zum Ausdruck und jene in der Karte der „Erwerbsdichte" 
nach der Bezeichnung Hettners, 5 ) oder der „Volkswirt- 
schaftskarte", 6 ) wie sie Schlüter 7 ) nennt. Die eigentliche 
Volksdichtekarte aber, „soweit allein ihr eigenstes Wesen 
in Betracht kommt, dient lediglich zur Gewinnung einer 
ersten, ganz allgemeinen Übersicht über die Verteilung 
der Bevölkerung. Sie ist jene statistische Karte, gegen 
die sich Ratzel wandte, der es in allererster Linie darum 
zu tun ist, dass die einfache Verhältniszahl, die Dichte- 
ziffer, durch alle Teile der Karte hindurch deutlich und 
un verschleiert hervortritt." 7 ) „Sie ist noch rein statistisch 
abstrakt und hat an sich weder die Aufgabe, die Menschen 
an den Stellen zu verzeichnen, an denen sie tatsächlich 
wohnen, noch auch die Bewohner eines Landes auf den 
Teilen des Landes darzustellen, von denen sie die Mittel 
zu ihrem Lebensunterhalt gewinnen." Jedoch „muss sie 
in Ermangelung von Karten, die diese Verhältnisse dar- 
stellen, versuchen, sie vorderhand so gut es geht zu er- 
setzen. Das einzige aber, was sie in dieser Beziehung 
tun kann, ist, dass sie durch weitgehende Teilung des 
Gebietes einen hohen Grad von Genauigkeit erreicht und 
dass sie durch zweckmässige Wahl der zu verwendenden 
Flächenelemente dem Bedürfnis nach Erkenntnis der 



x ) Vergl. S. 51. 

2 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 60. 

3 ) Vergl. S. 67. 

4 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 53. 

5 ) Hettner, A. Über die Untersuchung und Darstellung der 
Bevölkerungsdichte. S. 504. 

6 ) Hierhin gehören die Karten Sandlers. s. S. 59. 

7 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 61. 



62 



Allgemeiner Teil. 



wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Menschenzahl und 
Boden nach Möglichkeit entgegenkommt. Eine Gliederung 
des Bodens und der Bewohner kann sie nicht vornehmen, 
weil hierdurch das Ablesen der einzelnen Dichteziffern 
erschwert oder gar unmöglich gemacht wird und lediglich 
Halbheiten sich ergeben." r ) „Überdies würde die Ver- 
gleichbarkeit der verschiedenen Karten untereinander da- 
durch beeinträchtigt werden, dass jeder neue Versuch, sich 
auf diesem Wege der Volkswirtschaftskarte zu nähern, wahr- 
scheinlich immer anders ausfiele als die früheren." 2 ) „In- 
dem die Dichtekarte jedoch an einer Stelle ungewöhnlich 
hohe, an einer anderen auffallend niedrige Dichtegrade 
anzeigt, macht sie darauf aufmerksam, dass Abweichungen 
von dem wirtschaftlichen Zustand bestehen, der in dem 
betreffenden Gebiete vorherrscht, Abweichungen, deren 
Art sie selbst nicht angibt, die aber im Text oder auf 
andere Weise ihre Erläuterung finden können." 3 ) 

Diesen seinen Ausführungen entsprechend hat dann 
Schlüter seine Volksdichtekarte des nordöstlichen Thüringen 
angefertigt. Auch er legt der Dichteberechnung die Ge- 
markung zu Grunde als die Fläche, zu der die innerhalb 
ihrer Grenzen wohnenden Menschen in den engsten Be- 
ziehungen stehen. Für sie ist die Gemarkung bis zu 
einem gewissen Grade tatsächlich der „Lebensraum". 
Wenn die Gemarkung diesen auch wohl niemals ganz 
umfasst, so wird sich doch „keine bestimmt feststellbare 
Fläche finden lassen, mit der die Bevölkerung alles in allem 
genommen inniger verwachsen wäre." 4 ) Auf diese Fläche 
verrechnet er die gesamte auf ihr wohnende Bevölkerung. 

Den Wald, der bisher bei der Berechnung fast 
durchweg gänzlich ausgeschieden, auf der Karte aber 

*) Derselbe. S. 66 und 67. 

2 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 64. 

3 ) Derselbe. S. 63. Wir haben hier die wichtigsten Sätze 
Schlüters über das Wesen und die Aufgabe der eigentlichen Volks- 
dichtekarte wörtlich wiedergegeben, um deren Eindruck in keiner 
Weise abzuschwächen. 

4 ) Derselbe. S. 72 und 73. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



63 



durch einen besonderen — gewöhnlich grünen — Farben- 
ton kenntlich gemacht wurde, behandelt Schlüter in anderer 
Weise. Die grösste Schwierigkeit boten die selbständigen 
Forsten, die keiner Gemarkung angehören, und die in den 
statistischen Verzeichnissen als besondere „Forstguts- 
bezirke" verzeichnet sind. Diese Schwierigkeit hat Schlüter 
dadurch beseitigt, dass er diese Waldungen als besondere 
Dichtebezirke auffasst. 1 ) Ebenso wie bei den übrigen Ge- 
markungen werden auch hier die Menschen, die innerhalb 
dieser Bezirke wohnen, auf deren Fläche verrechnet. 

Mit Kirchhoff müssen wir sagen , dass sich eine 
solche Behandlung der selbständigen Forsten „vortrefflich 
bewährt, sobald die umliegenden Ortschaften gar keinen 
Anteil an deren Ausnutzung haben. Dadurch erst springt 
der zu erwartende Einfluss der verschiedenartigen Frucht- 
barkeit der Ackerkrume auf die Volksverdichtung vom 
Landbau lebender Gemeinden klar ins Auge." 2 ) Den 
Gemeindewald schliesst Schlüter bei der Berechnung nicht 
aus, da keine Veranlassung vorliegt, ihn als einen Teil 
der Gemeindeflur von dieser zu trennen, „wenn man ein- 
mal die Gemeinde zur Grundeinheit gemacht hat.' 4 3 ) 
Ebenso behandelt er den Wald der Gutsbezirke. Bei den 
Gutsbezirken selbst verfährt er so, dass er die kleineren 
Güter, die in Verbindung mit Dörfern oder Städten stehen, 
in Gemeinschaft mit diesen als eine Gemarkung ansieht, 
grössere, selbständige Güter dagegen ebenso wie die selbst- 
ständigen Forsten gesondert darstellt. 

Bei Berechnung der Dichte bringt also Schlüter die 
ganze Gemarkungsfläche ohne Abzug irgend eines Teiles 
derselben in Anrechnung. Eine solche Verwendung der 
Gemarkung verwirft Friedrich. 4 ) Auf Grund der Wechsel- 
wirkung zwischen Mensch und Natur nimmt nämlich 
Friedrich eine methodische Scheidung der Anthropo- 

*) Derselbe. S. 83. 

2 ) Zeitschrift d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin. 1904. S. 539. 

3 ) Schlüter, O. Die Siedelungen usw. S. 82. 

4 ) Friedrich, E. Besprechung- der Schlüterschen Arbeit: Die 
Siedelungen usw. Pet. Mitt. 1906. H. 2. S. 107 ff. 



64 



Allgemeiner Teil. 



geographie vor. Der Anthropogeographie im engeren 
Sinne weist er vornehmlich die Einwirkung der Natur 
auf den Menschen als Gegenstand der Betrachtung zu, 
während er die Einwirkung des Menschen auf die Natur 
in erster Linie der Wirtschaftsgeographie vorbehalten 
wissen will. Zum Gebiet der letzteren rechnet er auch 
„die Bevölkerung nach ihrer Dichte und ihrem Anhäufungs- 
verhältnis" als das, .Resultat der Wirtschaft/ 41 ) Von diesem 
rein wirtschaftsgeographischen Standpunkt aus verlangt 
er die Ausscheidung des Waldes als „menschenabstossende 
Fläche." 2 ) 

Diese Auffassung ist u. E. mindestens ebenso einseitig 
als die „einseitig anthropogeographische", die Friedrich 
Schlüter zum Vorwurf macht, Wir glauben der Schlüter- 
schen Auffassung den Vorzug geben zu müssen, da sie nicht 
von vornherein ein so wichtiges Moment für die ver- 
schiedene Verteilung der Bevölkerung, wie es der Ein- 
fluss der Natur ist, teilweise gänzlich ausschaltet, sondern 
auch dieser Seite der Wechselwirkung genügend Rechnung 
trägt, deren beiderseitige Wirkung kennen zu lernen für 
den Geographen stets von Interesse ist. Eine methodische 
Trennung auf Grund der Wechselwirkung erscheint uns 
darum als eine nicht gerade glückliche Wahl. 

Den Gemeinde- und Gutswald, der bei der Berechnung 
der Dichte nicht ausgeschlossen wird und deshalb auf der 
Karte eigentlich nicht sichtbar sein sollte, wird von 
Schlüter ebenso wie die selbständigen Forsten mit einem 
grauen Farben ton gekennzeichnet; doch nur zu dem 
Zwecke, um zur Veranschaulichung des Reliefs des Landes 
beizutragen. Wo der Wald wie hier auf die Höhen be- 
schränkt ist, empfiehlt nämlich Schlüter sämtliche Wal- 
dungen in die Karte einzutragen, da aus deren Verbreitung 
oft schon Hoch- und Tiefland deutlich zu unterscheiden 
seien. 3 ) Zur weiteren Veranschaulichung der Gelände- 

x ) Friedrich. E. Allgemeine und spezielle Wirtschaftsgeographie. 

S. 17 und 18. 

2 ) Derselbe. Besprechung usw. Pet. Mitt. S. 108. 

3 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 85 u. 86. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



65 



formen hat er noch Höhenlinien eingezeichnet, wodurch 
er „die Vergleichbarkeit innerhalb der Karte auf eine 
ziemlich hohe Stufe" gebracht zu haben glaubt. 

Hier sind wir bei einer zweiten technisch-praktischen 
Frage angekommen, die für die Übersichtlichkeit der Karte 
fast ebenso wichtig erscheint als die erste Frage, die im An- 
schluss an die Karte Nedderichs besprochen worden ist. 1 ) 
Es handelt sich darum, ob auf der Volksdichtekarte das 
Eelief des Landes veranschaulicht werden soll oder nicht. 
Dass die Möglichkeit zu einem Vergleich mit den Gelände- 
formen geschaffen wird, muss man mit Schlüter „in hohem 
Grade- wünschen. 2 ) Freilich darf dieses nicht durch die 
kartographische Wiedergabe der Volksdichte selbst schon 
versucht werden, indem man die Volksdichtekarte den 
physisch-geographischen Verhältnissen in irgend einer 
Weise nach Belieben anpasst 3 ), wie es die an zweiter Stelle 
besprochene Methode tut. Aber ebensowenig erscheint 
uns das von Schlüter empfohlene Verfahren zu diesem 
Zwecke besonders geeignet, weil durch die Kenntlich- 
machung des Waldes die Bodenplastik nur ganz unvoll- 
kommen veranschaulicht wird und dann vor allen Dingen, 
weil durch die Vereinigung von so vielem auf einer Karte 
deren Übersicht erheblich gestört wird. Wir müssen viel- 
mehr verlangen, dass das Relief des Landes nicht nur 
„ausser der kartographischen Wiedergabe der Volks- 
dichte" 4 ) dargestellt wird, sondern überhaupt ganz ausser- 
halb der Dichtekarte auf einer besonderen Karte, damit 
die Klarheit der Dichtekarte keine Einbusse erleidet. Dem- 
entsprechend haben wir für unser Gebiet eine besondere 
Höhenschichtenkarte angefertigt. 

Fassen wir das bisher Gesagte noch einmal kurz 
zusammen, so kommen wir zunächst zu folgenden Er- 
gebnissen : 



>) s. S. 52. 

2 ) Schlüter, 0. Die Siedelun«en usw. S. 84. 

3 ) Schlüter, 0. Die Siedelungen usw. S. 84. 
*) Derselbe S. 85. 



66 



L Für den eigentlichen methodischen Teil: 

L Der Berechnung der Dichte ist die Gemarkung 
zu Grunde zu legen und zwar ohne Abzug 
irgend eines Teiles derselben. 

2. Auf diese Fläche wird die gesamte auf ihr 
wohnende Bevölkerung verrechnet. 

3. Die selbständigen Forsten sind als besondere 
Dichtebezirke aufzufassen und dementsprechend 
zu behandeln. 

-L Die grossen Güter, die in keinem Zusammen- 
hang mit Städten oder Dörfern stehen, werden 
wie die selbständigen Forsten behandelt. 
IL Für den technisch-praktischen Teil: 

L Für die Darstellung der Dichte sind die Schratten 

den Farben vorzuziehen. 
2. Das Relief des Landes ist nicht auf der Dichte- 
karte selbst zu veranschaulichen, sondern auf 
einer besonderen Karte. 
Aus unseren bisherigen Erörterungen geht wohl zur 
Genüge die eingangs erwähnte grosse Bedeutung der 
Schlüter" sehen Ausruhm n gen hervor, die zur Klärung der 
verschiedenen Ansichten sehr viel beigetragen habfen. 
Schlüter gebührt das Verdienst, die Volksdichtekarte ihrem 
Wesen und ihrer Aulgabe nach klar eriasst und wieder 
zu Ehren gebracht zu haben, schon darum wird seine 
Arbeit immer ein Markstein in der Geschichte der Methodik 
der Volksdichtedar Stellung sein. 

Wir tragen nun aber weiter : Ist die im Schlüter" sehen 
Sänne angewandte Gemarkungsmethode keiner Ver- 
besserung mehr fähig, wa? die Methode anbetrifft"? 

In richtiger Erkenntnis des Wesens der eigentlichen 
Volksdichtekarte hebt Schlüter hervor, dass der Dichte- 
karte an sich weder die Aufgabe zufallt, die Menschen da 
zu verzeichnen, wo sie tatsächlich wohnen . noch auch die 
Bevölkerung eines Landes auf den Teilen des Bodens dar- 
zustellen, die ihnen die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt 
gewähren, dass sie diese Verhältnisse aber, sofern sie nicht 



Die Yolksdichte im Kreise \Telsungen usw. 



auf besonderen Karren vorhanden sind, vorderhand, so 
gut es geht , ersetzen muss. 1 Wie solches bezüglich der 
Darstellung der Bevölkerung auf dem ihr Nahrung 
spendenden Boden zu geschehen hat. haben wir bereits 
gesehen. 2 Wie man aber in Bezug auf den ersten Punkt 
zu verfahren hat. darüber lässt uns Schlüter im unklaren. 

Ratzel sagt : .Es kommt nicht bloss auf die absolute 
Zahl und auf die zahlenmässige Zusammensetzimg eines 
Tolkes aus seinen Elementen an, sondern auch auf die 
geographische Verteilung, von der auch immer die soziale 
abhängt. In welchem Gebiete ? In welchen Anhäufungen ? 
Das sind Fragen, die für den politischen Geographen sich 
unmittelbar anreihen an die Frage : Wie gross ist die Zahl ? 
Diese Frage empfängt die rechte Beleuchtung erst aus 
der Verteilung über das Land. Das ist ein Verhältnis, 
das die Volksdichte verschleiert. Gerade den Dichte- 
unterschieden gegenüber ist die Frage der Verteiluni: zu 
stellen." 3 Durch die hier von Ratzel besonders hervor- 
gehobene geographische Verteilung der Bevölkerung über 
das Land — und zwar durch sie allein — hat man Otters 
die Volksdichte darzustellen versucht. Es ist dieses die 
zweite grosse Gruppe von Dichtekarten, die. wie erwähnt, 
die Volksdichte im Sinne des Wohnens auffassen: es sind 
die sogen. Siedelungskarten 4 . die wir zu Beginn den 
eigentlichen Dichtekarten gegenübergestellt haben, oder 
die Karten, die die Dichte nach «absoluter Methode 8 dar- 
stellen nach der Bezeichnung Xeukirehs. 5 Auf ihnen 

1 Schlüter. 0.. Die Siedelungen. S. ^ 
*) s. S. 61 u. 62. 

3 ) Ratzel. F.. Politische Geographie. S. 391 u. 398. 

^ z. B. Gloy. A.. Beiträge zur Siedelungskunde Xoriä'binziens : 
Busehik. K.. Die Abhängigkeit der verschiedenen Bev;".k Un- 
dichtigkeiten des Königreichs Sachsen von den gec^rraph. ßedingu::_e--: 

*J Xeukirch. K.. a. sl .. S. 4. Von dieser Bezeichnung Neukirchs 
sagt Hettner sehr richtig, dass es eigentlich ein Widerspruch ist. 
von einer absoluten Darstellung der Bevölkerungsdichte zu 
sprechen. Die relative Bedeutung der Bevölkerunsdichte habe man 
3ehr oft ganz vergessen und ihn für Bevölkerung schlechthin an- 
gewandt. Hettner. A.. Geographische Zeitschrift. 1901, S. 508 Anni. 2. 



5* 



68 



Allgemeiner Teil. 



ist die topographische Verteilung der Siedelungen und 
deren absolute Einwohnerzahl durch verschieden abge- 
stufte Signaturen angegeben. Auf diese Karten braucht 
hier nicht näher eingegangen zu werden, da eine aus- 
führliche Besprechung derselben zum Verständnis der von 
uns gewählten Methode nicht erforderlich ist. 1 ) Von 
namhaften Geographen wie Ratzel -) und Hettner 3 ) ist 
versucht worden, diese Karten den eigentlichen Dichte- 
karten gleich oder vielmehr über sie zu stellen, indem 
man nur sie als eigentliche Dichtekarten hat gelten lasssen 
wollen. Dagegen ist jedoch geltend gemacht worden, 
dass die Dichte hier überhaupt ganz anausgedrückt bleibt, 
weil jede Beziehung zu einer Fläche fehlt; darum ist 
diesen Karten mit Recht der Charakter echter Dichte- 
karten abgesprochen worden. 

Anstatt nun aber die Siedelungskarten in direkten 
Gegensatz zu den Dichtekarten zu bringen, wie es gewöhn- 
lich geschieht, müssen wir sie vielmehr als eine wertvolle 
Ergänzung der Dichtekarten ansehen und beide in Verbin- 
dung zu bringen suchen. Auf diese Weise lassen sich 
vielleicht die Gegensätze ausgleichen und die Ansprüche 
beider Seiten befriedigen. 

Eine aus der Verbindung beider Methoden hervor- 
gegangene Karte leistet gute Dienste. Tragen wir 
in die auf Grundlage der Gemarkungen gezeichnete 
Dichtekarte sämtliche Siedelungen durch Symbole ein, 
die die Einwohnerzahl in verschiedenen Stufen wieder- 
geben, so beantwortet eine solche Karte nicht nur die 
Fragen: Wie gross ist die Zahl ? und: In welchem Gebiet ? 
sondern auch die anderen Fragen: Wo wohnt die Be- 
völkerung? und: In welchen Anhäufungen? 



1 ) Vergl. z. B. Neukirch, K., a. a. 0.. S. 5 bis 20. wo derselbe 
eine eingehende kritische Betrachtung der nach dieser Methode ge- 
zeichneten Karten angestellt hat. 

2 ) Ratzel, F., Anthropogeographie, Bd. II, bes. S. 188— 1Ü4. 

3 ) Hettner, A.. Über bevölkerungsstatistische Grundkarten. — 
Über die Untersuchung und Darstellung der Bevölkerungsdichte. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



69 



2. Wahl des Gebietes. 

Nachdem im vorigen Abschnitt die Methode erläutert 
worden ist, sollen im Anschluss daran einige Worte über 
die Wahl des Gebietes gesagt werden, auf das wir unsere 
Methode in Anwendung gebracht haben. Die anfängliche 
Absicht war es, das Flussgebiet der mittleren Fulda, bei 
Breitenbach in der Nähe des Eisenbahnknotenpunktes 
Bebra beginnend bis zum Einfluss der Eder, also dem 
vorwiegend in nordwestlicher Richtung fliessenden Teil 
derselben, zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. 
Leider mussten wir dieses Vorhaben bald aufgeben, da in 
dem sonst so vortrefflichen Kartenwerk Hessens Mess- 
tischblätter mit eingezeichneten Gemeindegrenzen bisher 
nicht vorhanden waren, die neuen in Bearbeitung befind- 
lichen aber voraussichtlich erst in einigen Jahren fertig 
gestellt sein werden, wie wir an zuständiger Stelle erfahren 
haben, und auch alle unsere Bemühungen, eine andere 
Karte von diesem Gebiete mit Gemarkungsgrenzen aus- 
findig zu machen, erfolglos blieben. Die auf den Kataster- 
ämtern vorhandenen Kartenblätter aber sind in so grossem 
Massstabe 1 1 : 1500 bis 1 : 500) gezeichnet und bestehen in- 
folgedessen aus so vielen Teilen, dass es unmöglich ist, 
sie zusammenzustellen und auf einen geeigneten Massstab 
zu reduzieren. 

Als einzige Karte mit jedoch nicht allen Gemarkungs- 
grenzen fand sich bei unseren Nachforschungen eine aus 
einzelnen Blättern der „Niveaukarte von Kurhessen" *) 
zusammengesetzte Karte des Kreises Melsungen im Mess- 
tischblättermassstabe, die sich im Privatbesitz des Herrn 
Katasterkontrolleurs Rübe in Melsungen befindet. Derselbe 
hatte die Güte, uns diese Karte für einige Zeit zur Ver- 
fügung zu stellen, wofür ihm auch hier nochmals bestens 
gedankt sei. Auf diesen politisch abgegrenzten Teil des 
von uns anfänglich beabsichtigten natürlichen Gebietes 
musste sich nun unsere Untersuchung beschränken. Was 
dem Gebiet an Umfang fehlt, ist durch möglichste Gründ- 



') Blatt 31. 32, 33. 42. 43 und 44. 



70 



Allgemeiner Teil. 



lichkeit zu ersetzen versucht worden. Bezüglich der 
politischen Begrenzung sind wir mit Friedrich der 
Meinung, dass schliesslich „jede Zusammenfassung von 
Gemarkungen ein geographisches Gebiet ist, über dem die 
Bevölkerung in bestimmter Weise ausgebreitet ist und 
dessen Begrenzung auf das Bild der Volksdichte keinen 
Einnuss haben kann". 1 ) Ausserdem ist mit der Be- 
schränkung auf ein politisches Gebiet zugleich der grosse 
Vorteil verbunden, dass das statistische Material einheit- 
licher und leichter zu beschaffen ist. 

3. Herstellung der Dichtekarte. 

Es ist bereits gesagt worden, dass nicht alle Ge- 
markungsgrenzen in die Niveaukarte eingetragen waren; 
darum war es unsere erste Aufgabe, die noch fehlenden 
Grenzen zu beschaffen. Da die Grenzen zwischen den 
Gemeinden bis auf drei vorhanden waren, machte die Er- 
gänzung nach dieser Seite hin keine besonderen Schwierig- 
keiten, mit Hülfe der auf dem Katasteramt in Melsungen 
vorhandenen Kartenblätter war dieses Ziel bald erreicht. 
Weit grössere Schwierigkeiten bereitete die Nachtragung 
der Grenzen zwischen den Gemeinden und den selbst- 
ständigen Forsten, die zum grossen Teile fehlten, und der 
Grenzen zwischen den einzelnen Forstbezirken unter- 
einander, die überhaupt nicht vorhanden waren. Nachdem 
der vergebliche Versuch gemacht worden war, auch diese 
Grenzen vermittels der Kartenblätter des Katasteramtes 
in Melsungen nachzutragen, blieb uns nichts anderes übrig, 
als uns an die einzelnen Oberförstereien zu wenden. Den 
uns bereitwilligst überlassenen Wirtschaftskarten der Ober- 
förstereien Eiterhagen, Felsberg, Melsungen. Morschen, 
Spangenberg und Stölzingen, die ebenfalls im Massstabe 
1:25000 entworfen sind, entnahmen wir nicht nur die 
fehlenden Grenzen, sondern unterzogen auch sämtliche 
Waldgrenzen einer genaueren Prüfung und berichtigten 
dieselben da, wo durch das inzwischen beendete Zusammen- 



J ) Friedrich, E. a. a. 0. S. 15. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 71 



legungsverfahren Änderungen durch Austausch zwecks 
Abrundung vorgenommen worden waren. 

Nach diesen Vorbereitungen konnten wir an die Re- 
duzierung der Karte gehen, die dadurch wesentlich er- 
leichtert wurde, dass uns die Kgl. Spezialkommission in 
Melsungen ihren vorzüglichen Pantographen gütigst zur 
Benutzung überliess; Herrn Oberlandmesser Baldus für 
sein freundliches Entgegenkommen verbindlichsten Dank. 

Da sämtliche Einzelsiedelungen eingetragen werden 
sollten, wählten wir den ziemlich grossen Masstab 
1 : 150000. Während des Reduzierens erkannten wir jedoch, 
dass dieser Massstab noch zu klein war, da bei demselben 
die am dichtesten besiedelte, sehr kleine Gemarkung 
Altenburg am Zusammenfluss der Eder und Schwalm fast 
ganz verschwand. Um diesem Übelstande abzuhelfen, 
mussten wir uns für einen noch grösseren Masstab ent- 
schliessen. Obwohl es aus verschiedenen Gründen sehr 
nahe lag, den bequemeren Masstab 1 : 100 000 zu wählen, 
sahen wir doch davon ab und nahmen den Masstab 
1:115000, weil die Grundlage für die Höhenschichtenkarte 
unseres Gebietes l ) in diesem Masstab gezeichnet ist, eine 
Reduktion derselben in dem Masstab 1:100000 aber mit 
ganz erheblichen Schwierigkeiten verknüpft gewesen wäre. 

Der Berechnung der Dichte legten wir die Ergebnisse 
der letzten Volkszählung (1. Dez. 1905) zu Grunde, die 
wir den Akten des Landratsamtes in Melsungen entnahmen, 
da sie noch nicht veröffentlicht waren. Die uns zugäng- 
liche Zusammenstellung enthielt nur die Einwohnerzahlen 
der einzelnen Gemeinden, nicht die der einzelnen Siede- 
lungen. Letztere haben wir einige Monate nach der 
Zählung teils persönlich mündlich ermittelt, teils durch 
Anfragen bei den Bürgermeistern in Erfahrung gebracht, 
sodass also das verwendete Zahlenmaterial als homogen 
angesehen werden kann. 

Die Zahlen für den Flächeninhalt der Gemeinde-, 
Guts- und Forstbezirke lieferte das Viehstands- und 



*) Brunnemann, M. Höhenschichtenkarte der Werra-Fulda- 
Landschaft. 



72 



Allgemeiner Teil. 



Obstbaumlexikon für den preussischen Staat vom 
Jahre 1900, das auch die Grösse des Kulturlandes der 
einzelnen Gemeinden enthält. Die dort gemachten An- 
gaben konnten freilich nur teilweise verwertet werden, da 
sich herausstellte, dass die betreffenden Werte nicht mehr 
ganz stimmen. Inzwischen sind durch teilweise Umge- 
meindungen namentlich von Forsten im Anscliluss an das 
in den meisten Gemeinden beendete Zusammenlegungs- 
verfahren, weniger durch die dabei vorgenommenen Neu- 
aufmessungen und deren vielleicht etwas genauere Werte, x ) 
in einigen Gemeinden recht erhebliche Veränderungen ein- 
getreten. Eine vollständige Zusammenstellung der jetzigen 
Ausdehnung der Gemeindebezirke enthält die „Hauptüber- 
sicht des Bestandes der Liegenschaften und der davon 
veranlagten Grundsteuer" auf dem Katasteramt in 
Melsungen, an deren Hand wir die Angaben des Lexikons 
berichtigt haben, bevor wir die Dichte berechneten. Die 
Grösse des Kulturlandes, wie sie das Lexikon enthält, 
haben wir nach den Angaben der „Flurbücher" -) korrigiert. 

Nach der Berechnung der Dichte für die einzelnen 
Gemeinden wurden die Dichtestufen aufgestellt. Als 
Ausgangspunkt diente die Durchschnittsdichte des ganzen 
Gebietes, die 74 beträgt, da sie auf 75 abgerundet mit 
einer passenden Stufengrenze zusammenfällt. Sonst em- 
pfiehlt es sich durchaus nicht, die mittlere Dichte zur 
Bildung der Skala heranzuziehen, worauf schon Hettner, 3 ) 
durch den Statistiker Mayr 4 ) angeregt, hinweist, da die 
Vergleichbarkeit der Karten dadurch ebenso erschwert 
oder gar unmöglich gemacht wird wie durch Verwendung 
verschiedener Methoden. Einheitlichkeit ist deshalb hier 
ebenso sehr erforderlich wie bei der Methode ; darum sind 



*) Mitteilung des Herrn Katasterkontrolleurs Rübe in Melsungen. 

2 ) „Flurbücher" sämtlicher Gemeinden. Katasteramt Melsungen. 

3 ) Hettner, A. Geogr. Zeitschr. 1901. S. 580. 

4 ) v. Mayr, G. Zur Verständigung über die Anwendung der 
„Geogr. Methode i. d. Statistik". Zeitschr. d. Kgl. Bayrisch. Statist. 
Bureaus. 1871. S. 179—182. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



73 



wir dem Wunsche Schlüters 1 ) gern nachgekommen und 
haben uns von 1 bis 100 der von ihm vorgeschlagenen 
Stufenfolge bedient, die wir aus obigem Grunde zugleich 
allen Nachfolgern empfehlen. 

Unter dem Mittel: 

I. — 5 Einwohner auf 1 qkm] , ... . 
TT 1 | sehr dünn bevölkert 

JLX. O £0 ,, 1 J 

III. 25—50 „ „ 1 ,. massig bevölkert 

IV. 50—75 „ „ 1 „ gut bevölkert 

Uber dem Mittel: 
V. 75 — 100 Einwohner auf 1 qkm gut bevölkert 
VI. 100-125 „ „ 1 qkm! bevolkert 

VII. 125-150 „ „ 1 „ J &taik be ' oikeit 

VIII. 150—200 „ „ 1 „ ] 

IX. 200—250 „ „ 1 sehr stark bevölkert 

X. mehr als 250 „ „ 1 „ 1 

Stufe III bis VII haben den verhältnismässig kleinen 
Abstand von je 25 erhalten. Für Stufe VIII bis IX er- 
schien der doppelte Abstand ausreichend und eine noch- 
malige Teilung überflüssig; da nur wenige Gemeinden 
diesen Stufen angehören. Mehr als 250 Einwohner auf 
1 qkm weist nur eine Gemeinde auf, darum konnte die 
Skala mit dieser Stufe abgeschlossen werden. 

Eine Zusammenfassung mehrerer Gemarkungen zu 
etwas grösseren Dichtebezirken, die manchmal in nicht 
genügend sorgfältiger und darum nicht zu billigender 
Weise auf Kosten der Genauigkeit ausgeführt worden ist, 
ist hier nicht vorgenommen worden, da unser kleines 
Gebiet eine solche nicht notwendig erscheinen liess. Bei 
grösseren Gebieten mag eine teilweise Zusammenfassung 
Wegen der damit verbundenen besseren Übersichtlichkeit 
angebracht sein; dann darf aber wohl verlangt werden, 
dass vorher sorgfältig geprüft und erwogen wird, welche 
Gemarkungen sich zusammenfassen lassen, ohne den Wert 
der Karte wesentlich zu beeinträchtigen. 



l ) Schlüter, O. Die Siedelungen usw. S. 93. Anm. 2. 



74 



Allgemeiner Teil. 



In die Dichtekarte haben wir in Übereinstimmung mit 
unseren methodischen Ausführungen zuletzt noch durch 
möglichst viele nach der Einwohnerzahl abgestufte Symbole 
die geschlossenen Ortschaften und sämtliche Einzelsiede- 
lungen eingetragen, wobei unter Einzelsiedelung nur solche 
Wohnplätze zu verstehen sind, die wesentlich ausserhalb 
eines Ortes liegen. 

4. Material und Literatur. 

Volks dichte. 

Ambrosius, E. Die Volksdichte am Niederrhein. Forsch, z. deutschen 
Landes- u. Volkskunde. Bd. XIII, Heft 3. Stuttgart 1901. 

Bergmann, K. Die Volksdichte der Grossherzogl. Hessischen Provinz 
Starkenburg. Forsch, z. d. L. u. V. Bd. XII, H. 4. Stuttgart 1900. 

Burgkhardt, J. Das Erzgebirge. Eine ororaetrisch-anthropogeographische 
Studie. Forsch, z. d. L. u. V. Bd. HI, H. 3. Stuttgart 1889. 

Buschik, R. Die Abhängigkeit der verschiedenen Bevölkerungsdichtig- 
keiten des Kgr. Sachsen von den geogr. Bedingungen. Wiss. 
Veröffentl. d. Vereins f. Edk. z. Leipzig. Bd. II. Leipzig 1895. 

Delitsch, 0. Kartographische Darstellung der Bevölkerungsdichtigkeit 
von Westdeutschland auf Grund hypsometrischer u. geognostischer 
Verhältnisse. Leipzig 1866. 

Friedrich, E. Die Dichte der Bevölkerung im Kgbzk. Danzig. Schriften 
d. naturforschenden Ges. in Danzig, 1896. Neue Folge. Bd. IX, H. 1. 
Besprechung der Schlüterschen Arbeit: Die Siedelungen. im nord- 
östlichen Thüringen. Pet. Mitt. 52. Bd., H. 2, 1906. S. 107 ff. 
Allgemeine und spezielle Wirtschaftsgeographie. Leipzig 1904. 

Hackel, A. Die Besiedelungs Verhältnisse des oberösterreichsichen Mühl- 
viertels in ihrer Abhängigkeit von natürl. u. geschieh tl. Bedin- 
gungen. Forsch, z. d. L. u. V. Bd. XIV, H. 1. Stuttgart 1902. 

Gelbke, C. Die Volksdichte des Mansfelder See- u. Saalkreises. Diss. 
Halle 1887. 

Gloy, A. Beiträge zur Siedelungskunde Nordalbingiens. Forsch, z. d. 
L. u. V. Bd. VII, H. 3. Stuttgart 1892. 

Hettner, A. Über bevölkerungsstatistische Grundkarten. Geogr. Zeit- 
schrift, Bd. VI, S. 185-193. Leipzig 1900. 

— Über die Untersuchung und Darstellung der Bevölkerungsdichte. 
Geogr. Zeitschrift, Bd. VII, S. 498—514, 574—582. Leipzig 1901^ 

Käsemacher, C. Die Volksdichte der thüringischen Triasmulde. Forsch, 
z. d. L. u. V. Bd. VI, H. 2. Stuttgart 1892. 



Die Yolksdichte im Kreise Melsungen usw. 



75 



Kirchhoff. Besprechung der Schlüterschen Arbeit: Die Siedelungen im 

nordöstl. Thüringen. Zeitschr. d. Gesellschaft f. Erdkunde zu 

Berlin, 1904. S. 537 ff. 
Krause, R. Volksdichte und Siedelungsverhältnisse der Insel Rügen. 

VIII. Jahresbericht d. Geogr. Gesellschaft zu Greifswald. Greits- 

wald 1904. 

Krausmüller, 6. Die Volksdichte der Grossherzogl. Hessischen Provinz 
Oberhessen. Diss. Giessen 1900. 

Küster, E. Zur Methodik der Volksdichtedarstellung. Ausland, 1891, 
64. Jahrgang, S. 154-158, 166-170. 

Nedderich, W. Wirtschaf tsgeogr. Verhältnisse, Ansiedelungen u. Be- 
völkerungsverteilung im ostfälischen Hügel- u. Tieflande. Forsch, 
z. d. L. u. V. Bd. XIV, H. 3. Stuttgart 1902. 

Neukirch, K. Studien über die Darstellbarkeit der Volksdichte mit be- 
sonderer Rücksichtnahme auf den Elsässischen Wasgau. Diss. 
Freiburg i. B. 1897. 

Neumann, L. Die Volksdichte im Grossherzogtum Baden. Forsch, z. 
d. L. u. V. Bd. VII, H. 1. Stuttgart 1892. 

Ratzel, F. Anthropogeographie, 2. Teil. Stuttgart 1891. 

— Politische Geographie. München u. Leipzig 1897. 

Sandler, Chr. Volkskarten. Karten über die Verteilung der Bevölke- 
rung im Rgbzk. Oberfranken, Bezirksamt Garmisch. Herzogtum 
Oldenburg, "in der Lichtenfelser Gegend und im 9. Bzk. der Stadt 
MüncheiCnach neuerMethode gezeichnet u. erläutert. München 1899. 

Schlüter, 0. Die Siedelungen im nordöstlichen Thüringen. Ein Beispiel 
für die Behandlung siedelungsgeographischer Fragen. Berlin 1903. 

— Plan zur Gründung einer anthropogeogr. Zeitschrift unter dem 

Titel „Archiv für die Geographie des Menschen". 
Sprecher von Bernegg, H. Die Verteilung der bodenständigen Be- 
völkerung im Rheinischen Deutschland im Jahre 1820. Diss. 
Göttingen 1887. 

Stoltenburg, H. Die Verteilung der Bevölkerung im Rgbzk. Köslin. 

VI. Jahresbericht der Geogr. Ges. z. Greifswald. Greifswald 1896. 
Träger, E. Die Volksdichtigkeit Niederschlesiens. Zeitschr. f. wissensch. 

Geographie zu Weimar. Bd. VI. Weimar 1888. 
Uhlig, C. Die Veränderungen der Volksdichte im nördlichen Baden 

' 18 52_ 1895. Forsch, z. d. L. u. V. Bd. XI, H. 4. Stuttgart 1899. 
Wagner, E. Die Bevölkerungsdichte in Südhannover und deren Ursachen. 

Forsch, z. d. L. u. V. Bd. XIV, H. 6. Stuttgart 1902. 
Wagner, H. Lehrbuch d. Geographie. Bd. 1. Hannover u. Leipzig 1900. 
Weyhe, E. Die Volksdichte im Herzogtum Anhalt. Mitt. d. Vereins 

f. Erdkunde z. Halle. Halle 1889. 



76 



Allgemeiner Teil. 



Wiechel, H. Volksdichteschichtenkarte von Sachsen in neuer Entwurfs- 
art. Zeitschr. d. Kgl. Sachs. Stat. Bureaus, 50. Jhg. 1904, H. 1 u. 2. 

Wolff, H. Die Verteilung der Bevölkerung im Harz. Diss. Halle 1893. 

Zimmermann, F. W. R. Einflüsse des Lebensraumes auf die Gestaltung 
der Bevölkerungs Verhältnisse im Herzogtum Braunschweig. Jahr- 
buch der Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im 
Deutschen Keich. 21. Jhg., H. 2. Leipzig 1897. 

Zörb, K. Die Volksdichte der Grossherzogl. Hess. Provinz Eheinhessen. 
Diss. Giessen 1903. 

Statistik. 

Akten des Landratsamtes in Melsungen, enthaltend die Einwohner- 
zahlen von 1885 — 1905 und das Ergebnis der Viehzählung von 1904. 

Flurbücher sämtlicher Gemeinden. Katasteramt in Melsungen. 

Mutterrollen sämtlicher Gemeinden. Katasteramt in Melsungen. 

Hauptübersicht des Bestandes der Liegenschaften und der davon ver- 
anlagten Grundsteuer. Katasteramt in Melsungen. 

Viehstands- und Obstbaumlexikon für den preussischen Staat vom 
Jahre 1900. Berlin 1903. 

Karten. 

Niveaukarte von Kurhessen im Masstabe 1:25000 auf 112 Blättern, 

Blatt 31, 32, 33, 42, 43 u. 44. 
Wirtschaftskarten der Oberförstereien Eiterhagen, Felsberg, Melsungen, 

Morschen, Spangenberg und Stölzingen im Masstabe 1:25000. 
Höhenschichtenkarte der Werra-Fulda-Landschaft von M. Brunnemann. 

3. Aufl. Masstab 1:115000. 
Handkarte vom Kreise Melsungen für den Schul- und Privatgebrauch 

von C. Assmus. Masstab 1:130000. 
Geologische Übersichtskarte von dem ehemaligen Kurhessen und den 

angrenzenden Gebieten von E. Kayser. Masstab 1:600000. 

Ausserdem wurden benutzt: 

Armbrust, L. Geschichte der Stadt Melsungen. Cassel 1905. 
Hessler, C. Hessische Landes- und Volkskunde. Bd. I, erste Hälfte. 
Marburg 1906. 

Jäschke, M. Das Meissnerland. Forsch, z. d. L. u. V. Bd. III, H. 2. 
Stuttgart 1889. 

Küster, E. Die deutschen Buntsandsteingebiete, ihre Oberflächen- 
gestaltung und anthropogeographischen Verhältnisse. Forsch, z. 
d. L. u. V. Bd. V, H. 4. Stuttgart 1891. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



77 



Landau, G. Beschreibung des Kurfürstentums Hessen. Cassel 1842. 
Meitzen, A. Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des 

preussischen Staates. Bd. I u. V. Berlin 1868 u. 1894. 
Möhl, H. Kurhessens Boden und seine Bewohner. Cassel 1865. 
Penck, A. Das deutsche Reich. Kirchhoffs Länderkunde von Europa, I, 

Wien, Prag, Leipzig 1887. 
Philippson, A. Europa. 2. Aufl. Leipzig u. Wien 1906. 



II. Spezieller Teil. 



Während uns bisher Fragen mehr allgemeiner Natur 
beschäftigt haben, wollen wir nunmehr eine Darstellung 
der verschiedenen Yolksdichte unseres Gebietes und der 
Faktoren versuchen, die dieselbe hauptsächlich bedingen. 
Die dünnere oder dichtere Bevölkerung eines Landes ist 
in erster Linie von dessen natürlicher Beschaffenheit ab- 
hängig und zwar besonders von denjenigen Verhältnissen, 
die durch Oberflächengestaltung und Grund und Boden 
gegeben sind. 

1. Die Oberflächengestalt des Gebietes. 

Zwischen dem rheinischen Schiefergebirge im Westen 
und Thüringer Wald und Harz im Osten erstreckt sich 
als mittlerer Teil der mitteldeutschen Gebirgslandschaft in 
einer Breite von etwa 100 km das Hessische Berg- und 
Hügelland vom Spessart und unteren Main nordwärts bis 
zur Weser. Im grossen und ganzen betrachtet bildet es 
ein grosses Senkungsfeld zwischen den genannten Gebirgen, 
über das noch in der Tertiärzeit die Meereswogen hin- 
fluteten. Erst gegen Ende der Tertiärzeit nach Beendigung 
der grossen Störungen in den Gebirgsschichtungen, die 
mit zahlreichen vulkanischen Ergüssen verbunden waren, 



78 



Spezieller Teil. 



erhielt Hessen im wesentlichen seine jetzige Gestalt. 
In ihr erscheint es uns als eine Plateaulandschaft, die 
jedoch von einer Anzahl grösserer und kleinerer Graben- 
brüche und vielen Tälern bereits so stark durchfurcht ist, 
dass sie sich in einzelne selbständige Gruppen aufgelöst 
hat. Daneben finden sich verschiedene, unregelmässig über 
das ganze Land verteilte beckenförmige Einsenkungen. 
Besonders charakteristisch sind die ausserordentlich häufig 
auftretenden Eruptivgesteine, die dem Tafelland aufgesetzte 
Bergkuppen bilden und dieses Land vor allen anderen 
Gebieten Deutschlands auszeichnen. „Kein Teil Deutsch- 
lands ist so gespickt mit vulkanischen Decken und Kegel- 
bergen wie Hessen." 1 ) 

In der auf den ersten Blick scheinbar ganz regellosen 
Gestaltung des Landes tritt uns bei genauerer Betrachtung 
doch eine bestimmte Gesetzmässigkeit entgegen. Durch 
zwei grosse Grabeneinbrüche wird das ganze Land in drei 
schmale Streifen zerlegt. Diese für die Gestaltung 
wichtigsten Brüche verlaufen nordsüdlich in engem An- 
schluss an das oberrheinische System. Im Westen ist es 
die Hessische Senke, die sich in der Wetterau zwischen 
Yogelsberg und Taunus an die oberrheinische Tiefebene 
anschliesst und deren Richtung beibehält. In ihrem süd- 
lichsten Teile ganz eben, wird sie nach Norden mehr und 
mehr uneben, bis sie schliesslich in ein nachwelliges Hügel- 
land übergeht, das mit zahllosen grösseren und kleineren 
Basaltkuppen gekrönt ist. Im Osten Hessens ist ebenfalls 
ein Streifen Land in die Tiefe gesunken. Es ist dieses 
die südliche Fortsetzung des Göttinger Grabenbruches, die 
eine deutlich hervortretende Scheide zwischen dem 
hessischen Berg- und Hügelland und dem östlich gelegenen 
Thüringen bildet. Zwischen beiden Senken erhebt sich 
als dritter weniger tief abgesunkener Landstreifen das 
Hessische Waldgebirge, ein im Mittel 300 bis 400 m 
hohes Bergland, das die Hessische Senke um 150 bis 



r ) Philippson, A. Europa. S. 514. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



79 



200 m 1 ) überragt und in seiner höchsten Erhebung, dem 
vulkanischen Vogelsberg, nahezu 800 m erreicht. 

Diese so einfache Anordnung wird aber durch die 
erwähnten beckenförmigen und kleineren grabenförmigen 
Einbrüche und besonders durch den unabhängigen Lauf 
der Flüsse gestört. Letztere, namentlich Fulda und Werra, 
haben ihr Bett in ganz unregelmässiger Weise in die 
meist aus Buntsandstein bestehende Unterlage eingegraben 
und so zur Zerstückelung der Tafeln sehr viel beigetragen. 

Durch die Annäherung von Werra und Fulda zwischen 
Bebra und Berka bis auf wenige Kilometer und den 
weiteren Verlauf beider Flüsse bis zu ihrer Vereinigung 
in der Weser wird ein eigentümliches, in Deutschland 
sonst nicht wieder anzutreffendes Flussparallelogramm 
gebildet, das aus dem Hessischen Waldgebirge eine eben- 
solche Oberflächenfigur ausschneidet. Dieser Teil Hessens 
ist von Jäschke als „Meissnerland" 2 ) bezeichnet worden, 
da seine höchste und bekannteste Erhebung der Meissner 
ist. Die verschiedenen Gruppen dieses Gebietes kann 
man ihrer Lage nach in zwei grössere Gruppen einteilen, 
in das Bergland an der Werra, bestehend aus Ringgau, 
Meissner und Kaufunger Wald, und in das Bergland an 
der Fulda, das sich aus dem Spangenberger Bergland und 
der Söhre zusammensetzt. Das Bergland an der Fulda 
gehört zum grösseren Teil dem von uns auf seine Volks- 
dichte hin untersuchten Kreise Melsungen an. Von der 
Söhre sind allerdings nur einige südliche und südwestliche 
Ausläufer hierher zu rechnen, das Spangenberger Bergland 
liegt dagegen bis auf einen kleinen Teil im Südosten 
innerhalb der Grenzen dieses Gebietes. 

Im Norden wird das Spangenberger Bergland von 
der Söhre und der Hochfläche von Lichtenau begrenz t 

*) Hessler. C. Hess. Landes- und Volkskunde. Bd. I, erste 
Hälfte, S. 2. In der Zusammenstellung der neuesten Literatur über 
das Deutsche Reich von 0. Schlüter, Geogr. Jahrbuch 1906, XXIX. Bd. 
1. Heft, S. 136, ist die Hess. Landes- und Volkskunde von Hessen 
übrigens versehentlich dem Grossherzogtum Hessen zugeteilt worden 

2 ) Jäschke, M. Das Meissnerland. 



80 



Spezieller Teil. 



im Osten und Südosten reicht es bis zum Sontraer- und 
Richelsdorfer Zechsteingebirge. Dieses also begrenzte 
Gebiet besteht im Gegensatz zu allen übrigen Teilen des 
Meissnerlandes, die meist Hochflächencharakter haben, aus 
einer Anzahl von Bergketten, die vorherrschend südwest- 
liche Richtung aufweisen. Diese Streichrichtung ist 
einerseits durch das bis auf eine kurze Strecke in nord- 
westlicher Richtung verlaufende Fuldatal hervorgerufen, 
von dessen Basis aus senkrecht zu ihm allem Anschein 
nach durch rückwärtsschreitende Erosion die Nebenflüsse 
ihr Bett eingegraben haben, und andererseits durch den 
ebenfalls senkrecht zur Fulda hinziehenden Grabenbruch 
der Esse, der sich weiterhin von Spangenberg über Eubach 
nach Altmorschen und jenseits der Fulda über Wichte bis 
zur Beise fortsetzt, und den diesem benachbarten Graben 
der Vocke. Eine auffallende Störung dieser Anordnung 
wird jedoch durch das nur 9 km lange nördlich gerichtete 
Fuldastück zwischen Beiseförth und Röhrenfurth bewirkt. 
Dasselbe bedingt den westlichen Lauf der Pfiefe im 
Gegensatz zu dem südwestlichen der anderen Nebenflüsse 
und damit eine Zweiteilung des ganzen Gebietes, indem 
die Pfiefe die Parallelzüge halbiert. Die nördlich der 
Pfiefe gelegenen Ketten fasst man unter dem Namen 
Riedforst zusammen, die südlichen bezeichnet man als 
Stölzinger Gebirge. 

Beide Teile haben im übrigen durchaus einheitlichen 
Charakter. Sie sind überwiegend aus Buntsandstein auf- 
gebaut, der von vielen Tälern und Tälchen durchschnitten 
ist und überall die bekannten einförmigen Rücken und 
Berge von abgerundeter, flach gewölbter, teilweise sarg- 
artiger Gestalt mit sanften Gehängen zeigt. Nur in den 
beiden Einbruchstälern der Esse und Vocke finden sich 
infolge des dort noch vorhandenen widerstandsfähigeren 
Muschelkalkes schärfere Ränder und Grate. 

Die mittlere Höhe aller dieser Bergketten nimmt von 
Westen nach Osten allmählich zu, besonders nach Nord- 
osten hin. Hier finden wir auch auf der Grenze unseres 
Gebietes die höchsten Erhebungen des Riedforstes, den 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



81 



Himmelsberg mit 566 m und ihm südlich vorgelagert den 
Pensersrück mit 561 m. Nordwestlich vom Himmelsberg 
liegen der 512 m hohe Breiteberg und ihm dicht benach- 
bart der 488 m hohe Schillingsrain. 

In diesem geschlossenen nordöstlichen Teile vereinigen 
sich die beiden grössten Züge des Riedforstes, die durch 
das Tal der Ohe und das des unteren Kehrenbaches von 
einander getrennt sind. Der nördliche dieser beiden Züge, 
das eigentliche Ried, ist ein breiter Rücken, der sich bis 
zum Tal der Mülmisch hinzieht und mannigfach von 
tiefen Tälern zerschnitten ist. von denen die bedeutendsten 
die Täler des oberen Kehrenbaches und des Breitenbaches 
sind. 

Nordwestlich der Mülmisch endigen innerhalb der 
Kreisgrenzen einige Ausläufer der Söhre, die wir im 
Anschluss hieran kurz erwähnen wollen. Sie fallen nach 
dem Tale der Mülmisch hin ziemlich steil ab, nach Westen 
hin sanfter. 

Der zweite, südliche Zug zwischen Ohe und Kehren- 
bach einerseits und Esse und Pfiefe andererseits beginnt 
mit dem Himmelsberg in einer Höhe von 566 m, 
dacht sich nach Südwesten hin langsam zu Höhen 
von 423 m (Malsberg) und 404 m (Schöneberg) ab und 
endet mit der Kuppe, 357 m hoch, südöstlich von 
Melsungen. 

Ein dritter, viel schmalerer Rücken erstreckt sich 
zwischen den Grabenversenkungen der Esse und Vocke. 
Seine höchste Erhebung ist der 503 m hohe Bromsberg. 
An dem äusserst en westlichen Ende in dem Winkel 
zwischen Esse und Pliefe ist diesem Rücken der aus 
Muschelkalk bestehende Spangenberger Schlossberg vor- 
gelagert, der eine Höhe von 327 m erreicht. 

Die östlichste Kette, die auf der Grenze zwischen 
Riedforst und Stölzinger Gebirge Hegt, trägt den höchsten 
Punkt des ganzen Gebietes, den Eisberg, der den Himmels- 
berg noch um 17 m überragt. Von ihm aus verläuft in 
gerader Linie nach Süden über den Stölzinger Kopf [49ö m) 
zum Keilsberg (485 m) die Wasserscheide zwischen 



6 



82 



Spezieller Teil. 



Piiefe und Schemmerbach, auf der die dem Rennstieg 
gleichende sog. Franzosenstrasse entlang führt. Diese 
Wasserscheide bildet nicht nur den Abschluss dieser Berg- 
ketten im Osten, sondern gibt auch zugleich bis auf eine 
kurze Strecke im Süden eine gute politische Grenze ab. 
Diese passt sich in dem .Gebiete rechts der Fulda übrigens 
in bemerkenswerter Weise den natürlichen Oberflächen- 
formen an, indem sie sich fast durchweg auf Wasser- 
scheiden hinzieht. Ihr Verlauf ist aus der beigefügten 
Höhenschichtenkarte ersichtlich. 

Der zweite grosse Abschnitt, das Stölzinger Gebirge, 
beginnt im Süden mit dem 456 m hohen Bombacher 
Wald, der jedoch ebenso wie der sich an diesen an- 
schliessende Höhenzug mit der höchsten Erhebung im 
Alheimer (546 m) nicht mehr zum Kreise Melsungen ge- 
hört. Nur der nördliche Teil des letzten Höhenzuges ist 
noch hierher zu rechnen, auf seinem Rücken läuft die 
Grenze entlang. Der westlich vom Alheimer folgende, 
nach Süden gerichtete Zug ist nur von massiger Höhe. 
Bedeutend höher ist die vierte Kette, die in dem bei Alt- 
morschen liegenden Eichkopf (392 m) endigt. Sie erhebt 
sich in der Katzenstirn bis zu einer Höhe von 487 m. 
Nahezu die gleiche Höhe erreicht der letzte hierhin ge- 
hörige Rücken zwischen dem Eubach, der Fulda und der 
Pfiefe in dem 470 m hohen Wildsberg. 

Das Tal der Fulda, das die westliche Grenze dieses 
ganzen Gebietes bildet, hat bei Breitenbach und Bebra 
die grösste Breite von reichlich 2 km, erfährt dann aber 
kurz vor dem Eintritt in unser Gebiet bei Rotenburg 
eine starke Einschnürung. Von da ab verbreitert es sich 
jedoch bald wieder bis zu einer durchschnittlichen Breite 
von 1 km, die es bis Altmorschen beibehält. Die Er- 
weiterung des Tales bei Heinebach und Altmorschen ist 
sicher grösstenteils den Gipsen der hier anstehenden 
Zechsteinformation zuzuschreiben, die einer rascheren Ver- 
witterung unterliegen. Von Altmorschen an abwärts 
wird das Tal wieder schmäler und gewundener. Kurz 
vor Beiseförth verengt es sich so sehr und biegt so scharf 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



83 



um, dass für die Bahnlinie Cassel — Bebra hier ein kurzer 
Tunnel angelegt werden musste. Von der Pfiefemündung 
abgesehen, bleibt das Tal in seinem weiteren Verlaufe 
ziemlich gleichmässig schmal und lässt nur wenig Raum 
für die Anlage der Siedelungen, für Felder und Wiesen. 
Nachdem die Fulda um Büchenwerra eine scharf aus- 
geprägte Erosionsschleife gebildet hat, tritt sie bei Gux- 
hagen in die Hess. Senke ein, in der sie unterhalb von 
Grifte die Eder aufnimmt und nun in nordöstlicher 
Richtung ihrer Vereinigung mit der Werra bei Hann. 
Münden zueilt. 

Der noch übrige, links der Fulda gelegene Teil des 
Kreises gehört teils ebenfalls dem Hessischen Waldgebirge 
an, teils liegt er in der grossen Hessischen Senke. Gegen- 
über dem Stölzinger Gebirge treffen wir die Beiseberge 
in dem Winkel zwischen Fulda und Beise. Sie werden 
ebenso wie das Bergland rechts der Fulda durch mehrere 
senkrecht zum Tale der Fulda niessende Bäche in einzelne 
Ketten aufgelöst, weisen infolgedessen auch dieselbe 
Streichrichtung auf. Wie zwischen Altmorschen und 
Heinebach fallen auch auf dieser Seite bei Connefeld die 
Gipswände des Zechsteins steil zum Tale der Fulda hin 
ab. Die höchsten Erhebungen dieser sonst grösstenteils 
aus Buntsandstein bestehenden Ketten sind der Born- 
berg (448 m) oberhalb von Connefeld, der Eichelskopf 
(480 m) und der Sengeberg (422 m) zwischen Wichte und 
Binsförth. Der nordwestlich von den beiden letzten Er- 
hebungen gelegene 426 m hohe Beisenberg gehört schon 
zum Kreise Homberg, ebenfalls der grösste Teil des Eichels- 
kopfes, über den die Grenze hinläuft. 

Das Bergland zwischen Beise und Fulda einerseits 
und Schwalm und Eder andrerseits ist ein Teil des Hom- 
berger Hochlandes, das in der Hauptsache aus Basalt- 
decken- und Kuppen besteht. Im allgemeinen bildet 
es eine wellenförmige Hochebene, der einzelne Basalt- 
kuppen aufgesetzt sind , und die an mehreren Seiten steil 
zu den Flüssen hin abfallt. Die bedeutendsten Basalt- 
kuppen sind der Hügelskopf (398 m) bei Ostheim, der 



6* 



84 



Spezieller Teil. 



Haxterberg (391 m) bei Harle, der Rhünderberg (337 xn) 
bei Rhünda uxxcl der Heiligenbex'g (392 m) bei Gensungen. 
Der nördlich vom Heiligenberg gelegene Quiller ist 
wiederum aus Buntsandstein aufgebaut. In dem Kessel 
über Melsungen erreicht er seine höchste Höhe von 367 m, 
nach Norden hin wird er immer schmaler und niedxdger, 
bis er schliesslich bei Breitenau exidet. 

Im Westen grenzt dieses Hochland an die Hessische 
Sexike, die hier von der Eder und Schwärm durch- 
flössen wird. Zwischen beiden Flüssen breitet sich die 
fruchtbare Ebene von Wabexm aus , an die sich nach 
Norden das breite Tal der Eder anschliesst, das nach 
Westen saxift ansteigt. Nur ganz vereinzelte Basaltkuppen 
ragen hier und da empor wie die beiden xnit anmutigen 
Burgruinen gekr-önten, nicht allzu hohen Kegel der Alten- 
burg und des Felsberges, durch die die Schönheit der 
Landschaft ausserordentlich erhöht wird, und der bei 
Deute gelegene bedeutend höhere Lotterberg (305 m). 

Orographisch können wir also folgende Teile unter- 
scheiden : 

1. Das Bergland l^echts der Fulda. 

2. Das Tal der Fulda einschliesslich des Dorfes 
Wichte und seiner Umgebung. 

3. Das Hochland zwischen Fulda, Eder und 
Schwalm. 

4. Das Tal der Eder und Schwalm. 

2. Die geologische Formationen und der Kulturboden 

des Kreises. 

In dem Hessischexi Bex-g- und Hügelland sind die 
älteren Formationen bis zum Perm fast sämtlich ver- 
treten: doch nehmen sie nur einen kleinen Teil ein und 
sind meist auf die Nähe der alten, angrenzenden Gebirgs- 
rümpfe, das Rheinische Schiefergebirge, den Spessart und 
den Thüringer Wald beschränkt. Die Hauptmasse Hessens 
besteht aus jüngeren Formationen. An ihrer Zusammen- 
setzung beteiligen sich neben sporadisch auftretenden 
permischen Bildungen vor allem die mesozoischen G-e- 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



85 



steine der Triasformation, deren unterstem Gliede, dem 
Buntsandstein, der hervorragendste Anteil zufällt. Muschel- 
kalk und Keuper finden sich weniger häufig. Sie sind 
in kleinen Mengen über das Land zerstreut und meist 
an Grabeneinbrüche gebunden. Einen etwas grösseren 
Prozentsatz nehmen die Tertiärbildungen ein, die haupt- 
sächlich in der Hessischen Senke zu finden sind. Diluviale 
und alluviale Ablagerungen endlich sind überall in den 
grösseren Tälern und Bodensenken vorhanden, besonders 
wiederum in der Hessischen Senke. 

In unserem Gebiet finden wir die oben genannten 
jüngeren Bildungen vom Perm an sämtlich vertreten. 
Folgende Tabelle gibt uns über den Anteil der einzelnen 
Formationen nähere Auskunft: 









Ta 


belle 


l. 1 ) 












Ge- 
samt- 
fläche 
in □- 
Meilen 


Von der Gesamtfläche nehmen ein in Quadratmeilen : 


reis 


Zech- 
stein 
I Dolmit) 


Bunter 
Sand- 
stein 


Bunter 
Mergel 
(Röt) 


Muschel- 
Kalk 


Keuper 


Trias 
Sp. 3-6 


Tertiär 
jüng. Abi. 
Talausf. 


Basalt 
(an- 
stehend,) 




1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 




7,200 


0.063 


4,958 


0.100 


0,218 


0,078 


5,354 


1,313 


0.470 


sungen 






Von de 


r Gesamtfläche nehmen ein in Prozent: 






100 




69 


1 


3 


1 


74 


18 


7 



Die aus dieser Unterlage gebildeten Bodenarten sind 
naturgemäss ebenso verschieden als die Unterlage selbst. 
Den grössten Anteil an der Zusammensetzung der Unter- 
lage hat der Bantsandstein mit 70° einschliesslich des 
Rots. 2 ) Der aus seiner Verwitterung gewonnene Kultur- 
boden ist von sehr verschiedener Fruchtbarkeit je nach 
dem Verhältnis, in dem Sand und Ton in ihm vorhanden 

a ) Nach Höhl, Kurhessens Boden. 

2 ) Im Bgbzk. Cassel ist der Buntsandstein mit 52,6 °/o vertreten. 
Hessler, C. a. a. O. S. 368. 



86 



Spezieller Teil. 



sind. „Es finden sich alle Übergänge von den leichtesten, 
sterilsten Sandböden bis zu den schwersten, fruchtbarsten 
Lehmböden vertreten. Bei weitem überwiegend ist freilich 
der unfruchtbare Boden, der die Beackerung nicht lohnt." x ) 
Dieser Boden eignet sich am besten zu Waldboden. 
Seiner eigentsten Natur nach ist der Buntsandstein viel- 
mehr ein Waldland als ein Ackerland, 2 1 was wir auch 
hier bestätigt finden; denn nicht weniger als rund 40°/o 
des Kreises sind mit Wald bedeckt. Der Wald nimmt 
die Höhen ein, an den Abhängen ziehen die Felder ent- 
lang, obwohl der schroffe Abfall die Bewirtschaftung oft 
sehr erschwert und leicht eine Abschwemmung der Acker- 
krume herbeiführt. Unterhalb des Ackerlandes im Tal- 
grund liegen die Wiesen. Letztere nehmen nur einen 
geringen Bruchteil des Kulturlandes ein; denn der vor- 
herrschende Sandboden des Buntsandsteins ist für Wiesen- 
kultur noch viel ungünstiger als für Ackerbau. Eine 
bessere Beschaffenheit • erhält der magere Sandboden, wenn 
er durch Verwitterung naheliegender Basalt- oder Kalk- 
berge wertvolle Beimischungen erhält. 

Der Muschelkalk, der sich mit nur 3° o an der Zu- 
sammensetzung beteiligt, liefert ebenso wie der Bunt- 
sandstein einen vorwiegend wenig fruchtbaren Boden. 
Keuper und Zechstein mit je 1° o geben teilweise recht 
guten Boden ab, kommen aber wegen ihrer geringen Ver- 
breitung nicht in Betracht. Die fruchtbarsten Böden finden 
wir auf tertiärer und quartärer Unterlage, die mit 25°/o 
vertreten sind. An erster Stelle ist hier der verwitterte 
Basalt zu nennen, der wohl den kräftigsten und frucht- 
barsten Boden liefert. Daneben ist für die Landwirt- 
schaft noch besonders wichtig der diluviale, in Hessen 
ziemlich weit verbreitete Löss, der ebenso wie der Basalt 
im Gegensatz zu dem ärmlichen Buntsandstein einen sehr 
guten Boden abgibt. 

Die wuchtigsten Bodenarten unseres Gebietes veran- 
schaulicht Tabelle 2. 



r ) Küster, E. Die deutschen Buntsandsteingebiete. S. 250. 
2 ) Küster, E. a. a. 0. S. 250. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



87 



Tabelle 2. \< 



Gesamtfläche 
ha 

,) ohne Kalk u. 

Basalt 
>) mit Kalk 
.) mit Basalt 

>. = a + b -f- c 


Von der Gesamtfläche nehmen ein in ha: 


1 

auf 
der 
Höhe 

~ T 


Lehmboden 

mit in den 
Fels- Fluss- 
unter- ! niede- 
lage j rangen 


Sch 
(Ton 

auf 
der 
Höhe 


werer L 
oder Röt 

mit 
Fels- 
unter- 
lage 


ehm- 
) boden 

in den 
Fluss- 
niede- 
rungen 


über- 
haupt 
Lehm- 
und 
Ton- 
boden 

Sp. 1-6 


san- 
diger 
Lehm- 
u. leh- 
miger 
Sand- 
boden 


a 

CD 
O 

d 
m 


q 

rO 

Eh 

<D 

in 


2 


3 




5 


6 


7 


8 


9 


10 


a) 35 415 

b) 2 189 

c) 1 250 


5 237 
107 

285 


2 479 
62 
164 


259 


2 212 
8 
110 


2 240 
1 111 

660 


208 
40 


12 635 
1 328 
L219 


22 034 
861 
31 


332 

— 


414 
- 


S. 38 845 

a) 91.1 

b) 5.7 

c) 3,2 


5 629 

13,5 
0.3 
0.7 


2 705 

Von d( 

6,4 
0,2 
0,4 


259 

»r G-esE 
0.7 


2 33H 

im tf 1 
5,7 

0,3 


4 011 

Lehe n 

5,7 
2,9 
1,7 


248 

e h m e n 

0.5 
0.1 


15 182 

ein in 

32,5 
3.5 
3.1 


22 926 

Proze 

56,2 
2,2 
0,1 


332 

nt: 

0,8 


1,* 


S. 100.0 


14.5 


7.0 


0.7 

1 


6.0 


10,3 


0,6 

- 


39,1 


58,5 


0,8 





Es überwiegt also auch hier wie im ganzen Regie- 
rungsbezirk Cassel 2 ) der aus vorherrschend sandigen Be- 
standteilen bestehende leichte Boden des Buntsandsteins. 
Leider fehlt es bis jetzt an einer gleichen oder ähnlichen 
Zusammenstellung für die einzelnen Gemeinden, die im 
Interesse eines Vergleiches zwischen Volksdichte und 
BodenbeschafTenheit der einzelnen Orte in ähnlicher Weise, 
wie ihn Zimmermann 3 ) für Braunschweig ausgeführt hat, 
wünschenswert wäre. Infolgedessen müssen wir uns da- 

') Nach Meitzen, A. Der Boden und die landwirtschaftlichen 
Verhältnisse des preussischen Staates. Band V, Anlagen, Tabelle F., 
Seite 290 und 291. 

-) Im Rgbzk. Cassel nimmt sandiger Lehm- und lehmiger Sand- 
boden mit 46,7 °'o die erste Stelle ein. Hessler, C. a. a. O. S. 368. 

3 ) Zimmermann, F. W. R. Einflüsse des Lebensraumes usw. 
Jhrb. d. Gesetzg. , Verw. u. Volksw. i. Deutschen Reich. 21. Jhrg. 
H. 2. S. 147 ff. 



88 



Spezieller Teil. 



mit begnügen, die Bodengüte der einzelnen Gemeinden 
mit Hülfe der Resultate der Einschätzung zur Grundsteuer 
ungefähr festzustellen. Diese Einschätzung gibt uns einen 
ziemlich sicheren Masstab an die Hand; denn bei ihr ist 
von einer besseren oder schlechteren Bewirtschaftung ganz 
abgesehen und mit angemessener Berücksichtigung aller 
Umstände, die auf den Ertrag dauernd von Einnuss sind 1 ), 
für jeden Ort eine normale Wirtschaftsweise angenommen 
worden, wodurch die natürlichen Bodenunterschiede deut- 
lich hervortreten. 

Da das Zusammenlegungsverfahren, mit dem überall 
Neueinschätzungen zur Grundsteuer verbunden sind, in 
den meisten Gemeinden beendet war, konnten diese 
neuesten Einschätzungsresultate verwendet werden. Die 
Verarbeitung des Zahlenmaterials wurde freilich dadurch 
nicht unwesentlich erschwert, dass bei den neuen Ein- 
schätzungen von der früheren einheitlichen Einteilung in 
9 Klassen abgesehen und für jede Gemeinde eine be- 
sondere Klassenfolge eingerichtet worden ist. Dazu kommt 
noch, dass alle Einschätzungen, auch die neusten, in 
Talern angegeben sind und einer Umrechnung bedurften. 

In nachstehender Tabelle sind die Grundsteuerreinerträge 
für das Kulturland ohne Holzungen angegeben. Wir haben 
diese schon hier ganz ausgeschieden, um die so gefundenen 
Werte später direkt ohne nochmalige Umrechnung zum 
Vergleiche mit der Volksdichte heranziehen zu können. 
Friedrich hat insofern recht, wenn er darauf hinweist, dass 
bei Ausrechnung der Bodenerträge die Holzungen aus- 
geschieden werden müssen, da sie mehr oder weniger 
ausserhalb der Einwirkung durch den Menschen stehen. 2 ) 
Damit soll aber nicht gesagt sein, dass der Wald über- 
haupt aaszuschalten wäre. 3 ) Es handelt sich hier nur 
um die zweite Seite der Wechselwirkung zwischen Mensch 
und Natur, nämlich der Einwirkung des Menschen auf die 
Natur, und um diese genauer feststellen zu können, ist 

*) Meitzen, A. a. a 0. Bd. I, S. 24. 

2 ) Pet. Mitt. 52. Bd. 1906, Heft 2, S. 27. 

3 ) Vergl. S. 64. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



89 



Tabelle 3. 1 ) 



1. Das Bergland rechts der Fulda. 





Name 


Verteilung des Kulturlandes abzüglich der 
Holzungen auf 4 Grundsteuerreinertragsklassen 


Grundsteuer- 
reinertrag 
des 

Kulturlandes 


STo. 


der 


bis zu 
20 M.autlha 


20 bis 40 M. 


40 bis 60 M. 


mehrals60M. 


ohne Holz 
in Mark 




Gemeinde 


ha 


°/o 


ha 


°/o 


ha 


% 


ha 




im 
ganzen 


auf 
1ha 






1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
lo 

19 
20 
21 

22 
23 


Weidelbach . . 
Stolzhausen . . 
Herlefeld . . . 
Günsterode . . . 

Pfiefe 

Kehren bach . . 
Bischofferode . . 

Heina 

Schnellrode . . 
Metzebach . . . 
Nausis .... 
Vockerode . . . 
Eubach .... 
Bergheim . . . 
Kirchhof . . . 
Landefeld . . . 
Elbersdorf . . . 
Spangenberg . 
Wollrode . . . 
Mörshausen . . 
Adelshausen . . 
Emphershausen . 
Albshausen . . 


270,0 
61,3 

246,1 
512,6 
125,0 
230,2 

lV)9,f 
222 1 
164,9 
169,6 
191,4 
189,1 
194,0 
148.0 
112,5 
151,3 
479,5 
132,1 
123,3 
47,9 
71,2 
95,2 


91,9 
99,8 

84.8 
89,6 
86,0 
82,3 

83,7 
77,3 
78,3 
68,3 
81,2 
77,0 
58,4 
63,7 
64,9 
68,3 
47,8 
37,4 
32,2 
36.9 
30,5 


23,8 
0,1 

43,0 
53,9 
20.4 
48,7 
54,5 
38,1 
48,5 
46,4 
74,6 
34,3 
43.3 
92.2 
58,2 
59,8 
89,7 
85,6 

159,7 
67,5 
70,5 

191,7 


8.1 

0,2 

14,8 
9,4 
14.0 
17,4 
<äl,4 
14,4 
22,7 
21.4 
26,6 
14,7 
17.1 
36.4 
32,9 
25,7 
12,8 
31.0 
48.4 
454 
36 4 
61,3 


1.0 

5,9 

0,9 
^0 

0,1 
118 

6,4 
13.3 
11,8 

6.0 
19,3 
115,0 
55.6 
44.6 
27,9 
423 
25.6 


0,4 
1,0 

0,3 

1,9 

0,3 
4,2 
2,7 
5,3 
4,6 
3,4 
8,3 
16,4 
20.1 
13,5 
18,8 
21.9 
8,2 


— 

3,1 
1,2 
1,3 

2,7 
18,1 

2,8 
2,5 
5,2 
9,1 


— 

0,9 
1,4 
0.6 
0,6 

1.1 

2.5 

1,1 
0.7 
3.6 

4,8 


2028,9 
458,4 
3260,4 
2352.3 
5325,0 
1379.4 
2685.9 
aoo<,o 
2700,0 
2369,7 
3166,2 
1224,6 
3564 6 
3919.5 
4608,3 
3257,7 
4831,5 
14552,7 
6887,4 
8539 5 
3945,6 
5129,4 
8771,4 


6,9 
7,5 
7,9 
8.1 
9,3 
9,5 
9,6 

IAA 

1U,U 

10.2 
11.1 
14,6. 
15.1 
15.3 
15.6 
18,2 
18,4 
20,7 
20,7 
24,9 
2:)/.) 
26,6 
26.6 
28,1 




Zusammen 


4137.0 


69,4 


1404,5 


23,5 


393.1 


6,6 


48,6 


0.5 


100515,9 


16.8 



2. Das Tal der Fulda einschliesslich des Dorfes Wichte. 



Altmorschen . 
Wichte . . . 
Sch warzenberg 
Beiseförth . . 
Grebenau . . 
Fahre .... 



Zu übertrafen 



268,7 
121,1 
94,5 
112.8 
25,6 
31,3 



49.4 
56,6 
46.1 
43,4 
28,2 
20,1 



159.7 
82.0 

109.6 

125,6 
55.0 

110,8 



29,4 
38,3 
53.4 
48.3, 
60,6 
71,2 



107.9 
9,8 
1.1 
16.9 
10.1 
8.4 



19,8 
4.6 
0,5 
6.5 

11.1 
5,4 



7,5 
1.2 

7,8 
1,0 
5.1 



1.4 

0,5 

0,8 
1.1 

3.3 



Zusammengestellt nach den Flurbüchern der einzelnen Gemeinden. 



90 



Spezieller Teil. 



No. 


Name 
der 

Gemeinde 


Verteilung des Kulturlandes abzüglich der 
Holzungen auf 4 Grundsteuerreinertragsklassen 


Grundsteuer 
reinertrag 
des 

Kulturlandes 


bis 
20M.a 

ha 


zu 

uf 1ha 

°/o 


20 bis 
ha 


40 M. 


40 bis 
ha 


60 M. 

°/o 


mehr a 
ha 


ls60M. 

7o 


ohne ] 
in M 

im 
ganzen 


lolz 
irk 

auf 
1 ha 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


7 

8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 


Übertrag : 

Connefeld . . . 
Obermelsungen . 
Röhrenfurth . . 
Beiseförth . . . 
Neumorschen . . 

Körle 

Büchenwerra . . 
Heinebach . . . 
Guxhagen . . . 
Malsfeld. . . . 
Wagenfurth . . 
Melsungen . . 
Lobenhausen 


134 7 
88,0 

141,9 
82 8 

122.7 

158,3 
17,4 

245,2 

101,1 
72.2 
13,9 

170,0 
14,7 


38,0 
39.8 
51 ,4 
27.6 
36,7 
28,6 
16.4 
37,8 
17.3 
18,8 
11,3 
18,5 
12,4 


129,0 
90,1 
51,9 
144,7 
101.9 
239.5 
73,1 
216,8 
217,0 
169,5 
59,8 
342.3 
53.0 


36,5 
40,8 
18,8 
48.3 
30,4 
43.3 
68,8 
33,4 
37.0 
44,2 
48.4 
37,3 
44.9 


83.5 
48.0 
81,7 
71.4 
88.3 
137,1 
15,7 
109.2 
163.0 
138,3 
38.3 
307,1 
47,9 


23,6 
19,4 
29.6 
23,8 
26,4 
24,8 
14,8 
16,8 
27.8 
36,1 
31,0 
33,5 
40,6 


6,5 

0,6 
1,0 
21,8 
17,9 

77,0 
105,0 
3,3 
11,5 
97,2 
2.5 


1,9 

0.2 
0,3 

6,5 
3,3 

12,0 
17,9 
0,9 
9,3 
10,7 
2,1 


9455,7 
5894,1 
7407,3 
8117,7 
10011,3 
16789,2 
3246.0 
20067,3 
18744,6 
13140.6 
4431,3 
33364,2 
4320.9 


26, 
26, 
26, 
27. 
29, 
30, 
30, 
31,' 
32; 
34. 
35, 
36, 
36, 


Zusammen . 


2016,9 


81.6 


2531,3 


39,6 


1478,7 


23,1 


364,9 


5,7 


183846,9 


28, 



3. Das Hochland zwischen Fulda, Eder und Schwalm. 



1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 



Ellenherg . . 
Dagobertshausen 
Elfershausen 
Hesslar . . 
Melgershausen 
Hesserode . 
Ostheim . . 
Hilgershausen 
Helmshausen 
Beuern . . 



Zusammen 



163,0 
121,8 
67,5 
78,0 
63.6 
44,1 
98,2 
57,0 
18,4 
37,6 



749.2 



83,9 
41.0 
22,6 
42,5 
21,1 
17,9 
25.2 
14,2 
10,9 
9.9 



26,2 



31,3 
163 3 
221,2 

98,6 
195,7 

92,5 
120,4 
116,1 

45,6 
131,1 



1215,8 



16,1 
55,0 
74,0 
53,7 
65.0 
37,6 
30,8 
28,9 
26.9 
34,5 



42,5 



11,7 

10,3 
7,0 

41,8 
107,2 
165,6 
226.1 
103,8 
187,9 



861 4 



4,0 
3,4 
3.8 
13,9 
43.6 
42.4 
56,3 
61,2 
49,9 



1.9 
6,1 
2,1 
1,7 

23,4 



30,1 35,2 



0,9 
1,6 
0,6 
1,0 

6,2 



1.2 



2743,2 
6617,7 
6850,3 
4216.5| 
8392,8! 
8713,8 
13922,1 
15059,4 
6542,4 
15962,7 



14 

22. 
22. 
23.' 
27 
35. 
35. 
37! 
38. 
42. 



89020,81 31. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



(»1 



4. Das Tal der Eder und Schwalm. 



— 


Name 


Verteilung des Kulturlandes abzüglich der 
Holzungen auf 4 Grundsteuerreinertragsklassen: 


Grundsteuer- 
reiner trag 
des 

Kulturlandes 




der 


bis zu 
20 M. auf 1ha 


20 bis 40 M. 


40 bis 60 M. 


mehr als 60 M. 


ohne Holz 
in Mark 




Gemeinde 


ha 


°/o 


ha 


% 


ha 


°/o 


ha 


% 


im 
ganzen 


auf 
1 ha 






i 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


1 

2 

:■'> 

4 

5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
1 13 
14 


Altenbrunslar . . 
Niedermöllrich . 
Niedervorschütz . 
Gensungen . . . 

Deute 

Lohre 

Mittelhof . . . 
Wolfershausen . 
Felsberg .... 
Rhünda .... 
Neuenbrunslar 
Böddiger . . . 

Harle 

Altenburg . . . 


31 1 

61 1.5 
47,1 
89,0 
50,3 
56,5 
70,1 
104,3 
52,4 
37.0 
102,6 
114,2 
33.2 
0,8 


D«J,JL 

12,6 
11,8 
17.2 
20,7 
15,7 
21,4 
37,5 

8.6 
19,9 
30,6 
27,6 

8,7 
28,5 


39 1 
337,8 
241,0 
314,4 
130,5 
206,0 
148,3 

95,4 
342,1 

73,1 
136,0 
160.4 
161,4 
0,1 


34,2 
70,3 
60,3 
60,7 
53,(5 
57,1 
45,2 
34,3 
56,0 
39,4 
40,6 
38,8 
42.1 
3.6 


28,1 
81,5 

110,6 

111,7 
60,0 
97,1 
82,8 
41,2 

212,5 
59.9 
63,0 
76 2 

101.2 
1,1 


17,0 
27,6 
21,6 
24,6 
26,9 
25,2 
14,8 
34,8 
32,3 
18,8 
18,4 
26,4 
39,4 


9 n 
0.7 
1,2 
3.2 
2.7 
1,0 
27,2 
37,0 
4,3 
15,5 
33,2 
63,0 
87,4 
0,8 


9 7 

0.1 
0.3 

0.5 

Iii 
0,3 
8,2 
13,4 
0,6 
8.4 
10.0 
15.2 
22,8 
28,5 


14335,5 
12147.0 
15910,5 

7576,2 
11573.4 
10824.3 

9248,4 
20440,2 

6435.6 
11924.4 
15063,9 
16172,7 
142.5 


9« £ 
29,8 
30,4 
30,7 
31.1 
32,1 
33,0 
33,2 
33,4 

34, -; 

35. ( 
36.4 
42,2 
50,< 




Zusammen . 


849,1 


18.3 


■ 2378.6 


51,3 1126,9 


24 3 


279,7 


6,1 


154495,5 


B3,£ 



eine Ausschaltung der Holzungen sowohl bei den Grund- 
steuerreinerträgen als auch bei der Volksdichte angebracht. 

Nach Tabelle 3 hat also das Buntsandsteinbergland 
rechts der Fulda die ungünstigsten Bodenverhältnisse. Die 
Gemarkungen der meisten Gemeinden bleiben unter einem 
durchschnittlichen Grundsteuerreinertrag von 20 Mark 
zurück, einige sogar unter 10 Mark ; das sind sehr geringe 
Beträge. Nur wenige Gemarkungen sind etwas günstiger 
gestellt wie die auf teilweise diluvialer Unterlage gelegenen 
Gemarkungen der Gemeinden des Tales der Pfiefe und der 
Müimisch und die Gemarkungen von Albshausen und 
Wollrode am Rande der Hess. Senke. 

In dem Fuldatal ist die Bodengüte infolge der 
Alluvionen natürlich eine weit bessere. Abgesehen von 
den zwei Gemeinden Wichte und Altmorschen, die ihre 
geringwertigere Bodenbeschaffenheit neben dem Bunt Sand- 
stein wohl auch dem Muschelkalk des Essegrabens 1 ) zu 

x ) Vergl. S. 80. 



92 



Spezieller Teil. 



verdanken haben, beträgt der Grundsteuerreinertrag aller 
Gemarkungen mehr als 20 Mark auf 1 ha, bei der Hälfte 
derselben sogar mehr als 30 Mark. 

Auf dem Hochland zwischen Fulda, Eder und Schwalm 
fällt der geringe Ertrag der Gemarkung Ellenberg auf. 
Das hat seinen Grund darin, dass sie grösstenteils auf dem 
Buntsandstein des Quiller liegt. Die Bodengüte der anderen 
Gemarkungen ist eine gute, bei den Gemarkungen von 
Hesserode. Ostheim, Hilgershausen, Helmshausen und 
Beuern, bei denen Basalt einen Teil der Unterlage bildet, 
eine sehr gute. 

Am günstigsten liegen die Verhältnisse in dem Tale 
der Eder und Schwalm. Hier übersteigt der durchschnitt- 
liche Ertrag bei fast allen Orten 30 Mark, ein Beweis 
für die grosse Fruchtbarkeit der Hess. Senke. 

3. Die Volksdichte des Gebietes im allgemeinen. 

Das in den beiden ersten Abschnitten geschilderte 
Gebiet hat einen Flächeninhalt von 389 qkm. Die Gesamt- 
bevölkerung desselben betrug nach der neuesten Zählung 
vom 1. Dezember 1905 29026 Einwohner, das ergibt eine 
Volksdichte von 74 auf 1 qkm. Zum Vergleich mögen 
einige in letzter Zeit untersuchte Gebiete dienen, denen 
wir, soweit es möglich war, die Dichte von 1905 in 
Klammern beigefügt haben: 



Tabelle 4. 



No. 


Gebiet 


Bearbeiter 


Area! 


Ein- 


Jahr 


Volks- 


in qkm 


w oh ner 


dichte 


1 




Ambrosius 


2 615 


429 467 


1895 


171 


2 




Bergmann 


3 019 


444 562 


1895 


147 






(3 020) 


(543 717) 


i 1905) 


(180) 1 ) 


3 


Nördliches Baden . . . 


Uhlig 


4007 


539 665 


1895 


135 


4 


Nordöstliches Thüringen 


Schlüter 


2 050 


200 633 


1895 


97 


5 


Insel Rügen 


Krause 


968 


46 723 


1895 


48 


6 


Regierungsbezirk Köslin 


Stoltenburg 


14 026 


563 770 


1890 


40 








(14 031) 


(606 070) 


(1905) 


(43)0 



] ) Gothaischer Hof kalender 1907. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



93 



Aus diesem Vergleich ergibt sich, dass unser Gebiet 
ein verhältnismässig dünn bevölkertes ist. Von den hier 
angeführten liegt es nicht nur dem von Schlüter unter- 
suchten nordöstlichen Thüringen am nächsten , sondern 
kommt ihm auch hinsichtlich seiner Dichte sehr nahe. 
Gleichwie dieses Gebiet übertrifft es zwar die sehr dünn 
bevölkerten östlichen und nordöstlichen Teile Deutschlands 
noch um ein beträchtliches, bleibt aber doch weit zurück 
hinter den industriereichen, dicht bevölkerten Gegenden 
West- und Süd Westdeutschlands. Ebensowenig erreicht es 
die Mitteldichte des Regierungsbezirkes Cassel, zu dem es 
politisch gehört, die 1905 einschliesslich Cassels 95 und 
ohne diese Stadt 81 betrug. Xoch weniger erhebt es sich 
auch über die Dichte Preussens mit 107 und die des 
Deutschen Reiches mit 112. — Wie sich die Bevölkerung 
auf die einzelnen Gemeinden verteilt, ist aus Tabelle 5 
ersichtlich, die auch den Gesamtflächeninhalt der Ge- 



markungen und den des Kulturlandes im einzelnen enthält. 

Tabelle 5. 





Volks- 


CD 



Volks- 




E 


m- 
















diehte 




dichte 








Fl 


äclie 


n i n h 


alt i n ha 




Name 


auf 


01 


auf 




woh 


ner- 














der 


1 qkm 

(mit 1 


iin- 


1 qkm 


o 


za 


hl 


über- 


= - 
- r. 

i g 


ö 


73 - 

d C 
- E 
rt tL 


Holzur 


gen 


Gemeinde 


rechnung 

des Holz) 


(ohne 


Holz) 


1885 


1905 


haupt 


3 | 

a es 
< Ö 


Wies 


Weid 


abs. 


% 




1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


11 


12 


Fgtsbzk. Eiterhagen 














1519,1 


0.8 


3,3 


63.2 


1450.3 


95,4 


Felsberg . 














1210.2 


3,5 






1200.5 


992 


Melsungen 














1665.3 








1663,5 


99,9 


„ Spangenberg 1 ) 












16 


2352.8 


2.6 


2.3 




2343,3 


99,6 


Morschen . 


0.5 


I 








2 


2487,8 


4.3 


2,5 




2479,3 


99,7 


Stolz ingen 


4,2 


I 






11 


10 


506,7 


43,7 


7,8 




440,3 


86,9 


Gtsbzk. Fahre . . 


14,8 


II 






18 


24 


162,0 


110,2 


25.9 


19.5 






Mittelhof . 


19.5 


II 


20,4 


II 


47 


73 


375,2 


220,7 


51.3 


56,4 


16,8 


4> 


Beuern 


26.5 


III 


60.7 


IV 


309 


279 


1053,1 


323,0 


54,3 


2,7 


636.U 


60,4 


Vockerode .... 


28,1 


III 


43.9 


III 


163 


151 


507,6 


204.8 


59.3 


16.3 


211.2 


41,6 


Weidelbach . . . 


30,0 


m 


46,5 


in 


165 


142 


473,9 


201.5 


28.5 


63.8 


169.3 


35,7 



l ) Zu dem Fgtsbzk. Spangenberg gehören 2 Förstereien mit 16 Einw. Die eine lieg 
jserhalb des Fstbzks. im Dorfe Günsterode, dem wir sie daher zugeteilt haben: die 
Site im Fgstbzk. bei Kaltenbach unweit Spangenberg. Da uns die Grössenangabe dieses 
les des Bezirks fehlte, haben wir ihre Bewohnerzahl bei Kaltenbach (Elbersdorf) mit- 
gerechnet. Bei Morschen und Stölzingen ist die Einwohnerzahl nur auf den Teil des 
rstes bezogen, in dem die Wohnungen liegen. 



94 



Spezieller Teil. 



Name 
der 
Gemeinde 



Volks- ö 

dichte "I 

auf 2 

1 qkm r 

mit Ein- 
rechnung 
des Holz) 



Volks- g 

dichte % 

auf 3 

1 qkm g 

(ohne Holz 



Ein- 
wohner- 
zahl 

1885 1905 



Flächeninhalt in ha 



über- 
haupt 



n "3 
ff CS 



5 = 

'S 5 



10 



Holzungen 
abs. I °/o 



11 



12 



Stolzhausen 
Herlefeld . 
Bischofferode 
Schnellrode 
Heina . . 
Nausis . . 
Helmshausen 
Metzebach 



30.8 HI 

33.5 in 
33.7 HI 
40,9| HI 

45:0 nr 

45.3 IH 

49.6 III 
49,6 IH 



68,0 IV 
49.9 HI 
57,9 IV 
87,2 V 
68,0 IV 
71,5 IV 
51.5 IV 
73,7 IV 



58! 53 
249! 22 

193 178 
223j 250 
L96 201 

194 185 
104 100 
157 166 



172,2 
678,6 
528.2 
611,8 
446,7 
40S.4 
201.7 
334,5 



49.5 
324.1 
206.8 
165.1 
225.5 
172,3 
152.2 
176,1 



11,2 
49,6 
49,6 
53.5 
26,7 
44,2 
16,9 
30.3 



7 
40.4 

23,4] 
46.6 

2 '°, 
0,2 

7,0! 



Mörshausen 
Hilgershausen 
Wagenfurth 
Hesserode . 
Eubach . . 
Binsförth . 
Albshausen 
Landefeld . 
Pfiefe . . 
Lobenhausen 
Büchenwerra 
Lohre . . . 
Melgershausen 
Deute . . . 



51.6 
53.1 
54.4 
5 1 ,5 
59,5 
61.6 
62.2 
63.8 
64,0 
66,1 
71.1 
7L9 
73.1 



IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 
IV 



73.4 IV 



74.5 IV 

59.5 IV 

73.8 IV 

70.4 IV 

76.6 V 
94,2| V 
63,7! IV 

97.7 V 
71,2 IV 

78.9 V 
79.9 V 
72,6 IV 

99.5 V 
83.0 V 



3501 300 

307 277 

102 111 

208 185 

235 198 

390 352 

243 22:; 

203 203 

412 459 

113 115 

125 III 

317 297 

338 337 

208 230 



581,0 
521.2 
203,9 
322,0 
332 5 
571,7 
358.3 
318.0 
716,9 
173,9 
156.2 
412.8 
460,8 
313,5! 



256,2 
3)20.6 
112;0 
207,0 
185,9 
216,1 
253,6 
144.1 
459,7 
91.1 
83.7 
263,6 
253.9 
218,3 



72,6 
65.0 
11,5 
26.6 
26,3 
57,5 
57,9 
32.6 
76.4 
27,0 
22,5 
93.2 
44,4 
17.3 



1,3 
15,7 

12.1 
20.7 
26.3 
1,0 

36,3 



3.8 
2.8 
7,9 



56,3 27 
62,0 19« 
78,023,£ 

206.5 36,! 
8,4 2,c 

114,3 351 
76.5 10,7 
29,5 17,(3 
18,5 10,S 

4.0! 1,3 

127.0 27| 
38,7 12 



Dagobertshausen 
Elfershausen 
Bergheim . . 
Emphershausen 
Wolfershausen 
Niedermöllrich 
Ostheim . . 
Niedervorschütz 
Connefeld . . 
Kirchhof . . 
Günsterode . 
Böddiger . . 
Obermelsungen 
Wichte . . . 



77,7; 
78,8 
78,8 
81,8| 
82,3 
82.7! 



98.8i V 
81,7] V 
91,5 V 



86,7 V 



87,6 
86,6 
88,6! 
91,61 
94,3 
94,4 V 
99,2j V 



81,8 
134,5 
100,3 
102,9 
94,3 
87,6 



V 

VII 
VI 
VI 

V 

V 



138,6 VII 
115,2 VI 
94.3 V 
103.0 VI 
99.2 V 



294 340 

257 j 268 

267 258 

199 180 

386 452 

570 543 

321 455 

403 427 

353 353 

378 398 

391 335 

475 438 

261 272 

276 234 



437.6 
340.2 
327.3 
220,0 
549.5 
656,9i 
525,1 
490,7j 
403,0 
449,3 
374.6 
464.3 
288,1 
235.8 



243,4 1 
246,2 
196,4 
156,5 
236,6 
380,0 
299.4 
352:0 
290,4 
171.4 
156,5 
333.2 
166,2 
157,7 



49,8! 
38,3 
28.6 
36;6 
41,1 
83,6 
72,0 
47,3 
63,2 
81,9 
74,2 
80,6 
52,9 
43,0 



3.6 
14.5 
26,8 

0,2 
16,9 
18,9 
0,6 
0,1 

59,4 

2,0 
13,4 



97,61221 
12.0 3J 
47,6 14,(| 

220.1 40, 

120,3 18,; 
86.0 16, 



39,9 


8." 


167,2 


37] 


79,4 


21, 


25,0 


8/ 







Harle . . . 
Körle . . . 
Neuenbrunslar 
Wollrode . . 
Hesslar . . 
Grebenau . . 
Schwarzenberg 
Altmorschen . 
Rhünda . . 



102,21 VI 
104,1 VI 
105,1 VI 
110,61 VI 
111.9 VI 
L20,3 VI 
122.7 VI 
124,6 VI 
125,3! VH 



128.5 VH 
106.9 VI 
105,1 VI 

119.6 VI 
111.9 VI 
120,3 VI 

122.7 VI 
125,1 VH 
199,1 VIII 



588 i 595 
638 692 
359 390 
352 340 
304 330 
145! 140 
305j 302 
679 1 763 
320! 441 



582,4 
664,5' 
370,9 
307.4 
205:6 
116,4 
246,2 
612,5 
351.9 



298,1 
468,0 
285,8 
180,21 
156,8| 
61.2 
153.1 
453.7 
148^! 



85,0 
84,4 
48.2 
91,7 
26,8 
22.8 
52,1 
80,2 
20,1 



0,4 
0,8 
4.2 

6,7 

9,9 
16.6 



123.2 21 
17,8 2,' 

23,9; i 



2,81 0, 
133.0 37, 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw 



95 



N a m e 
der 

Gemeinde 


Volks- 
dichte 

auf 
1 qkm 

(mit 1 
rechn 
des H 


lin- 

Ull£ 

olz I 


Volks- 
dichte 

auf 
1 qkm 

(ohne I 


CD 

Iolz) 


Ein- 
wohn er- 


Flächeninhalt in ha: 


za 
1885 


hl 
1905 


über- 
haupt 


— — 
= = 

£ 1 i s 

< O \ > 


d = 

3 v 
d SJ 

r = 

<V rj 

TS 5 

- - 


Holzun 

abs. 


gen 

°/o 


1 | 2 


3 I 4 


5 


6 


7 


8 9 


10 


11 


12 


Elbersdorf . . . 
Heinebach . . . 
Spangenberg . . 
Felsberg .... 
Malsfeld .... 
Beiseförth . . . 
Keu morschen . . 


129,1 
132,9 
136',7 
136,7 
141,6 
142,9 
144,0 


vn 

VII 

vn 

VII 
VII 
VII 
VII 


171.6 VIII 
132,9 VII 

198.7 VI II 

136,7 vn 

164.5 VIII 
223.0 IX 
144:8 vn 


41)4 
S53 
1676 
943 
622 
737 
580 


453 
980 
1658 
941 
827 
730 
581 


356,9 
737.4 
1212,8 
688.3 
584;i 
510 7 
403^5 


200,7 : 32,2 
561,9 83,3 
523.0 171,4 
467,6 136,3 
340.3 73.9 
179 6 79 9 
2723 62^4 


0,2 
3,0 
7,9 
7,4 
12,6 
0,6 


90,7 

386.0 

83,2 
186.6 

2!3 


25,4 

31,8 

14,2 
36.5 
0.6 


Röhrenfurth . . . 
Gensungen . . . 
Altenbrunslar . . 
Adelshausen . . . 
Ellenberg .... 
Kehren bach . . . 
Guxhagen . . . 
Melsungen . . . 
Altenburg . . . 


160.1 
177.2 
179,5 
179,5 
185,4 
203.0 
205,8 
238,8 
1242.4 


Vlil 
VIII 
VIII 
VIII 
VIII 
IX 
IX 
IX 
X 


167,1 
182.4 
245,4 
180.1 
190.3 
210,7 
208.5 
359,6 
1640.0 


VIII 
VI. 1 
IX 
VIII 
VIU 

IX 
IX 

X 

X 


504 
785 
248 
291 
404 
355 
1371 
3634 
100 


566 
1093 
305 
286 
429 
324 
1 431 l 
31140 
82 


353,5 
616,7 
169.9 
159.3 
231,4 
159,6 
696.5 
1650,0 
6,6 


208.8| 67,0 
414,6 64.7 
67,3 19,7 
113,6 29.7 
151,6 20,7 
103.2 37,4 
480,2! 81,9 
759,0 154,7 
1,2 0,8 


0,3| 15,4: 4,4 
39,0; 18,0 2,9 
6,8 46,4 27,3 
5.2 0,5 0,3 
22,0 6,0 2,6 
4,8 5.8 3,6 
24.!) 10,7 1.5 
2,9j 560,6 34,0 
0,8 1,624,2 



Ein flüchtiger Blick auf die Karte zeigt, class die am 
dünnsten bevölkerten Gemeinden grösstenteils dem rechts 
der Fulda gelegenen Bergland angehören. Hier finden 
wir auch, ganz der natürlichen Beschaffenheit dieses Teiles 
entsprechend, fast alle grossen Staatswaldungen, in denen 
mit Ausnahme von Stölzingen niemand wohnt, l ) und die 
daher auf der Karte als weisse Flächen sichtbar sind. 
Diese grossen Holzungen des Buntsandsteins drücken 
ebenso wie die hier in den meisten Gemarkungen vor- 
handenen grösseren Wald bestände die Dichte dieses Teiles 
sehr herab, 2 ) sie beträgt nur 40,1. 

Eine nicht viel höhere Dichte hat die Hochebene 
zwischen Fulda, Ecler und Schwalm mit 54,5. Auch hier 

*) Vergl. Tabelle 5 Anmerkung. 

2 ) Den Einüuss des Waldes in seiner Gesamtheit werden wir im 
nächsten Abschnitt noch näher kennen lernen: im einzelnen ist er 
aus Tab. 5, Sp. 11 u. 12 ersichtlich. 



96 



Spezieller Teil. 



ist die geringe Dichte besonders dem Buntsandstein zu- 
zuschreiben, der den Winkel zwischen Fulda und Eder 
ausfüllt. Der auf solcher Unterlage stehende Quillerwald 
mit nahezu */* der gesamten Fläche bewirkt eine bedeutende 
negative Verschiebung der Dichte. In gleicher Weise 
wirkt der 636 ha umfassende Markwald ein, der amtlich 
zur Gemarkung von Beuern gerechnet wird, dessen Nutz- 
niessung aber Angehörige von 4 Gemeinden haben, nämlich 
die Märkerschaften zu Felsberg, Gensungen, Beuern und 
Helmshausen mit folgenden Anteilen: Felsberg 59 /ioo, 
Gensungen 23 /ioo, Beuern 14 /ioo und Helmshausen 4 /ioo. x ) 
Zu Beuern gehört also nur ein kleiner Teil. Am richtigsten 
wäre es gewesen, den Wald auf diese 4 Gemeinden ihren 
Anteilen gemäss zu verteilen. Wir erfuhren diese Sachlage 
jedoch erst, als eine Änderung auf der Karte nicht mehr 
möglich war. 

Neben diesen natürlichen Verhältnissen wird die 
dünnere Bevölkerung dieses Teiles noch durch einen wirt- 
schaftlichen Faktor, die Besitz Verhältnisse, bedingt, die 
wir im folgenden Abschnitt besprechen werden. 

Diesen beiden sehr dünn bevölkerten Teilen stehen, 
entsprechend ihren günstigeren natürlichen und wirtschaft- 
lichen Verhältnissen, als durchschnittlich recht dicht be- 
völkerte das Tal der Eder und Schwalm mit 102,6 und 
das Fuldatal sogar mit 133,1 Einw. auf 1 qkm gegenüber. 

Schon aus dieser kurzen Übersicht ist zu ersehen, 
dass bis zu einem gewissen Grade ein ganz bestimmter 
Zusammenhang zwischen der Volksdichte und den Boden- 
verhältnissen besteht. Wie weit ein solcher vorhanden 
ist, soll sowohl in Bezug auf das Gebiet im ganzen als 
auch auf seine einzelnen Gemeinden im folgenden Ab- 
schnitt noch genauer untersucht werden. 

4. Die Volksdichte in ihrer Abhängigkeit von Boden- 
güte und landwirtschaftlichen Besitzverhältnissen. 

Im allgemeinen wird man den Grundsatz gelten lassen 
können, dass der bessere Grund und Boden eine grössere 



*) „Mutterrolle" der Gemeinde Beuern. Katasteramt Melsungen. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



97 



Anzahl von Menschen zu ernähren vermag, und demnach 
die Gemarkungen mit ertragreicherem Boden bei ent- 
sprechender Entwicklung eine höhere Dichte aufweisen. 
Selbstverständlich finden sich überall Ausnahmen von der 
Eegel, die die Worte Sandlers bestätigen: „Fleiss und 
Verstand vermag die Ungunst des Bodens zu überwinden, 
und andererseits kann es sich fügen, dass die Gunst des 
Bodens nur wenigen Reichen zugute kommt." *) 

Sehen wir nun mit Hülfe der Grundsteuerreinerträge 
zu, wie weit sich für unser Gebiet im ganzen ein Zu- 
sammenhang zwischen Volksdichte und Bodengüte nach- 
weisen lässt. Tabelle 6 gibt uns Aufschluss über den 
Zusammenhang zwischen den einzelnen Dichtestufen und 
dem Grundsteuerreinertrag der zugehörigen Acker, Wiesen, 
Weiden und Holzungen. Wir haben hier die Holzungen 
zunächst noch miteingerechnet, um, wie schon gesagt, 
deren Einfluss in ihrer Gesamtheit genauer festzulegen. 



Tabelle 6. 



No. 


Dichtestufe 


Anzahl 
der 
Gemeinden 


Fläche 
in ha 

des Kul 


Grundsteuerreinertrag 
in Mark 

im ganzen auf 1 ha 

turlandes mit Holz 


1 


2 


3 


4 


1 
2 
3 
4 

5 
6 
7 
8 
9 
10 


0- 5 
5 — 25 
25— 50 
50— 75 
75—100 
100-125 
125—150 
150—200 
200-250 
mehr als 250 


6 
2 

12 
13 
14 
8 
8 
5 
3 
1 


9711.9 
500.8 
5491,6 
4610,6 
5230.5 
2737.8 
4240.3 
1317,3 
2225,2 
4.4 


66339.3 
14971,8 
67902.0 
99920.1 

120657 
72280 8 

102017,1 
33508.8 
57228,9 
154.2 


6.8 
29,9 
12.4 
21,7 
23,1 
26,4 
24,1 
25.5 
25,8 
35,1 


Zusammen 


72 


36070.4 634980.0 

l 


17,6 



l ) Sandler, Chr., a. a. O. S. 6. 

7 



98 



Spezieller Teil. 



Wie Kolonne 4 zeigt, nimmt die durchschnittliche 
Höhe des Grundsteuerreinertrages mit der Volksdichte bis 
zur sechsten Stufe stetig zu mit Ausnahme der zweiten 
Stufe, zu der nur 2 Gutsbezirke gehören. Von der 
siebten Stufe an ist dagegen ein auffallender Rückfall 
bemerkbar. Wie dieser zustande kommt, ob er vielleicht 
durch einen grösseren Bestand an Holzungen herbeigeführt 
wird, ist vorerst noch nicht zu erkennen. Ausserdem ist 
fraglich, ob die Übereinstimmung zwischen Volksdichte 
und Bodenertrag, soweit sie vorhanden ist. nicht grössten- 
teils auf einen stärkeren Prozentsatz an Holzungen bei 
den Gemeinden mit geringerer Dichte zurückzuführen ist. 

Aus Tabelle 7 ist ersichtlich, dass der xlnteil des 
Waldes mit Ausnahme der zweiteu Stufe bis zur sechsten 
Stufe tatsächlich allmählich abnimmt, die siebte Stufe 
dagegen wiederum mehr Wald einschliesst , ebenso die 
neunte und zehnte Stufe. Demnach lässt sich als ziemlich 
normal nur die zweite, sechste und achte Stufe bezeichnen, 
die anderen Stufen sind durch den Wald stark herab- 
gedrückt . 



Tabelle 7. 







Anzahl 


Fläche der Holzungen 


Auf 
1 Gemeinde 


No. 


Dichtestufe 


der 
Gemeinden 


in ha 


in °o der 
Gesamtfläche 


kommen 
im Durch- 
schnitt Holz 
in ha 






1 


2 


3 


4 


1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 

' 8 
9 
10 


0— 5 
5— 25 
25— 50 
50— 75 
75—100 
100—125 
125—150 
150-200 
200—250 
mehr als 250 


6 
2 
12 
13 
14 
8 
8 
5 
3 
1 


9577.2 
16.8 
2419,6 
1029,6 
895,1 
167.7 
881.8 
86.3 
577,1 
1.6 


98.6 
3^4 
44.1 
22.8 
17,1 
6,1 
20,8 
6.6 
25.9 
36,4 


1596,2 
8.4 
201.6 
79,2 
63.9 
20,9 
110.2 
17,3 
192,4 
1.6 




Zusammen 


72 


15652,8 


37.1 


217.4 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



99 



Hieraus geht deutlich der grosse Einfluss des Waldes 
auf die Volksdichte unseres Gebietes hervor. Schalten 
wir nun den Wald zunächst beim Grandsteuerreinertrag 
ganz aus. so bekommen wir folg. Bild : 



Tabelle 8. 



No. 


Dichtestufe 


Anzahl 
der 
Gemeinden 


^>v.r» Grundsteuerreinertrag 
±J j^ üe in Mark 

im ganzen auf 1 ha 

des Kulturlandes ohne Holz 






1 


2 


3 


4 


1 
2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 


0— 5 
5— 25 
25— 50 
50— 75 
75-100 
100—125 
125—150 
150—200 
200-250 
mehr als 250 


6 
2 
12 
13 
14 
8 
8 
5 
3 
1 


134,7 
484.0 
3072,0 
3581,0 
4335.4 
2570.1 
3358,5 
1231,0 
1648,1 
2,8 


339.3 
14770,5 
53532,9 
93313,5 
113280,6 
70997,4 
95645.7 
327< »7.5 
53488,2 

142,5 


2,6 
30,5 
17,4 
26,1 
16,1 
27,6 
28,6 
26.6 
32.5 
50,7 




Zusammen 


72 


20417.6 


528218 1 


25.9 



Auch jetzt ist die stetige Zunahme bis zur sechsten 
Stufe mit der bekannten Ausnahme noch vorhanden. 
Daraus folgt, dass diese Ubereinstimmung nicht der Ein- 
rech nung der Holzungen zugeschrieben werden kann, 
sondern dass vielmehr eine tatsächliche Übereinstimmung 
zwischen Bodenertrag und Yolksdichte besteht. Eine 
solche innere Beziehung haben wir auch bei der siebten 
Stufe, die vorher verhältnismässig stark durch ihren 
Waldbestand herabgedrückt wurde. Bei der achten 
Stufe bleibt der Rückfall bestehen. Ob dieser nicht noch 
wegfällt, wenn auch bei Berechnung der Volksdichte der 
Wald und ein entsprechender Bevölkerungsanteil 1 ! aus- 
geschieden wird, wird die folg. Tabelle lehren. 

*) Für jedes Quadratkilometer Holzungen sind 4 Einwohner 
abgezogen worden, die nach Berechnung und Schätzung anderer 
Verfasser dem Walde zukommen. 



100 



Spezieller Teil. 



Tabelle 9. 



No. 


Dichtestufe 


Anzahl 
der 
Gemeinden 


Fläche 
in ha 

des Kult 


Grundsteuerreinertrag 
in Mark 

im ganzen | auf 1 ha 

urlandes ohne Holz 


1 


2 


3 


4 


1 

2 
3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 


0— 5 
5 — 25 
25— 50 
50— 75 
75—100 
100—125 
125—150 
150—200 
200-250 
mehr als 250 


6 
2 
4 
14 
15 
10 
7 
8 
4 
2 


134.7 
484,0 
1231,8 
3921,1 
3922.3 
3025,2 
3052,3 
2641,4 
1085 4 
919,4 


339,3 
14770,5 
17090,1 
96156,6 
96519.6 
82789,8 
89087,1 
68967,0 
28991,4 
33506,7 


2,6 
30,5 
13,8 
24.5 
24,6 
27,3 
29,2 
26,1 
26,7 
36,4 


Zusammen 


72 


20417,6 


528218.1 


25,9 



Bei dieser genauesten Berechnung rücken mehrere 
Gemeinden mit grossen Waldbeständen um eine oder gar 
zwei Stufen in die Höhe. Obwohl dadurch eine wesentlich 
andere Verteilung herbeigeführt wird, bleibt doch die 
Zunahme bis zur siebten Stufe. Der Rückfall der achten 
Stufe fällt nicht nur nicht fort, sondern tritt jetzt um so 
deutlicher auch bei der folgenden Stufe hervor. 

Aus dieser Tabelle ist also zu ersehen, dass für unser 
Gebiet im ganzen bis zu einer Dichte von 150 ein gerades 
Verhältnis zwischen Bodenertrag und Dichtigkeit der Be- 
völkerung besteht oder mit anderen Worten, dass bis 
hierhin die Volksdichte, wenn auch nicht ausschliesslich 
so doch wesentlich, von der Güte des G-rund und Bodens 
abhängig ist, während weiter aufwärts andere Eaktoren 
überwiegen. 

Verfolgen wir diesen Zusammenhang weiterhin bei 
den einzelnen Gemeinden. Hierzu bedarf es zuerst der 
Auffindung eines einigermassen sicheren Massstabes, mit 
dessen Hülfe sich Ubereinstimmungen und Abweichungen 
feststellen lassen. Zu diesem Zweck haben wir, dem 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



101 



Beispiel Schlüters folgend die Grundsteuerreinerträge 
aller Gemeinden abzüglich der Holzungen 2 ) in vier Klassen 
eingeteilt, je nachdem sie bis zu 10, 20, 30 oder mehr als 
30 Mk. auf 1 ha betragen, und auf diese Klassen die 
einzelnen Gemeinden nach ihren Dichtestufen 3 ) verteilt, 
wie Tabelle 10 zeigt. 

Tabelle 10. 



No. 


Dichtestufe 


Zahl der 
Gemeinden 


Ertragsklassen 

1 | 2 | 3 | 4 


1 


0— 5 












2 


5— 25 


2 






1 


1 


3 


25— 50 


4 


2 


1 




1 


4 


50- 75 


14 


4 


2 


2 


6 


5 


75—100 


15 




5 


6 


4 


6 


100—125 


10 


1 




6 




7 


125—150 


7 




2 


1 


l 


8 


150—200 


8 




1 


4 


3 


9 


200—250 


. 4 


1 




2 


1 


10 


mehr als 250 


2 








2 




Zusammen 


66 


8 


11 


22 


25 



Nach den Ergebnissen dieser Tabelle lässt sich etwa 
folgender Vergleich ziehen: 

Der 1. Ertragsklasse entspricht 

eine Volkdichte bis zu 75 Einw. auf 1 qkm, 

der 2. eine solche . . von 50 „ 100 „ „ 1 „ 

der 3. eine solche . . „75 „ 125 „ „ 1 „ 

der 4. eine solche . . „ 100 „ 150 „ „ 1 „ 

1. Ertragsklasse. 

Für die erste Ertragsklasse haben wir eine Volksdichte 
bis zu 75 angenommen. Es gehören hierher 8 Gemeinden, 
die sämtlich in den wenig fruchtbaren Tälern des Bunt- 
sandsteins rechts der Fulda liegen. Als normal lässt sich 
die Dichte der Orte Bischofferode, Heina und Stolzhausen 

J ) Schlüter, O., Die Siedelungen etc., S. 110. 

2 ) Siehe Tabelle 3, Sp. 10. 

3 ) Siehe Tabelle 5, Sp. 4. 



102 



Spezieller Teil. 



bezeichnen. Über Herlefeld fehlen uns genauere Angaben, 
da seinerzeit die Bücher mit den durch das Zusammen- 
legungsverfahren gewonnenen neuen Resultaten beim 
Katasteramt in Melsungen noch nicht eingetroffen , die 
alten aber bereits abgeliefert waren. Bei Weidelbach be- 
wirkt ein 66 ha umfassendes Gut 1 ) eine negative Anomalie. 
In gleicher Weise wirkt bei Pfiefe ein 167 ha grosses 
Gut ein. Diese Wirkung wird jedoch durch eine grössere 
Anzahl hier wohnender Arbeiter und sonstiger kleiner 
Leute vollständig ausgeglichen. 2 ) Eine auffallend hohe 
positive Abweichung tritt uns bei den Gemeinden Günste- 
rode und Kehrenbach entgegen, besonders bei letzterer, 
die die ausserordentlich hohe Dichte von 210,7 erreicht, 
während Günsterode 115,2 aufzuweisen hat. Hier reicht 
der Boden zur Ernährung seiner Bewohner nicht mehr 
aus. Die Gemarkung bildet nicht mehr den Lebensraum, 
sondern nur noch die Wohnstätte für die Mehrzahl ihrer 
Bewohner, deren Erwerbsquelle ausserhalb zu suchen ist. 

2. Ertragsklasse. 

Die 2. Ertragsklasse umfasst 11 Orte, die bis auf drei 
(Wichte, Altmorschen und Ellenberg) ebenfalls in dem 
Bergland rechts der Fulda liegen. Die Dichte dieser Orte 
hält sich bei den meisten in den angegebenen Grenzen 
zwischen 50 und 100. Damit ist aber nicht gesagt, dass 
die Bevölkerungsverhältnisse aller dieser Gemeinden ganz 
normale sind. Solche rinden wir nur in den Dörfern Nausis, 
Metzebach und Eubach, in letzterem Orte trotz aus- 
gedehnteren Grundbesitzes (4 Höfe mit rund 160 ha oder 
69 o des Kulturlandes). Die übrigen 4 Gemeinden 
(Schnellrode, Bergheim, Landefeld und Wichte; haben 
mehr oder weniger eine zu hohe Dichte, besonders Schnell- 
rode. Es macht sich hier mit Ausnahme von Schnellrode 
die Nähe grösserer Orte mit Industrie (Spangenberg und 

*) Siehe, was Besitzverhältnisse anbetrifft, Tabelle 11, S. 109. 

2 ) Die Faktoren, die positive- Anomalien bedingen, werden hier 
nur angedeutet und erst in den beiden folgenden Abschnitten ein- 
gehender behandelt werden. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



103 



Altmorschen) schon etwas bemerkbar. 1 ) Bei Schnellrode 
liegen besondere Verhältnisse vor, auf die wir später 
zurückkommen werden 2 ). 

Die Dichte von Schnellrode, Bergheim und Landefeld 
würde eine noch viel höhere sein, wenn die Besitzverhält- 
nisse andere wären. In Schnellrode teilen sich fünf Land- 
wirte in 157 ha (60 o). Bergheim hat 4 kleinere Güter 
mit zusammen 109 ha (44 o I, und in Landefeld nimmt ein 
Gut von 51 ha etwa 30 % des gesamten Kulturlandes ein. 

Grösserer Besitz in den Händen weniger bedingt auch 
die negative Anomalie von Vockerode, das mit 43.9 Be- 
wohnern auf 1 qkm die niedrigste Dichte von allen Dörfern 
autzuweisen hat. Auf 11 Besitzer verteilt sich hier fast 
das ganze Kulturland (257 ha oder rund 92 °/o). 

Es bleiben für diese Klasse noch die drei Orte mit 
starker positiver Anomalie übrig, Altmorschen im Fulda- 
tal, Kirchhof im Tale des Kehrenbachs bei Melsungen und 
Ellenberg in dem Winkel zwischen Fulda und Eder. 
Ellenberg gehört schon zu den Gemeinden, bei denen die 
Landwirtschaft ganz in den Hintergrund rückt. 3 ) Seine 
Bewohner sind vorwiegend Fabrikarbeiter, die sich aus- 
wärts, zumeist in Cassel, ihren Lebensunterhalt verdienen. 
Auch in Altmorschen und Kirchhof setzt sich die Be- 
völkerung grösstenteils aus Handwerkern und Fabrik- 
arbeitern zusammen, die teils am Orte selbst, teils ausser- 
halb desselben arbeiten. Daneben ist aber noch die Land- 
wirtschaft von Bedeutung. Ein grosses Gut (Domäne 
Haydau mit rund 150 ha) drückt die Dichte von Altmorschen 
erheblich hinab. Ausserdem sind hier vorhanden: ein 
etwa 25 ha umfassendes Gut, 7 Höfe, deren Grösse zwischen 
10 und 20 ha liegt, und 6 unter 10 ha. In Kirchhof 
Hessen sich 14 kleinere Landwirte mit einem Besitze von 
137 ha (54 °/o) feststellen. 

*) Dieses gilt auch für Eubach. 

2 ) s. S. 122. 

3 ) Vgl. ausser Tab. 11 auch die Tabelle über den Viehbestand 
der einzelnen Gemeinden, S. 112, Nr. 56, besonders die Anzahl der 
Ziegen mit der der Rinder, die in °o bei beiden last gleich hoch ist, 
was deutlich das Überwiegen des kleinen Mannes erkennen lässt. 



104 



Spezieller Teil. 



3. Ertragsklasse. 

Zur 3. Ertragsklasse gehört die doppelte Anzahl von 
Orten als zur 2. Klasse. Sie liegen über das ganze Gebiet 
zerstreut. In dem Bergland rechts der Fulda ist diese 
Klasse noch ziemlich häufig vertreten. Einigermassen in 
Übereinstimmung mit dem Bodenertrag befindet sich hier 
jedoch nur die Dichte der Gemeinde Empfershausen. x ) 
Die Dichte von Wollrode überschreitet zwar die obere 
Grenze nicht, rückt aber trotz grösseren Grundbesitzes 
(2 Güter mit 85 ha [31 °/o] und mehrere kleinere Güter) 
unverhältnismässig hoch hinauf. Diese Abweichung wird 
wie auch in anderen Gemeinden durch eine Anzahl hier 
wohnender Arbeiter herbeigeführt. 

Weit mehr nach oben weicht die Dichte der im 
Pfiefetal gelegenen Dörfer Elbersdorf und Adelshausen 
und der Stadt Spangenberg ab. Bei letzterer bedarf die 
positive Anomalie keiner besonderen Begründung, eben- 
sowenig bei Elbersdorf, dessen unmittelbare Nähe bei 
Spangenberg alles besagt. Durch ein Rittergut von 77 ha 
wird die Dichte von Elbersdorf noch etwas erniedrigt. 
Die Bevölkerung von Adelshausen besteht in der Haupt- 
sache aus Fabrikarbeitern, die grösstenteils im nahen 
Melsungen Beschäftigung finden, einige auch in Cassel 
und in einer Holzwarenfabrik in der Nähe des Ortes. 

Das zwischen Adelshausen und Spangenberg gelegene 
Dorf Mörshausen ist ein fast reines Bauerndorf mit 13 
Höfen zwischen 10 und 20 ha und 2 etwas grösseren 
Höfen, die zusammen einen Flächeninhalt von rund 230 ha 
haben oder 70 o der Gemarkungsfläche nach Abzug des 
Gemeindewaldes. Ausserdem hat Mörshausen noch 5 Höfe 
unter 10 ha. Diese Besitz Verteilung bedingt eine deutliche 
negative Anomalie. Noch mehr herabgedrückt wird die 
Dichte von Albshausen durch ein 112 ha grosses Gut und 
fünf Güter zwischen 10 und 30 ha. 

Ihre Hauptverbreitung findet diese Bodenertragsklasse 
weiterhin in dem Fuldatal und auf dem Hochland zwischen 



] ) Durch mehrere grosse Bauernhöfe wird sie etwas negativ be- 
einflusst; s. Tab. 11, Nr. 23. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



105 



Fulda, Eder und Schwann. Von den Gemeinden des 
Edertales entfallen auf diese Klasse nur Niedermöllrich 
und Altenbrunslar. Bei den meisten dieser Orte bleibt 
zwar deren Dichte in den vorgeschriebenen Grenzen, hält 
sich aber bei einigen zu nahe an der oberen Grenze. Es 
gehören hierhin die Dörfer Obermelsungen, Hesslar, 
Grebenau und Schwarzenberg, die die Wohnstätten für 
eine grössere Anzahl Fabrikarbeiter und Bergwerksarbeiter 
(Hesslar) sind. Auch Dagobertshausen ist hierhin zu 
rechnen, dessen Dichte durch einen grossen Steinbruch- 
betrieb in der Nachbarschaft beeinflusst wird. ! ) 

Obwohl bei den Gemeinden Binsförth, Elfershausen 
und Niedermöllrich je ein Gutsbezirk in die Dorfgemarkung 
miteingerechnet ist, 2 ) nmss doch deren Dichte als dem 
Bodenertrag entsprechend bezeichnet werden. Die negative 
Wirkung der Gutsbezirke wird durch einen grösseren 
Prozentsatz von Handwerkern i besonders in Niedermöllrich) 
und Arbeitern aufgehoben. Normal ist die Dichte ausser- 
dem noch in den Orten Connefeld und Melgershausen, in 
letzterem Dorfe jedoch nur durch grösseren Besitz 
(9 Bauernhöfe mit zusammen etwas über 225 ha oder 70° o 
des Kulturlandes). 

In keiner der 4 noch übrigen Gemeinden Neumorschen, 
Röhrenfurth. Beiseförth und Altenbrunslar entspricht die 
Dichte auch nur annähernd den Bodenverhältnissen, es 
überwiegt hier die Arbeiter- resp. gewerbetreibende Be- 
völkerung, besonders in Beiseförth und Altenbrunslar, die 
mit 223,0 bezüglich 245,4 Einwohner auf 1 qkm zu den 
dichtest bevölkerten Orten des ganzen Kreises zählen. 

4. Ertragsklasse. 

Die 4. Klasse steht mit 25 Gemeinden an erster Stelle. 
Sie ist in der Hauptsache in der sehr fruchtbaren Hess. 
Senke (12 Gem.) «md dem Fuldatal (8 Gem.) vertreten; 
doch haben auch noch 5 Gemarkungen auf dem Hochland 



1 ) Siehe S. 117. 

2 ) Siehe Tab. 11, Nr. 22, 27 und 34. 



106 



Spezieller Teil. 



zwischen beiden Teilen Erträge von über 30 Mark auf 
1 ha. In keiner der bisherigen Klassen finden sich so 
viele Anomalien als in dieser. Innerhalb der Dichtegrenzen 
liegen nur 7 Gemeinden : Ostheim auf dem Hochland, 
Körle und Heinebach im Fuldatal und Neuenbrunslar, 
Wolfershausen, Felsberg und Harle im Eder- und Schwalm- 
tal. Von diesen ist Ostheim vorwiegend Bauerndorf mit 
normaler Besitzverteilung. In Körle wird durch grösseren 
Grundbesitz die positive Beeinflussung durch Arbeiter- 
bevölkerung ausgeglichen. Bei Heinebach rückt dagegen 
die Dichte zu nahe an die obere Grenze heran, obwohl 
es an grösseren Landwirtschaftsbetrieben nicht fehlt. 1 ) 
Es wohnen hier mehrere Abteilungen Eisenbahnarbeiter 
(Streckenarbeiter) und. viele Handwerker, Fabrikarbeiter 
und Tagelöhner, die teils in Cassel, teils in einem benach- 
barten Gipsbruch und in einem Schwerspatwerk am Orte 
Beschäftigung finden. 2 ) 

Ton den 4 Gemeinden im Eder- und Schwalmtal wird 
die Dichte von Neuenbrunslar durch ein Gut von 105 ha 
sehr herabgedrückt, dessen Einfluss ein weit grösserer sein 
würde, wenn die hier wohnenden, meistens in Cassel 
arbeitenden Handwerker und Fabrikarbeiter nicht vor- 
handen wären. Ahnlich liegen die Verhältnisse im be- 
nachbarten Wolfershausen, wo durch mehrere grosse 
Bauernhöfe (6 Höfe mit rund 170 ha oder 60° ) die Dichte 
negativ beeinflusst, durch einen grösseren Prozentsatz von 
Arbeiterbevölkerung aber ein Ausgleich geschaffen wird. 
Von Felsberg als Stadt könnte man eigentlich eine dichtere 
Bevölkerung erwarten. Seine Lage abseits der Bahnlinie 
Cassel — Frankfurt, die der Hess. Senke folgt, und der 
Mangel an bedeutender Wasserkraft sind wohl dafür ver- 
antwortlich zu machen, dass sich Industrie und damit 
eine dichtere Bevölkerung nicht entwickelt haben. Die 
Haupterwerbsquelle ist die Landwirtschaft geblieben. In- 
folgedessen hat sich seine Einwohnerzahl in den letzten 



1 ) s. Tabelle 11, Nr. 46. 

2 ) Mitteilung des Bürgermeister.«. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



107 



20 Jahren nur annähernd auf gleicher Höhe erhalten im 
Gegensatz zu dem nahen, direkt an der Bahn gelegenen 
Dorfe Gensungen, dessen Einwohnerzahl in dem gleichen 
Zeitraum um mehr als 300 gestiegen ist. J ) In Harle ent- 
spricht die hohe Dichte ganz der vorzüglichen Boden- 
beschaffenheit , die mit 42,2 Mark Grundsteuerreinertrag 
auf 1 ha die beste des ganzen Kreises ist, wenn man von 
der nur 6,6 ha grossen Gemarkung Altenburg am Fasse 
des gleichnamigen Basaltkegels absieht, deren Grundsteuer- 
reinertrag 50,9 Mark beträgt. 

Von der grossen Zahl der Anomalien überwiegen die 
negativen. Ohne den Gutsbezirk Mittelhof sind es immer 
noch 11 Gemeinden, die die als untere Grenze bezeichnete 
Dichte 100 nicht erreichen. Davon bleiben 6 Gemeinden 
(Hilgershausen, Helmshausen, Beuern, Hesserode, Lohre und 
Wagenfurth) mit überwiegend Landwirtschaft treibender 
Bevölkerung und grösseren Höfen sogar unter 75 zurück. 2 ) 
Hilgershausen hat 11 Bauernhöfe, die über 10 ha gross 
sind, mit insgesamt 324 ha oder 81° . In Helmshausen 
sind 145 ha oder 85° o in den Händen von 4 Besitzern 
vereinigt. Von den 19 landwirtschaftlichen Betrieben in 
Beuern sind nur 6 kleiner als 10 ha, die übrigen 13 um- 
fassen etwas über 300 ha oder rund 80° o. In Hesserode 
teilen sich 8 Landwirte mit rund 170 ha in 70° o des 
Kulturlandes. Lohre hat 3 Höfe mit weniger und 15 mit 
mehr als 10 ha Grundbesitz, und in Wagenfurth kommen 
auf 6 Bauerngüter 85° o des anbaufähigen Grund und 
Bodens. 

Auch bei den der folgenden Stufe angehörenden 
Dörfern Lobenhausen und Büchenwerra im Fuldatal und 
Deute, Niedervorschütz und Böddiger in der Hess. Senke 
wird durch die Besitzverhältnisse eine wenn auch nicht 
mehr so grosse, so doch noch deutliche Abweichung nach 
unten hervorgerufen. Am geringsten ist sie bei Nieder- 
vorschütz und Böddiger, Handwerker und Arbeiter be- 



*) Vergl. Tab. 5, Nr. 60 und 65, Sp. 5 und 6. 
-') Vergl. neben Tab. 11 auch Tab. 12. 



108 



Spezieller Teil. 



wirken einen ziemlichen Ausgleich, bei Lobenhausen, 
Büchenwerra und Deute nicht in dem Masse. 

Die Dichte 150 übersteigen die Stadt Melsungen und 
die Dörfer Malsfeld, Gensungen, Rhünda, Guxhagen und 
Altenbiirg. Die kleinsten Anomalien haben Malsfeld und 
Gensungen, bei denen die Landwirtschaft noch ziemlich 
bedeutend ist. x ) Ebenso wie Gensungen verdankt Malsfeld 
seine grosse Zunahme der Bevölkerung in den letzten 
20 Jahren-) und damit seine trotz der Einrechnung eines 
Gutsbezirkes noch recht hohe Dichte besonders der sehr 
günstigen Lage an einer wichtigen Bahnlinie; Malsfeld 
liegt an dem Kreuzungspunkt der beiden Linien Cassel — 
Bebra und Treysa — Niederhone. In Malsfeld sowohl wie 
in Gensungen wohnen infolgedessen auch verhältnismässig 
viele Bahnbeamte und Bahnarbeiter, die die Dichte nicht 
unwesentlich erhöhen. Guxhagen hat ein etwas grösseres 
Gut und einige kleinere Güter, ebenso Rhünda, bei beiden 
Orten verschwindet deren Einnuss gegenüber anderen 
Faktoren jedoch ganz. 3 ) Altenburg ist ein Dorf ohne 
eigentliche Gemarkung; daher die ausserordentlich hohe 
Dichte. 

Dieser Vergleich lässt erkennen, dass sich der Zu- 
sammenhang zwischen Bodengüte und Volksdichte, soweit 
er sich aus Tabelle 9 für das Gebiet im ganzen ergeben 
hatte, auch im einzelnen vielfach nachweisen lässt. Selbst- 
verständlich fehlt es nicht an Abweichungen nach unten 
und oben, die beweisen, dass die Bodengüte, so wichtig 



J ) Vergl. Tabelle 11, Nr. 51 und 55. 

-) Von den Dörfern des Kreises hat Gensungen die grösste Zu- 
nahme zu verzeichnen, dann kommt Malsfeld. Vergl. Tab. 5, Nr. 61 
und 65, Sp. 5 uud 6. 

3 ) Von den Faktoren, die die Dichte von Guxhagen erhöhen, 
seien hier als aussergewöhnliche genannt : eine staatliche Korrektions- 
und Landesarmenanstalt mit 135 männl. und weibl. Korrigenden und 
20 Landarmen, 1 Inspektor, 15 Aufsehern und 2 Sekretären (mündl. 
Mitt.) und wohl infolge der günstigen Verkehrslage, ein grosser 
Prozentsatz an jüdischer, handeltreibender Bev. (12° o, in Felsberg 
sogar 13°/o.) 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



109 



sie auch ist, doch nicht der einzige Faktor ist, der die 
verschiedene Dichte bedingt. 

Als Ursache negativer Anomalien haben wir die Be- 
sitzverhältnisse kennen gelernt. Positive Abweichungen 
werden, wie bei den hierfür in Betracht kommenden Orten 
zumeist schon angedeutet, besonders durch das Hinzutreten 
von Gewerben und Industrie zur Landwirtschaft und durch 
die günstigere Verkehrslage hervorgerufen, von der erstere 
in vielen Fällen abhängig sind. Den Einfluss dieser 
Faktoren sollen uns die beiden folgenden Abschnitte noch 
kurz vor Augen führen. 



Tabelle 11. 





Name 
der 


Klein- 




Mittelbesitz 




Grossgrundbesitz 






besitz 
bis 10ha 


10—20 


20—30 


30—50 


50—100 


100— 150|l50-200 


Summa 




ha 


ha 


ha 


ha 


ha 


ha 






Gemeinde 








































1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 




Vockerode . . . 


5 


3 


7 


1 








16 




Weidelbach . . 


6 


3 


4 




1 






14 




Herlefeld . . . 




















Helmshausen 


1 


1 


2 




1 






5 




Bischofferode 


6 


4 


4 


2 








1« 




Hilgershausen . 


8 


1 


4 


6 








19 




Beuern .... 


6 


5 


7 


1 








19 




Albshausen . . 


6 


3 


2 






1 




12 




Heina .... 


10 


5 


1 










16 




Stolzhausen . . 


4 


2 


X 










7 




Hesserode . . . 


11 


5 


1 


2 








19 




Pfiefe .... 


14 


10 


3 


1 






1 


29 




Nausis .... 


8 


9 












17 




Lohre .... 


3 


10 


5 










18 




Metzebach . . 


5 


3 






1 






9 




Wagenfurth . . 


6 


4 


i 2 










12 




Mörshausen . . 


5 


13 


| 1 


1 








20 



*) Die Tabelle ist zusammengestellt nach den Angaben der ..Mutterrollen 14 der 
izelnen Gemeinden. Afs landwirtschaftliche Betriebe unter 10 ha sind hier nur solche 
fgeführt, deren Besitzer in den „Mutterrollen 11 ausdrücklich als Landwirte bezeichnet 
id. — Die Gemeinden sind geordnet nach Dichtestufen ohne Holz. 





110 




Spezieller Teil. 






























No. 


Name 
der 

Gemeinde 


Klein- 
besitz 
bis 10ha 


10—20 
ha 


Mittelbesitz 

20-30 i 30-50 
ha ha 


50—100 
ha 


Grossgrundbesitz 

100—150 150-200 
ha ha 


Summ 




1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


18 
19 
20 
21 

22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
31 ) 
31 
32 
33 


Eubach . . . 
Lobenhausen 
Büchenwerra 
Elfershausen . . 
Enip fershausen 
Deute .... 
Schnellrode . . 
Connefeld . . . 
Bergheini . . . 
Binsförth . . . 
Böddiger . . . 
Niedervorschütz 
Landefeld . . . 
Dagobertshausen 
Wichte .... 
Melgershausen . 


8 
1 

5 
8 
5 
4 
8 

13 
4 
6 

12 

11 
5 
7 

11 


4 

4 
3 
5 
2 
6 
3 
6 
5 
6 
3 
6 
5 
2 


1 
1 

3 
1 
3 
2 
2 
2 
2 

3 
5 

3 
1 

5 


3 

1 

2 
3 

1 
1 
1 

3 

2 


1 


1 
1 


— 


12 

6 i 

8 
14 
12 
13 

15 13 

21 i 

10 Ii 
14 i 
21 | 
25 |i 
9 } 

16 J 

17 1 
14 | 


34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 


Niedermöllrich . 
Ostheim . . . 
Obermelsungen . 
Neuenbrunslar . 
Körle .... 
Hesslar .... 
Günsterode . . 
Wollrode . . . 
Grebenau . . . 
Schwarzenberg . 


14 

10 
7 
4 

14 
7 

11 
8 
8 

12 


12 
15 
6 
5 
7 
3 
6 
3 
1 
3 


2 
1 
1 

4 
2 
1 
1 


1 

2 


1 


1 
1 


— 


29 ! 

26 1 

14 

11 

26 

12 

18 i 
14 1 
9 
15 


44 
45 
4(5 
47 
48 
49 
50 


Altmorschen . . 
Harle .... 
Heinebach . . 
Wolfershausen . 
Felsberg . . . 
Kirchhof . . . 
Neumorschen . 


6 
16 

6 
9 
6 
9 
7 


7 

7 
9 
2 

6 
5 
3 


1 

2 
6 
3 
2 


2 
3 
1 

1 


1 


1 

— 

— 




15 

25 

23 1 

17 

15 

14 i 

12 


51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 


Malsfeld . . . 
Röhrenfurth . . 
Elbersdorf . . 
Adelshausen . . 
Gensungen . . 
Ellenberg . . . 
Spangenberg . . 
Rhünda . . . 


5 
12 
3 
4 
12 
10 
7 
5 


6 
5 

3 
3 
1 
2 
3 


1 

3 
2 
1 

1 


1 

3 

1 
1 


1 

2 

1 


1 


1 


14 
17 ! 

7 

9 

21 : 
li 

13 
9 


59 
60 
61 
62 


Guxhagen . . . 
Kehrenbach . . 
Beiseförth . . . 
Altenbrunslar . 


5 
3 
2 
5 


3 

Q 

o 
2 
1 


4 


1 


_1 


* 




13 
6 
4 
7 


63 
64 


Melsungen . , 
Altenburg . . . 


10 


3 


2 




1 






16 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



111 



Tabelle 12. r ) 







Pferde 


Rinder 


Schafe 


Schweine 


Ziegen 




Name 




auf 100 ha 

clLli XV/'w' HCL 


















der 


abs. 


Kultur- 


abs. 


auf 
100 ha 


abs. 


abs. 


auf 
100 ha 


abs. 


auf 
100 ha 




Gemeinde 




land 




















1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 


9 




Vockerode . . 


30 


11 


149 


53 


267 


158 


56 


9 


3 


5 


Weidelbach . . 


9 


3 


127 


43 


161 


113 


39 


5 


2 


\ 


Herlefeld . . . 


29 


7 


2i )! i 


50 


28 


224 


54 


10 


3 




Heinishausen 


.)- 
z i 


ib 


1 ,i 1 
141 


od 


14 


1 lo 


1U2 


8 


5 


> 


Bischofferode 


19 


7 
• 


130 


47 




132 


47 


30 


11 




Hilgershausen . 


61 


15 


255 


64 


462 


446 


111 


43 


11 




Beuern .... 


57 


15 


216 


57 




384 


101 


43 


11 


1 


Albshausen . . 


42 


13 


184 


59 


4 


261 


84 


34 


11 


) 


Heina .... 


13 


5 


117 


46 


— 


184 


53 


55 


22 


; 


Stolzhausen . . 


4 


7 


43 


70 


3 


50 


81 


16 


26 




Hesserode . . . 


22 


10 


121 


50 


283 


168 


68 


33 


13 


i 


Pfiefe .... 


43 




312 


55 


354 


323 


56 


36 


6 


1 


Nausis .... 


11 


5 


136 


63 


— 


171 


79 


12 


6 




Lohre .... 


56 


16 


271 


75 


163 


428 


119 


57 


16 




Metzebach . . 


26 


12 


98 


46 


— 


145 


68 


5 


2 


i 


Wagenfurth . . 


26 


21 


89 


72 


1 


229 


185 




5 




Mörshausen . . 


50 


15 


208 


R3 


12 


3->8 


99 


48 


1 1 

Art 


s 


Eubach .... 




o 

y 


in 
111 


4o 


242 


174 


75 


25 


11 




Lobenhausen 


lo 


15 


od 


53 




109 


92 


16 


14 


1 


Büchenwerra 




1 i 


84 


79 




11)4 


154 


4 


4 




Elfershausen 


32 


11 




7Q 


3 


333 
ooo 






Q 
ö 


i 


Emplershausen 


41 


21 


122 


63 


95 


244 


126 


14 


. 7 


I 


Deute .... 


40 


16 


190 


78 - 


201 




1 41 


31 


14 




Schnell rode . . 


21 


g 


1 23 




4 


1 3X 

lOO 


fS9 


33 

DO 


1 3 


- 


Connefeld . . . 


31 


9 


227 


64 


199 


319 


90 


30 


q 




Bergheim . . . 


22 


9 


113 


45 


108 


191 


7fi 


53 


91 




Binsförth . . . 


20 


ß 


169 




13 


391 


107 

1U I 


95 

OO^ 


39 


- 


Böddiger . . . 


36 


9 


350 


85 


130 


705 


1 70 


13 


10 


I 


Niedervorschütz 


69 


17 


379 


()") 


221 




1 7R 


91 


93 


i 


Landefeld . . . 


10 


Q 


11ö 

J- ±o 


uo 


— 


1 93 


70 


IO 


Q 




Dagobertshausen 


33 


11 


166 


56 


12 


242 


82 


49 


17 




Wichte .... 


12 


6 


141 


66 


23 


167 


78 


26 


12 




Melgershausen . 


47 


16 


201 


67 


250 


444 


147 


47 


16 




Niedermöllrich . 


44 


9 


396 


82 


265 


718 


149 


82 


17 




Ostheim . . . 


51 


13 


256 


66 


230 


325 


83 


43 


11 




Obermelsungen . 


29 


13 


163 


74 


11 


209 


95 


50 


23 




Neuenbrunslar . 


33 


10 


156 


47 


13 


320 


96 


66 


20 




Körle .... 


55 


10 


299 


54 




638 


115 


129 


23 




Hesslar .... 


12 


7 


127 


69 


148 


24S 


L35 


45 


25 




Günsterode . . 


2 


1 


165 


57 




156 


54 


34 


12 




Wollrode . . . 


40 


15 


208 


75 




4()2 


146 


57 


21 




Grebenau . . . 


5 


6 


73 


80 




158 


174 


19 


21 




Schwarzenberg . 


19 


9 


114 


56 


5 


226 


110 


65 


32 



J ) Nach den Angaben der Akten des Landratsamtes zu Melsungen. 



112 



Spezieller Teil. 



No. 



Name 
der 

Gemeinde 



Pferde 



abs. 



auf 100 ha 
Kultur- 
land 



2 



Rinder 



abs. 



auf 
100 ha 



Schafe 



abs. 



Schweine 



abs. 



auf 
100 ha 



Ziege n 



abs. 



auf 
ICO ht 



44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 



Altmorschen . 
Harle . . . 
Heinebach 
Wolfershausen 
Felsberg . . 
Kirchhof . . 
.Neu morschen 



66 
44 
66 
35 
49 
29 
30 



12 
L2 
L0 
13 

8 
L2 
9 



249 
292 
383 
214 
206 
156 
228 



46 
76 
59 
77 
34 
62 
68 



107 
406 
138 
297 
405 
4 

182 



457 
607 
578 
435 
480 
271 
424 



84 
158 

89 
156 

79 
107 
127 



88 
108 
147 

84 
152 

46 

98 



22 
28 
23 
30 
25 
18 
29 



51 

52 

53 

54 

55 

56 

57 

58 

50 

60 

61 

62 

63" 

64 



Malsfeld . . 
Röhrenfurth . 
Elbersdorf . 
Adelshausen . 
Gensungen . 
Ellenberg . . 
Spangenberg . 
Rhünda . . 



46 
37 
29 
15 
79 
5 
86 
17 



12 
13 
12 
10 
15 

3 
12 

9 



191 

208 
131 
94 
302 
109 
259 
111 



50 
75 
56 
63 
58 
56 
37 
60 



39 



215 

117 
144 



383 
376 
248 
155 
679 
308 
492 
273 



100 
136 
106 
104 
131 
159 
70 
147 



116 
90 
98 
56 
173 
100 
186 
94 



38 
33 
42 
38 
33 
52 
27 
51 



Guxhagen . . 
Kehrenbach . 
Beiseförth . . 
Altenbrunslar 



72 
3 
28 
15 



12 
2 
11 
16 



331 
97 

152 
89 



56 
67 
58 
95 



824 
181 

268 
215 



141 

125 
103 
229 



227 
54 

148 
81 



39 
37 
57 
86 



Melsungen 
Altenburg . 



118 
11 



13 

393 



316 
60 



35 
2143 



375 



771 

56 



84 
2000 



290 
11 



Der Zusammenstellung der landwirtschaftlichen Be- 
triebe haben wir hier eine solche über den Viehbestand 
der einzelnen Gemeinden im Jahre 1904 folgen lassen. 
Sie hat allerdings nur dann einen Wert, wenn die Zahlen- 
angaben nicht nur absolute sind, sondern ausserdem auch 
relativ gefasst sind, weil auf diese Weise erst ein Ver- 
gleich möglich wird. Diese Tabelle ist besonders insofern 
nicht uninteressant, als ein grösserer Prozentsatz an 
Ziegen mit ziemlicher Sicherheit auf viele kleine Leute 
schliessen lässt; denn nicht mit Unrecht bezeichnet man 
die Ziege als „Kuh des armen Mannes." Die Verwendung 
der Tabelle für unsere Zwecke unterliegt selbstverständlich 
mancherlei Einschränkungen; aber immerhin unterstützt 
sie uns bei der Aufsuchung der Ursachen für die ver- 
schiedene Dichte. 



32 
393 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



113 



5. Der Einfluss von Industrie und regerer 
gewerblicher Tätigkeit. 

Dass Industrie und regere gewerbliche Tätigkeit ver- 
dichtend auf die Bevölkerungsverhältnisse einwirken, 
bedarf keines Beweises. Der verdichtende Einfluss zeigt 
sich auffallend bei den grossen Städten und deren Umgebung. 
In dieser Beziehung kommt für unser Gebiet die Gross- 
stadt Cassel in Betracht, deren Einfluss jedoch erst im 
folg. Abschnitt besprochen werden soll. 

Ebenso wie in den grossen Städten hat sich auf dem 
Lande in vielen kleinen Städten und auch in einzelnen 
grösseren Dörfern eine regere industrielle und gewerbliche 
Tätigkeit entfaltet. Sie ist teils im Anschluss an die 
Bodenerzeugnisse entstanden , teils hat sie sich ohne 
eine derartige enge Beziehung zum Grund und Boden 
entwickelt. Verschiedene Gründe können im letzteren 
Falle bestimmend mitgewirkt haben, vor allen Dingen die 
günstige Lage an einer Verkehrslinie, die Möglichkeit der 
Ausnutzung einer Wasserkraft, der billige Grund und 
Boden und dergl. So hat sich neben den grossen 
Industriezentren in den Städten eine Anzahl kleinerer 
Zentren auf dem Lande herausgebildet, von denen 
wiederum wie bei den Grosstädten die nahe gelegenen 
Gemeinden in ihrer Dichte vielfach stark beeinflusst 
werden. 

Auch unser Gebiet hat eine Reihe von Orten mit 
Industrie und regerer gewerblicher Tätigkeit aufzuweisen. 
In dem Bergland rechts der Fulda übt die Stadt 
Spangenberg einen nicht unerheblichen Einfluss aus. Der 
hier anstehende Muschelkalk und Buntsandstein und die 
gute Lage an einer Bahnlinie haben eine blühende 
Steinbruchindustrie entstehen lassen, die etwas über 
100 Arbeitern aus Spangenberg und Umgegend Unterhalt 
gewährt. 1 ) Zwei Zigarrenfabriken, eine Peitschenfabrik 
und eine Korkstopfenfabrik beschäftigen zusammen durch- 
schnittlich 75 Arbeiter. *) Früher hatte Spangenberg wie 

*) Mündl. Mitteilung. 



8 



114 



Spezieller Teil. 



viele Orte Niederliessens eine Anzahl selbständiger Weber, 
die Leinen anfertigten. l ) Diese Handweber sind aber 
hier nnd in den anderen Gemeinden des Kreises, in 
denen solche vorhanden waren, ganz verschwunden, sie 
vermochten der mit Maschinenbetrieb viel billiger ar- 
beitenden Konkurrenz nicht standzuhalten. 2 ) Meist sind 
sie zu Fabrikarbeitern geworden, die teils am Ort wie 
hier, teils in den Fabriken benachbarter Orte, besonders 
im nahen Cassel, Arbeit finden. An ihre Stelle ist hier 
eine Webfabrik getreten, in der 35 Weber tätig sind. 

Bei den Handwerkern fällt die grosse Zahl der 
Schuhmacher auf, die früher noch weit mehr vertreten 
gewesen sein sollen. Immerhin ist ihre Zahl noch so 
gross, dass auf etwa 35 Bewohner ein Schuhmacher 
kommt. 3 ) Von den umliegenden Ortschaften werden 
von Spangenberg besonders Elbersdorf mit Kaltenbach, 
Bergheim, Landefeld und Pfiefe beeinflusst. 

Das bedeutendste Industriezentrum im Fuldatal ist 
die Stadt Melsungen. Die Hauptbeschäftigung eines grossen 
Teiles seiner Bewohner ist die Tuchfabrikation. In der 
Stadt stellen 3 grössere Betriebe auf 70 Webstühlen mit 
über 200 Arbeitern und Arbeiterinnen Buckskin- und 
Uniformtuche her für Soldaten, Post- und Eisenbahn- 
beamte und Feuerwehr. „Ihre Absatzgebiete sind Deutsch- 
land, Schweiz, Holland, Luxemburg, durch Vermittlung 
auch überseeische Länder." 4 ) In einer Entfernung von 
etwa einer Viertelstunde liegt östlich der Stadt im Tale 
des Kehrenbachs eine 4. Fabrik, die die Wasserkraft dieses 
Baches ausnutzt. Sie ist die grösste von allen und be- 

x ) S. Landau, H. Beschreibung des Kurf. Hessen. S. 271. 

2 ) Die Bemerkung von Partsch, dass in den Hütten der kleinen 
Bergdörfer Hessens der Webstuhl klappert, dürfte darum wohl nicht 
mehr ganz zutreffend sein, für diesen Teil Hessens wenigstens nicht. 
Partsch, J., Mitteleuropa. Gotha 1904. S. 332. 

3 ) Mit Hülfe der „Mutterrolle" von Spangenberg liessen sich 
45 Schuhmacher feststellen. Das würden also nur die sein, die 
Grundbesitz am Orte haben. 

4 ) Armbrust, L., Geschichte der Stadt Melsungen, S. 277. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



115 



schäftigt allein fast ebensoviel Arbeiter als die drei ersten 
zusammen. Auf 208 Webstühlen werden Segeltuche, Leinen, 
Drell und Baumwollstoffe angefertigt. 1 ) Während die 
Arbeiter und Arbeiterinnen der drei in. der Stadt gelegenen 
Fabriken fast alle aus Melsungen selbst sind, 2 ) wohnt ein 
grosser Teil der hier arbeitenden Personen in umliegenden 
Dörfern, hauptsächlich in den nahegelegenen Orten Kirch- 
hof und Schwarzenberg, in denen zusammen etwas über 
30 ihren Wohnsitz haben ; 3 ) 15 sind aus Adelshausen, 
10 aus Obermelsungen, aus Kehren bach nur 3. Mit der 
Balm kommen 4 aus Elbersdorf, 4 aus Pfiefe, 2 aus Stolz- 
hausen und 1 aus Altmorschen. 3 ) 

Ausser diesen grossen Betrieben sind nocli eine Reihe 
kleinerer Betriebe zu erwähnen, die zusammen etwa 
75 Leuten Arbeit geben : 1 Wollspinnerei, 1 Maschinen- 
fabrik, 1 Lederfabrik, 1 Tongrube, 3 Ziegeleien und 
1 Bierbrauerei. 

Von den Handwerken ist das der Metzger verhältnis- 
mässig stark vertreten. 4 ) Dieses kommt daher, dass die 
Mehrzahl der Metzger Fleisch und Wurstwaren fast aus- 
schliesslich auf den allwöchentlich dreimal stattfindenden 
Wochenmärkten in dem nur 29 km Bahnlinie entfernten 
Cassel absetzt. 

Es mag hier bemerkt werden, dass die hohe Dichte 
von Kirchhof nicht allein durch die dort wohnenden 
Fabrikarbeiter hervorgerufen wird, sondern besonders 
durch eine grosse Anzahl Zimmerleute, 5 ) die auf einem 
Zimmerplatz in Melsungen beschäftigt werden. Ebenso 
wohnen in Kehrenbach, Röhrenfurth und Körle 5 ) viele 
Zimmerleute, die bei Zimmermeistern in Eiterhagen, 

*) Armbrust, L., Geschichte der Stadt Melsungen, S. 277. 
-) Nach mündlichen Mitteilungen waren im April 1906 hiervon 
ß aus Schwarzenberg, 4 aus Adelshausen und 2 aus Obermelsungen. 

3 ) In Kirchhof wohnen etwa 20 und in Schwarzenberg 10 bis 12. 
Mündliche Mitteilung. 

4 ) Melsungen hat zurzeit 27 Metzger. 

5 ) Nach den „Mutterrollen" betreiben in Kirchhof 19, in Kehren- 
bach 8, in Röhrenfurth 12 und in Körle, 10 Einwohner das Zimmer- 
mannshandwerk. 



8 



116 



Spezieller Teil. 



Röhrenfurth und Körle arbeiten. Auf sämtlichen Zimmer- 
plätzen wird Holz aus den nahen grossen Waldungen des- 
ßuntsandsteins verarbeitet. 

Weiter talabwärts ist Guxhagen der einzige Ort mit 
etwas Industrie. Eine an der Fulda gelegene Farben- 
fabrik und ein Sand Steinbruch beschäftigen etwa 30 Arbeiter. 
Im Tale der Fulda oberhalb von Melsungen liegen mehrere 
Orte mit Industrie oder doch wenigstens regerer gewerb- 
licher Tätigkeit. Zwischen Altmorschen und Heinebach 
wird der Gips der hier zu Tage tretenden Zechstein- 
formation abgebaut und auf einer Feldbahn nach Alt- 
morschen geschärft, wo er in einer Fabrik verarbeitet 
wird. Ungefähr 15 Arbeiter beschäftigt dieser Gipsbrach. 
In Heinebach selbst besteht seit einiger Zeit ein Schwer- 
spatwerk, das 12 Personen Arbeitsgelegenheit bietet. r ) 
Ausgedehntere Betriebe haben Alt- und Neumorschen. 
Ausser der genannten Gipsfabrik sind hier vorhanden: 
1 Kalkwerk, 1 Rohrweberei, 1 Dampfziegelei, 1 Saftfabrik r 
3 Zigarrenfabriken und 1 Kunstmühle, die die Wasser- 
kraft der Fulda sich zu Nutze macht. In diesen Betrieben 
finden etwa 200 Arbeiter und Arbeiterinnen 2 ) aus den 
beiden Morschen und den umliegenden Dörfern Beschäf- 
tigung. Das etwas weiter talabwärts gelegene Dorf Beise- 
förth verdankt seine hohe Dichte weniger einer Kunst- 
mühle und einer Ziegelei als vielmehr seinen vielen Korb- 
machern. 8 ) Fast alle Einwohner sind Korbmacher, sei es 
im Haupt- oder im Nebenberuf, die Landwirtschaft tritt 
fast ganz zurück. Die Korbwaren werden grösstenteils 
von umherfahrenden Händlern im Lande feilgeboten. 
Malsfeld hat nur einen etwas grösseren Betrieb, eine Ritter- 
gutsbrauerei. Ein Braunkohlenbergwerk, das vor einigen 
Jahren hier eröffnet wurde, ist aus Mangel an abbau- 
würdigen Flözen wieder eingegangen. Nicht weit von 
Malsfeld besteht bei Ostheim auf dem Hochland zwischen 

1 ) Mitteilung- des Bürgermeisters. 

2 ) Mündliche Mitteilung. 

3 ) Mit Hülfe der „Mutterrolle" Hessen sich 40 Korbmacher fest- 
stellen. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



117 



Fulda, Eder und Schwann noch ein solches, 1 ; in dem 
25 Arbeiter tätig sind. 2 ) Auf einer Drahtseilbalm werden 
die Kohlen nach dem Bahnhof Malsfeld befördert, wo sie 
verfrachtet werden. 

Ein weit grösserer Betrieb ist der in der Nähe des- 
selben Ortes befindliche Basaltsteinbruch. Basalt liefert 
bekanntlich ein sehr gutes Material für Pflastersteine und 
zur Strassenbeschotterung und wird infolgedessen an vielen 
Stellen Hessens in Brüchen gewonnen. Dieser Bruch, der 
durch eine Schmalspurbahn mit dem Bahnhof Malsfeld in 
Verbindung steht, ist einer der grössten in der ganzen 
Umgegend. Nach Mitteilung des in Malsfeld wohnenden 
Inspektors beschäftigt er durchschnittlich 200 Arbeiter, 
von denen etwa die Hälfte Italiener sind. Die übrigen 
verteilen sich auf die umliegenden Dörfer der drei Kreise 
Melsungen, Homberg und Rotenburg. 

Ein drittes Braunkohlenbergwerk liegt am Heiligenberg 
oberhalb vom Mittelhof. Von seinen 40 Arbeitern wohnen 
etwa 25 in Hesslar, die anderen in Gensungen und 
Felsberg. 3 ) 

Ton grösseren industriellen Unternehmungen in der 
Hessischen Senke ist vor allem ein Basaltsteinbruch bei 
Rhünda zu nennen, der nicht ganz so gross ist als der 
bei Ostheim. Das abgebaute Material, das früher auf 
Wagen nach Gensungen zur Bahn geschaft wurde, wird 
jetzt wie in Ostheim auf einer kleinen Bahn nach dort 
gebracht. Von den 130 Arbeitern sind 50 Italiener, die 
einheimischen sind meist aus Rhünda, etwa 10 aus Gen- 
sungen und einige wenige aus Harle, Altenburg und 
Hesserode. 4 ) Ausserdem befinden sich in diesem Teil des 
Kreises noch eine Molkerei in Gensungen und eine Kunst- 
mühle in Altenburg, die die Wasserkraft der Eder ver- 
wertet. Erstere gibt einschliesslich des Bureaupersonals 



*) s. Höhenschichtenkarte. 

2 ) Mündliche Mitteilung. 

3 ) Mitfc. des Direktors. 

4 ) Mitt. des Bureauvorstehers. 



118 



Spezieller Teil. 



etwa 30 Personen Arbeit, letztere beschäftigt mit Dienst- 
boten 17 Personen. x ) 

In mehreren Dörfern, z. B. in Böddiger nnd Nieder- 
möllrich, ganz besonders aber in Harle hat sich eine 
grössere Anzahl Handwerker niedergelassen, denen der 
fruchtbare Boden Anfang und Fortkommen sehr erleichtert. 
Sie arbeiten nicht allein für die Bewohner ihres Ortes, 
davon würden sie schwerlich existieren können, sondern 
ihre Kunden wohnen zumeist an anderen, z. T*. weit ab- 
gelegenen Orten. Die in Harle ansässigen Pflasterer 2 ) 
arbeiten nur auswärts. 

6. Der Einfluss der Großstadt Cassel. 

Der gewaltige Aufschwung der Industrie in den letzten 
Dezennien hat eine auffallend starke Abwanderung der 
Arbeitskräfte vom Lande nach den Städten herbeigeführt, 
sodass sich schon seit längerer Zeit überall in der Land- 
wirtschaft ein grosser Arbeitermangel fühlbar macht. 
Dieser Zug der Bevölkerung vom Lande in die Stadt zeigt 
sich nicht nur bei den Städten, sondern auch bei den um- 
liegenden Landgemeinden. Viele Arbeiter ziehen es vor,, 
auf dem Lande wohnen zu bleiben, ihre Arbeitskraft da- 
gegen in der Stadt besser zu verwerten. Bietet doch 
auch das Land dem Arbeiter manchen Vorzug und manche 
Annehmlichkeit vor der Stadt, indem Wohnung und 
Lebensunterhalt hier viel billiger sind, und die Möglich- 
keit besteht, einen Garten und vielleicht etwas Land 
nebenbei zu bestellen und einige Stück Kleinvieh zu halten. 

Dieser Einfluss der Städte ist naturgemäss umso 
grösser, je näher ihnen die Orte liegen. Aber auch bei 
entfernter gelegenen Gemeinden macht er sich oft noch 
sehr geltend. Die Entfernung ist dabei von unter- 
geordneter Bedeutung, die Hauptsache ist, dass die Stadt 
leicht zu erreichen ist. 



*) Mitt. der Besitzer. 

8 ) Drei Pflasterermeister mit mehreren Gesellen und Lehrlingen. 
Mündl. Mitt. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



119 



Demnach findet sich der Einfluss der Großstadt Cassel 
in unserem Gebiete hauptsächlich bei den Orten, die an 
einer Bahnlinie oder in deren Nähe liegen. Wir haben 
nun versucht, mit Hülfe der auf den einzelnen Stationen 
verkauften Arbeiterfahrkarten diesen Einfluss zahlenmässig 
nachzuweisen. Auf unser Ersuchen stellte uns die Eisen- 
bahndirektion in Cassel zu diesem Zwecke eine Zusammen- 
stellung der im Monat September 1906 als eines passenden 
Durchschnittsmonats zur Ausgabe gelangten Arbeiterfahr- 
karten zur Verfügung. Ihre Angaben haben wir zu 
folgender Tabelle benutzt. 

Tabelle 13. 







Anzahl der 






Name 


verkauften Arbeiter- 


Anzahl 


No. 


der 


Wochen- 


Rückfahr- 


der Arbeiter 




Station 


karten 


karten 








1 


2 


3 



A. Linie Cassel — Bebra. 



Guxhagen . 
Körle . . 
Röhrenfurth 
Melsungen 
Malsield . 
Beiseförth . 
Alt morschen 
Heinebach 



406 
163 

93 



B. Linie Malsfeld 



Mörshausen . 

Spangenberg 

Bischofferode 



54 
87 
73 
L86 
56 
37 
357 
376 



N i e d e r h o n e. 

27 etwa 
110 
24 



etwa 100 bis 110 



C. Linie Cassel — Frankfurt. 



Wolfershausen 
Altenbrunslar 
Gensungen . 



Zusammen 



110 
168 
46 



87 
ls 
125 



1081 



161 



50 
35 
55 
12 
10 
75 



5 bis 
20 „ 
4 



etwa 600 



60 
40 
65 
14 
12 
85 
90 



etwa 40 bis 50 
„ 45 ,, 45 
35 „ 40 



120 



Spezieller Teil. 



Obige Tabelle enthält die nach Cassel und den 
beiden Vororten Wilhelmshöhe und Oberzwehren gelösten 
Wochen- und Hückf ahrkarten. Die Wochenkarten be- 
rechtigen eine Woche lang zu täglichem Gebrauche. Ihre 
Inhaber sind gewöhnlich aus Orten, die nicht allzuweit 
von Cassel direkt an der Bahn oder in deren nächster 
Nähe liegen. Die Rückfahrkarten können dagegen nur 
zu einer einmaligen Hin- und Rückfahrt benutzt werden. 
Diese Karten lösen meist solche Arbeiter, deren Wohnort 
weiter von der Stadt oder der nächsten Bahnstation 
abliegt, und die daher die Woche über am Arbeitsort 
bleiben und erst am Sonnabend nach Hause zurückkehren. 

Aus der Zahl der Karten, die nicht ganz vollständig 
ist. da auch Monatskarten von Arbeitern benutzt werden, 1 ) 
kann man ungefähr die Anzahl der Arbeiter berechnen, 
wie Tab. 13 angibt. Es fahren also von Guxhagen, der 
Cassel am nächsten gelegenen Station, aus die meisten 
Arbeiter. Nach mündlichen Erkundigungen bei Bahnbe- 
amten 2 ) verteilen sie sich neben Guxhagen besonders auf 
die Orte Wollrode, Albshausen und Grebenau, auf Büchen- 
werra und Ellenberg kommen nur wenige. Die Mehrzahl 
der Arbeiter der letzteren Ortschaft geht zur Station 
Wolfershausen an der Linie Cassel— Frankfurt, die übrigen 
hier einsteigenden Arbeiter sind aus dem gleichnamigen 
Dorfe. Etwa 40 bis 50 Handwerker und Fabrikarbeiter 
benutzen die Bahn von Altenbrunslar aus. Sie wohnen 
der Hauptsache nach in Alten- und Neuenbrunslar, einige 
auch in Böddiger. Von Gensungen selbst arbeiten nicht 
viele Personen in Cassel, wie schon die Zahl der Wochen- 
karten verglichen mit der der Rückfahrkarten andeutet, 
die meisten sind aus Hesslar, Melgershausen, Felsberg und 
Niedervorschütz. Die letzte Station dieser Strecke, die 
noch in Betracht kommt, ist Wabern. 3 Handwerker aus 
Niedermöllrich 3 ) und 10 bis 15 Handwerker und Arbeiter 
aus Harle 1 ; fahren von hier aus nach Cassel zur Arbeit. 

*) Mündliche Mitteilung. 

2 ) Dieses gilt auch für die anderen Stationen. 

3 ) Mitteilung des Bürgermeisters. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



121 



Kehren wir nun zur Bahnlinie Cassel — Bebra zurück. 
Die nächste Station hinter Guxhagen ist Körle. Mit 
wenigen Ausnahmen haben die Arbeiter, die von hier aus 
die Bahn benutzen, am Orte ihren Wohnsitz, nur etwa 3 in 
Lobenhausen und ebensoviel in Wagenfurth und Empfers- 
hausen. Bei Röhrenfurth ist die Verteilung insofern eine 
andere, als auf Schwarzenberg und Kehrenbach etwas 
mehr Arbeiter kommen als bei Körle auf die umliegenden 
Orte. 

Obwohl Melsungen, wie früher erwähnt, in 4 grösseren 
und einigen kleineren Fabrikbetrieben mehrere Hundert 
Menschen beschäftigt und auch sonst genügend Arbeits- 
gelegenheit bietet, ist doch für eine grössere Anzahl Hand- 
werker und Fabrikarbeiter von hier und den Dörfern 
Obermelsungen, Kirchhof und Adelshausen Cassel der Ort 
des Erwerbs. Bei Malsfeld und Beiseförth ist ihre Zahl 
am geringsten, bei den beiden folgenden Stationen Alt- 
morschen und Heinebach dagegen nächst Guxhagen am 
grössten. Während die Arbeiter Altmorschens sämtlich 
aus Dörfern des Kreises sind (aus den beiden Morschen 
und ihrer Umgebung), ist dieses bei Heinebach nicht der 
Fall. Nur etw^a 20 bis 25 entstammen diesem Orte, 1 ) die 
übrigen verteilen sich auf benachbarte Dörfer des Kreises 
Rotenburg. 

Die an der Nebenlinie Malsfeld — Niederhone und in 
deren Nähe gelegenen Gemeinden werden nicht in dem 
Masse von Cassel beeinflusst, wie aus der Zahl der ver- 
kauften Karten ersichtlich ist. Die wenigen bei den 
Stationen Mörshausen und Bischofferode verzeichneten 
Arbeiter wohnen in Adelshausen beziehungsweise Pfiefe. 
Spangenberg und Umgegend stellt zwar ein etwas grösseres 
Kontingent, bleibt aber doch hinter den meisten anderen 
Stationen weit zurück. 

Als letzter Ort, dessen Dichte dem Einfluss Cassels 
unterliegt, ist Günsterode zu nennen. Nach einer Mit- 
teilung des Bürgermeisters arbeiten 10 Einwohner dieses 



*) Mitteilung des Bahnhofsvorstehers. 



122 



Spezieller Teil. 



Dorfes in Cassel. Sie benutzen von dem 5 bis 6 km ent- 
fernten Lichtenau aus die Kleinbahn Cassel — Waldkappel. 
Doch dieser Umstand genügt nicht, um die hohe Dichte 
von Günsterode zu erklären, wir wollen daher noch kurz 
eines Faktors Erwähnung tun, der uns auch genügend 
Aufschluss gibt über die ziemlich hohe Dichte von Schnell- 
rode, die wir nach Abzug des Waldes erhalten. In 
früheren Jahren ernährte nämlich das Kohlenbrennen in 
mehreren Walddörfern, besonders in Günsterode, viele Ein- 
wohner. 1 ) Seitdem aber der Verbrauch von Holzkohlen 
bedeutend zurückgegangen ist, betreiben nur noch 3 Ein- 
wohner von Günsterode dieses Geschäft, die übrigen sind 
genötigt, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien 
ausserhalb des Ortes zu erwerben. 25 bis 26 Männer 
arbeiten infolgedessen vorübergehend in den Kohlenberg- 
werken Westtälens, 20 junge Leute sind ständig dort. 2 ) 
Aus demselben Grunde fahren etwa 25 Einwohner des 
Dorfes Schnellrode alljährlich 6 bis 7 Monate (etwa 6 Ein- 
wohner 9 Monate) nach Westfalen; 3 ) vereinzelte auch aus 
anderen Dörfern des Kreises, z. B. aus Weidelbach und 
Vockerode. 3 ) 

7. Hauptergebnisse. 

I. Methode. 
1. Als geeignetste Methode für Spezialkarten wie die 
vorliegende erscheint eine Vereinigung der im Schlüter- 
schen Sinne angewandten Gemarkungsmethode mit der 
sog. „absoluten Methode", d. h. der Eintragung aller 
Siedelungen durch Symbole, die nach der Einwohnerzahl 
abgestuft sind. 

IL Volksdichte. 
1. Der Kreis Melsungen ist ein verhältnismässig dünn 
bevölkertes Gebiet. Mit einer durchschnittlichen Dichte 

a ) In Günsterode gab es früher 10 Köhler, von denen jeder 
mehrere Leute beschäftigte. Mitteilung des Bürgermeisters. Vgl. 
auch Landau, G. a. a. O. S. 263. 

2 ) Mitteilung des Bürgermeisters. 

3 ) Nach den „Mutterrollen" der beiden Gemeinden. 



Die Volksdichte im Kreise Melsungen usw. 



123 



von rund 75 Einwohnern auf 1 qkm übertrifft er zwar die 
sehr dünn bevölkerten östlichen und nordöstlichen Teile 
Deutschlands noch um ein beträchtliches, bleibt aber doch 
weit zurück hinter den industriereicheu, dicht bevölkerten 
Gegenden West- und Südwestdeutschlands. 

2. Orographisch lassen sich folgende Teile unter- 
scheiden: Das Bergland rechts der Fulda, das Fuldatal, 
das Hochland zwischen Fulda, Ecler und Schwalm und 
das Tal der Eder und Schwalm. Von ihnen ist am 
dünnsten bevölkert das Bergland rechts der Fulda mit 40,1. 
Eine nicht viel höhere Dichte weist das Hochland zwischen 
Fulda, Eder und Schwalm mit 54,5 auf. Recht dicht 
bevölkert sind dagegen das Tal der Eder und Schwalm, 
mit 112,6 und das Fuldatal mit 133,1. 

3. Die Dichte der einzelnen Gemeindebezirke übersteigt 
bei der Mehrzahl das Dichtemittel. Unter 75 finden wir 
nur 33 Gemeinden einschliesslich von 6 Forstgutsbezirken 
und 2 Gutsbezirken, über 75 dagegen 39 Gemeinden. Von 
letzteren erreichen sogar 4 (Kehrenbach, Guxhagen, 
Melsungen, Altenburg) eine Dichte von mehr als 200. 

4. Die im Verhältnis zur Dichte der einzelnen Ge- 
meinden ziemlich niedrige mittlere Dichte ist hauptsäch- 
lich eine Folge der grossen Waldungen des Buntsandsteins, 
die besonders im Bergland rechts der Fulda und auf dem 
Hochland zwischen Fulda, Eder und Schwalm die Dichte 
sehr herabdrücken. 

5. Die niedrige Dichte vieler Gemeinden, wie sie sich 
namentlich in dem Bergland rechts der Fulda finden, 
wird neben dem Gemeinde wald in erster Linie durch die 
Bodengüte bedingt. Zwischen ihr und der Volksdichte 
lässt sich für das Gebiet im ganzen bis zu einer Dichte 
von 150 ein bestimmter Zusammenhang nachweisen, weiter 
aufwärts überwiegen andere Faktoren. Dieser Zusammen- 
hang ist auch bei den einzelnen Gemeinden vielfach vor- 
handen. An Abweichungen nach unten und oben fehlt 
es natürlich nicht. 



124 



Spezieller Teil. 



6. Die Ursache solcher negativer Anomalien sind die 
landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse. Deutliche negative 
Anomalien lassen vor allem folgende Gemeinden erkennen: 

a) In dem Bergland rechts der Fulda Vockerode 
und Mörshausen. 

b) In dem Fuldatal Wagenfurth, Lobenhausen 
und Büchenwerra. 

c) Auf dem Hochland zwischen Fulda, Eder und 
Schwalm Helmshausen, Beuern, Hesserode und 
Hilgershausen. 

d) In dem Tal der Eder und Schwalm Lohre und 
Deute. 

7. Positive Anomalien werden durch das Hinzutreten 
von Gewerben und Industrie zur Landwirtschaft und durch 
die günstigere Verkehrslage hervorgerufen, von der erstere 
in vielen Fällen wiederum abhängig sind. Hierfür kommen 
hauptsächlich folgende Orte in Betracht : 

a) In dem Bergland rechts der Fulda Günsterode, 
Kirchhof. Wollrode, Elbersdorf, Spangenberg 
Adelshausen und Kehrenbach. 

b) In dem Fuldatal Grebenau, Schwarzenberg, 
Altmorschen, Heinebach, Neumorschen, Mals- 
feld. Beiseförth, Röhrenfurth, Guxhagen und 
Melsungen. 

c) Auf dem Hochland zwischen Fulda, Eder nnd 
Schwalm Hesslar und Ellenberg. 

cl) In dem Tal der Eder und Schwalm Rhünda, 
Gensungen, Altenbrunslar und Altenburg. 

8. Bei vielen der unter 7 genannten Gemeinden macht 
sich der Einfmss der nahen Großstadt Cassel sehr geltend. 
Dieser Einfmss zeigt sich besonders bei solchen Orten, 
die an einer der 3 Bahnlinien, die das Gebiet durchqueren, 
oder in deren Nähe liegen. 



Inhalt. 

TAH • m • i Seite 

1 . Allgemeiner Teil: 

1. Die bei vorliegender Dichtekarte angewandte 
Methode 48—68 

2. Wahl des Gebietes 69—70 

3. Herstellung der Dichtekarte 70—74 

4. Material und Literatur . . . 74 — 77 

II. Spezieller Teil: 

1. Die Oberflächengestalt des Gebietes 77—84 

2. Die geologischen Fermationen und der Kultur- 
boden des Kreises 84 92 

3. Die Volksdichte des Gebietes im allgemeinen . . . 92—96' 

4. Die Volksdichte in ihrer Abhängigkeit von Boden- 
güte und landwirtschaftlichen Besitzverhältnissen 96—112 

5. Der Einfluss von Industrie und regerer gewerb- 
licher Tätigkeit 113—118 

6. Der Einfluss der Großstadt Cassel 118—122 

7. Hauptergebnisse 122—124 



120 



Dr. Grimme. 



Eine Missbildung von Rana temporaria Ant. 

Dr. Grim m e. 

In der nächsten Umgebung Cassels, auf dem Felde 
bei Nieder -Vellmar, wurde im Sommer 1906 von dem 
Schüler Gerl ein Taufrosch (Eana temporaria Ant.) ge- 
fangen, der eine eigenartige Missbildung zeigte. 

Es befand sich in der Caudalregion zwischen den 
beiden normalen Hinterschenkeln nach hinten ausgestreckt 
ein fünftes Bein. Diese überzählige Gliedmasse besass 
etwa 3 / 4 der Länge und etwa 1 /i bis x / 2 der Dicke der 
beiden Hinterschenkel und war, abgesehen von diesem 
atrophischen Zustande in der Ausbildung seiner einzelnen 
Teile, bis zu den Zehen und zum Fersenhöcker herab völlig 
den normalen Schenkeln gleichgebildet. DieWinkelung der 
Gelenke entsprach derjenigen des linksseitigen Schenkels. 
Die Ansatzstelle des überzähligen Beines befindet sich 
unterhalb des Kreuzbeinvorsprunges fast genau in der 
Medianlinie, jedoch den After nach rechts hinüberdrängend. 

Aus der beigegebenen Aufnahme vermittelst Eöntgen- 
strahlen geht hervor, dass im allgemeinen auch die Aus- 
bildung der Knochen des fünften Beines eine regelmässige 
ist. Das proximale Stück des Femur zeigt jedoch eine 
hakenförmige Einbiegung. Der Gelenkkopf des Femur 
scheint in der Nähe und auch in der Höhe des Sitzbeines 
zu liegen. 

Die vorliegende Missbildung ist als ein Dipygus para- 
sitier (Polymelie) zu bezeichnen. Über Missbildungen bei 
Amphibien ist noch nichts bekannt geworden, wenn man 
von den Doppelfröschen und Doppeltri tonen absieht, die 
Wetzel, W. Tonkoff und 0. Schnitze künstlich 
durch Zusammenpressen von im Zwei- beziehungsweise 
im Vierzellenstadium befindlichen Eiern zwischen zwei 
Glasplatten erhielten. 



Mitteilungen aus dem Vereinsleben. 



127 



Bericht. 



1. Mitteilungen aus dem Vereinsleben. 

Wegen Verhinderung des Direktors erstattet vom Geschäftsführer 
Prof. Dr. Schaefer. 



Dem Landesausschusse des Regierungsbezirks Cassel 
sowie den städtischen Behörden der Residenzstadt Cassel 
gebührt auch für das verflossene Vereinsjahr der verbind- 
lichste Dank des Vereins für die Zuwendungen, die es 
dem Vereine ermöglichten, wiederum einen grösseren Band 
Abhandlungen und Bericht herauszugeben und so die 
Tauschverbindungen aufrecht zu erhalten. 

In der letzten ordentlichen Hauptversammlung, die, 
verbunden mit der Feier der 70. Wiederkehr des Stifbunes- 
tages, am Sonnabend den 28. April 1906 im Kaufmanns- 
hause stattfand, waren alle Vorstandsmitglieder wieder- 
gewählt worden. Demnach bestand der Vorstand aus 
folgenden Herren : 

Direktor: Prof. Dr. Fennel. 

Geschäftsführer : Prof. Dr. B.Schaefer (Hohenzollern- 

strasse 133). 
Rechnungsführer: Juwelier W. Scheel. 
Bibliothekare: Oberlehrer Kunze und 
Sanitätsrat Dr. Ebert. 
Beisitzer: Major z. D. Freiherr v. Berlepsch und 

Sanitätsrat Dr. Weber. 
Ausserdem war Herr Her t iein so liebenswürdig, 
den Geschäftsführer durch Führung der Protokolle und 
Versand der Einladungskarten zu den einzelnen Sitzungen 
zu entlasten. 

Die Sitzungen fanden wie im vorhergehenden Jahre 
zweimal monatlich, jedesmal am 2. und 4. Montage, abends 



128 



Bericht. 



von 8 1 2 Uhr ab im Kaufmannshause statt. Von der Haupt- 
versammlung und den Vorstandssitzungen abgesehen wurden 
im ganzen 19 Versammlungen vom Vereine abgehalten. 
Sie wurden durchschnittlich von 14 Mitgliedern und 3 Gästen 
besucht. Am stärksten besucht war die Sitzung am 14. Mai 
1906, nämlich von 19 Mitgliedern und 7 Gästen, am ge- 
ringsten die Sitzung vom 8. Oktober 1906, nämlich von 
9 Mitgliedern. Ausserdem veranstaltete der Verein zu- 
sammen mit dem Vereine für naturwissenschaftliche Unter- 
haltung und für Vogelschutz am 4. Februar 1907 eine 
grössere Sitzung mit Damen im Zentralhotel. Unter Vor- 
führung von Lichtbildern sprach hier Herr Major z. D. 
Freiherr v. Berlepsch „über die Vogelschutzfrage, ihre* 
Begründung und Ausführung". 

Ferner unternahm der Verein zusammen mit dem 
Vereine für naturwissenschaftliche Unterhaltung folgende 
Ausflüge : 

9. Mai 1906: Schocketal und o-raue Katze. 

16. Mai 1906 : Warteberg (Mordberg) bei Gudensberg, 

23. Mai 1906: Fürstenwald, Hangarstein, Ahnetal. 

30. Mai 1906: Bilsteinkirche— Helsa, 

6. Juni 1906: Stahlberg — Katzenstein— Wilhelmstal. 

13. Juni 1906: Neuholland, Herbsthäuschen, Hirzstein. 

20. Juni 1906: Uschlag — Mühlenberg — Heiligenrode. 

27. Juni 1906: Immenhausen — Gahrenberg — Münden. 

5. September 1906: Speele— Münden. 

Zu dem Festakt zur Feier des 80. Geburtstages Sr. 
Exzellenz d es wirkl. Geheimrats Prof. Dr. Georg v. Neumayer 
der am 17. Juni 1906, vormittags 11 Uhr, in Neustadt 
a. d. Hardt stattfand, erhielt der Verein eine Einladung 
und übersandte ein Glückwunschschreiben. 

Ausserdem erhielt der Verein folgende Einladungen: 

1. zur 28. orden tl. Generalversammlung des Casseler 
Fischereivereins am 19. März 1906 und zur 29. am 
2. März 1907: 

2. zum 34. Kongresse der Alpinisti Tridentini zu 
Molveno am 12.-14. August 1906 und zur Ein- 



129 



weihung der Schutzhütte auf dem Stivo am 
7. Oktober 1906; 
3. zum Stiftungsfeste des Vereins für naturwissen- 
schaftliche Unterhaltung am 17. November 1906. 
Eine grosse Freude wurde dem Vereine bereitet durch 
eine Schenkung des K. Gymnasialpro fessors Dr. G. H. 
Mo eller zu Schweinfurt, des Sohnes des Gründers unseres 
Vereins. Ausser einer Reihe von Diplomen seines Vaters 
übersandte er uns die älteste Original-Stiftungsurkunde, 
nämlich das Schriftstück, in dem der damalige Militär- 
Wundarzt im Leibregiment, Dr. med. et phil. Mo eller, 
zur Gründung des Vereines auffordert. 

Das Schriftstück hat folgenden Wortlaut : 

„Das allgemein erwachende Interesse für vaterländische Natur- 
kunde ist eine um so erfreulichere Erscheinung, als der Einfluss 
derselben aut last alle Wissenschaften, Künste und Gewerbe so 
bedeutend ist. Es haben sich daher auch, dieses fühlend, hier und 
da in Deutschland Vereine für vaterländische Naturkunde gebildet > 
deren Forschungen auch um so erspriesslicher sein müssen, da ver- 
einte Krätte wirken. — Dass ein solcher Verein zugleich auf An- 
legung von Sammlungen über die einzelnen Zweige der Naturkunde 
bedacht sein muss. um das schon Bekannte und Erforschte mit 
dem Neuentdeckten vergleichen zu können, ist ersichtlich. Wenn 
ich daher die Männer, welche sich mit dem einen oder anderen 
Zweig der Naturkunde beschäftigen, zu einem Verein für vater- 
ländische Naturkunde auffordere und bitte, ihre Teilnahme zur 
Bildung eines solchen Vereins durch ihre Namensunterschrift be- 
urkunden zu wollen, so muss ich auch zugleich bitten, anzugeben, 
für welchen Zweig der Naturkunde sie zu einer Mustersammlung 
Hessens Beiträge liefern können und wollen, oder für welchen 
Zweig, wenn sie nicht Sammlungen besitzen, sie das Ordnen, Be- 
stimmen u. dgl. übernehmen können. 

Da ich glaube, dass es am besten ist, dass ein so beginnender 
Verein sich an einen schon bestehenden anschliesst. so habe ich 
einstweilen Rücksprache mit mehreren Mitgliedern des Landwirt- 
schafts-Vereins genommen, und die Zusicherung erhalten, dass bei 
diesem eine Abteilung für vaterländische Naturkunde gebildet 
werden soll (wie eine solche bereits in Bayern besteht), sobald sich 
Mitglieder genug finden, die das Bestehen eines solchen Vereins 
sichern. Da Hessen überhaupt und Cassel insbesondere so manchen 
tüchtigen Mann zählt, welcher einen einzelnen Zweig der Natur- 
kunde bearbeitet, und denen allen es gewiss auch angenehm sein 



9 



130 



Bericht. 



wird, mit ihrem Wissen allgemein nützlich werden zu können, so 
wird diese Bedingung- um so leichter erfüllt werden können. — 
Das nötige Lokal wird ebenfalls der Land wirtschafte- Verein dazu 
einräumen, und das nötige Inventar könnte einstweilen aus kleinen 
monatlichen Beiträgen bestritten werden, bis demnächst ein Fonds 
dafür von der Staatsregierung ausgeworfen würde. 

Es wird dieses Anschliessen an den Land wirtschafte- Verein 
aber auch um so vorteilhafter sein, als durch die grosse Anzahl 
auswärtiger Mitglieder dieses Vereins sich die Aussicht eröffnet, die 
Sammlung sogar auf eine allgemeine deutsche ausdehnen und mit 
den Doubletten Tauschverbindungen anknüpfen zu können. 

Cassel, im Januar 1836. 

M oe 1 1er, 
Dr. med. et philosoph. 
Militär-Wundarzt 
im Leib -Regiment. 
Es folgen die Unterschriften von: Dr. Moeller, J. S. Eitz- 
mann. Dr. Philipp i, Riehl, Sezekorn, Schwarzenberg, 
A. Schwarzenberg, Glasewald, Dr. Burhenne, E. Land- 
grebe. Gottsched, C. Wagner, Lud w. Bahr. 

Mit diesem Schriftstück sind nunmehr auch die ersten 
Schritte, die zur Gründung des Vereins am 18. April 1836 
führten, aktenmässig aufgehellt. Dem hochherzigen Spender 
sei auch an dieser Stelle nochmals der verbindlichste Dank 
des Vereins für die wertvolle Schenkung ausgesprochen. 



2. Mitgliederbestand. 



Im Laufe des verflossenen Vereins jahres wurden als 
wirkliche Mitglieder aufgenommen die Herren: Lehrer 
Hermann Schütz (27. 5. 1906). Fabrikant Wilhelm Kelim 
(13.8. 1906), Fabrikant Georg Beiire (13.8. 1906), Apo- 
theker Karl Wolf (22. 10. 1906). Fabrikant F. Hammann 
(14. 1. 1907), prakt. Zahnarzt Adolf Scheele (28. 1. 1907). 
konz. Markscheider Jos. Meyer (20. 4. 1907). Als korre- 
spondierendes Mitglied wurde aufgenommen: Herr Dr. G. H. 
Moeller, k. Gymnasialprofessor zu Schweinfurt (25. 2.. 1907) 

Durch Tod verlor der Verein 1 wirkliches und 3 korre- 
spondierende Mitglieder, 6 wirkliche Mitglieder traten aus, 
1 wirkliches Mitglied wurde gestrichen, 1 wirkliches Mit- 



Verzeichnis der Mitglieder. 



131 



glied verzog und wurde in die Liste der korrespondierenden 
Mitglieder übergeführt. 

Es starben die Herren: Direktor Prof. Dr. Buchenau 
zu Bremen am 23. 4. 1906, Hofphotograph Julius Grimm 
zu Offenburg am 8. 8. 1906. Kgl. Bergrat Gustav Ernst 
zu Cassel am 31. 10. 1906 und Konsul a. D. Ochsenius 
zu Marburg am 9. 12. 1906. 

Es traten aus die Herren: Dr. med. Hartmann, 
Privatmann Kochendörffer, Lehrer Kühnemuth, 
Schriftsteller Sehe lenz. Justizrat Schmuch und Apo- 
theker Thomas. 

Herr Markscheider Pohlschmidt verzog als Kgl. 
Oberbergamts markscheider nach Dortmund und wurde in 
die Liste der korrespondierenden Mitglieder übergeführt. 

Es besteht demnach der Verein zurzeit aus 5 Ehren- 
mitgliedern, 80 wirklichen und 49 korrespondierenden 
Mitgliedern. 



Verzeichnis der Mitglieder. 

Die Jahreszahlen beziehen sich auf die Zeit des Eintritts, 
bezw. der Ernennung. 

a) Ehrenmitglieder. 

1 . Herr GrafzuEulenburg. Botho, Staatsminister a.D.. 

Exzellenz in Berlin. 1886. 

2. „ Dr. Gerland, Ernst, Professor an der Berg- 

akademie in Claustal. 1873. 1888. 

3. „ v.Hunde ls hausen, Eduard, Landesdirektor a. D. 

der Provinz Hessen-Nassau in Cassel. 1886. 

4. „ Dr. Zirkel, Ferdinand, Professor und Geheimer 

Bergrat in Leipzig. 1875. 

5. „ Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Metzger, Münden. 1903. 

b) Wirkliche Mitglieder. 

1. Se. Durchlaucht Prinz Philipp von Hanau, Gral 
von Schaumburg in Oberurff 1862. 1886. 



9* 



L32 



Bericht. 



2. Herr Alsberg, A., Bankier. 1880. 

3. „ Alsberg, Dr. med. Moritz, Sanitätsrat. 1902. 

4. „ Alsberg, Dr. med. Georg, Kinderarzt. 1905. 

5. „ Bau man ti, Theodor, Fabrikant. 1904. 

6. „ Bohre, Gg., Fabrikant. 1906. 

7. „ Grat* v. Berlepsch, Hans, Schloss Berlepsch 

l>ci Witzenhausen. L894. 

8. „ Frei hori- v. liei'hi psch, Hans, Major z. D. 

L894 

9. „ Bodo, Di-, med. Adolf, Geh. Medizinalrat. 1880. 

10. „ Bodenheim, Ernst, Fabrikant. 1905. 

11. „ Breithaupt, Dr. ph.il. Georg, Fabrikant. 1905, 

12. „ Buhse, Fritz, Bergwerksdirektor. 1875. 

13. „ Christ, Dr. phil. Heinrich, Oberlehrer. 1893. 

14. „ Döhle, Fr.. Apotheker. 1898. 

15. „ Eberl, Dr. med. II., Sanitätsrat. 18i)4. 

16. „ Eisenmann, ( ). Fr., Geh. Regier ungsrafy 

Museums- und Gaieriedirektor. 1895. 

17. „ Eysell, Dr. med. A., Sanitätsrat, 1878. 

18. „ Fonnol, Adolf, Fabrikant, 1903. 

19. „ Fonnol, Dr. phil. Ludwig, Professor. 1887. 

20. „ Fey, Dr. med. W., Sanitätsrat, 1899. 

21. „ Pingerling, Julius, Kaufmann. 1904. 

22. „ Fischer, Felix, Oberleutnanl a. D., Ritterguts- 

b sitzer zu Freienhagen. ,1892. 

23. Casseler Fischerei verein. 1883. 

24. „ Freiherr v. Forstner, Leutnant, 1905. 

25. „ Friess, Carl, Justizrat. 1901. 

26. „ Grimme, Dr. phil. A., Kreistierarzt zu Mel- 

sungen. 1899. 

27. „ Bammann, F., Fabrikant. 1907. 

28. „ Hebel, Otto, Professor. 1880—1897. 

29. „ Hecht, Jakob, Fabrikant, 1880. 

30. „ Henkel, Dr. phil. Wilh., Oberlehrer. 1901. 

31. „ Hermann, August, Kaufmann. 1891. 

32. „ H er t lein, Kandidat des höheren Schulamts. 1905. 

33. „ Heydenreich, Heinrich, Professor. 1888. 

34. „ Hintz, Hormann, Oberlehrer. 1902. 



Verzeichnis der M Itgl ieder, 



L33 



35. Herr Hornstein, Dr. phil. F. F., Professor. 1869. 

36. „ Hornthal, Jakob, Tierarzt. L876. 

■]7. „ Hübner, Dr. med. Walter, Augenarzt. 1905. 

38. „ Hunrath, Wilhelm, Apotheker. 1892, 

39. „ Jung, Adolf, Hofkonditor. L899. 

40. •„ Kaiserling, Gustav, Privatmann. L891. 

41. „ Katzenstein, Dr. med. Hermann, prakt. A.rzt« 

42. „ Kehm, Wilhelm. Fabrikant. L906. 

43. „ Kunze, Herrn., Oberlehrer. L888. L896. L899. 

44. „ Kuller, Rob., Privatmann. L903. 

45. „ Laubinger, Dr. phil. Carl, Privatmann. 1895. 

46. „ Löwenbaum, L., Bankier. 1881, 

47. „ Luckhardt, Ludwig, Apotheker. 1895. 

48. „ Mauve, Dr. Carl, Oberpräsidialrat. L903. 

49. „ Meiido, Theodor, Oberst z. I>. L896, 

50. „ Merkelbaoh, Dr. phil. Willi, Professor. 1880. 

51. „ Meyer, Jos., konz. Markscheider. 1907. 

52. „ Möhring, Dr. med. Paul, Spezialarzt. 1902. 

53. „ Monden, August, Oberlehrer. 1900. 

54. „ Müller, Ferd., Telegraphensekretär. 1901. 

55. „ Nagell, Wilhelm, Hofapotheker. L880. 

56. „ Oehs, Heini-., Privatmann, Stadtrat. 1880. 

57. „ Paul, Dr. phil. Viktor, Chemiker. 1901. 

58. „ Paulmann, Dr. phil. Wilhelm, Vorsteher des 

städtischen Gesundheitsamtes. L895. 

59. „ Pfannkueh, Dr. med. Friedrieh, prakt. Arzt. 

1904. 

60. „ Plaut, Gustav, Ivommerzienrat. 1905. 

61. „ Rittershausen, Aug. Jul., Privatmann L880. 

62. „ Rost, Dr. phil. Adalbert, Professor. 1877. 

63. „ Schaefer, Dr. phil. Bernhard, Professor. 1902. 
04. „ Scheel, Willy, Kaufmann und Juwelier. 1891 

65. „ Schlaf ke, Dr. med. Wilh., Augenarzt. 1880. 

66. „ Schmidt, Paul, Lehrer. 1905. 

67. „ Schreiber, Dr. phil. Rudolf, Professor. 1892. 
08. „ Schröder, Richard, Oberlehrer. 1803. 

69. „ Schütz, Hermann, Lehrer. 1900. 

70. „ Schultz, Dr. Walter, Oberlehrer. 1903. 



134 



Bericht. 



71. Herr Schulz, Hermann, Lehrer zu Meckbach bei 
Mecklar. 1903. 



72. 


ii 


Siebert, Dr. ph.il. Karl, Fabrikant. 1891. 


73. 


ii 


Sigbert, Max, Rittmeister a. D. 1905. 


74. 


n 


Taute, Eduard, Lehrer. 1905. 


75. 




Till, Julius, Architekt. 1905. 


76. 


ii 


Freiherr Waitz v. Eschen, Dr. phil. Roderich. 






1866. 


77. 


ii 


Wallach, Dr. phil. Moritz, Grosshändler. 1883. 


78. 


ii 


Weber, Dr. med. Ludwig, Sanitätsrat. 1887. 


79. 


ii 


Wilke, Richard, Privatmann. 1895. 


80. 


n 


Wolf, Karl, Apotheker. 1906. 






c) Korrespondierende Mitglieder. 


1. Herr Alfermann, Dr. med. Franz, Generalarzt, Posen. 






1870. 


2. 


ii 


Angersbach, Adam, Professor. Weilburg. 






1890. 1893. 


3. 


n 


Beyschlag, Prof. Dr. ; Landesgeologe. Berlin- 






Wilmersdorf. 1896. 


4. 


n 


Blankenborn, Dr. phil. Max, Professor. Hallen- 






see b. Berlin. 1890. 1893. 


5. 


ii 


Blasius, Willi., Geh. Hofrat, Dr, Braunschweig. 






1898. 


6. 


n 


Bliesener, Dr. med. Karl, Oberstabsarzt. 


7. 


•n 


Borsch, Prof. Dr. Anton. Potsdam. 1903. 


8. 


ii 


Co est er, Fr. Wiih., Oberverwaltungsgerichtsrat. 






Berlin. 1879. 


9. 


n 


Egelin g, Dr. Gustav, Apotheker. Ponce auf 






Puerto Rico. 1880. 


10. 


ii 


Fischer, Apothekenbesitzer. Erfurt. 1901. 1905. 


11. 


r) 


Focke, Dr. med. W. (). Bremen. 1864. 


12. 


n 


Fulda, Rudolf, Berg Werksbesitzer. Schmalkalden. 






1881. 


13. 


n 


G e h e e b , Adalbert, Apotheker. Freiburg i. B. 1881. 


14. 


n 


Gerland, Dr. Georg, Professor der Geographie. 



Strassburg. 1881. 



Verzeichnis der Mitglieder. 



135 



15. Herr Ger 1 and, Dr. Wilhelm, Fabrikant. Clmrch 

(Lancashire, England). 1881. 

16. „ Goldschmidt, Lehrer. Geisa i. Rh. 1905. 

17. „ von Heyden, Luc. Fried. Dom., Dr. phil., Major 

a. D. Bockenheim. 1881. 

18. „ Kathariner, Geh. exped. Sekretär im Land- 

wirtschaftsministerium, Berlin. 1890. 

19. „ Kleinsteuber, Postsekretär. Frankfurt a. M. 

1901. 

20. „ Knetsch, Carl, Privatmann. Freiburg i. B. 

1886. 1898. 

21. „ Kornhub er , Dr. Andreas, Hofrat und Prof. a. D. 

Pressburg. 1887. 

22. „ Krauss, Dr. Theodor, Redakteur der deutschen 

landwirtschaftlichen Presse. Berlin. 1880. 

23. „ Kr et schm er , Fr., Berg Verwalter. Zöptau. 1881. 

24. „ Kümmell, Prof. Dr. G., Privatdozent der Physik. 

Rostock. 1889. 1895. 

25. „ Lange, C. Fr. Rud., Bergfaktor. Reden. 1884. 

26. „ Lindner, Dr., Generalarzt a. D. AVilhelmshöhe. 

1904. 

27. „ Milani, Dr., Königl. Oberförster. Eltville. 

28. „ Mo eller, Dr. G. H., Kgl. Gymnasialprofessor. 

Schweinfurt. 1907. 

29. „ P er i no, Joseph, Chemiker. Iserlohn. 1891. 1894. 

30. „ Pohlschmidt, Ferd., Kgl. Oberbergamtsmark- 

scheider. Dortmund. 1905. 1906. 

31. „ Rathke, Dr. Bernhard, Professor der Chemie. 

Marburg. 1873. 

32. „ Reichardt, Kaufmann. Mittweida. 1901. 

33. v R o s e n t h a 1 , Bergingenieur. Rüschlikon(Schweiz). 

1895. 1904. 

34. „ Schmie dicke, Dr. med. Otto, Oberstabsarzt. 

Berlin. 1889. 1891. 

35. „ Seligmann, G., Privatmann. Coblenz. 1882. 

36. „ Siegert, Dr. med. Ferdinand, Oberstabsarzt. 

Mülhausen i. Eis. 1888. 1890. 



136 



Bericht. 



37. Herr Stier lin- Haus er, Dr., Apotheker, Rigi-Schei- 

deck. 1892. 

38. „ Stilling, Dr. Jak., Prof. Strassburg i. Eis. 1874. 

39. „ Struck, Carl, Oberlehrer und Museumskustos. 

Waren. 1872. 

40. „ Taube van der Issen, Baron. Weimar. 

1892. 1895. 

41. „ Tempi e, Rud.. Assekuranzinspektor. Budapest. 

1869. 

42. „ Thomas, Prof. Dr. Ohrdruf i. Thür. 1903. 

43. Tschucke, Hugo, Betriebs führer der ehem. 

Fabrik. Todstadt bei Hamburg. 1891. 1893. 

44. „ Uc k er mann, Dr. phil. Carl, Oberlehrer. Schöne- 

berg. 1890. 1891. 

45. „ Vahl, Carl, Oberpostdirektor, Geh. Postrat. 

Potsdam. 1880. 

46. „ von Wedell, Hasso, Major z. D. Weimar. 1891. 

47. „ Weise, Oberforstmeister, Direktor der Forst- 

akademie a. D. Münden. 1896. 

48. „ Wünn, Postsekretär. Fulda. 1904. 

49. Zeiske, Max, Gerichtssekretär. Cassel. 1901. 



Nekrologe. 

Prof. Dr. Hans Buchenau, Direktor der Realschule 
am Doventore zu Bremen, wurde zu Cassel geboren am 
12. Januar 1831. Er besuchte daselbst das Gymnasium 
und die höhere Gewerbeschule. 17 Jahre alt bezog er 
die Universität zu Marburg, um Naturwissenschaften zu 
studieren. Besonders fesselten ihn von Anfang an 
botanische Studien. Nachdem er noch an der Universität 
Göttingen Vorlesungen gehört hatte, bestand er 1851 zu 
Marburg das Examen für höhere Schulen. Er wurde 
dann zunächst Praktikant an der Realschule zu Cassel. 
Am 19. Januar 1852 wurde er zu Marburg promoviert 
auf Grund der Dissertation: „Beiträge zur Entwicklungs- 
geschichte des Pistills". Die grössere Privatschule in Hanau, 
an der er bald darauf eine Lehrerstelle angenommen hatte, 



Nekrologe. 



137 



wurde während der bayrischen Okkupation aus politischen 
Gründen polizeilich aufgelöst. Buchenau lebte darauf ein 
Jahr lang als Privatlehrer in Frankfurt a. M. und war 
dann von 1854 bis 1855 als Lehrer an der Erziehungs- 
anstalt zu Friedrichsdorf a. T. 1855 folgte er einem Rufe 
an die neu begründete Bürgerschule zu Bremen. Hier 
wirkte er seit dieser Zeit zuerst als Lehrer und später als 
Direktor. Er starb am 23. April 1906. 

Die Hauptarbeiten Buchenaus auf botanischem Gebiete 
sind: „Die Flora der nord westdeutschen Tiefebene", die 
„Flora der ostfriesischen Inseln" und seine Abhandlung 
über die Iuncaceen. Ausserdem veröffentlichte er eine 
„Flora von Bremen und Oldenburg", eine Abhandlung 
über Einheitlichkeit der botanischen Kunstausdrücke u. a. 

Carl Christian Ochsenius wurde am 9. März 1830 
zu Cassel geboren Seine Vorbildung erhielt er auf dem 
Lyceum Friedericianum und von 1814 — 47 auf der poly- 
technischen Schule seiner Vaterstadt. Darauf bezog er 
die Universität Marburg, um Naturwissenschaften zu 
studieren. Geologie zog ihn von Anfang an besonders 
an. Bis 1851 besuchte er nach dreijährigem Kursus auf 
der polytechnischen Schule zu Cassel, wo ihn Philippi 
"besonders fesselte, die kurhessischen Berg- und Maschinen- 
werke. Er folgte dann Philippi als Assistent und Reise- 
begleiter nach Südamerika, wurde dann Bergingenieur im 
Norden Chiles. 1859 übernahm er die Leitung der Cousi- 
noschen Kohlenwerke in Coronel, besuchte 1865 die Petro- 
leumdistrikte Nordamerikas, bereiste Deutschland, die 
Regentschaft Tunis, die er im Auftrage des Beys in 
geologisch-technischer Beziehung untersuchte, wofür er 
den Ofiiziersgrad des Ordens Nichan Ifthikar erhielt. Darauf 
kehrte er nach Chile zurück, untersuchte 1867 die Stein- 
salzlager von Mejillones und Paquica in Bolivia und 1868 
die Kohlenflöze der Provinz Chiloe. 

Während seines langjährigen Aufenthaltes in Coronel 
schuf er dort einen Sammelpunkt für deutschnationale 
Bestrebungen unter seinen Landsleuten. Ende 1869 be- 
suchte er Sizilien, um dessen Schwefelablagerungen kennen 



138 



Bericht. 



zu lernen, kehrte nach Amerika zurück, kam dann 1870 
wegen des Krieges wieder nach Deutschland, liess sich 
dauernd in Marburg nieder, wurde da Konsul von 
Peru und sodann auch von Chile. 1875 studierte er die 
Salzform der Egeln- Stass furter Mulde und 1878—79 die 
Salzablagerungen im nordamerikanischen Westen. Auf 
der Rückreise erlitt er eine Verwundung bei einem Eisen- 
bahnunfalie. Er starb zu Marburg am 9. Dezember 1906. 



3. Bibliothek. 



An Geschenken wurden der Bücherei des Vereins 
folgende Schriften zugewandt: 

1. Vom Verfasser, Herrn Dr. R. Richter- Marburg: 
Die wirtschaftliche Bedeutung des Vulkanismus. Sonderabdr. 

aus „Aus der Natur" 1906. 

2. Vom Verfasser, Herrn Sanitätsrat Dr. Moritz Als- 
berg- Cassel : 

Neuere Probleme der menschlichen Stammes-Entwicklung. 
Sonderabdr. aus „Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie." 
3. Jhg. 1. Heft. 1906. 

3. Vom Verfasser, Herrn Sanitätsrat Dr. AdolfEysell- 
Cassel : 

Eine Tragödie aus dem Arthropodenleben. Sonderabdr. aus dem 
XXII. Jhg. (1905) der „Insekten-Börse." 

4. Vom Verfasser, Herrn Prof.. Dr. Fr. T h o m a s - Ohrdruf : 

a. Die Wachstumsgeschwindigkeit eines Pilzkreises von Hydnum 
suaveolens Scop. 

Sonderabdr. aus den „Berichten der Deutschen Bot-Gesell- 
schaft." 1905. Bd. XXIII. Heft 9. 

b. Die Mannigfaltigkeit im Kuckucksrufe. 

Sonderabdr. aus d. Abh. u. Ber. des Vereins für Naturkunde. 
Cassel. 

c. Vom Notjahr einer jungen Fichte. _ 

Sonderabdr. aus „Aus den coburg-gothaischen Landen. Heimat- 
blätter." 4. Heft. Gotha 1906. 



Bibliothek. 



139 



5. Vom Verfasser, Herrn Gg. B a r t m ann, Fischerei- 
direktor in Wiesbaden: 

Der Goldfisch und seine Pflege. 5. Aufl. 

6. Vom Verfasser, Herrn Fr. Döhle- Cassel : 
Die Wandlungen der Wahrheit. 

7. Von Herrn M. Gr old Schmidt -Geisa : 

a. Charles Darwin, Insektenfressende Pflanzen. 

Übers, von Carus Sterne. Stuttgart. Schweizerbart. 1876. 

b. M. Emile Boulenger, Germination de l'ascospore de Ja 
truffe. Paris 1903. 

c. M. Goldschmidt, Vorstudien über die Cistaceae Bayerns. 
Sonderabdr. aus ..Mitt. der Bayr. Bot. Ges. z. Erf. d. heim. 

Flora >k II. Bd. No. 3. 

8. Vom Verfasser, Herrn A. Geheeb, Freibnrg i. Br. : 
Extrait de la Revue Bryologique. 1906. Xo. 3 u. 4. 

9. Festschrift zur Feier des 80. Geburtstags Sr. Exz. d. 
Wirkl. Geheimrats Herrn Dr. Georg v. Xeumayer 
Ehrenpräsident der Pollichia. 

Herausgeg. vom Festausschusse. 

10. Vom Verfasser, Herrn Prof. Dr. A. Borsch- Potsdam : 

a. Lotabweichungen. Heft HI. (Kgl. Preuss. Geod. Inst. N. F. 
Xo. 28.) 

b. Die Grundlagen der Bestimmung der Erdgestalt. 
Sonderabdr. aus Verhandlungen des 3. Internat Mathematiker- 
Kongresses. Heidelberg 1904. 

11. Vom Verfasser, Herrn Ch. Janet- Paris: 

a. Description du materiel d'unepetite installation scientifique. 1903. 

b. Anatomie de la tete du Lasras niger. 1905. 

c. Verzeichnis der bisher erschienenen Schriften nnd Noten. 

12. Von Herrn Hofapotheker Nageil -Cassel: 

Eine .Reihe Sonderabdr. aus ..Prakt. Bl. für Pflanzenbau und 
Pflanzenschutz' 4 : 

a. Korf f , Über die Erscheinung der Verbänderung. 1906. 2. Heft. 

b. Korff, Einwirkung von Öldämpfen auf die Pflanzen. 1906- 
6. Heft. 

c. Korff, Der Kleeteufel und seine Bekämpfung. Flugbl. No. 5. 

13. Herr A. Fennel - Cassel : 

Eine Anzahl älterer Bände der Abh. u. Ber. d. Vereins f. Natur- 
kunde zu Cassel. 

14. Vom Verfasser, Herrn Dr. L. v. Heyden- Bockenheim : 
a. Insecta. Sonderabdr. Senckenb. Ntf. Ges. XXIII. Heft IV 



140 



Bericht. 



b. Insecta, a Potanin in China et in Mongolia novissime lecta. 
Sonderabdr. Soc. Ent, Ross. Bd. XX1H. 

c. Verzeichnis der von Herrn Otto Herz auf der chinesischen 
Halbinsel Korea gesammelten Coleopteren. 

Trudy. St. Petersburg 1887 

d. Eine Reihe Sonderabzüge aus der Deutschen Entomologischen 
Zeitschrift: 

1884, Heft I, enthält : 

Neue Käferarten aus Osch (Turkestan). 
1881. Heft H, enthält: 

Coleopterologische Ausbeute einer Excursion nach der 
Sierra d'Espunna und coleopterologische Ausbeute des 
Baron H. v. Maltzan von der Insel Creta. 

1885. Heft I, enthält: 

Die Trudy der Soc. Ent. Rossica. 

1885, Heft IL enthält: 

Beiträge zur turkestanischen Coleopteren-Fauna. 

1886, Hett H. enthält: 

Die Coleopteren-Fauna des Suyfun-Flusses. Neue Käfer- 
arten aus Malatia. Beiträge zur Coleopteren-Fauna von 
Peking. Dritter , Beitrag zur Kenntnis der Coleopteren- 
Fauna der Amurländer. 

1889. Heft II. enthält: 

Descriptiones Coleopterorum novorum Regionis Palae- 
arcticae und Die Varietäten des Trichius fasciatus L und 
abdominalis Meretr. 

1894, Heft I, enthält: 

Beiträge zur Coleopteren-Fauna von Afghanistan und Über 
Meloe Olivieri Chevrolat und sechs neue Longicornen aus 
Kleinasien. 

e. Eine Reihe Sonderabzüge aus der Wiener Entomologischen 
Zeitung: 

HI. Jhg., Hett 6, enthält: 

Berichtigungen und Zusätze zum ,.Catalogus Coleopterorum 

Europae et Caucasi." 
V. Jhg., Heft 5, enthält: 

Notiz über Choragus pygmaeus Robert. 
VIII. Jhg., Heft 5. enthält: 

Synonymische Bemerkungen über Coleopteren. 
X. Jhg., Heft 2, enthält: 

Rechtfertigung. 

X. Jhg., Heft 5, enthält: 

Der nordische Xylotrichus pantherinus Saven. auch in Tirol. 

XI. Jhg., Heft 3, enthält: 
Notiophilus melanophtalmus Schlosser. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 141 



XIII. Jhg., Heft 4, enthält: 

Notiz zu der Bestimmungs-Tabelle der Bostrychidae. 
XV. Jhg., Heft 3: 

Die Coleopteren-Gattung Elmis oder Helmis. 

XXIV. Jhg., Heft 3 und 4. enthält: 

Trichis maculata Klug (Carab.) und die von Mr. Pic be- 
schriebenen Varietäten, sowie andere Bemerkungen und 
Uber das wahre Vaterland einiger Tenebrionidae. 

XXV, Heft 2. 3 und 4: 

Oberea oculata L. var. borysthenica Mokr. (1902) = var. 
inoculata Heyden (1892). Die Varietäten der Crioceris 
asparagi L. und macilenta. Weise 

Bemerkungen zur Monographie des Coleopteren - Tribus 
Hyperini von K. Petri. 
f. Aus Karsch, Entomologische Nachrichten : XXV. Nr. 11 : 
Über Otiorrhynchus tenuis Strl. vom Velebit Gebirge. 
XXIH. Nr, 7: 

Zwölf neue Varietäten der Coccinellide : Hippodamia 
septemmaculata. Degeer. 

Den gütigen Spendern sei auch an dieser Stelle 
nochmals der verbindlichste Dank des Vereins ausge- 
sprochen. 

Ausserdem hielt der Verein wie bisher die „Stettiner 
Entomologische Zeitung" und die Blätter des Land- 
wirtschaftlichen Vereins für Rheinpreussen in Bonn. 



4. Verzeichnis 

der Akademien, Gesellschaften, Vereine, Redaktionen, mit 
denen Schriftenaustausch stattfindet. 

(Zugleich Empfangsanzeige für Sendungen, die vom 1. VI. 1906 bis 
1. VI. 1907 hier eingetroffen sind.) 

Die in Klammern gesetzten Zahlen bedeuten die Nummern, unter 
denen die genannten Werke in die Bibliothek eingeordnet sind. 

Die Jahreszahlen hinter den Gesellschaften geben an, seit wann 
Tauschverkehr stattfindet. 

Aufgestellt vom Geschäftsführer Prof. Dr. Schaefer. 



142 



Bericht. 



Während des abgelaufenen Geschäftsjahres traten mit uns in 
Tausch verkehr : 

1. (410) Calcutta: Imperial Department of Agriculture. 

(Pusa. Agricultural Research Institute.) 

2. (411) Sapporo (Japan): Natural History Society. 

3. (412) Berkeley: University of California. 

Frankfurt a. M., Freies Deutsches Hochstift, 
S'Gravenhage, Kon. -In st. for Taal-, Land- en Volken- 

künde von Nederlandsch I n d i e , 
Hamburg, Verein für Erdkunde, 
Wien, Lehrer -Touristen-Club 
sind aus dem Tauschverkehre ausgeschieden. 



1. (142) Aarau: Aargauische Natur for sehen de Gesell- 

schaft. 1885. 
Mitteilungen. — 

2. (209) Agram : Südslavische Akademie der Wissen- 

schafte-n und Künste. 1881. 
Bericht (Glasnik): XVII, 2. XVIII. 1 u. 2. 
Ljetopis: XX. 
Rad Knjiga: 165, 167. 

3. (55) Altenburg: Natur for sehende Gesellschaft des 

Osterlandes. 1865. 
Mitteilungen aus dem Osterlande. Neue Folge. 12. Bd. 
A. 1906. 

4. (297) Amiens: Societe Linneenne du Nord de la France 

1879. 
Memoires. — 

Bulletin mensuel: Tome XVII. No. 357—368. 

5. (114) Amsterdam: Koninkl. Akademie van Weten- 

schappen. 1865. 
.Taarboek 1905. 

Verslag v. d. gew. Vergaderingen XIV, 1, 2. 
Proces Verbaal. 

6. (98) Annaberg: Annaberg -Buchholzer Verein für 

Naturkunde. 1870. 
Bericht. — 

7. (26) Augsburg: Naturwissenschaftlicher Verein für 

Schwaben und Neu bürg. 1861. 
Bericht 37. 

8. (36) Bamberg: Naturforschende Gesellschaft. 1865. 

Bericht. — 

9. (57) Basel: Naturforschende Gesellschaft. 1865. 

Verhandlungen. Bd. XVIII. Heft 3. 
(B. Univ.-Bibl.: Jahresverzeichnis der Schweizerischen 
Universitätsschriften. 1905/06^. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 143 



lü. (57a) Basel: Ornithologische Gesellschaft. 1883. 
Jahresbericht 1905. 

11. (240) Batavia: Kon inkl. Natur k un d ige Vereeniging 

in Nederlandsch I n d i e. 1880. 
Naturk. Tijdschrift. LXV. 

12. (368) Bautzen: Naturwissenschaftliche Gesellschaf t 

Isis. 1898. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen 1902 — 1903. Beilage:- 
Guido Lamprecht: Wetterkalender. 

13. (207) Belfast: Natural History and Philosophical 

Society. 1880. 
Report and Proceedings 1905 — 06. 

14. (318) Bergen, Norwegen: Muse ams- Bibliothek. 1881. 

Aarsberetning tor 1906 

Aarbog 1906, 1—3: 1907, 1. 

Dr. Appelöf, Meeresfauna von Bergen. 

15. (4 1 2) Berkeley : U n i v e r s i t y ofOalifornia. 1907. 

Publications Botany, Vol. I, 1—3, II, 1—11. 

16. (17) Berlin: Gesellschaft Naturforschender Freunde. 

1879. 

Sitzungsberichte. — 

17. (160) — Bot an. Verein für die Provinz Branden- 

burg. 1880. 
Verhandlungen 47. 

18. (160a) — Gesellschaft für Erdkunde. 1881. 

Verhandlungen. — 

19. (294) — Buchhandlung von R. Friedländer & Sohn. 

1883. 

Naturae Novitates 1906, 7—24: 1907, 1—9. 
Bericht über die Verlagstätigkeit LIV, LV. 

20. (300) — Kgl. Preu ss. Akademie der Wissenschaften. 

1883. 

Sitzungsberichte 1906. 23—53; 1907, 1—22. 

21. (72) Bern: Schweizerische Naturforschend eGesel 1 - 

schaft. („Allgemeine Schweizerische Gesellschaft 
für die gesamten Naturwissenschaften"). 1864. 
Verhandlungen 88. Jahresvers. 1905. 

22. (73) — Bernische Naturforschende Gesellschaft. 

1880. 

Mitteilungen a. d. J. 1905 (No. 1591—1608). 

23. (73a) — Geographische Gesellschaft. 1880. 

Jahresbericht XX. 

24. (193) — Schweizerische Entomologische Gesell- 

schaft (Naturhistorisches Museum). 1881. 
Mitteilungen XI, 4, 5. 



144 



Bericht. 



25. 291) Beziers: Societe d'Etude des Sciences Natu- 

relles. 1882. 
Bulletin XXVII. (1904., 

26. (279) Bologna: Reale Accaderaia delle Scienze de 11' 

Istituto di Bologna. 1882. 
Rendiconto delle sessioni. N. S. Vol. VII, VIII. IX. 

27. (23) Bonn:. Natur historischer Verein der preuss. 

Rh ein lande und Westfalens und des Reg.- 
Bez. Osnabrück. 1862. 
Verhandlungen 62, 2: 63, 1. 

28. ( 23b) — Nieder rheinische Gesellschaft für Natur- 

und Heilkunde. 1862. 
Sitzungsberichte 1905, 2; 1906, 1. 

29. (151) — Landwirtschaftlicher Verein für Rhein- 

preussen. 1879. 
Jahresbericht der Landwirtschaftskammer für die 
Rheinprovinz. 1905. 

30. (152) Bordeaux: Societe des Sciences Physiques et 

Naturelles. 1879 
Proces-Vei baux des s-eances. 1905 06. 
( 'in<|uantenaire de la Societe 15. — 16. janv. 1906. 
Commission meterologique de la Gironde: Note de 

M. F. Courty Observ. pluviom. et therm. Juni 1905 

bis Mai 1936. 

31. (127) Boston (Mass.): Society of Natural History. 1870. 

Proceedings Vol. XXXII, 3-12; XXXIII, 1, 2. 

32. (128e) — The American Academy of Arts and 

Sciences. 1885. 
Proceedings Vol. XLI, 20—35: XLH, 1—25. 

33. (390) Braunsberg: Botanisches Ins titut. 1901. 

Verzeichnis der Vorlesungen mit Abb. 

34. (223) Braunschweig: Verein für Naturwissenschaft. 1880. 

11. Jahresbericht. 

35. (188) Bregenz: Voralbe rger Museumsverein. 1880. 

Bericht 42, 43. 

36. (85) Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. 1870. 

Verhandlungen XIX, 1. 

37. (196) Brescia: Ateneo di Brescia. 1880. 

Commentari per Fanno 1906. 

38. (71) Breslau: Sehlesische Gesellschaft für Vater- 

ländische Kultur. 1864. 

39. (150) — Verein für Sehl esischelnsektenkunde. 1879. 

Zeitschrift für Entomologie. N. F. 31. H. 

40. (320) Brisbane: Royal Society of Queensland. 1885. 

Proceedings Vol. XIX. Part. II. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 145 



41. (204) Bristol : Naturalists Society. 1880. 

Proceedings N. S. I, 2. 

42. (401) Brooklyn: Institute of Arts and Sciences. 1905. 

Cold Spring Harbor Monographs 6. 

43. (61) Brünn: Naturforschender Verein. 1861. 

Verhandlungen. 44. Bd. 1905. 

24. Bericht der meteor. Kommission. 

44. (376) — Club für Naturkunde (Sektion des Brünner 

Lehrervereins). 1899. 
Bericht 6, 7. 

45. (118,119) Brüssel : Academie Royale. 1870. 

Annuaire 1907. 

46. (170) — Societe Entomologique de Belgique. 1879. 

Annales 50. 

Memoires XII, XIH, XIV. 

47. (170a) — Societe Malacologique de Belgique. 1880. 

Bulletins des seances. — 
Annales. — 

48. (207) — Societe Beige de Microscopie. 1880. 

XVII, 2; XVni, 1. 

49. (147) Budapest: K. Ung. Geologische Anstalt. 1877. 

Geol. Mitteilungen XXXVI, 4—12; XXXVJI, 1—3. 
Mitteilungen aus dem Jahrbuch e XV, 2—4. 
Jahresbericht für 1904, 1905. 
Karten: Zone 25, Kol. XXVI. 

Public : AI. v. Kalecsinsky. Die untersuchten Tone der 
Länder der Ungar. Krone. 

50. (202) — K. Ung. Natur wissensch. Gesellschaft. 1879. 

Matheraatische und naturwissenschaftl. Berichte aus 
Ungarn 23. 

Otto Herman, Ree. Crit. Aut. of the Doctrine of Bird- 
migration. 

51. (202a) — K. Ung. Reichs- Anstalt für Meteorologie 

und Erdmagnetismus. 1880. 
Jahrbücher XXXHI, 4 ; XXXIV, 1—3. 
4. Verzeichnis der Bücher (v. J. 1905). 

52. (202b) — Ungarisches Nationalmuseum. 1880. 

Termeszetrajzi Füzetek. — 
Annalen. Vol. IV, 1. 2. 

53. (364) — Rovartani Lapok. 1897. 

XIH, 5-10; XIV, 1—4. 

54. (359) Buenos Aires (Argentinien): Museo Nacional. 1897. 

Anales. Serie EI, Tomo VI, VIII. 
Communicaciones. 



10 



146 



Bericht. 



55. (379) — Deutche Akademische Vereinigung. 1898. 

Veröffentlichungen. — 

56. (266b) Buffalo: Society of Natural Sciences. 1898. 

57. (245) Calcutta: Asiatic Society of Bengal. 1881. 

58. (245a) — Geological Survey of India. 1882. 

Memoirs: Palaeontologia Indica. New. Series Vol. II 
Mem. No. 3. 

59. (410) — IrnperialDepartementofAgriculture. 1906. 

Annual Report. 1904/05. 

60. (302) Cassel: Verein für Erdkunde. 1884. 

Jahresber. — 

61. (302) — Casseler Fischerei-Verein. 1884. 

Jahresbericht 1906. 

62. (303) — Verein für Hessische Geschichte und 

Landeskunde. 1882. 

63. (339) Chapel Hill. N.C., U.S.A.: Elisha Mitchell Scientific 

Society. 1888. 
Journal Vol. XXII, 2, 3, 4, 

64. (108) Chemnitz: Natur wissenschaftliche Gesellsch aft. 

1875. 
Bericht. — 

65. (298) Cherbourg: Societe Nationale des Sciences Natu- 

relles et Mathematiques. 1883. 
Memoires. — 

66. (191) Chester: Society of Natural Science. 1880. 

Proceedings. — 

67. (367) Chicago: Academy of Sciences. 1898. 

Bulletin. — 
Special Publ. — 

68. (409) — Field Museum of Natural History. 1900. 

Publications. Zool. Series. Vol. VII, 2, 3. 

69. (283) Christiania: Kong. Universität. 1878. 

Schriften. — 

70. (284) — Norske G radmaa Ii ngs Kommission. 1886. 

Vandst-Obs. — 

71. (18) Chur: Naturforschende Gesellschaft Grau- 

bündens. 1860. 
Jahresber. — 

72. (260) Cincinnati: Society of Natural History. 1882. 

Journal XX, 5—8. 

73. (260a) — Museum Association. 1895. 

Annual Report 25. 



Verzeichnis der Akademien. Gesellschaften, Vereine usw. 147 



74. (391) — Lloyd Library. 1900. 

Lloyd. The Tylostorneae. 

Mycological Notes 21, 22, 23. 

Index of the Mycological Writings Vol. I. 

75. (275) Cordoba (Kep. Arg.): Academia Nacional de Cien- 

cias. 1882. 
Boletin. — 
Actas. — 

76. (373) Crefeld: Verein für Naturkunde. 1898. 

77. Czernowitz: K. k. Franz- Josefs-Uni versität. 1881. 

Bericht (feierl. Inaugur. des Rektors). 1906/07. 
Vorlesungsverzeichnis. W. S. 06/07. S. S. 07. 

78. (76) Danzig: Naturforschende Gesellschaft. 1870. 

Schriften N. F. Bd. XI, 4. 

79. (24) Darmstadt: Verein für Erdkunde. 1861. 

Notizblatt IV. F. 26. Heft. 

80. (259) — Gartenbauverein. 1880. 

Monatsschrift, XXV, 6-12; XXVI, 1. 

81. (329) Davenport (Jowa): Academy of Natura 1 Sciences. 

1887. 
Proceedings XI. 

83. (111) Donaueschingen: Verein für Geschichte u. Natur- 
geschichte. 1876. 
Schriften. — 

83. (96) Dorpat: Naturforscher-Gesellschaft bei der 

Universität Jurjew. 1876. 
Sitzungsber. XIV, 2; XV, 1-3. 
Archiv f. d. Naturk. Liv-, Esth- und Kurlands. 
Schriften XVII. 
Verzeichnis der Editionen. 
General-Namensregister zu III — XIV. 

84. (50) Dresden: Gesellschaft für Natur- und Heil- 

kunde. 1870. 
Jahresberichte. — 

85. (50a) — Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis. 

1879. 

Sitzungsberichte und Abhandlungen 1906. 

86. (51a) — Ökon. Gesel lschaft im Königreich Sachsen. 

1882. 

Mitteilungen 1905—06. 

87. (51 f) - Verein für Erdkunde. 1882. 

Mitteilungen 1906, Heft 2. 

88. (51g) — Königl. Sachs. Gesellschaft für Botanik 

und Gartenbau „Flora". 1898. 
Sitzungsberichte u. Abhandl. 9. Jhg. n. F. 



10* 



148 



Bericht. 



89. (397) — Entomologischer Verein Iris. 1904. 

Deutsche entomoh Zeitschr. Iris XIX, 1 — 4. 

90. (80) Dürkheim a. H.: Naturwissenschaftlicher Verein 

der Eheinpfalz „Pollichia". 1871. 
Mitteilungen. — 

91. (349) Düsseldorf: Natur wissenschaftl. Verein. 1896. 

92. (375) Ebersbach i. Südlausitz: Humboldtverein. 1887. 

93. (221) Edinburgh: Royal Society. 1879. 

Proceedings. 

94. (323) Eisenach: Thüringerwaldverein. 1885. 

Thür. Monatsblätter. XXVI, 3—6; XXVII, 1, 2. 

95. (234) Ekaterinburg: Societe Ouralienne d'Amateurs de s 

Sciences Naturelles. 1881. 
Bulletin. — 

96. (138) Elberfeld: Naturwissenschaftlicher Verein. 1879. 

97. (34) Emden: Naturforschende Gesellschaft. 1862. 

Jahresber. 82-90. 

98. (171) Erfurt: Kgl. Akademie Gemeinnütziger Wissen- 

schaften. 1882. 
Jahrbücher n. F. Heft 32. 

99. (135) Erlangen: Physikalisch-medizinische Societät. 

1878. 

Sitzungsberichte 37. 

100. (184) Florenz: R. Istituto di Studi Superiori Pratici 

e di Perf ezion amento. (Bibliotheca nazio- 
nale.) 1879. 

Bolletino delle public, italiane. 1906, 56 — 77. Indice 
alf. nel 1906. 

101. (182b) — Societa E ntomologica Italiana. 1882. 

Bolletino a° XXXVH, 2—4. 

102. (182°) — R. Stazione di Entomologia Agraria. 1905. 

Redia H. I. 2. 

103. (306) San Francisco: California Academy of Sciences. 

1882. 
Proceedings. — 

104. (89) Frankfurt a. M.: Physikalischer Verein. 1871. 

Jahresbericht 1904—1905. 

105. (137) — Senckenb ergische Naturforschende Ge- 

sellschaft. 1880. 
Bericht 1906. 

106. (317) Frankfurt a. 0.: Naturwissenschaftlicher Verein 

des Bezirks Frankfurt a. O. 1884. 
Helios, Abhandl. u. Mitteil. 23. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften. Vereine usw. 149 



107. (225) Frauenfeld: Thurgauische Naturforschende Ge- 

sellschaft. 1881. 
Mitteilungen Heft XVII. 

108. (41) Freiburg i.B.: Naturforschende Gesellschaf t. 1862. 

Berichte Bd. XVI. 

109. (41b) — Bad. Botan- Verein. 1884. 

Mitteilungen 212—221. 

Ergebnisse der pflanzen-geographischen Durchforschung 
Teil II. 

110. (362) Freiburg i. Schw.: Societe des Sciences Naturelles. 

1897. 
Bulletin. — 

Memoires: Bot. II, 2 u. 3. 

Geol. u. Geogr. IV. 3, 
Chemie II, 3, 4, in, 1, 
Math. u. Phis. — 

111. (280) Freiwaldau, österr. Schles.: Mähr. -Sehl es. Sudeten- 

Geb irgsve rein. 1882. 
Altvater XXIV, 3, 4; XXV, 1, 2. 

112. (285) Friedrichshafen a. B.: Verein für Geschichte des 

Bodensees und seiner Umgebung. 1882. 
Heft 35. 

113. (91) Fulda: Verein für Naturkunde. 1871. 

114. (91a) — Rhönklub. 1884. 

115. (82) St. Gallen: Na turwissenscha ftliche Gesellschaf t. 

1871. 

Jahrb. f. d. Vereinsjahr 1905. 

116. (81) Gera: Gesellschaft von Freunden der Natur- 

wissenschaften. 1871. 
Jahresbericht 46 — 48. 

117. (27) Giessen: Oberh. Gesellschaft für Natur- und 

Heilkunde. 1862. 
Bericht N. F, Bd. I. 

118. (167) Glasgow: Natural History Society. 1880. 

Transactions and Proceedings VII, 3. 

119. (91) Görlitz : Naturforschende Gesellschaft. 1876. 

Abhandlungen 25, 1 u. 2. 

120. Göteborg: Kgl. Vetenskaps och Vitterhets Sam- 

hälles. 1884. 
Handlingar. — 

121. (35) Göttingen: K. Gesellschaft der Wissenschaften. 

1866 

Nachrichten 1906, 2—5; 
Geschäftl. Mitteilungen 1906, 1. 



150 



Bericht. 



122. (69) 6raz: Naturwissenschaftlicher Verein für 

Steiermark. 1862. 
Mitteilungen, Heft 42, 1905. 

123. (69a) — K. k. Gartenbau-Gesellschaft in Steier- 

mark. 1880. 
Mitteilungen 1906, 7-12; 1907, 1—4. 

124. (70) — Verein der Ärzte in Steiermark. 1882. 

Mitteilungen 42. 

125. (70a) — Steirischer Gebirgs verein. 1883. 

36. u. 37. Vereinsjahr. 1905 u. 1907. 

126. (95) Greifswald: Naturwissenschaftlicher Verein für 

Neuvorpommern und Rügen. 1871. 
Mitteilungen. — 

127. (184a) — Geographische Gesellschaft. 1884. 

Jahresbericht X. 

128. (261) Halifax: N ova Scotian Institute of Science. 1882. 

Proceedings and Transactions XI, 2. 

129. (29) Halle a. S.: Kgl. Leopoldinisch - Carolinische 

Deutsche Akademie der Naturforscher. 1862. 
Leopoldina. 1906, 6—12; 1907, 1—5. 

130. (38) — Naturforschende Gesellschaft. 1862. 

Bericht. — 

131. (38a) — Verein für Erdkunde. 

Mitteilungen 30. 

132. — Universitätsbibliothek. 1880. 

Dissertationen. 

133. (38c) — Naturwissenschaftlicher Verein für die 

Provinz Sachsen und für Thüringen. 
Zeitschritt. — 

134. (14) Hamburg: Naturwissenschaftlicher Verein in 

Hamburg. 1864. 
Verhandlungen 3. Folge XIV. 
Abhandlungen XIX, 1. 

135. (14b) — Naturhistorisches Museum. 1864. 

Jahrbuch XXTTT 1905 und Beihefte 1—5. 
136 (132) — Verein für Naturwissenschaftliche Unter- 
haltung. 1876. 
Verhandlungen. — 

137. (333) — Gesellschaft für Botanik. 1888. 

Berichte. — 

138. (7) Hanau: Wetterauische Gesellschaft f. d. ges. 

Naturkunde. 1860. 
Bericht. — 

139. (22) Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. 

Jahresbericht. — 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 151 



140. (22a) — Geographische Gesellschaft. 1880. 

Jahresbericht. — 

Katalog der Stadtbibliothek, 2. Nachtrag. 

141. (164) Harlem: Musee Teyler. 1880. 

Archives Serie II, Vol. X, 2, 3, 4. 

142. (21) Heidelberg: Naturhistorisch-medizinischer Ver- 

ein. 1860. 

Verhandlungen N. F. 8. Bd. Heft 1907. 3 u. 4. 

143. (177) Helsingfors: Societas pro Fauna et Flora Fennica. 

1880. 
Acta 27 u. 28. 
Meddelanden 31, 32. 

144. (179) — Finska Vetenskap-Societaten. 1882. 

Acta XXXH. 
Öfversigt XLVII. 
Meddelanden. — 
Förhandlingar. — 
Bidrag 63. 

Observations Meteorologiques 1895/96. 

145. (178) — Societe de Geographie de Finlande. 

Feunia 19, 20, 21, 22. 

146. (74) Hermannstadt: Siebenbürg. Verein für Natur- 

wissenschaften. 1871. 
Verhandlungen und Mitteilungen LV. 

147. (74a) — Siebenbürgischer Karpathenverein. 1883. 

Jahrbuch. — 

148. (321) Hirschberg i. Schles.: Eiesengebirgs verein. 1886. 

Der Wanderer im Eiesengebirge. XI, 7—12; XU, 1 — 6. 

149. (215) Hohenleuben: Vogtland. Altertumsforschender 

Verein. 1880. 
Jahresbericht. — 

150. (340) Jassy: Societe des Medecins et Natur alistes. 1890. 

Bulletin XV, XVI, XVII, XVIII, XIX, XX, XXI, 1-4. 

151. (175b) Jena: Geographische Gesellschaft für Thü- 

ringen. 1886. 
Mitteilungen Bd. 24. 

Paul George, Das heutige Mexiko und seine Kultur- 
fortschritte. 

152. (143) Innsbruck: Ferdinandeum. 1879. 

Zeitschrift 3. F. 50. Heft. 
153 (143a) — Naturwissensch -mediziniseherVerein. 1879. 
Berichte XXX. 

154. (383) Kapstadt: South African Philosophical Society. 
1885. 

Transactions XVI, 3, 4; XVII, 1. 



152 



Bericht. 



155. (159) Karlsruhe: Naturwissenschaf tlicher Verein. 1878. 

Verhandlungen 19. 

156. (211) Kasan: Naturforschende Gesellschaft. 1881. 

Trylbi. — 
Protokoll. — 

157. (336) Kharkow: La Societe des Sciences Physico- 

chimiques. 1900. 
Travaux. — 

158. (33) Kiel: Naturwissenschaft!. Verein für Schles- 

wig-Holstein. 1866. 
Schriften Bd. XDI, Heft 2. 

159. — Kgl. Universitäts-Bibliothek. 1881. 

9 Schriften aus dem Jahre 1905/06. 

160. (328) Kiew: Societe des Naturali stes. 1886. 

Memoires XX, 2. 

161. (60) Klagenfurt: Naturhistorisches Landesmuseum 

für Kärnten. 1866. 
Jahresbericht 1905. 
Carinthia II. (96. Jhg. 3—6.) 

162. (239) Klausenburg: Sie benbürgischer Museumsverein. 

1881. 

Sitzungsberichte d. mediz. naturw. Sektion. — 

163. (62) Königsberg i. P.: K. Physikalisch - ökono misch e 

Gesellschaft. 1866. 
Schriften. — 

164. — Kgl. Universitäts-Bibliothek. 1885. 

63 Schriften a. d. J. 1905/06. 

165. (301a) Kopenhagen: Kong. Dan. Videnskabernes Selskab. 

1890. 

Oversigt 1906, 2—6; 1907, 1. 

166. (158) Krakau: Tatra verein. 1879. 

Pamietnik 27. 

167. (338) — K. Akademie der Wissenschaften. 1890. 

Anzeiger (math. nat. Kl.) 1905, 8—10. 1906, 1—10. 
Katalog poln. wiss. Litt. V, 3 u. 4; VI, 1, 2. 
Hugo Zapalowicz, Cor.spectus Florae Galiciae Criticus 
Vol. I. 

Rozpravy 4 A, 4 B, 5 A, 5 B. 

168. (94) Landshut i. Bay.: Naturwissenschaf tlicherVerein. 

1871. 
Bericht. — 

169. (117) Lausanne: Societe Vaudoise des Sciences 

Naturelles. 1871. 
Bulletin 155—157. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 153 



170. (360) Lawrence: Ks. Kansas University. 1897. 

Sc. Bulletin III, 1—10. 

171. (171) Leiden: Nederlandsche Dierkundige Vereeni- 

ging. 1879. 
Tijdschrift. — 

172. (145) Leipa (Böhmen): Nordböhmischer Exkursions- 

klub. 1879. 
Mitteilungen XXIX, 2—4; XXX, 1. 
Beilage : K. v. Zimmermann, Die Sand- und Kiesböden 

Nordböhmens. 

173. (104) Leipzig: Museum fürVölkerkunde. Grassi-Museum. 

1871. 
Bericht. — 

174. (136) — Naturforschende Gesellschaft. 1879. 

Sitzungsberichte. 32. Jhg. 1905. 

175. (136a) — Verein für Erdkunde. 1882. 

Mitteilungen 1905. 
Katalog der Bibliothek. 

176. (144) Leutschau: Ungarischer Karpatenverein. 1879. 

Jahrbuch. — 

177. (386) Lima-Peru: Sociedad Geografica de Lima. 1902. 

Boletin. — 

178. (78) Linz: Museum Francisco-Carolinum. 1871. 

Jahresbericht 64. 

179. (79a) — Verein für Naturkunde in Österreich ob 

der Enns. 1879. 
Jahresbericht 35. 

180. (266) St. Louis Mi88: Academy of Science. 1880. 

Transactions Vol. XV, 6; XVI, 1—7. 

181. (266a) — Missouri Botanical Garden. 1898. 

17. Annual Report. 

182. (180) Lübeck: Geographische Gesellschaft u. Natur- 

historisches Museum. 1879. 
Mitteilungen 2. R., Heft 21. 
Bericht 1905. 

183. (90) Lüneburg: Naturwissenschaftlicher Verein füi 

das Fürstentum Lüneburg. 1866. 
Jahreshette. — 

184. (214) Lüttich: Societe Geologique de Belgique. 1886. 

Annales. — 

185. Lund: Universität. 1884. 

Acta Univ. Lund. XXXIX. 1903. 

186. (133) Luxemburg: Societe Grandducale de Botanique 

du Grand Duche de Luxembourg. 1876. 
Ree. XVI. 



154 



Bericht. 



187. (162) — Institut Grandducale. 1879. 

Archives I, II. 

188. (163) — Acker- und Gartenbauverein. 1879. 

189. (163a) — Verein Luxemburger Naturfreunde. 1892. 

Mitteilungen a. d. Vereinssitzungen 16. Jhg. 1906. 

190. (166) Lyon: Museum d'Histoire Naturelle. 1879. 

Archives. — 

191. (371) Madison, Wisc: Wisconsin Academy ofSciences, 

Arts and Letters. 1892. 
Transactions. — 

192. (371a) — WisconsinGeological andNaturalHi story 

Survey. 1899. 

193. (226) Madrid: Real Sociedad Geografica. 1881. 

Boletin XVIII, 2, 3, 4; XLIX, 1, 2. 

,, Revista de geografia colonial y mercantil T. III, 
12-15; IV, 1—4. 

194. (102) Magdeburg: Natur wissenschaf'tl. Verein. 1871. 

Jahresbericht und Abhandlungen. — 

195. (406) — Museum für Natur- undHeimatkunde. 1905. 

Abhandlungen und Berichte Bd. I, Heft 2 u. 3. 
Verwaltungsbericht 1905/06. 

196. (249) Mailand: Soc. Italiana di Seien ze Natur ali e del 

Museo Civico di Storia Nat. 1880. 
Atti Vol. XLI, XLII, XLUI, XLIV, XLV. 
Indice Generale. 

197. (129) Manchester: Literary and Philosophical Society. 

1871. 

Memoirs and proeeedings. Vol. 50, III, 51, I, II. 

198. (8) Mannheim: Verein für Naturkunde. 1861. 

Jahresbericht 71/72. 

199. (19) Marburg a. L: Gesellschaf t zur Beförderung der 

gesamten Naturwissenschaften. 1871. 
Sitzungsberichte 1906. 
Schriften 13, 6. 

200. — Universitätsbibliothek. 1880. 

41 akad. Schriften. 

201. (355) Marseille: Faculte des Sciences de Marseille. 1896. 

Annales T. XV. 

202. (217) Meiningen: Verein für Pomologie und Gartenbau. 

1881. 

203. (400) Meissen: Naturwissenschaftliche Gesellschaft 

Isis. 1903. 

Mitteilungen aus den Sitzungen der Vereinsjahre 

1905/06 u. 1906/07. 
Zusammenstellung der Wetterwarte 1905 u. 1906. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften. Vereine usw. 155 



204. (220) Melbourne: Royal Society of Victoria. 1881. 

Proceedings XIX, 1, 2. 

205. (220a) — Museum and National Gallery of Victoria. 

1888. 
Memoirs 1. 

The Book of the Publ. Library, M. and. Nat. Gallery. 
1856—1906. 

206. (286) Metz: Verein für Erdkunde. 1882. 

XXV. Jahresbericht. 

207. (287) — Societe d'Histoire Naturelle. 1882. 

Bulletin 24. 

208. (377) Mexiko: Instituto Geologico de Mexiko. 1900. 

Parergones. — 
Boletin 22, 24. 

209. (319) Middelburg: Zeeuwsch Genootschap der Weten- 

schappen. 1885. 
Archief 1906. 
Verslag 1893-1902. 

C. de Waard, De uitvinding der Verrekijkers. 

210. (169) Milwaukee: Public Museum. 1880. 

Annual report. 24. 

211. (380) — Wisconsin Natural History Society. 1900. 

Bulletin Vol. 4, 1—5, Vol. 5, 2. 

212. (325) Mlnneapolis: Geological and Natural History 

Survey of Minnesota. 1885. 

213. (396) Missoula (Montana): University. 1902. 

Bulletin. — 

214. (190) Mitau: Kurländische Gesellschaf t für Literatur 

und Kunst. 1880. 
Sitzungsberichte und Jahresberichte des Kurländischen 
Provinzialmuseums 1905. 

215. (372) Montevideo: Museo Nacional. 1898. 

Anales (Flora Uruguaya), Vol. VI, 1. 

216. (165) Montpellier: Academie des Sciences et Lettres. 

1879. 
Memoires. — 

217. (121) Moskau: Societe Imperiale des Na turalistes. 1866. 

Bulletin A e 1905, 4: 1906, 1, 2. 

218. (40) München: Kgl. Bayer. Akademie der Wissen- 

schaften. 1871. 
Sitzungsberichte der math. phys. Klasse 1905, 1906. 
Heft 1, 2, 3. 



156 



Bericht. 



219. (140) — Centralausschuss des Deutschen und Öster- 

reichischen Alpenvereins. 1880. 
Mitteilungen 1906, 11—24; 1907, 1—10. 
Zeitschrift Jahrg. 1906. Bd. XXXVII. 

220. (40b) — Geographische Gesellschaft in München. 

1884. 

Mitteilungen I. Bd. Heft 4. 

221. (385) — Ornitholog ische Gesellschaft in Bayern 

(e. V.) 1900. 
Verhandlungen Bd. VI. (1906). 

222. (176) Münster: Westfälischer Provinzialverein für 

Wissenschaft und Kunst. 1880. 
Jahresbericht. — 

223. (351) Nantes: Societe des Sciences Naturelles de 

L'Ouest de la France. 1895. 
Bulletin 2 e serie VI, 1, 2, 3. 

224. (122) Neapel: R. Accademia delle Scienze Fisische e 

Matematiche. 1871. 
Rendiconto Serie 3 a Vol. XII, 1—12; XIII, 1, 2. 
Atti. — 

225. (487) — Clinica Psichiatrica eNeuropatologica e 

del Manicomio Provinz iale diNapoli. 1901. 
Annali di Nervologia (Prof. L. Bianchi) XXIV, 2—6. 

226. (93) Neisse: Naturwissenschaftlicher V erein „Philo- 

ma thie". 1871. 
33. Bericht. 

227. (120) Neuchätel: Societe des Sciences Naturelles. 1871. 

Bulletin XXXII. 

228. (120a) — Societe Neuchateloise de Geographie. 1898. 

Bulletin XVII. 

229. (343) New-York: American Museum of Natural History. 

1900. 
Bulletin. — 

Guide Leanet: 4, 5, 8—11, 14-17, 19-22, 24, 25. 
Annual report. — 

230. (343c) — üniversity of the State of N. Y. 1893. 

Annual report. 57, l t 2. 

231. (343a) — Academy of S ciences. 1900. 

Annales. — 

232. (186) Nijmegen: Nederlandsch Botanische Vereeni- 

ging. 1879. 
Recueil des travaux bot. neerl. II, 3—4; III, 1—2. 
N. kruidkundig Archief 1906. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 157 



233. (201) Nimes: Societe d'Etude des Sc iencesNa tu relies. 

1879. 
Bulletin XXXIII. 

234. (42) Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. 1862. 

Abhandlungen XV. Bd. 3. Heft. Jahresb. f. 1904. 

235. (67) — Germanisches Nationalmuseum. 1866. 

Anzeiger Jahrg. 1905, 1 — 4. 

236. (238) Odessa: Neurussische Naturforschergesell- 

schaft. 1881. 
Memoires XXVIII, XXIX. 

237. (238a) — Club alpin du Crimee. 1895. 

Bulletin 1905, 1—12; 1906, L, 2. 

238. (31) Offenbach: Verein für Naturkunde. 1862. 

Bericht. — 

239. (202a) Gyalla: Kgl. Ung. Meteorol. und Erdmagn. 

Observatorium. 
Beobachtungen Jan. bis Dezbr. 1905. 
V. Bericht 1904. 

240. (405) Olmütz: Naturwissenschaftliche Sektion des 

Vereins „Botanischer Garten". 1906. 

241. (230) Orenburg: Section Orenbourgeoise de la Societe 

Imperiale de Russe de Geographie. 1881. 

242. (105) Osnabrück: Natur wissenschaf tl. Verein. 1876. 

Jahresber. — 

243. (269) Ottawa: Geological Survey of Canada. 1883. 

Annual Report, Section of Mines, 1904. 
Summary Report 1905 — 06. 
Reports 923, 939. 

Annual Report XIV, XV. (N. S.). 

Palaeozoic Fossils III, 4. 

Geol. Karten, kolor. 59—65, 74—76, 82-83. 

244. (153) Padua: Accademia Scientifica Veneto-Tr e n- 

tino- Istria na. 1876. 
Atti N. S. A° HI. Fase. I, II. 

245. (83) Passau: Naturhistorischer Verein, 1870. 

Bericht XIX. 

246. (366) S. Paulo (Brasil): Museu Paulista. 1897. 

Revista. — 

247. (366a) — Sociedade S cientifica. 1902. 

Revista 3, 4. 

248. (194) Petersburg: Kais. Botanischer Garten. 1879. 

Acta horti Petrop. XXIV, 3; XXV, 1; XXVI, 1. 

249. (203) — Societe Imperiale Min er alogique. 1879. 

Verhandlungen, 2. Serie, 43. Bd. 2. Lfg. 43, 1. 
Materialien XXIII, 1. 



158 



Bericht. 



250. (289) — Academie Imperiale des Sciences. 1882. 

Bulletin 1907, 1-9. 

251. (131) Philadelphia: Academy of Natural Sciences. 1878". 

Proceedings Vol. LVII, 3, LVIII, 1, 2. 

252. (382) — American Philosophical Society. 1900. 

Proceedings 181—184. 

Franklin, Bi-Centennial Celebration, Record. 

253. (154) Pisa: Societä Toscana di Scienze Naturali. 1879. 

Atti, Processi verb. XV, 2—5, XVI, 1, 2. 

254. (395) La Plata: Direction General de Estadistica de 

la Prov. de Buenos Aires. 1890. 
Boletin mensual Ao VI, No. 56, 57. 

255. (407) Porto: Academia Po 1 y technica. 1906. 

Annaes Scientificos de Acad. Polyt. 
Vol. I, No. 3 u. 4, Vol. H, 1. 

256. (52) Prag: K. Böhmische Gesellschaft der Wissen- 

schaften. 1871. 
Jahresbericht 1906. 

Sitzungsber. der math. naturw. Kl. 1906. 

257. (53) — Naturwissensch aftl. Verein „Lotos". 1862. 

Jahresbericht 24. 

258. (198) Prag: Verein böhmischer Mathematiker. 1879. 

Casopis XXXV, 4, 5; XXVI, 1—4. 
Jahresbericht 1905/06. 

259. (250) — Lese- und Redehalle der deutschen Stu- 

denten in Prag. 1882. 
57. und 58. Bericht. 

260. (404) — Societas Entomologica Bohemiae. 1905. 

Acta in, 2-4, IV, 1. 

261. (92) Pressburg: Verein für Natur- u. Heilkunde. 1870. 

Verhandlungen N. F. Bd. 16 u. 17. 

262. (410) Pusa: Agricultural Research Institute. 1906. 

Memoirs, Botanical Series, Vol. I, 1—5. 
Memoirs Entomological Series, Vol. I, 1. 
Agricultural Journal, Vol. I, 1. 

263. (44) Regensburg: Naturwissenschaf tl. Verein. 1861. 

Berichte: Heft X u. Beilage (Dr. A. Brunhuber, Be- 
obachtungen über die Vesuveruption). 

264. (199) Reichenberg i. B.: Verein der Naturfreunde. 

Mitteilungen 36. u. 37. Jahrg. 

265. (46) Riga: Naturforscher-Verein. 1862. 

Korrespondenzblatt XLVIII. 1905. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 159 



266. (224) — Gartenbauverein. 1831. 

Jahresbericht. — 

267. (206) Rio de Janeiro: Museu Naciona!. 1880. 

Archives Vol. XII. 

268. (350) Rochechouart: Les amis des sciences etarts. 1892. 

Bulletin. — 

269. (393) Rock Island, JH.: Augustana College. 1901. 

Publications. — 

270. (155) Rom: R. Accademia dei Lincei. 1880. 

Atti XV, 1. Sem. 11, 12; 2. Sem. 1-12. Vol. XVI., 

1. Sem., 1-10. 
Rendiconti Vol. II. 

271. (210) — Specola Vaticana. 1889. 

Publicazioni. — 

272. (402) — Societä Zoologica Italiana. 1905. 

Bolletino. Serie II, Vol. VII, 4—9, VIII, 1-3. 

273. (307) Rotterdam: Societe Batave de Philosophie 

Experimentale de Rotterdam. 1881. 
Programme 1906. 

Rovereto: Societä degli Alpinisti Tridentini. 
(S. Trento!) 

274. (237) Salem Mass.: Essex Institute. 1881. 

Sears, The Physical Geography, Geology, Mineralogy 
and Palaentology of Essex County. 

275. (335) Santiago (Chile): Wissenschaf tl. Verein. 1888. 

Actes. T. XV, 1—5. 

276. (411) Sapporo (Japan): Natural History Society. 1907. 

Transactions Vol. I, Part. I. 

277. (173) Schneeberg: Wissenschaftlicher Verein für 

Schneeberg und Umgegend. 1880. 
Mitteilungen. — 

278. (247) Sion: Societe Murithienne de Valais. 1881. 

Bulletin. — 

279. (392) Sofia: Societe Bulgare des Sciences Naturelles. 

1901. 
Travaux 3. 
Annuaire. — 

280. (354) Stavanger: Museum. 1892. 

Aarshefter 16 (1905). 

281. (197) Stettin: Ornithologischer Verein. 1880. 



160 



Bericht. 



282. (112) Stockholm: Kgl. Akademie der Wissenschaften. 

1867. 
Arsbok 1906. 

Handlingar 40, 5; 41, 1—7; 42. 1—4. 
Arkiv för Zoologie Bd. 3, 2. 

„ „ Botanik „ 6, 1 — 2. 

„ Chemie „ 2, 3. 

„ Mathematik. 3, 1—2. 
Les prix Nobel 1902. Suppl., 1904. 
Meddelanden I, 3 — 6. 

283. (113a) — Societe Entomologique a Stockholm. 1882. 

Entomologisk Tidskrift. Arg. 27. 1 — 4. 

284. Strassburg: Kaiser 1. Universitätsbibliothek. 1880. 

Monatsberichte der Gesellschaft zur Beförderung der 
Wissenschaften, des Ackerbaues und der Künste im 
Unter-Elsass. — 

285. (139) Stuttgart: Württembergischer Verein für vater- 

ländische Naturkunde. 1862. 
Jahreshefte. — 

286. (218) Sydney: Royal Society of New-South - Wales. 

1880. 

Journal and Proceedings. — 

287. (219) — Australian Museum. 

LII. Annual Report. 
Records, VI, 3 u. 4. 

288. (384) — Australasian Association for the Advance- 

ment of Science. 
Reoort X. 

289. (309) Temesvar: Südungarische Naturwissenschaft- 

liche Gesellschaft. 1884. 
Termeszettudo mänyi Füzetek. 
XXX, 1—4 ; XXXI, 1. 

290. (241) Thorn: C opernicus verein für Wissenschaft und 

Kunst. 1882. 
Mitteilungen 14. 

291. (172) Throndjem: Kgl. Norske Videnskabers Selskab. 

1880. 
Skrifter 1905. 

292. (205) Tiflis: Kaukasische Sektion der K. russ. geogr. 

Gesellschaft. 1880. 

293. (332) Tokio (Yokohama): Deutsche Gesellschaft für 

Natur- und Volkskunde Ostasiens. 
Mitteilungen X, 3. 



Verzeichnis der Akademien, Gesellschaften, Vereine usw. 161 



294. (26%) Toronto: Canadian Institute. 1885. 

Transactions. — 
Proceedings-. — 

295. (231) Trencsin: Naturwissenschaftlicher Verein des 

Tre ncsiner Comitates. 1881. 
Jahresheft XXVII— XXVIII. 

296. (254) Trento: Societa degli Alpinisti Tridentini. 1882. 

Bolletino, II, 6; III, 1—5. 

297. (378) — Societa Tipografica Editrice Trentina. 1899. 

Tridentum IX, 2—10. 

298. (140b) Triest: Deuten -Österr. Alpenverein, Sektion 

Küstenland.' 1880. 
Jahresbericht 190Ü. 
Bücher- und Kartenverzeichnis. 

299. (157) — Societa Adriatica di Scienze Naturali. 1880. 

Bolletino. — 

300. (232) Tromsoe: Museum. 1881. 

Aarshefter 28. 
Aarsberetening for 1905. 

301. Tübingen: Universitätsbibliothek. 1880. 

22 Dissertationen 1906. 

302. (353) Tufts College, Mass. 1895. 

Studies Vol. II, 2. 

303. (341) Ulm: Verein für Mathematik und Naturwissen- 

schaften. 1890. 
Jahreshefte. — 

304. (270) Upsala: Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften. 

1882. 

Nova acta, Ser. IV: Vol. 1, 4-6. 

305. (123) Washington : S m ithonian Institution. U. St. 

National Museum. 1871. 
Proceedings Vol. 30 — 31. 
Bulletin 56 I, 39 Pu. Q. 
Annnal report 1905. 1906. 
National Herbarium X, 1. 2 3. XI. 

306. (125) — Geological Survey. 1882. 

Annual report 23 — 27. 

Bulletin 239, 244, 268, 273, 274, 283, 284, 285, 289, 290, 

292, 293, 295, 298, 299, 301, 302. 
Monographs. 46, 47, 48. 

Water Supply: 159. 160—162. 164, 172, 174. 175, 177, 

179-181, 184—186. 
Professional Papers: 29, 40, 45. 46, 51, 52, 54, 55. 



11 



162 



Bericht. 



307. (125h) — U. St. Departement of Agriculture: Div. of 

Entomology. 
Bulletin: 58, J— 3, 59-62, 63, 1—7, 64, 1—2, 65, 66, 1—2. 
Yearbook: 1905. 

Farmers Bulletin: 294, 275, 283, 284, 290. 
Technical Series: 12, I— III, 13, 14. 
Circular: 76-84, 86, 88. 

308. (403) — Carnegie Institution of Washington. 1906. 

Publications. — 

Station für Experimental Evolution, Paper No. 4^7. 

309. (175) Weimar: Thüringscher Botanischer Verein. 1889. 

Mitteilungen N. F. XXI. Heft. 

310. (2) Wien: K. K. Natur historisch es Hofmuseum. 1885. 

Jahresbericht 1905. 

311. (56) — K. K. Akademie der Wissenschaften. 1871 

Anzeiger, math.-naturw. Kl., XL1H, 10 — 27. 

312. (88) — Verein zur Verbreitung naturw. Kennt- 

nis s e. 1871. 
Populäre Vorträge: 46. 

313. (107) — K. K. Geologische Eeichsanstalt. 1862. 

Verhandlungen 1906: 5—18, 1907, 1—3. 

314. (213) — Ornithologischer Verein. 1881. 

Mitteilungen. — 

315. (235) — K. K. Gartenbaugesellschaft. 1881. 

Österreichische Garten-Zeitung I, 1, 2, 4-12. II, 1—5. 

316. (242a) — Verein der Geographen an der Universität. 

1889. 

Geogr. Jahresber. aus Österr. V. Jahrgang mit Bericht 
über 31. Vereinsjahr. 

317. (243) — Wissenschaftlicher Club. 1882. 

Monatsblätter XXVH, 8-12. XXVHI, 1-8. 
Jahresbericht 1906/07. 

318. (273a) — Naturwissenschaftlicher Verein an der 

Universität Wien. 1884. 
Mitteilungen 1906, 7—10, 1907, 1—5. 

319. (282b) — Österreichischer Touristen-Club. 

Mitteilungen der Sektion für "Naturkunde XVIII. 

XIX, 1—5. 
Festschrift. 1906. 

320. (346) — Wiener Entomologischer Verein. 

XVI. Jahresbericht 1906. 

321. (30) Wiesbaden: Verein für Naturkunde in Nassau. 

1862. 
Jahrbücher 59. 



Übersicht der Vorträge, Mitteilungen und Vorlagen. 163 



322. (100) Würzburg: Physikalisch -Medizinische Gesell- 

schaft. 1871. 
Sitzungsberichte 1905: 1—5. 

323. (310) Zerbst: Naturwissenschaftlicher Verein. 1884. 

Bericht. — 

324. Zürich: Universitätsbibliothek. 1880. 

72 Diss. 1905,06. 

325. (54) — Naturf. Gesellschaft in Zürich. 18(36. 

Vierteljahrsschrift 50. 

326. (408) — Physikalische Gesellschaft. 1903. 

Mitteilungen 5—9. 

327. Zwickau: Verein für Naturkunde. 

XXXIV. und XXXV. Jahresbericht. 



5. Übersicht der Vorträge, Mitteilungen 
und Vorlagen 

aus den 

Sitzungen vom Mai 1906 bis April 1907. 



1. Herr Dr. med. Georg Alsberg demonstrierte und 
besprach am 28. Mai 1906 mikroskopische Prä- 
parate von Echinococcus in der Leber und 
dem neu entdeckten Syphiliserreger. 

Derselbe hielt am 5. November 1906 einen Vortrag : 
„Der Unterschied zwischen menschlicher und 
tierischer Milch mit besonderer Berück- 
sichtigung der Verdauungsvorgänge beim 
Säugling". Siehe Abhandlungen! 

2. Herr Sanitätsrat Dr. Mor. Alsberg hielt am 
23. September 1906 einen Vortrag über „Neuere 
anthropologische Probleme". 

Derselbe hielt am 22. Oktober 1906 einen Vortrag 
über „Die Zusammensetzung der Milch bei ver- 
schiedenen Säugetieren". 



11 



164 



Bericht. 



Derselbe berichtete am 10. Dezember 1906 über eine 
Schrift von Prof. V er worn- Güttingen: : ,Die archäo- 
lithische Kultur". 

Derselbe machte am 14. Januar 1907 Mitteilungen 
über die Naturgeschichte der Trichina spiralis. 

Derselbe berichtete in derselben Sitzung über die 
in vielen Krankenhäusern Englands eingeführte Be- 
kämpfung der Wasser sn cht durch Entziehung 
des Kochsalzes. 

3. Herr Böhme -Wilhelmshöhe legte am 8. April 1907 
eine Reihe bemerkenswerter, durch Kreuzung entstandener 
Bohnen vor. die er bei Versuchen, eine für die in seinem 
Garten gegebenen Bedingungen zur Zucht geeignete 
Bohnenform ausfindig zu machen, erhalten hat. 

4. Herr Doehle legte am 26. November 1906 im 
Anschluss an einen Vortrag des Herrn Dr. Schultz über 
das Vorkommen des Goldes goldführende Gesteine 
aus Siebenbürgen vor. 

Derselbe hielt am 10. Dezember 1906 einen Vortrag 
über ..Das Land Ophir u . 

Derselbe hielt am 14. Januar 1907 einen Vortrag, 
über „Versteinerungsfähigkeit verschiedener 
Mineral-Individuen und - Aggregate" unter Vor- 
lage einer grossen Anzahl von Versteinerungen. 

Derselbe machte am 25. März 1907 eingehende Mit- 
teilungen über „Auswürflinge und Sublimations- 
produkte des Vesuvs und der So lfatara" und 
brachte diesbezügliche schöne Vorlagen. 

5. Herr Sanitätsrat Dr. Ebert hielt am 23. September 
1906 einen Vortrag über „Arten und Varietäten von 
Schmetterlingen' 4 und zeigte entsprechende S chau- 
stücke mitteleuropäischer Schmetterlinge vor. 

6. Herr Sanitätsrat Dr. Eysell teilte am 14. Mai 1906 
im Anschluss an den Vortrag des Herrn Dr. Grimme 
über „Amphibien und Reptilien Niederhessens" eine Be- 
obachtung über die Schutzwirkung der Schlei m - 
absonderung bei der Bergunke mit. Ein Wasser- 



Übersicht der Vorträge, "Mitteilungen und Vorlagen. 



165 



käfer, der an einem Tage einen Frosch bewältigt hatte, 
ging am nächsten Tage an eine Bergunke, wurde aber 
durch den abgesonderten Schleim so eingehüllt, dass er 
nichts ausrichten konnte. 

7. Herr Prof. Dr. Fennel führte am 13. Juni 1906 
im Anschluss an den Vortrag von Herrn Oberlehrer 
Schröder über „astronomische Messungen aufgrund des 
Dopplerschen Prinzips" einige Versuche zur Demon- 
stration des Doppler sehen Prinzips vor. 

Derselbe führte am 10. September 1906 eine Reihe 
von Versuchen über „Zentrifugalkraft" vor. 

Derselbe führte am 26. November 1906 Versuche über 
„die Wärmeleitung des Holzes senkrecht und 
parallel zur Faser mit dem Th'ermoskope" vor. 

Derselbe hielt am 25. Februar 1907 einen Vortrag 
über „Kepler und die Harmonie der Sphären". 

Derselbe führte am 25. März 1907 mittelst des Pro- 
jektionsapparates einige optische Erscheinungen vor. 
namentlich „die Farben dünner G-ypsblättchen 
im polarisierten Lichte und eine Reihe farben- 
prächtiger Relief spektra". 

8. Herr Dr. Grimme-Melsungen hielt am 14. Mai 1906 
einen Vortrag über „die Reptilien und Amphibien 
Niederhessens unter besonderer Berücksichti- 
gung ihrer Lebensweise und Fortpflanzung". 
Reichliches lebendes und Formolmaterial wurde vorgelegt. 

Im Anschlüsse an den Vortrag entwickelte sich eine 
Besprechung der Frage nach der Stimme von Reptilien 
und Amphibien. In letzter Zeit sei von verschiedenen 
Seiten bestritten worden, dass die Schlangen Töne von 
sich geben könnten. Herr San. -Rat Dr. Weber hat 
deutliches Zischen wahrgenommen. Herr Dr. Grimme 
stimmt dem zu. Ringelnattern und glatte Nattern lassen 
im Zustande der Angst ganz laute Töne hören, ebenso 
seien die Molche dazu imstande. In demselben Sinne 
äusserte sich Herr San. -Rat Dr. Eysell. Herr von 
Berlepsch hat einen Taufrosch laut klagen hören, der 
von einem Igel angefressen wurde. 



166 



Bericht. 



Derselbe hielt am 27. August 1906 einen Vortrag: 
„B i o 1 o g i s c h e B e o b a c h t u n g e n über die Geburts- 
helferkröte" (betr. Grösse von s und 9, Befruchtung 
und Entwiekelung der Eier. Zeitdauer derselben, Nahrung 
der Larven). 

Derselbe legte am 22. Oktober 1906 Zweige der 
Eibe, Taxus baccata, von einem Hofe in der Nähe von 
Melsungen vor und spricht über die Gift Wirkung dieser 
Pflanze. Zwei Rinder waren infolge des Genusses von 
Zweigen der Eibe stark erkrankt, eins musste notge- 
schlachtet werden, eins ist wieder gesundet. Im Pansen 
fand sich eine' verhältnismässig geringe Menge. Es ist 
bekannt, dass 200 g genügen, um ein Pferd in kurzer 
Zeit zu töten. 

Ferner legte er in derselben Sitzung Zweige von 
Berberis vulgaris vor von Muschelkalkbergen bei Spangen- 
berg, wo die Pflanze ursprünglich ist. Er bespricht den 
Generationswechsel von Aecidium berberidis und Puccinia 
graminis. der Veranlassung gegeben hat, die Pflanzen aus 
der Nähe der Getreidefelder zu entfernen, und erwähnt, 
dass nach neueren Erfahrungen der Pilz in dem durch 
Uredosporen infizierten Wintergetreide den Getreiderost 
auch direkt mit Übergehung von Basidiosporen und 
Aecidium im nächsten Sommer hervorrufen kann. Ausser- 
dem erwähnt er noch einige Örtlichkeiten im Kreise 
Melsungen, an denen nach seiner Meinung die Berberitze 
ursprünglich ist. 

Ferner zeigte er in derselben Sitzung Larven der 
Geburtshelferkröte aus einem Teiche bei Kehren b ach 
vor, deren Entwiekelung 2 Jahre umfasst. In demselben 
Teiche hat er Tritonenlarven gefangen, die ihre Ent- 
wiekelung schon im September abgeschlossen haben sollten. 
Auch bei diesen Tieren findet demnach eine Über- 
winterung statt. 

Derselbe berichtete am 14. Januar 1907 über die 
Übertragung des Milzbrandes und der Trichine. 

Derselbe legte am 28. Januar 1907 zwei Haar ballen 
aus dem Magen eines Rindes und dem Darm eines Pferdes 



Übersicht der Vorträge, Mitteilungen und Vorlagen. 167 



vor und bespricht ausführlicher die Entstehung der Pferde- 
haarbälle aus Pflanzenfasern des Haferfutters, insbesondere 
einer Haferkleie, die als Abfall der Kasseler Haferkakao- 
fabrik verfüttert war. 

Derselbe berichtete am 11. Februar 1907 über neue 
Pflanzenfunde im Kreise Melsungen und über 
Beobachtungen an Spaerobolus stellatus. 

In einem Zimmertreibhäuschen entwickelte sich längere 
Zeit hindurch auf Heideerde, der Polyp odiumwurzeln in 
grösserer Menge beigemischt waren, der zu den Nidu- 
lariaceen (Gasteromyceten) gehörige Pilz Sphaerobolus 
stellatus Tode, der Schnellerling, welcher sich durch eine 
interessante Art der Verbreitung seines Sporenkörpers 
auszeichnet. Nachdem der senf- bis hanfkorngrosse 
kugelige, weisse Fruchtkörper oben sich sternförmig 
(7 Zähne) geöffnet hat und ein gelbes Innere zeigt, wird 
bald darauf von der sich plötzlich elastisch umstülpenden 
Innenhaut das kugelrunde, sporenhaltende Innenkörperchen 
mit grosser Gewalt und deutlich hörbarem Geräusche 
emporgeschleudert und zwar meist dem Lichte entgegen. 
Es Warden Wurfhöhen von mehr als 1 m in grösserer 
Zahl beobachtet. 

9. Herr Prof. Hornstein machte am 28. Mai 1906 

Mitteilung von dem Vorkommen von Pinguicula vulgaris 
bei Harleshausen. Bisher war kein Standort dieser Pflanze 
in Niederhessen bekannt Im vorigen Jahre ist die Pflanze 
zuerst von einem Schüler des Realgymnasiums Herrn 
Oberlehrer Kunze mitgebracht worden. 

Derselbe legte am 22. Oktober 1906 eine Anzahl 
im Herbste gesammelter und getrockneter 
Pflanzen vor. 

10. Herr Hornthal sprach am 28. Januar 1907 im 
Anschluss an einen Bericht des Herrn Dr. Grimme über 
„die Entstehung von Filzkugeln in den Magen von Wieder- 
käuern und Pferden" über „die Bildung von D ärm- 
st einen aus p h osphor sau rem Kalk durch Ver- 
füttern von Kleie". 



168 



Bericht. 



11. Herr Kehm zeigte am 23. Oktober 1906 prachtvolle 
exotische Schmetterlinge vor. 

Derselbe legte am 26. November 1906 Waffen 
und Geräte aus Nordkamerun vor. 

12. Herr Kutter legte am 14. Mai 1906 einige pracht- 
volle Stücke versteinerten Holzes vor, die er als 
Einschlüsse in Basalttuff erhalten hat. 

Derselbe berichtete am 27. August 1906 über eine 
Schritt: „Wider die Wünschelrute" von Professor 
Weber-Kiel. 

Derselbe legte am 22. Oktober 1906 eine Anzahl 
Gesteine und Versteinerungen vor, die er auf 
seiner letzten Reise gesammelt hat. 

Derselbe legte am 26. November 1906 im Anschluss 
an einen Vortrag des Herrn Dr. Schultz über „das 
Vorkommen des Goldes" verschiedene goldführende 
Gesteine aus Deutschland, Afrika und Austra- 
lien aus der Sammlung des Herrn Apotheker Schneider 
in Wahlershausen vor. 

Die Herren Kutter und Dr. Schultz hielten am 
11. März 1907 einen Vortrag: „Über Trachyte und 
Andesite des Siebengebirges, mit besonderer 
Berücksichtigung des Baumaterials und der 
Verwitterungserscheinungen am Kölner Dome", 
mit Vorlage von Handstücken und Projektion von Dürn- 
schliffen. 

Derselbe legte am 8. Aprü 1907 Basalt aus dem 
Druselt ale vor mit Einschluss eines Zirkonkristalles. 

13. Herr Dr. Laubinger berichtete am 28. Mai 1906 
über die am 23. Mai nach Wilhelmshöhe unternommene 
Moosexkursion und legte einige Flechten vor aus der 
Familie der Usneaccen. 

Derselbe berichtete am 10. September 1906 über eine 
Moosexkursion nach Hombressen und ins Lempetal. 

Ferner berichtete er in derselben Sitzung über „das 
Auftreten des Heerwurms bei Wildungen". 



Übersicht der Vorträge, Mitteilungen und Vorlagen. 



169 



14. Exkursion am 23. Mai 1906 nach Wilhelms- 
höhe. 

Teilnehmer: Forstmeister G r e b e - Ho fgeismar ; 

Professor Buessgen- Münden; 
Dr. S chaef er- Cassel ; 
Dr. L aubinger -Cassel. 

Funde: 

No. 93. Dichodontium pellucidum [L] (Schimp) am Neuen 
Wasserfall. 
„ 118. Dicranum scoparium [L] (Hedw.). 
„ 104. Fissidens adianthioides [L] (Hedw.). 
„ 322. Grimmia trichophylla Grw. steril, an den Wasser- 
läufen auf Steinen. 
342. Racomitrium heterostichum (Hedw.). 
348. Hedwigia albicans (Web.). 
369. Orthotrichum saxatile (Schimp). 
209. Didymodon rubellus (HofTm.) am Neuen Wasserfall. 
558. Mnium serratum (Schrad.) am Neuen Wasserfall. 
564. „ cuspidatum (Leyss. ) am Neuen Wasserfall. 
572. „ punctatum (Hedw.) am Neuen Wasserfall. 
562. „ rostratum (Schrad.) am Neuen Wasserfall. 
561. „ undulatum [L] (Weiss). 
676. Anomodon viticulosus [L] (Koch). 
„ 677. „ attenuatus (Schreb.). 
„ 678. „ longifolius (Schleich.). 
„ 608. Catharinaea undulata [L] (Web. und Mohr). 
„ 655. Neckera complanata [L] (Hüben). 
„ 701. Thuidium tamariscinum. 
„ 787. Rhynchostegium rusciforme (Neck.). 
„ 789. Thamnium alopecurum. 
„ 814. Amblystegium irriguum (Wils.). 
„ 883. Hypnum palustre (Huds.). 

15. Exkursion am 2. Juni 1906 über Hombressen 
durchs Lempe-Gebiet, Schwarze Hohl, zum 
Ahlberg und Bennhäuser Teiche bis Immen- 
hausen i. Reinhardswalde. 

Teilnehmer: Forstmeister G r e b e - Hofgeismar ; 

Dr. Grimme, Kreistierarzt, Melsungen; 



170 



Bericht. 



Dr. Schaefer - Cassel ; 
Dr. Laubinger - Cassel ; 
Herr T a u t e - Cassel. 

Funde: 

Salix rosmarinifolia [L]. 
„ repens f. rosmarinifolia (Koch). 
„ aurita. 

C o e 1 o g 1 o s s u m, Platanthera c hl o r a n t Ii a , und 

andere Orchideen. 
Trientalis europaea (massenhaft). 
Viola palustris. 

Carex-Arteri, ampuIla o ,ea, paludosa. 
Menyanthes trifoliata (blühend!). 
Scirpus caespitosa u. a. 
Luzula congesta. 
Genista germanica. 
Vaccin. vitis idaea (blühend). 
Plagiothecium Schimperi f. elegas. 
Jungermannia divaricata N; ab Es. 
Liochlaena lanceolata N. ab Es. 
Dicranum montanum. 
„ fl agell are. 
„ longifolium. 
„ Bonjeani und vi r i d e 
Bryum pseudo triquetrum. 
„ Davalii. 
„ affine und insigne. 
Philonotis caespitosa. 

„ fontana cfr. 
Polytrichum formosum. 

„ strictum. 
Dicranodontium lon^irostre. 
Pacomitrium aciculare. 
Sphagnum riparium. 
Hypnum giganteum. 

„ cupressiforme f. lacunosum. 
„ stramineum cfr. 
exannulatum. 



Übersicht der Vorträge, Mitteilungen und Vorlagen. 171 



Marchantia polymorpha ofr. masc. 
Sarcosoyphus Ehrhardtii. 

Scapania curta N. ab Es. und undulata N. ab Es. 

16. Herr Müller erklärte und zeigte am 26. November 
1906 den bei dem Reichstelegraphenamt probeweise ein- 
geführten Blitzableiter für Telephonleitungen. 

17. Herr Richter hielt am 13. Juni 1906 einen Vortrag 
über „Die wirtschaftliche Bedeutung des Vulka- 
nismus". 

Am 13. August 1906 legte derselbe eine Reihe Ver- 
steinerungen aus der E i f e 1 vor, aus der Kalkmulde 
von Brünn und zwar: Spiriferen, Brachipoden . Spirifer 
speciosus, vom Volke Turteltauben en genannt, ein Zeichen 
häufigen Vorkommens, Atryba. Am wichtigsten sind 
Korallen, Ciatophyllum, Calceola santalina (Pantoffelkorallen), 
eine Koralle mit Deckel, findet sich überall, wo devonische 
Versteinerungen gleichen Alters vorkommen. 

Er sprach dann ausführlicher über „die E n t s t e h u n g 
kohlensauren Kalkes", der im Meere nie als Nieder- 
schlag entstehe, sondern stets organischen Ursprungs sei. 

19. Herr Dr. Schaefer berichtete am 13. Juni 1906 
über die Abhandlung von Erwin Bauer: „Die infektiöse 
Chlorose der Malvaceev. 

Derselbe legte am 16. August 1906 krebs ige Ent- 
artungen der Preiselbeere vor, die durch Exoba- 
sidium Vacinii Wor. an Vaccinium Vitts Idaea bei Brotterode 
hervorgerufen ausser den in der Literatur bereits bekannten 
Entartungen an Stengeln und Sprossen noch eigentümliche 
Entartungen der Blüten aufweisen. Diese erscheinen 
normal ausgebildet, nur etwa dreifach vergrössert von 
rötlich-weisser Farbe. 

Derselbe legte am 13. August 1906 im Habichtswalde 
gesammelte Klunkergalle, von Hormomyia Ptarmicae 
an AcMllea Ptarmica hervorgerufen, vor. 

Derselbe berichtete am 13. August über die von der 
Grone sc he Nährlösung, die zur Vermeidung der 
Giftwirkung gelöster Phosphate auf die Wurzeln 



172 



Bericht. 



höherer Pflanzen wasserunlösliches Ferrophosphat ver- 
wendet. Von der Crone hat gezeigt, dass gelöste Phosphate 
eine krankhafte Entwicklung der ganzen Pflanze bewirken, 
die sich besonders in Form von Chlorose äussert. Das 
wasserunlösliche Ferrophosphat wird von der Pflanze 
unter Abscheidung von Eisen aufgenommen. Der schäd- 
lichen Einwirkung des ausgeschiedenen Eisens auf die 
Wurzeln muss durch Zugabe von Tertiär-Calciumphosphat 
vorgebeugt werden. 

Derselbe sprach am 8. Oktober 1906 über „Bau 
und biologische Einrichtungen der Orchideen- 
blüten". 

Derselbe berichtete am 25. Februar 1907 über „Honig- 
ameisen". 

19. Herr Lehrer Schmidt legte am 10. September 1906 
vor: Ephijdatia Mülleri, eine grosse Kolonie von Glocken- 
tierchen, und Brepanophryx pholaenoides. 

Derselbe zeigte am 14. Januar 1907 eine grosse, schön 
gerundete und feste Filzkugel aus dem Magen einer 
Kuh vor. 

20. Herr Oberlehrer Schröder sprach am 28. Mai 1906 

über die auf dem Dopplerschen Prinzip beruhenden 
astronomischen Messungen. 

21. Herr Lehrer Schütz machte am 27. August 1906 
Vorlagen aus den Ergebnissen eines Fisch- 
zuges in der Nordsee. 

22. Herr Dr. Schultz legte am 13. August 1906 
B/homboeder von Kalkspat aus dem Stringoce- 
phalenkalk von Biber vor. 

Derselbe legte am 27. August 1906 ein Kontakt stück 
eines 5 cm mächtigen Basaltganges mit Braun- 
kohle aus der Zeche Friedrich Wilhelm I. vor und be- 
sprach die Veränderung der Kohle durch den Basalt. 

In derselben Sitzung hielt er einen Vortrag über den 
Aufbau des Thüringer Waldes unter Vorlage von 
Gesteinen und Versteinerungen. 



Übersicht der Vorträge. Mitteilungen und Vorlagen. 



173 



Derselbe legte am 26. November 1906 Waffen, 
Felle, Kleidungsstücke und Schmuckgegen- 
stände aus Südafrika vor. 

In derselben Sitzung hielt er einen Vortrag über das 
Vorkommen des Goldes und legte verschiedene Gold- 
führende Gesteine vor. 

Derselbe legte am 10. Dezember 1906 Einschlüsse 
und Drusen des Basalts vom Hirzstein und 
Baunsberg vor. 

Derselbe hielt am 11. Februar 1907 einen Vortrag 
über die Ursachen der Eiszeiten. 

Ferner legte er in derselben Sitzung einen grossen 
Feldspatkrystall aus dem Basalt vom Hirzstein vor. 

23. Herr Taute legte am 28. Mai 1906 vor: Valerianella 
carinata, Ophioglossum vulgatum von verschiedenen neuen 
Standorten und Carex pulicaris. 

Derselbe legte am 13. August 1906 als neu für die 
hiesige Flora vor: Sisymbrium columnae, Barbaraea inter- 
media, Polygonum mite, Salvia silvestris, Lepidium virgi- 
nicum, Vicia varia, Lathyrus odoratus, Geranium nodosum, 
Erysimum odoratum. Von seltener vorkommenden Pflanzen, 
teilweise von neuen Standorten, legte er vor : Lepidium 
perfoliatum, Agrimonia odorata, Spiraea filipendula, Vacci- 
nium uliginosum und Toriiis infesta. 

Derselbe legte am 27. August 1906 vor : Potentüla 
norvegica und Galinsogaea parvißora. 

Derselbe legte am 10. Oktober 1906 vor: Nicandra 
physaloides, Malva paruiilora, Setaria verticiJlata. Anthemis 
altissima und das Moos Tortula montana von den Kaskaden, 
als neu für Niederhessen (siehe Abhandlungen!). 

Ferner zeigte er Hylocomium umbratum , das er am 
Meissner wiedergefunden hat. 

Derselbe legte am 23. September 1906 vor: Centaurea 
sotstitialis, Xyctalis auf Russida nigricans und eine Ver- 
bänderung von Picris hieracioides. 

Derselbe legte am 5. November 1906 Pflanzen vor, die er 
am Rhein und an der Mosel gesammelt hatte: Euphorbia 



174 



Bericht. 



Esula, Achillea nobilis, Anchusa officinalis. Genista pilosa, 
Cytisus sagittalis, Mentha rotundifolia , Euphorbia stricta, 
Atriplex oblongifolius , Parietaria ramiflora , Helleborus 
foetidus. Lepidium gr amini folium, Rumex scutatus, Sisym- 
brium austriacum, Amaranthus Blitum und albus, Aster 
Linosyris, Chondrilla juncea, Centaurea maculosa, Artemisia 
campestris , Galeopsis ochroleuca. Carduus acanthoides, 
Solanum humile, Dipsacus silvester, Ballota foetida. Potentilla 
intermedia, Eragrostis minor, Bromus unioloides, Rapistrum 
glahrum. 

Derselbe hielt am 28. Januar 1907 einen Vortrag über 
„die Flora der Alpen" ( siehe Abhandlungen !). 

Derselbe machte am 11. März 1907 Vorlagen über 
neue Pflanzen fun de in Nieder hessen. 

Derselbe legte am 25. März 1907 vor : Gaeaster Raben- 
horstii, sowie Zapfen und Frucht von Pinus Cembra und 
von Juglans nigra. 

Derselbe hielt am 8. April 1907 einen Vortrag : „Streif- 
lichter auf die Flora der Dolomiten". 

24. Herr Till legte am 8. Oktober 1906 vor: Rhyn- 
chonella cuboidea von Auburg i. d. Eifel, Vola quinquecostata 
und Rhynchonellidae von Quedlinburg und Terebrateln von 
Rügen. 

Derselbe legte am 11. Februar 1907 eine Reihe be- 
merkenswerter Petrefakten besonders aus dem Bunt- 
sandsteine vor. 

25. Herr Sanitätsrat Dr. L. Weber berichtete am 
25. März 1907: a) über Haulausschlag bei Menschen, 
der durch den Biss von Myriapoden hervorgerufen wird ; 

b) über Intimitäten aus dem Geschlechtsleben der 
Käfer (Gerberbock); 

c) über eine bei Carabus auratus beobachtete Eifer- 
suchtsscene. 

Hautausschlag durch Biss von Lithobius. 
Am 10. Oktober 1906 siebte ich in der Söhre in der Nähe 
des sogen. Pionierwegs Moos und feuchte Laublagen in einem 
Buchenbestand aus. In dem Gesiebe befanden sich kleine Staphy- 
liniden, einige Halticiden, welche noch nicht bestimmt sind, 



Übersicht der Vorträge. Mitteilungen und Vorlagen. 



17.") 



sowie ein Exemplar von C'ephennium thoracicum Müll., einem von 
mir selbst in hiesiger Umgebung bisher noch nicht aufgefundenem 
Scydmaeniden. Im ganzen war das Ergebnis ein sehr geringes. 
Nur zahlreiche Exemplare von einer Lithobiusart (wahrscheinlich 
Lithobiux forficatus L.) fanden sich vor. Bei der Beschäftigung 
des Einfüllens und der Auslesung des Gesiebes wurde ich 
mehrfach von den Landasseln gebissen. An den betreffenden 
Stollen der Handinnenfläche und am Vorderarm trat an den 
Bissstellen ein brennender Schmerz auf. ich bemerkte andern 
Tags eine Anzahl kleiner entzündlicher Papeln, welche im 
Zentrum eine punktförmige Blutung und um diese eine Aus- 
schwitzung mit wasserhellem Inhalt in der Ausdehnung von 
mehreren Millimetern zeigten. Eine eiterige Trübung des 
Inhaltes trat nicht ein. Im Laufe von 8—10 Tagen flachten 
sich die Papeln ab, der brennende Schmerz Hess nach. So viel 
ich weiss, nimmt man an, dass das dritte Beinpaar einen Gitt- 
stoff durch die durchbohrten Klauen austreten lässt, der für 
kleinere Tiere tödlich wirkt. Welcher Art das ausgeschiedene 
Gift ist. ist wohl nicht bekannt. Die aus den Porenreihen des 
Julus terrestris ausgeschiedene Flüssigkeit, welche in Wasser 
löslich ist und dasselbe gelb färbt, Meerschweinchen eingeimpft 
denselben Schmerzen macht und in die Darmhaut injiziert, 
tödlich wirkt, ist nach den Untersuchungen von Behal und 
Phi salix Chinon. Chinon wird nach Beyerinck durch den 
auf Baum wurzeln schmarotzenden niederen Pilz Streptothrix 
ckromogenes Gasp., der durch oxydierende Tätigkeit eine Rolle 
bei der Bodenbüdung spielt, erzeugt. In den Tropen, wo riesige 
Vertreter der Myriapoden vorkommen, dürfte man mehr Ge- 
legenheit haben, die Giftwirkung dieser Tiere zu studieren. 



Volksdichtekarte 

des 

Kreises Melsungen. 

Massstab 1 : 115000. 



Einwohner 
auf 1 qkm: 





Einwohner 
auf 1 qkm: 
100-125 


0-6 




125—160 


5—25 




150-200 


25-50 




200—250 


50-75 




mehr als 

260 


75-100 







Einwohner 




1-50 




50—100 




100—200 


® 


200-300 


<D 


300—400 




400—500 


> 


500—760 


® 


760-1000 




1000-2000 


O 


2000-4000 



r-gt 


Forstgut 


FF 


Forstgut Felsberg 


F 


Forsthaus 


M 


Mühle 


B 


Bahnwärterhaus 




Gez. von Dr. phil. J. Schmidt. 



Kartoer Aiist . d. noflnichdrurkcrei F.isenarh H. Kühle 



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